Frauenbild in Deutschland...warum nur so konservativ ?

  • Wir haben das für uns als Familie so zusammengefasst:
    Jeder gibt was er kann und bekommt was er braucht. *
    Das betrifft alle Bereiche und alle Mitglieder unserer Kernfamilie.


    Edit: Falls jemand das * kurz und knackig UND genderneutral ausdrücken kann wäre ich übrigens dankbar. Ich suche noch nach einer Formulierung.

    "Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer se sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinaus lief." Terry Pratchett: Die volle Wahrheit
    LG Bryn mit Svanhild (*01), Arfst (*02), Singefried (*09) und Isebrand (*12)

    Einmal editiert, zuletzt von Bryn ()

  • "Alle geben, was sie können und bekommen, was sie brauchen"?

    "Man gibt, was man kann und bekommt, was man braucht"?

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


    You say you want a revolution. Well, you know, we all want to change the world.

    But when you talk about destruction, don't you know that you can count me out? Don't you know it's gonna be all right?

    Einmal editiert, zuletzt von Rattenkind ()

  • Ach Alva, Du glaubst echt, alle arbeitenden Frauen wären neidisch aufs Hausfrauendasein? Nee, da kann ich dankend drauf verzichten. Meine Doppelbereicherung aus Familie und Traumjob tut mir ganz gut. Mein Mann wär aber sicher als Versorger in einer Versorgerehe sehr unglücklich. Kannste mal sehen...

    Ich bin erst bis hier gekommen, aber wollte dazu was sagen: Ich glaube nicht, dass das so gemeint war, sondern dass sie eher die Ursache für Hausfrauen "Bashing" darin begründet sieht.

    kLeiN- uNd GrOß-SchrEibUnG hat mein Handy gefressen...

  • Ich schrieb dieses "biestige Treten gegen Hausfrauen", was oft durchschimmert, das kann ich mir kaum erklären außer vielleicht unter einem Neidaspekt, oder eben, dass man jemand ist, der immer sehr auf Autonomie bedacht ist.

    Hmm, ich kenne es halt von vielen Berufen, dass es wichtig ist am Ball zu bleiben. Nach einer beispielsweise 9-jährigen Auszeit durch Kinderbetreuung ist es verdammt schwierig bis unmöglich, wieder einzusteigen, und ich habe den Eindruck, dass viele Frauen das unterschätzen, wenn sie für einige Jahre planen auszusetzen. Und es kommt für mich zugegebenermaßen auch ein wenig der gesellschaftliche Aspekt hinzu: Je mehr traditionelle Rollenbilder in der direkten Umgebung, desto mehr wird dies auch erwartet. Etwa in der Schule oder Sportverein beim Einbinden der Eltern, äääh der nichtarbeitenden Mutter (vom Vater wird dies nicht erwartet) für Bringdienste, Hausaufgaben etc.

  • Für mich bedeutet Auszeit jetzt nicht gleich totales Desinteresse... und Fortbildung und Weiterbildung gibt es ja auch noch

    Der Schule und den Vereinen kann man sagen, dass man keine Zeit hat.

    So ist mir das wieder zu schwarz/weiß und ausschließlich an bezahlte Arbeit geknüpft....

    jetzt müssen dass nur die Arbeitgeber auch so sehen?

  • Das sind Punkte, wo ich ansetzen würde: bessere Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach Mütterpausen (und gerne auch mehr Teilzeitmöglichkeiten für alle), statt den Krippenausbau zeitlich immer mehr zu erweitern bis hin zu Nachtkitas. Ich nehme es interessanterweise genau andersrum wahr: je mehr Mutter-steigt-früh-wieder-ein und je mehr vorhandene Betreuungsplätze, desto mehr Druck auf die Mütter wieder arbeiten zu gehen.

