Evakuierung eines Zuges auf freier Strecke, wer hatte das schon mal??

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  • Heute Nachmittag gab es leider vor dem Regionalzug in dem ich gesessen bin, einen Personenschaden#eek. Suizid.

    Wir waren dann über 2 Stunden in dem Zug eingesperrt und es haben sich keine netten Szenen in diesem zug abgespielt. Der Schaffner sagte dann ganz deutlich: "unser zug steht auf einem toten Menschen und das sollten bitte alle berücksichtigen und wir können nun nicht einfach die Türen öffnen. Das Gleis gegenüber muss erst freigegeben werden." Es fing dann ein Gemotze und Geschimpfe an, dass es einfach unmöglich war. Ich fing dann auch noch zum Schreien an, dass der Schaffner ja nun wirklich nichts dafür kann, es ist gerade jemand gestorben. Ich konnte mir dieses Gemotze nicht mehr anhören.

    Trotzdem habe ich nicht verstanden warum wir 150 Minuten warten mussten bis die Türen aufgingen. Weiss jemand hier bescheid warum? Es hieß der Notfallmanager ist vor Ort und gibt das Gleis zum Überschreiten frei. Nur er gab es nicht frei... In der Zwischenzeit bekam dann noch eine Frau einen Kreislaufkollaps und die Tür wurde wegen den Sanitätern kurz geöffnet.

    Gott sei Dank war ich ohne Kinder unterwegs.

    Es war mitten in Niederbayern in der Pampa, wo außer Fracht einmal pro Stunde ein Zug fährt.

    So was brauch ich echt nicht oft...

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Hejhej

    #kerze was für eine belastende Situation


    Ich meine zu wissen daß die Bahngesellschaft in dem Moment wo du einsteigst ne Beförderungsverantwortung übernimmt. Die dürfen dich rein Absicherungstechnisch nicht einfach irgendwo aussteigen lassen. Hier ist wg technischem defekt im Winter mal durch das THW evakuiert worden.


    Mein Mann hatte das öfter Mal, also das stehen, zum Glück meist nur technischer defekt, er fährt aber auch jeden Tag zur Arbeit mit der Bahn :)

  • Huhu, ich hab gerade meinen Mann gefragt, der ist Schaffner. Es ist wohl so, dass er jemand von der Staatsanwaltschaft kommen muss und das freigeben muss (u.a. um zu untersuchen, ob es Unfall, Suizid oder Mord war) Dadurch, dass quasi unter dem ganzen Zug Tatort ist, ist es nicht möglich vorher jemanden rauszulassen. 150 Minuten wären eine ganz gute Zeit, sagte er noch.

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • Ich hatte das auch mal, zum Glück auch technischer Defekt und nicht Personenschaden. Natürlich war die Klimaanlage auch gleich ausgefallen und die Sonne knallte auf die meisten Wagons, nur die 2 vordersten waren im Schatten. Das wurde ganz schnell so richtig heiß und nicht jeder hatte was zu trinken dabei und einen Speisewagen gab es nicht. Nachdem dann auch die ersten Leute umgekippt sind durften wir irgendwann doch aussteigen und so einen Abhang runter und dann noch über ein Feld, wo dann ein Bus stand für ca 150 Leute.

  • Was hätten die Leute denn draußen auf freier Strecke tun können (außer zu glotzen, Fotos zu schießen und diese anschließend zu posten und/oder Leichenteile zu finden)? Nur gut, dass in einem solchen Fall die Türen verschlossen bleiben.

    LG
    rotesPesto mit ♂ Frühling '10, ♂ Sommer '06 und ♂ Herbst '12

  • Nur gut, dass in einem solchen Fall die Türen verschlossen bleiben.

    Also ganz ehrlich: wenn die Klimaanlage aussfällt, der Zug in der Sonne steht und es draußen über 25 Grad willst du spätestens nach 30 Minuten nur noch raus.

  • ich hatte auch neulich Personenschaden und 4 Stunden Verspätung. Aber das Personal war sehr professionell und nett. Alle 10 bis 15 Minuten kam ne Durchsage. Also sowas wie jetzt kommt die Polizei, jetzt der Staatsanwalt oder in 10 Minuten dürft ihr an einer Tür rauchen. Freigetränke gab es auch. Die Leute im Zug waren deshalb entspannt.

