Exklusivzeit - wie von der Praxis her?

  • Beim Durchlesen des Threads mit dem ungefähren Titel 'mehr als ein Kind', aber auch schon früher, stosse ich immer wieder auf den Gedanken dass Exklusivzeit mit einem Kind (wenn es noch Geschwister hat) wichtig ist. Den Gedanken dahinter verstehe ich, aber ich frage mich die ganze Zeit wie man das denn in der Praxis macht? Und ob es wirklich sooooo wichtig ist wenn die Kinder sonst glücklich scheinen? Spielt der Altersunterschied und das Geschlecht eine Rolle? Erzählt doch mal.


    Ich habe zwei Töchter mit 2.4 Jahren Altersunterschied (jetzt 2 und 4 Jahre alt) und tue mich da wirklich schwer. Sie sind beide in Betreuung und ich habe beide meistens gleichzeitig. Am Wochenende geht mein Mann mal mit einer einkaufen, aber sonst sind wir oft zu viert. Ich fände es jetzt schwer, im Alltag ein Kind bewusst auszuschließen wenn das andere nun unbedingt das Gleiche machen möchte.


    Finde das bei meinen Eltern heute noch manchmal doof, wenn mein Bruder und ich jetzt zufaellig gleichzeitig sie besuchen und dann aber meine Mutter und Bruder ein angeregtes Gespräch führen bei dem ich quasi störe wenn ich später dazu komme und dann auch explizit nicht in das Zimmer gehe.


    Ist das Alles überbewertet? Und wie oft habt ihr Exklusivzeit mit einem Kind? Ich könnte mir jetzt z.B. natürlich vorstellen, mich bei Problemen mehr einem gezielt zu widmen. Aber sonst?

  • Als meine Tochter noch ein Baby war, habe ich es so getimet, dass sie möglichst schlief, wenn ihr Bruder vom Kindergarten nach hause kam.

    Und was machte mein Sohn? Er weckte seine kleine Schwester, weil er mit ihr spielen wollte.

    Der wollte keine Exclusivzeit mit Mama, sondern mit seiner Schwester.


    Allerdings hatte er beim ins Bett bringen dann doch Mama oder Papa für sich, weil wir die Kinder meist getrennt ins Bett gebracht haben.

    Noch heute sage ich ihnen einzeln gute Nacht und setze mich dann auch noch mal ans Bett und wir reden noch etwas miteinander,

    It all started with the big BANG!


    (Big Bang Theory)

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  • Wir haben zb das „wunschessen“, da darf reihum sonntags das Abendessen ausgewählt werden und, das ist das eigentliche, alleine mit mir gekocht werden. Mit allen zusammen ist mit das zu nervenaufreibend, da stehen mir zu viele vor den Füßen rum und wollen alle das gleiche machen...


    Ansonsten haben wir keine gezielten Zeiten, das ergibt sich manchmal weil sie unterschiedlich unterwegs sind.

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • Bei uns ist der Samstagvormittag oft exklusiv. Da schauen wir dann auch was wir Erwachsenen gerne machen wollen und nehmen entsprechend die Kinder mit. Zb kann ich mit meinem Großen prima auf den Flohmarkt gehen, mit meinem Kleinen gehe ich auch oft nur in ein Kaffee, er darf sich bestellen was er mag, wir kuscheln und beobachten was um uns rum passiert.

    Mit beiden Kindern ginge das jeweils nicht. Mit einem ist es entspannt und wunderbar.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Panema ()

  • Meine Kinder sind ja nun schon größer, da wird das dann einfacher. :) Wir machen jedes Wochenende einen Kinoabend, abwechselnd alle 4 zusammen und je ein Kind mit je einem Elternteil (auch das wieder wechselnd - mal guck ich mit dem Kleinen, mal mit den Großen), weil der Große eben andere Filme gucken will und darf als der Kleine. Genauso, wenn wir ins Kino gehen. Da sitzt dann einer von uns Eltern mit dem Großen in einem Film ab 12, und der andere mit dem Kleinen in einem ab 6.


    Künstlich legen wir keine Exklusivzeiten fest, das käme mir auch komisch vor, den Bruder von einem tollen Ausflug auszuschließen. Aber es ergibt sich im Alltag immer wieder, dass ich mit nur einem unterwegs bin (weil der andere keine Lust hatte oder bei einem Freund ist). Die Exklusivzeit genießen wir dann schon immer, und wenn es nur eine längere Autofahrt ist, um den anderen Bruder irgendwo abzuholen. :)

  • Ich versuche auch mit beiden Kindern Mal Zeit alleine zu haben. Mit dem Baby bin ich ja sowieso in der Woche oft allein, aber manchmal ist der Große Bruder auch übers WE bei den Großeltern und dann darf der Kleine Mal richtig Einzelkind sein und dir volle Aufmerksamkeit von beiden Eltern bekommen. Am Wochenende versuche ich dann etwas mit dem Großen alleine zu machen, er hat im Alltag kaum Exklusivzeit mit mir, immer ist das Baby da und Papa bringt ihn ins Bett. Darum fahren wir heute zusammen in den Baumarkt und danach ins Zoomgeschäft und sehen uns dort die Kleintiere an und das Baby bleibt bei Papa. Wenn Mal die Oma zu Besuch ist rege ich auch an dass sie mit dem Baby spazieren geht, damit der Große Mal Einzelkind mit beiden Eltern sein kann. .


