Das Stillen ist immer noch stigmatisiert

  • Unglaublich, was da in Kiel passiert ist. Das kenne ich so nicht. Sehr wohl aber doch auch Blicke und Fragen zum Stillen, gerade in Frankreich. In den USA eher bewundernde und ermutigende Kommentare. In Deutschland ist mir ein Mann mal sehr auf die Pelle gerückt, als ich auf einer Parkbank stillte und er sich wirklich direkt neben mich setzte und mir dann auf die brust schielte, das war mir dann sehr unangenehm.


    Die ganze Brustrauspacken, das habe ich nur gemacht, als ich enorme Stillschwierigkeiten hatte, aber das habe ich nie öffentlich gemacht, nicht einmal vor Besuch, weil es mir unangenehm war. Aber ich habe von einer Freundin erlebt, die bei einem ähnlichen Problem in ihrem Haus da sehr ungeniert mit offenen Brüsten rumlief um ihr Kind zu stillen.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Ich glaube, ich habe echt noch die dieses ominöse "Frau packt ganze Brust in der Öffentlichkeit aus" erlebt (zumindest bin ich mir sicher, dass mir das aufgefallen wäre...). Ausser im Freibad, wo es im Badeanzug halt manchmal nicht anders geht - aber das frau hier auch ohne Probleme sonst oben ohne sonnen kann, gibt auch das keinen Auflauf...

    Ich schon. Und zwar im Restaurant.

    Das fand ich schon fies und ich war kurz davor zu gehen. Appetit hatte ich keinen mehr.

    #blink


    Es vergeht dir der Appetit wenn eine Mutter die Brust zum stillen auspackt?

    Was genau war daran jetzt fies? Klebte da was dran oder so?

         

    Midna2 ist Midna nur in schusselig #rolleyes

    Schon länger dabei

  • Das finde ich auch sehr interessant. Ich meine, es gibt durchaus Körperteile, die ich während dem Essen nicht sehen mag (als Kind beim FKK durchaus eine Herausforderung) - aber Busen? Die finde ich jetzt eher unaufregend und vor allem nicht unappetlich.


    Und im Normalfall kann frau/mann ja wunderbar wo anders hinkucken.


    Hätte ich nur abgeschieden gestillt, wäre ich jahrelang sozial isoliert gewesen...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Nein das habe ich nicht geschrieben.

    Ich hab wie gesagt auch gestillt.

    Hatte es aber nicht nötig im Restaurant aufzustehen, beide Brüste hervor zu holen, mein Kind erst dann hochzunehmen und das ganze lautstark zu kommentieren.


    Und ja, während ich esse möchte ich weder fremde Brüste, noch irgendwelche anderen Körperteile von fremden Menschen um die Nase gewedelt bekommen.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Ich wurde noch nie am Stillen gehindert oder weggeschickt. Ich stille immer ohne Tücher oder irgendwas Verdeckendes, und meistens sehr gut sichtbar, weil ich nicht das T-Shirt hochschiebe, sondern den Ausschnitt herunterziehe. Das geht bei meinen kleinen Brüsten besser.

    Allerdings habe ich mich schon oft unwohl gefühlt, so als würde ich mich unpassend benehmen; am meisten, wenn ich im Job-Kontext war, aber auch schon oft in Restaurants oder öffentlichen Verkehrsmitteln.


    Ein Gesetz nach dem Vorbild des "Breastfeeding Act" gehört dringend her, oder? Hat wer die Energie, dafür noch einmal eine Petition anzuschubsen?

    Auf keinen Fall darf es passieren, dass Mütter glauben, sie müssten in einem Wickelraum neben dem stinkenden Kackwindel-Eimer sitzen und stillen, oder sich irgendeine blickgeschützte Ecke suchen. Jeder Kellner oder Gast, der eine Frau schräg anschaut, die im Restaurant stillt, sollte wissen, dass er oder sie im Unrecht ist.


