Frage an die Geologen und andere Erdbeben-Auskenner

  • Nach den Schwarmbeben im Vogtland les ich jetzt alle paar Tage von Erdbeben in Deutschland und das beunruhigt mich langsam.

    Ist das das typische mediale Aufpuschen bzw. dass über die kleineren geschrieben wird die sonst keine Erwähnung fänden außerhalb der betroffnene Region oder sind die grade echt ungewöhnlich gehäuft? Und wenn gehäuft, was bedeutet das? Oder was könnte das bedeuten?

    Ist da unter unseren Füßen was großes im Gange? Ich hab neulich mal ne Doku über Supervulkane gesehen wo einer auch in Deutschland war. Und Erdbeben und Vulkane haben ja oft dieselben Verwerfungen oder Plattengrenzen als Ursache, oder? (Ich hätte in Erdkunde doch besser aufpassen sollen und nicht nur im Bio #angst )

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

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  • Meine Geologie Vorlesungen sind zwar schon eine Weile her, aber da hieß es immer, in Deutschland gibt es sicher mal das ein oder andere kleine Beben, aber gefährlich ist es nicht. Unser Professor hatte mal selbst ein Beben in Italien miterlebt und hat gesagt sowas kann man in Deutschland nicht erleben.

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Mit der Geologie des Vogtlandes kenne ich mich leider nicht aus, aber es ist so, dass die Erde eben kein starrer Körper ist, sondern sich die Platten immer bewegen. Und manchmal eben ruckartig.


    Superheftige Erdbeben sind eher an plattengrenzen zu erwarten. Weiter im platteninneren werden sie leichter, seltener bis gar nicht mehr vorhanden.


    Wenn du magst les ich mich mal etwas ein, dann kann ich dir mehr zu der speziellen Situation dort sagen.

  • Vorweg, ich habe kein Fachwissen, nur Erinnerungen aus der Heimatkunde in der Grundschule, weil bei uns mit der Eifel ja ein echtes Vulkangebiet direkt in der Nähe ist. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, sind einige der Eifelvulkane z.B. theoretisch noch aktiv (weil in den letzten 15.000 Jahren noch ausgebrochen). Ich kann mich auch tatsächlich an ein Beben in den 90ern erinnern, wo bei uns echt die Wände gewackelt haben, es ist also nicht so, als ob es das in Deutschland nicht geben kann.

    edit: gerade nachgelesen, das Beben damals hatte eine Stärke von 6,0; das ist ja wohl schon ganz beachtlich. Beben bis in die 3er-Regionen gibt es hier im Rheinland wohl regelmäßig. Merke ich nix von...

    Trillian grüßt






    “Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?“ (Douglas Adams)

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  • So, ich hab grad nachgelesen. Im Vogtland befindet sich eine Riftzone. Das heißt, es ist eine Gegend wo neue Erdkruste gebildet wird und sich die Platten auseinanderbewegen. Das bedeutet auch, dass das Gebiet sowohl von aktivem Vulkanismus als auch von vermehrter Erdbebentätigkeit betroffen ist, da an solchen Stellen die Erdkruste sich eben stärker bewegt und auch sehr dünn ist.


    Erdbebenschwärme sind also für die Gegend relativ normal. Auch wenn es natürlich beängstigend ist, wenn man sie miterlebt. Supervulkan in Deutschland hab ich noch nie gehört, da müsste ich auch erst mal google bemühen. Ein ganz bekannter Supervulkan ist der Yellowstone. Der ist aber wirklich sehr weit weg von uns.


    Bei den Angaben zur Erdbebenstärke ist immer wichtig zu wissen, ob es sich bei der Angegebenen Skala um die Mercalli oder die Richterskala handelt. Die Mercalliskala sagt im prinzip aus, wieviel bei einem Erdbeben kaputt gehen kann und 10 ist der Maximale Wert *klick*. Die Richterskala ist nach oben offen und verläuft logarithmisch *klick*.


    Wenn Du noch Fragen hast, immer her damit.

  • Supervulkan in Deutschland hab ich noch nie gehört, da müsste ich auch erst mal google bemühen.

    http://www.vulkane.net/vulkane/eifel/eifel.html


    "Geowissenschaftler vermuten, dass der Vulkan nur ruht und nicht erloschen ist. In den letzten Jahren verstärken sich die Kohlendioxid-Austritte im Bereich der "Alten Burg" am Ostufer des Laacher Sees. Vulkanologen schließen einen erneuten Ausbruch in den nächsten Jahrzehnten nicht völlig aus."


    Keine Toleranz gegenüber Intoleranz!

  • Genau diesen am Laacher See meinte ich.


    Wenn ich Euch richtig verstehe, gab es diese leichten Beben bzw. Erdbebenschwärme schon immer und nicht erst im letzten viertel Jahr wo es plötzlich in den Medien so extrem präsent ist?