    Dass man während der polizeilichen Untersuchung, der Reinigung und der technischen Überprüfung keine Türen aufmachen darf, verstehe ich.

  • Ich war auch schonmal in einem solchen Zug. Uns wurden aber immerhin Getränke angeboten und es war in Norddeutschland, also vermutlich nicht unendlich heiss.


    Es ist so schlimm unfreiwillige zu instrumentalisieren leben zu beenden. Was für leid muss man empfinden so etwas zu tun? #rose#kerze

  • braten danke dass du deinen Mann gefragt hast. Das leuchtet mir ein, es war auch einer von der Kripo da.


    rotesPesto wir standen ja schon an der Tür und die Taxis bzw. Bus standen auf der anderen Seite. Incl. Feuerwehr und Rettungswagen. Dann kommt man sich irgendwie doof vor, wenn es heißt, das Gleis ist noch nicht freigegeben, wenn man sieht, dass auf dem Gleis ca. 10 Feuerwehrleute rumstehen.

    Wahrscheinlich meinte der Zugführer aber unser Gleis ist noch nicht freigegeben. Auf die Idee zu fotografieren wäre hoffentlich niemand gekommen. Aber da bin ich wahrscheinlich zu naiv, bzw. habe ich einen Kollegen bei der Feuerwehr, der mir mal die Arbeit nach einem Zug-Suizid geschildert hat#crying. Leider habe ich später festgestellt dass ich die Person kannte, deren Fall er geschildert hat. #eek

    Mich haben die Äußerungen der Leute im Zug hinsichtlich Suizid auch mitgenommen, wenn man bedenkt wie häufig das ist und dass da sicher jemand im Zug dabei war, wo ein Angehöriger sich auch umgebracht hat.

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Nicht ganz so dramatisch aber:


    Wir steckten schon zweimal für anderthalb Stunden oder mehr im Zug fest. Einmal davon in Gluthitze.

    Das erste Mal Vollbremsung auf ner Brücke weil ein Hobbyfotograf erdt im letzten Moment vom Gleis hüpfte und dabei gabs irgend ne technische Störung. Evakuiert werden konnte wegen der Lage nicht. Irgendwann hatten sie die Lok dann weggeschleppt und ausgetauscht. Da wars so ewig heiss.


    Und letztes Jahr wegen Kängurus am Gleis. Da durften wir nicht raus weil die Tiere in Panik und gefährlich waren. (Echte Kängurus, keine Wallabys)

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • ich habe das mal in der u-bahn erlebt, mitten auf der strecke. damals konnte man die türen noch während der fahrt öffnen und der mann befand sich in unserem wagen.


    es dauerte gefühlt auch 1,5-2 stunden stunden. alle passagiere mussten dann durch den tunnel zum bahnhof zurücklaufen.

    „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“


    Abraham Lincoln

  • #kerze

    Für den armen, verzweifelten Menschen und seine Hinterbliebenen.

    Dem Zugpersonal und dem Rettungsdienst wünsche ich, dass sie gut aufgefangen werden.

  • Das Feuerwehr auf dem Gleis laufen darf aber keine Passagiere, empfinde ich als nicht so verwunderlich, die dürfen auch auf der Autobahn rumlaufen bei einem Unfall.

    Dass das Gleis nicht frei gegeben ist, muss ja nicht aus Sicherheitsgründen so sein.


    #kerze für den Verstorbenen, den Zugführer, die Rettungskräfte und sein soziales Umfeld.

    Liebe Grüße,


    Ich, mit Tochter (2/06) und tochter (12/07).

    Einmal editiert, zuletzt von CaRoSo ()

  • Meinen Söhnen ist das schon öfter passiert, und die sind immer wieder erschüttert wie sich die Mitreisenden benehmen.


    Mein Sohn hatte vor einigen Tagen, als 300 m vor unserem Haus ein junger Mann einen Suizid beging, gemeint:

    Für uns fünf Minuten Umweg, für andere bricht die Welt zusammen,


    Als ich ihm dann meine Meinung zu diesem Thema Suizid/ Bahn erklärte meinte er:

    Was sind zwei - drei Stunden warten, Hauptsache man kommt überhaupt heim.