    Der gesellschaftliche Trend zur Erwerbsarbeit der Mutter nach 1 Jahr ist besonders unter Akademikern groß. Sieht man ja an diesem ganzen Thread, dass sich geärgert wird (im Ursprungsthread stand was von "wütend"), wenn Frauen zu hause bleiben wollen.

    Ich sehe das alles auch sehr von der Wirtschaft vorangetrieben, je mehr Mütter früh wieder arbeiten gehen, desto besser, Kinder sollen bloß nicht stören oder ausbremsen dabei, und möglichst ganztägig wegorganisiert werden. Ich bin aber eh jemand, der schon immer viel von work-life-balance hielt und auch ohne Kind, wenn möglich, 80% arbeitete.


    Reeza: ja, danke.

  • Das sind Punkte, wo ich ansetzen würde: bessere Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach Mütterpausen (und gerne auch mehr Teilzeitmöglichkeiten für alle), statt den Krippenausbau zeitlich immer mehr zu erweitern bis hin zu Nachtkitas. Ich nehme es interessanterweise genau andersrum wahr: je mehr Mutter-steigt-früh-wieder-ein und je mehr vorhandene Betreuungsplätze, desto mehr Druck auf die Mütter wieder arbeiten zu gehen.

    Der gesellschaftliche Trend zur Erwerbsarbeit der Mutter nach 1 Jahr ist besonders unter Akademikern groß. Sieht man ja an diesem ganzen Thread, dass sich geärgert wird (im Ursprungsthread stand was von "wütend"), wenn Frauen zu hause bleiben wollen.

    Ich sehe das alles auch sehr von der Wirtschaft vorangetrieben, je mehr Mütter früh wieder arbeiten gehen, desto besser, Kinder sollen bloß nicht stören oder ausbremsen dabei, und möglichst ganztägig wegorganisiert werden. Ich bin aber eh jemand, der schon immer viel von work-life-balance hielt und auch ohne Kind, wenn möglich, 80% arbeitete.


    Reeza: ja, danke.

    Das ist interessant, denn ich nehme es genau umgekehrt war: Während früher die Frauen zähneknirschend ihren Beruf aufgegeben haben oder sich eine teure Kinderfrau ab Mutterschutzende nehmen mussten (das war eher die Realität vieler älterer Akademiker die ich kenne), haben sie heute gesellschaftlich anerkannt die Möglichkeit ein ganzes Jahr Elternzeit zu nehmen und dann weiterzuarbeiten, da vielerorts das Krippensystem besser ausgebaut ist und auch tatsächlich Berufstätigkeit nach 12:00 möglich ist.

  • Auf Mitgestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten müssen Männer selten verzichten, wenn sie keine oder wenig Care-Arbeit übernehmen. Ist doch eine feine Sache: Wünsche äußern, mitreden und -entscheiden, aber den aufwendigen Scheiß nicht an der Backe haben. Eine gute Beziehung zum Kind lässt sich auch pflegen, wenn man nicht das Konzept und die Vorbereitungen für den nächsten Kindergeburtstag macht, sondern nur bei der Party anwesend ist; wenn man nicht mit dem Kind zum Arzt oder zur Ergotherapie geht, sondern nach Feierabend auf den Spielplatz oder die BMX-Bahn; wenn man nicht dafür sorgt, dass das Kind passende Kleidung im Schrank hat, sondern ihm eine frische Hose anzieht, wenn es eingepullert hat. Ich würde sofort tauschen und fulltime erwerbsarbeiten. Die Beziehung zu meinem Kind würde nicht darunter leiden.

  • Ach Alva, Du glaubst echt, alle arbeitenden Frauen wären neidisch aufs Hausfrauendasein? Nee, da kann ich dankend drauf verzichten. Meine Doppelbereicherung aus Familie und Traumjob tut mir ganz gut. Mein Mann wär aber sicher als Versorger in einer Versorgerehe sehr unglücklich. Kannste mal sehen...

    Ich bin erst bis hier gekommen, aber wollte dazu was sagen: Ich glaube nicht, dass das so gemeint war, sondern dass sie eher die Ursache für Hausfrauen "Bashing" darin begründet sieht.