    Ich denke, dass die Ablehnung des Stillens von der narzisstischen Kränkung herrührt, dass die weibliche Brust so offensichtlich in dem Moment nicht Sexualobjekt des Mannes ist, sondern eine andere, vom Begehren des Mannes vollkommen unabhängige Bedeutung hat. Dies erzeugt, psychoanalytisch gesehen, Kastrationsängste des Mannes. Auch Frauen erleben diese Gefühle, da sie es von klein auf gewohnt sind, andere Frauen und sich selbst aus einer männlichen Perspektive zu sehen und zu beurteilen.

  • Also ich habe bisher weder komsiche Blicke noch dumme Kommentare erlebt. Eher das Gegenteil, ich habe oft den Eindruck, dass die Leute sich dann bewusst leiser verhalten, um das Baby nicht zu stören. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, hat die Frau das ja aber nicht nur in der beschriebenen Situation, sondern durchaus schon öfter erlebt.

    Meine Mama erzählte mir mal, wie sie vor 30 Jahren mit neugeborenem Baby unterwegs war, dass dann plötzlich anfing zu schreien. Sie ist dann noch fast eine Stunde nach Hause gelaufen, um dort zu stillen, weil sie meinte, es wäre damals absolut undenkbar gewesen, öffentlich zu stillen. Und meine Mama ist da nicht verklemmt oder sonstwas, sie muss echt Angst vor dummen Kommentaren oder sonstwas gehabt haben. Ich bin da echt dankbar, dass ich das anders erleben darf.

  • Manchmal könnte es aber auch missverständlich sein: ich habe beim Arbeiten mal eine stillende Frau angesprochen, die gleich verschämt zusammenpacken wollte - dabei wollte ich ihr doch nur sagen, dass die Bank dort drüben viel bequemer wäre. ;)

    Seither grinse ich stillende Frauen immer extra breit und solidarisch an.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich wurde auch noch nie blöd angeredet weil ich gestillt habe. Und ich hab meine beiden Kinder oft in der Öffentlichkeit gestillt. Sehr oft beim kaffeetrinken oder essen mit Freunden z.b. Hab das immer genossen, dass das Kind dann ruhig und zufrieden ist und ich mich unterhalten kann. Manchmal gabs unsichere oder irritierte blicke, aber nie ein blödes Wort. Und extra diskret war ich denk ich auch nicht immer. Stoffwindel drüberlegen haben meine Kinder nicht akzeptiert und beide hatten zwischendurch Phasen in denen sie häufig angedockt haben. Da wird mir schon der ein oder andere nippelgate passiert sein. Gott sei Dank hat das meine Umgebung nie schlimm gefunden, denn ich hätt eine Aufregung darüber echt nicht verstanden.


    Zum Thema ob stillen so intim ist: ich hab’s ehrlich gesagt die meiste Zeit nicht so empfunden. Das ist oft nebenbei geschehen und ich hätte mich nicht gern jedesmal dafür zurückgezogen. Ich war oft seh froh, dass ich meine Kinder so beruhigen konnte und Zeit hatte mich mit Freunden zu unterhalten. Die intimen stillmomente zwischen Kind und mir gabs natürlich auch, aber meistens war das eher nebenbei...

    mit der Großen (06/2012), der Mittleren (10/2014) und der Kleinen (09/2018) #herz

  • gelöscht

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

    Einmal editiert, zuletzt von Mondschein ()

  • Sagt mal ist euch sowas selber schonmal passiert?


    Ich hab überall gestillt und wurde niemals negativ angesprochen oder sogar rausgeworfen.


    Stillräume sehe ich übrigens positiv, da sie die Möglichkeit bieten sich zurück zu ziehen, wenn das für Mutter und/oder Kind besser ist.

    Nein, mir ist sowas nicht passiert.

    Ich habe mich aber zum stillen gerne zurückgezogen, habe also das Angebot eines Stillsessels im Wickelraum gerne in Anspruch genommen.