    Ich finde das wichtig den Kindern auch Mal wirklich ungeteilte Aufmerksamkeit zu geben.

  • Ich versuche 1mal pro Monat exklusiv einen Mama Sohn Tag zu machen. Meistens klappt es mit alle 2Monate, aber immerhin. Das wird jetzt anstrengend weil die kleine auch Mama Sohn (haha) Tage haben möchte ;) aber wir genießen das alle. Muss nicht immer was spektakuläres sein, manchmal ist es nur shoppen von Klamotten die halt sein müssen und danach etwas gemeinsam essen, aber die Kids genießen es sehr.

    Wir müssen es planen weil ich in der Regel alleine mit allen dreien bin. Dadurch wird es aber auch exklusiver, jedenfalls wird es immer heiss geplant was man denn nun gemeinsam mit mir machen möchte.


    1mal im Jahr bin ich mit dem großen mal richtig weggefahren über Nacht, das werde ich jetz mit den anderen auch mal machen, das war so als Ausgleich für ihn weil er vom Thron gestoßen wurde. #freu wenn ich ganz ehrlich bin. Das ist immer super toll, und auch das werde ich zumindest mit dem mittleren jetzt mal machen. Es ist für mich immer eine sehr schöne Exklusivzeit, mal nur 1 Kind und mit dem hemmungslos Spaß haben können, ohne Einschränkungen, sie sind halt doch weit auseinander. Und da wir meistens alles zusammen machen steckt halt doch mindestens einer zurück.


    Angefangen habe ich als der mittlere auf die Welt gekommen ist, also so ca als der grosse 4 wurde. Mit kleinen Ausflügen, bei denen das Baby nur gestört hätte.

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von murkel ()

  • Als die Kinder kleiner waren, haben wir getrennte Zeiten eingerichtet, damit sie voneinander auch Ruhe hatten. Damit das Baby in Ruhe Mittagsschlaf machen oder das große Kind ohne Babygebrüll einer Geschichte lauschen konnte.

    Das war nicht immer möglich, aber immer mal wieder im Alltag machbar.


    Jetzt sind sie etwas größer und haben unterschiedliche Interessen oder dürfen mitentscheiden, was sie gerne tun. zB. fährt ein Kind lieber mit Papa zum Getränkemarkt und das andere bleibt lieber bei mir im Garten.

    Oder ein Kind mag abends noch eine Runde Rad fahren, während das kleinere Kind schon müde ist und Hunger auf Abendbrot hat.

  • Wenn man die Gelegenheiten, die sich ohnehin ergeben, sinnvoll nutzt, dann ist das schon viel. Also nicht so den Zwang pflegen, immer alle zusammen zu versammeln. Wenn Kind 1 noch länger bei einem Freund bleiben möchte, kann man die Zeit nutzen, um mit Kind 2 schon mal das Abendessen vorzubereiten und dabei sich nett zu unterhalten.


    Jetzt, wo meine Kinder schon fast groß sind, sind es eher längere Dinge, die wir zusammen machen. Mit dem Älteren gehe ich zum Beispiel mehrtägig wandern oder habe schon Reisen mit ihm allein gemacht, er geht auch schon mal mit mir zum Yoga, mit dem Jüngeren mache ich eher Ausflüge in die Stadt oder ins Schwimmbad allein. Aber da kommen die Reisen und Wanderungen bestimmt auch.


    Mein Mann hatte etwas andere Routinen und Vorgehensweisen, aber das Prinzip ist das gleiche. Und, fast vergessen, im Herbst verreisen mein kleiner Sohn und mein Mann zusammen, ohne uns andere zwei. Die fliegen sogar!

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    ...wer schön sein will, muss lachen...


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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Aoide () aus folgendem Grund: Hälfte vergessen.

  • Bei uns waren es lange die Grosseltern, die Exklusivzeiten ermöglichten.

    Also, sie nahmen ein Kind und gaben ihm die volle Verwöhn-Extradröhnung. Sie nahmen auch immer wiedermal eines in die Ferien mit und so.


    Dann ergab es sich mehr mit dem Grösserwerden der Kinder.

    Unsere sind immer 2 Jahre auseinander, also altersmässig nicht extrem weit auseinander aber trotzdem sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und es war wichtig, dass das anerkannt und unterstützt wurde von uns.


    Das heisst aber nicht, das andere grundsätzlich ausgeschlossen wurden.

    Der Jüngste liebt Marvel-Filme, also gehe ich mit ihm ins Kino die gucken, wer Lust hat kommt mit, aber meist hat niemand Lust, weil sonst niemand auf Marvel steht.