    Japp, ist schon geklärt. ;)


    Wobei ich noch dazu sagen wollte, dass ich nicht unbedingt glaube, dass die Zeit bei der Tagesmutter (seit die Süße 16 Monate alt war) zulasten meiner Tochter gegangen ist, ich hab eher den Eindruck, dass sie davon sehr profitiert hat. Und jetzt vom Kindergarten (seit August) erst recht. Wahnsinn, was sie für einen Sprung gemacht hat, seit sie dort ist!


    Und das hier:

    aber im RL ist es ja oft so, dass Frauen arbeiten und es ganz ok ist, aber eben auch nicht die volle Seinserfüllung, dazu kommt (in meinen Augen) auch viel an gesellschaftlichem Trend ("mach dich bloß nie abhängig von einem Mann", nach 1 J. Wiedereinstieg ist normal, etc) und wirtschaftlichen Zwängen und dann versucht man es eben irgendwie unter einen Hut zu kriegen und endet unzufrieden und völlig überlastet.

    ... gilt meines Erachtens nicht für Frauen, sondern generell für Leute. Warum sollte ein Mann weniger unter einem blöden Broterwerbsjob leiden? Warum sollen Männer weniger überlastet und unzufrieden sein, wenn sie viel arbeiten und die Kinder wenig sehen?

    Ich kann das ja am besten aus meinem eigenen Leben heraus bewerten, und mein Mann arbeitet (bzw. hat vorm Studium gearbeitet), um Geld zu verdienen. Es liegt ihm darüber hinaus nichts an dem (eher seelenlosen Industrie-)Job. Er hat vom Stiefvater mehr oder weniger vorgeschrieben bekommen, was er machen soll, hat es recht locker durchgezogen, keine großen Ambitionen gehabt, sich dann erstmal in den Zivi geflüchtet (wo er etwas tun konnte, was ihm sehr viel mehr lag, nämlich sich um behinderte Menschen kümmern), ist dann über einen Umweg wegen des Geldes in den Job zurück und hat den auch immer gewissenhaft und gut, aber eben nicht unbedingt gerne gemacht. Bekäme er das gleiche Geld fürs Zuhausebleiben, würde er zuhause bleiben.

    Ich nicht. Ich mag meinen Beruf, ich habe im Grunde seit ich ungefähr fünfzehn, sechzehn bin, den Wunsch, ganz genau das zu machen, hab dafür gearbeitet, gekämpft, geweint, mich in psychologische Beratung begeben, bin abgestürzt und wieder aufgestanden, hab mich durchgebissen und bin jetzt genau da, wo ich hingehöre.

    Das Problem der Vereinbarkeit ergibt sich bei uns nicht ganz so sehr, weil es wirklich ziemlich gleichberechtigt läuft. Das Problem kommt ja im Wesentlichen dadurch zustande, dass Frauen erwerbstätig sind und trotzdem die Hauptlast an Familie und Haushalt tragen.

    Klar war es manchmal komisch, nach Hause zu kommen und begeistert festzustellen: Meine Tochter kann jetzt XYZ!!! :D ... und dann sagt mein Mann, "Ach wieso, das macht sie schon die ganze Woche".

    Aber ich gehe mal schwer davon aus, dass das für erwerbstätige Männer genauso komisch ist. ;)


    Naja, ich hab ja offiziell heute ET, und bei diesem Kind wird es wieder so laufen, dass ich schnell wieder arbeite (maximal in vier Monaten) und er zuhaus bleibt. Bei einem möglichen nächsten Kind ist er dann mit dem Studium durch und arbeitet hoffentlich irgendwo... und wir können dann etwas "fairer" teilen.