    Trotzdem weiß ich nicht, was manche Menschen umtreibt, die eine stillende Frau zum gehen auffordern. Es sei denn, sie lässt die gane brust raushängen - aber das macht doch keine.

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • Mir jagt die Security dort schon von Ferne eine Heidenangst ein, ich hasse es wenn Leute offensichtlich ihre Schusswaffen zur Schau stellen. Wenn so einer mich ansprechen würde, während ich hilflos und verletzlich in der Stillstuation gefangen bin, wäre ich fertig mit den Nerven

    Ich war da noch nie, aber ich kann mir vorstellen, dass ich , wenn mir die Security Angst einjagen würde, da gar nicht hingehen würde.

    Gibt es da Läden, die man unbedingt braucht?

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • igel

    Wie genau meinst du das, „die ganze Brust raushängen“ lassen?


    Wie nevermore schon schrieb: bei kleinen bis mittelgroßen Brüsten mit eher mittig-oben sitzenden Brustwarzen ist die Strecke von Brustwarze bis Ausschnitt deutlich kleiner, praktischer und - wie ich finde - weniger entblößend, als das Oberteil fast bis zum Schlüsselbein hochzuheben.

    Das heißt, dass ich beim Stillen vermutlich auch immer meine ganze Brust raushängen hatte. Ich wäre nicht auf die Idee gekommmen, dass sich jemand daran stört und habe auch nie negative Kommentare oder Blicke bekommen. Auch dann, als die Kinder als Kleinkinder dieses An- und Abgedocke als Spleen hatten und ich tatsächlich jeweils für Sekunden dasaß mit meiner Brust komplett aus dem Ausschnitt herausgehoben...

    They made you think that what you need is what they're selling, made you think that buying is rebelling
    (Zack de la Rocha)

  • Hmmmm ...ich habe vor Jahren in eben jenem Sophienhof völlig ungehindert stillen können, im Eiskaffee...wundert mich eh, denn wenn „diskret“ gestillt wird bekommt das doch kaum einer mit, erst recht nicht ein vorbei laufender Security-Mensch...


    Es kann so oder so gestillt werden und nein, mir geht es ähnlich wie Mindschein, ich muss beim Essen auch nicht unbedingt laktierende Brüste vor der Nase haben, aber genau das hat man eigentlich nicht, wenn diskret gestillt wird.


    Egal wie, die Dame zu verscheuchen ist jedenfalls nicht ok.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

    Einmal editiert, zuletzt von Kiwi ()

  • Ich finde es immer wieder schlimm zu lesen, dass Frauen für das Stillen im öffentlichen Raum kritisiert oder sogar deshalb vertrieben werden. Ob das Stillen sehr diskret oder recht offen abläuft, finde ich irrelevant, da Brüste doch ohnehin im öffentlichen Raum präsent sind, aus knappen Oberteilen quellend, auf Werbeflächen etc.


    Persönlich habe ich es wenige Male erlebt, aufgrund öffentlichen Stillens abschätzig angeschaut worden zu sein. Vertrieben wurde ich allerdings nie. Bei sehr warmen Temperaturen wollte ich nicht des Stillens wegen extra viel Kleidung tragen, und so war es eben manchmal ein Top oder Trägerkleid, das obenrum auf einer Seite heruntergezogen wurde. Damit habe ich mich im Umfeld vieler anderer sommerlich-luftig bekleideter Frauen nicht offensiv gefühlt. lekaja Insgesamt habe ich mich mit oben raushängender Brust auch deutlich weniger entblößt und dezenter gefühlt als mit hoch gezogener Oberbekleidung.

  • igel

    Wie genau meinst du das, „die ganze Brust raushängen“ lassen?

    Wenn ich versuche schriftlich zu erklären wie ich das meine, kann ich mich nur ins Fettnäpfchen stellen;) Ich bin im schriftlichen erklären nicht gut;)


    Ich meine, dass es selbstverständlich ist, so diskret wie eben möglich zu stillen.

