Wie kann ein Regenwurm die Welt retten?

  • Hallo!


    Heute morgen meinte meine Tochter, dass ja Regenwürmer bestimmt viel zu klein und zu schwach sind, um die Welt zu retten, eine Stadt oder wenigstens eine Straße.

    Ich mochte ihr da nicht zustimmen, da ich mir schon vorstellen kann, dass unter bestimmten Umständen die Existenz eines einzigen Regenwurms zur richtigen Zeit am richtigen Ort einiges auslösen kann. Mir ist mit meinem morgenmüden Kopf nur leider keine passende Geschichte dazu eingefallen und mir ist die Idee gekommen Euch zu bitten, Euch dazu mal kreativ auszutoben. #nägel


    Viel Freude dabei!


    PS: Rabenkinder sind natürlich auch herzlich eingeladen.

  • Der Regenwurm grub sich in den harten Boden einer Grünfläche einer grauen Stadt, als gerade ein leichter Sommerregen fiel.

    Durch seine Gänge wurde die Erde locker und fruchtbar. Ein kleiner Blumensame, transportiert im Bäuchlein eines Spatzes plumpste auf das Stückchen Erde und trieb Wurzeln. Eine Margerite streckte Ihren Kopf der Sonne entgegen. Entlang ging die Bürgermeisterin der Stadt auf dem Weg vom Bankautomaten zum Büro. Sie sah die Blume und dachte noch einmal über Ihre Entscheidung nach, das eingemeindete Dorf im Süden der Stadt für den Tagebau freizugeben. Und entschied sich dagegen. Wäre doch schade um die schönen Gärten.

  • Ea gibt ja ein cooles Bilderbuch von Julia Donaldson und Axel Scheffler, das unsere Kinder sehr moegen: “Superworm”, ich weiß aber nicht, ob es das auch auf deutsch gibt.

  • Es war einmal ein Königreich, dort lebten die Menschen in Überfluss, denn der König sorgte gut für seine Untertanen und diese sorgten gut für ihren König. Durch das Königreich floss ein Fluss, der nicht unweit des königlichen Schlosses im hochgelegenen Norden entsprang. Der König fürchtete seine Nachbarn, die sich nicht seinem Reich anschließen wollten, und stattdessen in dunklen Nächten in die Grenzregionen einfielen und den arglosen Bauern das Vieh aus den Ställen und das Korn aus den Scheunen stahlen. Dabei war auch das Land, das an des Königs Reich angrenzte, ein reiches und fruchtbares Land, doch lebten seine Bewohner aus altem Brauch anders als die Untertanen des Königs von der Jagd und dem, was sie sammeln konnten. Durch eine Laune der Jahreszeiten hatte sich in der im Süden gelegenen Ebene eine Dürre ausgebreitet, sodass dort die Nahrung knapp geworden war. Allein, der König und seine Untertanen wussten nicht, wie sie ihren Nachbarn helfen könnten, und diese suchten deren Hilfe nicht.,

    So beriet sich der König mit seinen Untertanen, und man beschloss zum eigenen Schutze eine Mauer um das Reich zu errichten, auf dass dessen Bewohner wieder ruhig und sicher schlafen und tagsüber frohgemut ihrer Arbeit nachgehen konnten. Und innerhalb weniger Wochen hatte man mit vereinten Kräften eine Mauer um das Königreich errichtet, so hoch, dass sie nicht überstiegen, so fest, dass sie nicht zerstört werden konnte.

    Die Bauern in den Grenzregionen schliefen wieder fest und geruhsam, und so ging der Sommer ins Land und der Herbst folgte ihm auf dem Fuße. Die ersten kühlen Regenfälle gingen im Norden nieder, und wie immer schwoll der Fluss und trug Blätter, ausgerissene Gräser und fruchtbaren Schlamm mit sich, und sein Brausen und Tosen sang die Menschen an seinen Ufern des Abends in den Schlaf, um sie am Morgen zu wecken. Die Ernte war auch in diesem Jahr reich ausgefallen, und so erfreuten sich des Königs Untertanen am Rauschen des Flusses, das Vorbote der ruhigen Winterzeit war, die man ohne Mangel und in warmen Stuben verbringen würde.

    Den Menschen außerhalb des Königreiches aber war es derweil schlecht ergangen. Sie hungerten, und da sie keine Raubzüge unternehmen konnten, sahen sie mit Grausen dem kommenden Winter entgegen.

    Doch die Mauer war unüberwindlich und unzerstörbar, und selbst durch den Abfluss des mächtigen Stromes gelang es ihnen nicht, in das Königreich einzudringen, denn in weiser Voraussicht hatte man den Ausfluss unter der Stadtmauer mit Gitterstäben versperrt, der das Wasser hinaus, jedoch niemanden hinein ließ.