    Ich find die Versorgerehe nämlich auch ganz schön gefährlich für den "versorgten" Part, und wenn es in die Brüche ginge, wäre mein Mann aktuell nicht allzu gut dran. Darum mach ich mir Sorgen und finde, er sollte auf jeden Fall möglichst schnell arbeiten gehen. Dann würde ich natürlich beruflich auch etwas kürzer treten, ist ja klar. Ob bei uns ein 75%-75%-Modell klappen könnte, weiß ich nicht, dafür werden die Gehälter vermutlich zu unterschiedlich sein. Mal sehen.


    Edit:

    Mütterpausen

    Elternpausen, ok? ;)

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


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    3 Mal editiert, zuletzt von Rattenkind ()

  • Drahtesel das konservative Menschen bzw. Frauenbild macht mich wütend. Die Wahl des Familuenmodels fußt nicht immer notwendigerweise auf diesem Menschenbild sondern oft auf anderen Erwägungen.

    Nein es macht mich nicht „wütend“ wenn Frau sich für ein Hausfrauendasein entschließt, es macht mich wütend wenn sie denkt keine andere Möglichkeit zu haben weil sie als Frau nun mal keine andere Wahl zu haben scheint, weil das ihre biologische Bestimmung zu sein scheint.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf


    Men det finns sätt att leva och inte bara överleva - Lena Hallengren 2020

  • Aber genau das macht ja den Druck früh (damit meine ich: mit einem Jahr) wieder einzusteigen und spielt eben auch wirtschaftlichen Interessen in die Hände.


    Natürlich sind all diese Aspekte nicht gänzlich schwarz-weiß zu sehen, aber mir geht es um die gesellschaftliche Trendrichtung, nämlich die Tendenz Frauen immer früher und immer stunden-ausgeweiteter wieder in die Berufstätigkeit zu schicken (mitsamt mental load, das sehe ich schon auch so, dass das oft den Frauen an der Backe klebt, das ist ja genau die Doppelbelastung). Dass es da ein Ost-West-Gefälle gibt ist klar, ebenso ein Generationengefälle, was die Wichtigkeit der "Emanzipation" angeht.

  • Kiwi : #flehan Amen!


    Alva , was meinst Du mit dem Generationengefälle?

    Edit: Und warum "Emanzipation" und nicht Emanzipation? ;)

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    3 Mal editiert, zuletzt von Rattenkind ()

  • Ich habe mich jetzt durch den Strang gelesen und möchte Alva den Rücken stärken. Denn genauso ist auch mein tägliches Erleben. Was ich mir alles anhören durfte, weil mein Mann und ich uns gemeinsam dafür entschieden haben, dass ich drei Jahre Erziehungszeit nehme. Und ich empfinde es als Luxus für den ich unendlich dankbar bin, dass wir uns das finanziell leisten können. Ich wünschte, alle hätten diese Wahl. Nicht: alle sollen es so machen! Aber auf die Kommentare, ich wäre faul, rückständig, untergebuttert, dumm von allen (un)möglichen Seiten, könnte ich verzichten.

    Ja, wir haben diskutiert, ob mein Mann statt dessen zu Hause bleibt. Geht leider finanziell nicht (trotz gleicher Ausbildung und ähnlicher Erwerbshistorie - ich mag meine Arbeit und bin deshalb zu lange in der "falschen" Branche geblieben). Würde ich voll arbeiten, müsste er zusätzlich auch Teilzeit ran, verbunden mit externer Kinderbetreuung, damit es reicht. Das war - für uns - das größere Übel. Stattdessen hat er seine Stunden reduziert, um mehr Familienzeit zu haben. Darauf liegt aktuell unser Fokus. So viel Familienzeit wie möglich für alle. Wenn die Kinder größer sind, werden wir neu verhandeln - so wie es jetzt aussieht, Arbeitgeberwechsel für mich und Teilzeit für beide. Eben so, dass es sich finanziell ausgeht.

  • Drahtesel das konservative Menschen bzw. Frauenbild macht mich wütend. Die Wahl des Familuenmodels fußt nicht immer notwendigerweise auf diesem Menschenbild sondern oft auf anderen Erwägungen.