    Die Grosse steht auf harte Musik, Fast Food, die Mittlere mag Ausstellungen, Kunstmuseen, Vernissagen, gutes, vegetarisches Essen.


    Es findet sich für alles ein Plätzchen.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Meine Kinder sind 1,5 und fast 4.


    Ich gehöre zu denen die Exclusivseit als sehr wichtig ansehen.

    Aber damit meine ich nicht, dass ich krampfhaft versuche die Kinder zu trennen.


    Du schriebst oben davon ein Kind auszuschließen wenn das andere Kind unbedingt mitmachen möchte.

    Sowas meine ich nicht.


    Mir geht es explizit um Situationen in denen beide unterschiedliche Interessen haben.


    Der Große z.B. ist ein sehr ruhiger Charakter der vom Kopf her schon sehr weit ist, gerne sich viel unterhält und ein großes Ruhebedürfnis hat.

    Der Kleine ist sehr wild und sehr laut.


    Z.B. letztens hatten wir einen Ausflug geplant. Die 13-jährige und der Kleine und mein Partner wollten gerne den Ausflug machen.

    Der Große wollte viel lieber zu Hause bleiben und mit mir in Ruhe spielen.

    Also sind wir zu Hause geblieben, haben in Ruhe die Dinge gemacht die ohne kleinen Bruder uns beiden viel mehr Spaß machen (ich weiß garnichtmehr was wir konkret an dem Tag gemacht haben, aber Dinge die ohne kleinen Bruder viel schöner sind: gemeinsam Kochen, gemeinsam Backen, Brettspiele, Bücher lesen, Basteln, Malen, Filzen, Wasserfarben).


    Mit dem Großen kann man ganz tolle Gespräche führen, aber er braucht dafür seinen Raum. Wenn der kreischende, mit irgendwas laut irgendwo gegenkloppende kleine Bruder daneben steht, ist es kaum möglich sich in Ruhe zu unterhalten.

    Lg

    Annanita


    "Koalababys saugen sich an der Brust ihrer Mutter fest. Die Zitze schwillt an, sodass das Baby fest angedockt ist. Bis es zum ersten Mal abdockt vergehen mehrere Wochen"

    ... im nächsten Leben wird mein Baby ein Koala. Ganz sicher :D

  • Mir sind diese ecklusivzeiten sehr wichtig, weil ich der Meinung bin, nur so richtig Kontakt halten zu können.


    Leider ist es nur sehr sehr selten realisierbar, nur mit einem was zu machen. Das würde ich gerne ändern, aber es gelingt mir nicht. Nur mit einem weg fahren geht nicht wegen Baby, Oma oder so jemand, wo die anderen alle hin könnten und nur einer über bleibt gibt's nicht. Und wenn das letzte schläft bin ich totmüde. Da geht nix mehr.

  • Ich bin ja eine große Freundin davon, das Leben so zu genießen, wie es einem gerade so zufällt. Heute zum Beispiel hat sich ein total vergurkter Tag (rsprünglich sollte ich heute meine Mutter im 100 km entfernten Krankenhaus besuchen, was von vorne bis hinten unerfreulich ist, aber das gehört hier nicht hin, jedenfalls mache ich das erst am Montag) als wunderbare ExklusivZeit ergeben: mein Mann ist diese Nacht nach Kiel gefahren, wo mein Jüngster 2 Wochen mit den SchwiegerEltern gesegelt ist (wärend wir drei anderen arbeiten mussten), er bleibt über Nacht da und kommt morgen mit dem Kleinen zurück. D.h., heute haben die beiden sozusagen ExklusivZeit, gehen noch mal zusammen auf einen Törn, haben morgen zwar eine lange Heimfahrt, aber die werden sie sich mit einem neuen Hörbuch schön machen. Ich bin mit Schnupp zu Hause geblieben und eigentlich wollte ich nur weiter renovieren und aufräumen. Bei dem wunderschönen Wetter hat sich das aber als eine „wir verlagern alles in den Garten und räumen halt den auf-Aktion“ entpuppt, und Schnupp kocht gerade in der Küche, damit ich das nicht auch noch tun muss. Und wie es aussieht, gibt es ein Dreigängemenü. Das ist super. Ob wir heute Abend noch mal weggehen, oder ob wir einen Film gucken, oder ob wir so platt sind, dass wir einfach früh schlafen gehen, das entscheiden wir spontan. Sehr schöner Tag heute.

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  • Meine beiden sind jetzt fünf und acht Jahre alt, und ihnen tut die tägliche Exklusivzeit sehr gut. Sie ergibt sich dadurch, dass der Große früher in die Schule muss als der Kleine, aber auch früher heim kommt. Ich habe also morgens Zeit mit Zappelchen plaudernd zu frühstücken, mittags mit dem Spezialisten beim Essen zu schwatzen. Beide Mahlzeiten halte ich von unangenehmen Themen frei, falls nicht mein Kind etwas entsprechendes anspricht; die Hausaufgaben werden erst im Anschluß besprochen.

    Ich bringe auch beide Kinder einzeln ins Bett, da hat jeder noch mal Mamazeit.

    Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.