    ( mir ging’s eher drum was das mit dem bahnpersonal, Zugreisenden, Rettungsdienst usw machen wird)

    Grundsätzlich ist es aber absolut sinnvoll das es so gehandhabt wird, wieviel schlimmer wäre es für die Reisenden Dinge zu sehen die man nicht sehen möchte.

  • ich erzähl euch das mal aus Rettungsdienstseite:


    Man darf auch als Feuerwehr oder Rettungsdienst nicht einfach aufs Gleis rennen. Da muss erst die Oberleitung in dem Abschnitt abgeschaltet werden und das Gleis "geerdet". Das können meistens die Feuerwehren die für einen Gleisabschnitt zuständig sind (Mein Mann ist bei so einer FW. Der muss jedes Jahr einen Tag antraben und das üben).

    Dann muss das Gleis vom Fahrdienstleiter freigegeben sein, sprich alle Züge in dem Abschnitt müssen stehen. (bei Zügen ind er Gegenrichtung ist dass dann gerne die "technische Störung").


    Für meckernde Fahrgäste hätte ich da auch kein Verständnis und ich finde es toll holly dass du was gesagt hast.

    Mäh! mit Pubertier (12/04) und kleinem Räuber (07/14)

  • Mein Mann ist Lokführer, ich schreib mal lieber alles als Spoiler.



    @Edit: holly, ich finde es auch toll, dass du was gesagt hast! Ich hoffe für alle Beteiligten, dass sie es gut verkraften und die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • Danke Schaf und rhcp für eure Schilderungen.

    Beim Aussteigen hat mich übrigens noch einer beschimpft, dass ich schuld bin am Kreislaufkollaps einer Mitreisenden weil ich ja die Bahn unterstütze. #hmpf

    Da fällt mir nichts mehr dazu ein.

    Dieses ständige Bahngeschimpfe regt mich echt auf.

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Ich hatte das vor knapp 10 Jahren mal.

    Auch Suizid.

    An einem Bahnübergang. Ich war genau auf der Höhe der Schranke und habe den Leuten in dem Moment ins Gesicht geguckt wie sie gesehen haben, dass unser Zug über die Frau rollt.

    Da bekomme ich heute noch Gänsehaut.

    Wasser gab es damals nicht.

    Aber Seelsorger kamen durch den Zug.

    Ich kann mich auch nicht daran erinnern dass jemand gemeckert hätte. Es war eher entsetztes Schweigen.

    Wir durften raus, da war die Feuerwehr noch zugange. Aber es wurden so riesige Planen gespannt, dass man nichts sehen konnte.

    Wir wurden dann auch mit Bussen weiter transportiert.

    #knuddel

    Sowas braucht man echt nicht

    Ich finde es richtig, dass du was gesagt hast.

    Lg

    Annanita



    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*


  • Das Feuerwehr auf dem Gleis laufen darf aber keine Passagiere, empfinde ich als nicht so verwunderlich, die dürfen auch auf der Autobahn rumlaufen bei einem Unfall.

    Nicht „dürfen“, sondern müssen.


    In den allermeisten Fällen sind das Leute von freiwilligen Feuerwehren, Menschen wie wir alle.

    Gerade bei Verkehrsunfällen ist uns schon das eine oder andere Mal fast der Arsch abgefahren worden, den einen oder anderen Verkehrsleitkegel müssen wir nach jedem solchen Einsatz beerdigen.


    Danke an alle, die mit Ruhe und Besonnenheit solche Situationen überstehen und deeskalierend auf Idioten wirken.


    Danke Schaf und rhcp auch für Eure Schilderungen. Zum Glück „gehört“ die Bahnlinie unserer Nachbarfeuerwehr, so dass wir dort nur in der zweiten Reihe helfen.


    Mein Mitgefühl #kerze allen, die in irgendeiner Weise betroffen sind von solchen Unglücken.


    Sorry fürs z.T. OT. Bin noch etwas aufgewühlt nach unserem gestrigen Einsatz (Verkehrsunfall). Reden hilft, das hab ich hiermit getan.