    Nein es macht mich nicht „wütend“ wenn Frau sich für ein Hausfrauendasein entschließt, es macht mich wütend wenn sie denkt keine andere Möglichkeit zu haben weil sie als Frau nun mal keine andere Wahl zu haben scheint, weil das ihre biologische Bestimmung zu sein scheint.

    Schon, ich finde es nur erschreckend, dass es fast ausschließlich die Frauen sind, die sich für die "Hausfrauenrolle" entscheiden.


    Nun, ich sehe es so, dass früher der gesellschaftliche Druck eher in die Richtung ging, Frauen möglichst lange bei den Kindern zu belassen - auch wenn diese vielleicht wieder arbeiten wollten.

  • Was ich mir alles anhören durfte, weil mein Mann und ich uns gemeinsam dafür entschieden haben, dass ich drei Jahre Erziehungszeit nehme.

    Oh, das darf man generell nicht zu hoch hängen. Was meinst Du, was ich mir anhören durfte, weil wir uns entschieden haben, dass ich nach vier Monaten wieder arbeiten gehe? ;)


    Nee, da gilt die alte Regel: Wie Du's machst, machst Du's verkehrt.


    Ich wette, Dein Mann kriegt Anerkennung für seine Ernährerrolle, oder? Meiner wird auch immer gehyped, weil er sich ja so toll ums Kind kümmert. Merke: Die Frauen machen es falsch, die Männer machen es richtig. Egal wie.

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    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


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  • Wie meinst Du das Drahtesel ?

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


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  • Meiner Meinung ist die Beziehung auf Augenhoehe gar nicht das Problem. Das ist nunmal individuell verschieden und funktioniert fuer jeden anders.


    Das Problem ist die gesamtgesellschaftliche Sicht auf die Summe der Beziehungen. Wenn es Standard ist, dass der Mann Allein/Hauptverdiener ist, dann hat er nach Aussen hin die Macht in dieser klassischen Konstellation. Und solange das die weitgehende Mehrheit bildet, zementiert sich diese Macht in den Koepfen der Menschen und wird nicht angezweifelt. Das soll deshalb nicht heissen, dass eine Frau in einer klassischen Rollenverteilung daran irgendeine Schuld traegt .. waer ja noch schoener, wenn auch daran wieder Frauen Schuld sind, sondern dass ein Mangel an Diversitaet eben Intoleranz und Ablehnung mit sich bringt. Hier in meiner Gegend ist es zB vollkommen normal, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten (klar gibt es auch Ausnahmen, aber es sind Ausnahmen). Ich halte das System keinesfalls fuer besser oder so (weil es eben dieses doppelte Gehalt braucht, damit es funktioniert und Alleinerziehende/Wenigverdiener somit komplett und total auf der Strecke bleiben), aber es ist mir noch zumindest nie untergekommen, dass irgendwer meinte, ich muesse mit meinem Mann Kinderbetreuung oder solche Dinge abklaeren. Genauso habe ich als damals Vollzeit-Hausfrau nie das Gefuehl gehabt, deshalb in irgendeiner Form verurteilt zu werden.


    Aber auch hier ist es so, dass ein Mann, der sich entscheidet bei den Kindern daheim zu bleiben entweder bedauert wird (weil er dann ja abhaengig ist von der Frau) oder bewundert (weil so engagiert mit den Kindern), waehrend bei der Frau das eben akzeptiert wird, wie auch immer sie sich entscheidet. Ist ja auch ihr Problem, weil es ohnehin keine staatliche Unterstuetzung irgendwelcher Art gibt.


    Ich denke es ist ein Unding, wenn ein verheiratetes Paar ohne Kinder steuerlich besser dasteht als eine Alleinerziehende oder Eltern ohne Trauschein. Das ist derart absurd, dass man denkt, es sei ein Postillon-Artikel oder so. Wir haben auch schon enorm vom Splitting profitiert (weil wir zwar gleichviel verdient haben, mein Einkommen aber steuerfreies Stipendium war und das sowohl mit als auch ohne Kind), aber fair oder sinnvoll ist das so nunmal nicht.