    Die Menschen innerhalb der schützenden Mauer hatte keine Ahnung, wie es den Menschen außerhalb erging. Sie brachten leichten Herzens die Ernte ein, die auch in großen Lagerhäusern im Norden aufbewahrt wurde, stopften ihre Fellstiefel, wo diese löchrig geworden waren und machten sich keine weiteren Gedanken darüber, dass der Fluss in diesem Jahr ungehörig laut tobte und mehr denn je anzuschwellen schien, bis dass es zu spät war zu bemerken, dass die mitgeführten Äste, Zweige und Grassoden langsam und unweigerlich den Abfluss verstopft hatten, an dem sie hängengeblieben waren.

    Schon mussten die ersten Menschen aus dem Süden in nördlichere Gebiete fliehen, und der König rang die Hände, wusste aber nicht, wie er seinen Untertanen helfen und sein Reich von der Verstopfung befreien konnte. Immer mehr Wasser rauschte aus dem Norden heran, und da die Mauer nicht nur überaus hoch und überaus unzerstörbar, sondern zu allem Überfluss auch noch überaus wasserundurchlässig war, füllte sich das Königreich von Süden her nach und nach wie ein Aquarium. Schon hatte es bald das halbe Königreich unter seinen Fluten begraben, und der König und seine Untertanen dachten, dass sie elendiglich würden ertrinken müssen, dann an Ausgänge aus dem Königreich und Tore in der Mauer hatte man nicht gedacht.

    Doch es kam anders. Von einem Feld am Rande des wütenden Wassers brach ein Erdbrocken, und in diesem Brocken steckte ein kleiner, unscheinbarer Regenwurm, der selbst ein Amseljunges nicht im entferntesten hätte satt machen können. Der Regenwurm sah sein Ende nahen, als er durch das wilde Wasser strudelnd mit seinem Erdbrocken davongespült wurde. Er wurde unter Wasser gedrückt und mit einem dumpfen "Pfummp", das außer dem Regenwurm niemand vernehmen konnte, setzte sich der Erdbrocken vor dem ohnehin fast vollständig verschlossenen Ausfluss fest. Doch der kleine Wurm war nicht einverstanden, und als ihm der Regenwurmtod mit Mantel und triefender Sense erschien, brachte der kleine Regenwurm seine ganze Kraft auf und bohrte sich ein Loch durch den Schlamm, die Zweige und den Schlick, der den Ausfluss verschloss. Nun hatte durch eine glückliche Fügung der Regenwurm sein Loch gerade an einer instabilen Stelle gebohrt, und das Wasser, das durch diese winzige Öffnung des Regenwurmlochs hindurchplätscherte, nahm weitere Erde mit sich mit, und plötzlich lösten sich immer größere Brocken und mit einer Macht, die man sich nicht hätte vorstellen können, brachen die Wassermassen die Gitterstäbe, rissen an den Mauern, die ihnen kaum standhalten konnten, und in einer riesigen Flutwelle schoss der aufgestaute Fluss in die Ebene im Süden hinaus, fruchtbaren Schlamm und Schlick verteilend.

    Und so groß waren die Wassermassen, dass sie Seen bildeten, die auch in den kommenden Jahren bestehen blieben und das Klima in der vormals fruchtbaren und nun dürren Ebene beeinflussten, sodass wieder Wolken aufsteigen konnten und Regen fiel.

    Die Menschen außerhalb der Mauern aber dachten, der König und seine Untertanen haben ihnen helfen wollen, und sie stimmten außerhalb der Mauern ein solches Jubelgeschrei an, dass man auf die Mauern stiegt, um zu erfahren, was denn dort los sei. Als der König und seine Untertanen jedoch das Elend ihrer Nachbarn erblickten, empfanden sie Mitgefühl, und da die Speicher reichhaltig gefüllt waren, beschlossen sie zu teilen. So schränkten sich alle ein wenig ein, und dennoch war es allen möglich, den Winter unbeschadet zu überstehen.

    Als im nächsten Frühjahr die südliche Ebene in neuer Fruchtbarkeit spross und die Tiere zurückkehrten, da sie hier nun wieder Nahrung und Wasser vorfanden, dankten die Menschen von Außen den Bewohnern des Königreiches und nahmen ihr bisheriges Leben wieder auf.

    Der König und seine Untertanen aber rissen die Mauern ein, und der König holte sich beim Spitzhacken einen Hexenschuss, denn natürlich packte er mindestens genauso an wie seine Untertanen, schließlich war er ihr König und ließ sich seine erste Stelle nicht nehmen.