    Danke, genau diese Antwort hatte ich mir erhofft. #cool Ich lass mich manchmal von nem Fim zu sehr beunruhigen (ich hab letztes Jahr nen Katastrophenfilm üben Supervulkan unterm Jellowstone gesehen der sehr beunruhigend war. Und dann die Doku mit dem Supervulkan in Deutschland und dann die ständigen Nachrichten mit Erdbeben und dass es gefühlt noch nie so medial präsent war lässt dann Kopfkino entstehen bei mir. #schäm

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...

  • Genau, das ist für eine riftzone ganz normal. Es kann einfach niemand Voraussagen wann es beben wird, aber dass Erdbeben auftreten gehört dazu.


    Und klar, so Dokumentation können einem schon Angst machen. Ich kenn das Gefühl von unserer Island Exkursion, wo uns der Professor am Fuß der hekla erzählt hat, dass ein Ausbruch eigentlich überfällig ist. Das war 1999, seither gab es einige Vulkanausbrüche in Island, die hekla war aber nicht dabei.

  • *hüstel*

    Und (schon mal bei Almarna um Entschuldigung bitt') wenn Geologinnen von "fällig" reden, dann meinen die ähnliche Dimensionen wie wenn ich das Christentum diesen neumodischen östlichen Mysterienkult nenne: die rechnen in anderen Dimensionen.


    :D


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Hehe, das stimmt schon Talpa . Aber manchmal gibt es tatsächlich schriftliche Belege für regelmäßige Ausbrüche. Da rechnet man dann in etwas kürzeren Zeiträumen. ;)

  • Ich weiß nicht, ob dich das jetzt beruhigt, aber hier ist eine WebGIS-Karte (Geographisches Informationssystem, welches Informationen aus Datenbanken visualisiert). Da kannst du sehen, wie "normal" Beben auch in Deutschland sind.


    Wir liegen aber definitiv in keiner "heißen" Zone: Plattengrenzen

    Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.


    - Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel -

  • Ja, schon - aber wenn wir annehmen, dass zu den prognostizierten "alle 2000 Jahre" am Vesuv noch 51 Jahre fehlen, wird trotzdem niemand Neapel genau dann evakuieren?

    (Ich gebe ja zu: DER macht mir Sorgen - der Ätna dagegen ist ja zahm...)


    Und in der Eifel kenne ich nur die Aussagen "geologische" möglicherweise könnte noch nicht erloschen sein.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ja, schon - aber wenn wir annehmen, dass zu den prognostizierten "alle 2000 Jahre" am Vesuv noch 51 Jahre fehlen, wird trotzdem niemand Neapel genau dann evakuieren?

    (Ich gebe ja zu: DER macht mir Sorgen - der Ätna dagegen ist ja zahm...)

    ich hab mal eine doku zu einer Evakuierungsübung gesehen... wenn da mal der Ernstfall auftritt, will ich nicht mal nur Ansatzweise in Neapel sein...

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Ich auch nicht - aber ich kenne ja Menschen, die am Ätna leben: und ich glaube, es ist immer die Gefahr, die man kennt, die einem weniger schlimm vorkommt...

    Erinnert Ihr Euch an den Katastrophenwinter 98/99? Da haben sicher einige von Euch gedacht: also so könnte ich ja nie wohnen - im Sommer danach, als diese schrecklichen Elbhochwasser waren, haben meine ehemaligen Nachbarn genau das gesagt, da könnte ich nie wohnen...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • ich glaube, der ätna ist eine andere Art Vulkan. Wenn der Vesuv hochgeht, dann richtig.

    Aber das fand ich nicht mal das schlimmste, das schlimmste ist, dass die Notfallpläne für die Evakuierung einer Gegend, in der so viele Menschen leben, unzulänglich sind. Da wird nix mehr gehen, wenn da mal evakuiert werden muss.

    Wohnen könnte ich da schon, der Golf von Neapel ist schön :-) (also jetzt nicht unbedingt die Stadt selbst, aber das drumrum)

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Das Problem am Vesuv sind die Explosionen und die pyroklastischen flows (Stichwort Pompeji). Die chemische Zusammensetzung der Lava am Ätna ist anders und macht die Ausbrüche deutlich weniger gefährlich (fließt langsamer, explodiert nicht so leicht).


    Preschoolmum zu den Karten schreib ich morgen vom pc aus noch was.

  • So, ich hab grad am PC gesehen, dass der Handylink zu der einen Karte irgendwohin ins Nirvana führt, entschuldige bitte.


    Hierist eine recht gute Karte für Europa. Da sieht man eben doch auch einige Linien durch Deutschland durchgehen. Die dicken roten Pfeile zeigen in welche Richtung sich eine Platte bewegt, die gegengleichen Pfeile in rot und schwarz zeigen wo sich Platten gegeneinander verschieben.


    Auf dieser Seite gibts noch eine Karte die Erdbeben und Vulkangebiete in Deutschland zeigt, allerdings ohne genaue Erklärung dazu (in der dritten Reihe, das zweite Bild, direkt verlinken ging leider nicht).


    Es zeit aber auf alle Fälle recht schön, dass Europa, zumindest dieser Teil von Europa, nicht ganz so tektonisch stabil ist, wie man bei dem Gedanken an eine Eurasische Platte annehmen würde.