    Ich denke die konservative Einstellung bei Jugendlichen kommt teilweise davon, dass Kinderbetreuung mittlerweile als Problem anerkannt wird. Daher dass es das Elterngeld gibt, was zu weiten Teilen in 1 Jahr Pause fuer Mama und 2 Monate Spass fuer Papa umgewandelt wird. Irgendwo ist es vielleicht auch besser, wenn Jugendliche realistischer denken als wir damals blauaeugig davon ausgehend, dass Beruf und Familie sich einfach irgendwie ergeben .. hat ja niemand auch nur einen Gedanken an diese Problematik verschwendet in den 80ern.


    Und leider ist es eben so, dass Eltern solange einen Karriere-Nachteil haben, wie Betreuung nicht im Einklang mit den Arbeitszeiten dahergeht. Und fuer eine 40-60h Woche Kinderbetreuung zu organisieren halt sehr schwierig/kostspielig ist und uU auch nicht das, was man moechte. Wer eh keine Kinder/Familie hat, der arbeitet eben auch gerne viel. Wer Kinder/Familie hat, der arbeitet womoeglich auch gerne, aber viel kann derjenige nur abeiten, wenn da jemand anders ist, der die Kinder betreut. Entscheiden sich beide Eltern fuer Aufteilung der Aufgaben, dann bleibt uU die Karriere beider auf der Strecke. Und Alleinerziehende haben sowieso keine Chance. Ich denke wirklich erstrebenswert waere ein 32h Woche (bei Vollzeitgehalt) fuer alle mit verplichtenden 8h gemeinschaftlichen Taetigkeiten fuer Leute ohne Kinder (und ohne medizinische Einschraenkungen/bis zu einem bestimmten Alter/sonstigen Ausschlussgruenden). Aber realistisch oder umsetzbar ist das natuerlich nicht. Solange Vollzeitarbeit so viel Zeit einnimmt, ist Vollzeitarbeit mit Kindern nur schwer vereinbar. Und da es Menschen ohne Kinder gibt oder Menschen, deren Partner komplett die Kinderbetreuung uebernimmt, ist es fuer alle anderen sehr schwer da mitzukommen. Das ohne Vorwurf an diese Menschen .. aber es ist halt so. Nur ganz ohne Kinder kaemen wir eben auch schnell in ernsthafte Probleme .. aber das wird halt nicht anerkannt.


    Und es geht eben nicht darum, dass das Ziel sein sollte, dass Eltern wie Nicht-Eltern 40h oder mehr in der Woche dem Arbeitgeber zur Verfuegung stehen sollten und Kinder moeglichst frueh wegbetreut werden. Sondern darum, dass man wegkommt, von dem Gedanken, dass Mutti sich im ersten Jahr ums Kind kuemmern muss, weil Papa keine Brueste hat und somit kategorisch als Betreuungsperson ausfaellt. Das ist heutzutage einfach idiotisch als Ansatz. Und es wird den Familien, die sich das vorstellen koennen sehr erschwert durch das konservative Bild der Rollenverteilung in den Koepfen der weitgehenden Mehrheit der Bevoelkerung. Und wenn das die 70jaehrigen Maenner im laendlichen Bayern sind .. gut, das ueberrascht wohl niemanden. Aber wenn 14-17jaehrige junge Frauen so denken, finde ich das schon bedenklich.

  • Wie meinst Du das Drahtesel ?

    Ich sehe einfach das statistische Ungleichgewicht, dass in fast allen Fällen der Mann den Ernährerpart übernimmt. Und frage mich wieso das so ist, trotz mittlerweile oftmals gleichwertiger Qualifikation und verdienstmöglichkeiten bei den Frauen.