    Und dass es nicht in Ordnung ist eine Frau am diskreten stillen zu hindern.

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • Also ich habe tatsächlich nie doofe Kommentare gehört obwohl ich viel öffentlich gestillt habe. Manchmal ertappte Blicke wenn jemand das Baby anschauen wollte und erst auf den zweiten Blick gemerkt hat "Hoppla, die stillt gerade, jetzt habe ich ihr voll auf den Busen gestarrt." Wobei es da im Normalfall nicht viel zu sehen gab weil der Babykopf ja doch viel verdeckt. Die Frage von oben oder von unten habe ich vor allem vom Top abhängig gemacht, einfacher fand ich Ausschnitte, die ich einfach zur Seite schieben konnte. Situationen mit Milchdusche hatte ich auch einige Male weil mein Kind die Angewohnheit hatte, kräftig loszusaugen und sich dann überrascht von dem Milcheinschuss, loszulassen und sich wegzubiegen. Das war aber vor allem mir peinlich und ich habe mir schnell angewöhnt ein Tuch bereit zu haben, um das zu stoppen. Aber auch da hat nie jemand was gesagt oder blöd geschaut wenn man von dem Amüsement meiner Begleitungen mal absieht. (Die Milch spritzte dann wirklich komplett über den Tisch, das war ziemlich heftig...)


    Schön finde ich es wenn es die Möglichkeit gibt, sich zurückzuziehen, ohne dass daraus eine Pflicht wird. Das habe ich z.B. bei Abendessen mit Kollegen schon gemacht weil es mir da unangenehm war. Meine kleine Tochter hatte zwischendrin auch eine Phase, in der sie sehr leicht abgelenkt war. da war stillen in der Öffentlichkeit oft auch schwierig bzw. ich dankbar für eine ruhige Umgebung. Die Still- und Wickelräume in "unserem" Einkaufzentrum sind z.B. abschließbar und sehr nett eingerichtet, da fand ich es nicht störend beides zu kombinieren.

  • Bei Gesprächen darüber pflege ich klarzustellen, dass wer beim normalen Stillen eine nackte Brust gesehen hat (zum Beispiel im Restaurant) irgendwohin gekuckt hat, wo er auch ohne Baby davor nicht hinzustarren hat, Punkt!

    treffend wie immer!

    meine Kinder konnten/können auch recht indiskret sein - zb abdocken und laut jodeln, einschlafbrumm mit Nipl im Mund ...

    am unauffälligsten finde ich übrigens so wenig gewurschtl wie möglich zu machen - wenn ich da mit Platzwechseln, Tuch, schal oder sonst was anfange gibt das hier höchstens mehr geschrei und Unruhe.

  • Ich stille momentan fast täglich unterwegs, die Große will nach der Kita meist noch was unternehmen (Spielplatz, Eisdiele, o.ä.), da sind wir dann schnell 2-3 Stunden unterwegs und da müßte es zeitlich schon sehr gut passen, damit das Baby keinen Hunger bekommt. Allerdings stille ich dann meist lieber draußen, d.h. Parkbank, Wiese oder wenn es nicht anders geht auf dem Grünstreifen oder in einer Bushaltestelle. Hier gibt es leider ziemlich wenig Bänke und noch weniger davon liegen im Schatten. In der Trage Stillen klappt bei mir irgendwie nicht. Leider traue ich mich meist eben nicht, mich irgendwo rein zu setzen, was zu bestellen und dort zu stillen, d.h. selbst bei der Eisdiele nehmen wir das Eis lieber mit (aber da gibt es auch einen Park mit Bänken in der Nähe), weil ich keine Lust auf Diskussionen habe (obwohl es die noch nie gab). Deshalb fände ich ein Gesetz, das Stillen generell erlaubt und in dem Punkt das Hausrecht aushebelt auch nicht schlecht.

    "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." - Niels Bohr