    Aus den Steinen errichtete man neue, feste Gebäude in den vormals überschwemmten Gebieten im Süden des Reiches, und der König, seine Untertanen und ihre Nachbarn lebten fortan in Frieden und Freundschaft miteinander. Von einem Regenwurm aber ahnten sie nichts.

    Weit im Süden jedoch durchpflügte ein kleiner Regenwurm den an manchen Stellen noch festen, fruchtbaren Boden, lockerte ihn auf, zog Blätter in den Untergrund, die den Boden weiter auflockerten und düngten. Und seine zahlreichen Nachfahren taten es ihm gleich.

    Dass er ein ganzes Königreich davor bewahrt hatte, in den Fluten zu versinken, und dessen Nachbar davor, elendiglich zu verhungern, das wusste er nicht. Er verstand nur etwas von Löchern, und solche bohrte er weiterhin, bis dass der Regenwurmtod seine Kleider getrocknet und seine Sense vom Rost befreit hatte, und das konnte noch so manches Regenwurmjahr dauern.

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    Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komme nur so selten dazu.


    Wer Extremitäten hat, kann keine Kugel sein.


    Lass die Hoffnungswaschmaschine laufen!


    Die Krähen schrein
    Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
    Bald wird es schnein. –
    Weh dem, der keine Heimat hat


  • Was für heldenhafte Würmchen hier zugange waren. :)


    Danke für die schönen Geschichten, Fiawin (besonders die Details wie der Hexenschuss und der Regenwurmtod haben mich begeistert) und Solveigh und Danke für den Tipp Kornblume !

  • Ea gibt ja ein cooles Bilderbuch von Julia Donaldson und Axel Scheffler, das unsere Kinder sehr moegen: “Superworm”, ich weiß aber nicht, ob es das auch auf deutsch gibt.

    Ja, gibt es! "Superwurm" wir mögen es sehr.

    LG Tevi mit #male 03/2010, #male 06/2012 und zwei weiteren kleinen Wundern #female & #male 09/2014

  • Na ganz einfach: ohne Regenwürmer ist due Erde hart und es gibt Überschwemmungen und es können keine Pflanzen wachsen. Und ohne Pflanzen keine Nahrung

    Man muss immer den Einzelfall betrachten ...


    Die besten Freunde sind nicht die, die Dir schmeicheln sondern die, die Dir die Wahrheit sagen. #blume



    #post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-18-#post-20-#post-#post-#post-#post

  • Preschoolmum Es geht aber um den Regenwurm als Individuum und körperliche Stärke, die man braucht oder auch nicht.

    Die schon vorhandenen Geschichten werde ich ihr jedenfalls heute noch vorlesen. #blume

  • #blume.

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    Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
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  • #herzDanke.

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  • Es war einmal ein Regenwurm,

    der trotzte Wind, der trotzte Sturm.

    Er zählte eher zu den Leisen,

    ernährte Amseln und auch Meisen.

    Die Erde grub er fleißig unter,

    da blühen Blumen noch viel bunter.

    Die Menschen wollten gern ihn fangeln

    und nahmen ihn dann mit zum Angel.

    Die Forscher, zu seinem Entsetzen,

    forschten an seinen Nervennetzen.

    Der Regenwurm ist unscheinbar,

    wir nehmen ihn bei Regen wahr.

    Er ist ein rosabrauner Schatz

    und hat auf Erden seinen Platz.

    Vielleicht rettet er nicht die Welt.

    Doch ohne ihn wär's schlecht bestellt.


    Hihihi

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  • Ein großartiges Stück Poesie, Fia!

    Ich erstarre in.. Du weißt schon.


    Das legt die Latte für mein zukünftiges Machwerk noch mal höher.

  • Nun, ich gedenke, damit den Literaturnobelpreis zu erhalten.#nägel

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  • Ich werde mich auf jeden Fall dafür einsetzen! #ja


    Das Kind mag auch alle drei Werke hier. Sie hat ganz gebannt zugehört.

  • Ich denke, wir bekommen einen kollektiven Nobelpreis für diesen Thread.

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  • Das setzt mich jetzt im Vorfeld schon ein bisschen unter Druck. #gruebel


    Vielleicht probiere ich es mal mit Dadaismus oder so.


    Ein Regenwurm

    Grüne Wiese

    Alles rot

    Globale Märkte

    Wieder gut

  • Ich bin sehr beeindruckt. Will sagen: Ich verstehe kein Wort, aber Du hast bestimmt recht.

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  • Ich verstehe es auch nicht, aber das muss der Künstler ja auch nicht. #ja