Wie seid ihr rabig geworden?

  • das rabeneltern-forum ist schuld.


    echt jetzt. ich bin dabei seit meine tochter so 6 monate alt war.

    da sie ein extrem schwieriges baby war, suchte ich mir hilfe und bekam hier tolle ratschläge.

    sonja mit Eisprincess (03) + kleinronaldo (06)

  • Ich bin so aufgewachsen.

    Meine Grossmutter hat mir schon erzählt, wie sie nach Hause gekommen ist nach der Arbeit nachts und dann sich ins Bett quetschen musste, weil der mein Grossvater kuschelnd mit den beiden Buben lag. Und wie sie die Stillratschläge ignorierte und einfach machte, wie sie dachte, dass es für sie passen würde. Geschlagen wurde nicht, in beiden Familien vater- wie mutterseits.


    Ins Rabenelternforum kam ich, weil ich Tandemstillte.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Es kommen sehr viele "Ich bin nicht rabig" oder "ich weiß nicht, ob ich rabig bin".

    Natürlich haben wir keine harte Definition für das Wort. Ich wollte aber eben nicht "bedürfnisorientiert" benutzen (wegen der Nähe zu dem Trend, dem wir angeblich folgen) und welches Wort hätte ich dann verwenden sollen und ist das Wort denn wirklich so wichtig? Es weiß doch in etwa jeder, was gemeint ist und meinetwegen übersetzt rabig mit bedürfnisorientiert, denn das in etwa ist von mir gemeint gewesen.


    Vielen Dank für die zahlreichen Antworten zu so früher Stunde.


    Ich finde es interessant, dass viele den Umgang mit Kindern so schon von ihren Eltern gelernt haben. In meiner Umgebung gab es das nämlich gar nicht. Da hatten Kinder zu spuren und nicht aufzumucken.

    Ich glaube auch, dass es mir deshalb sehr wichtig war, es anders zu machen. Das hatte ja noch jemand geschrieben.

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  • Hier. Sind die Kinder schuld. Ich habe zwei sehr sensible Babys gehabt, kannte sowas aus unserer Familie bis dahin gar nicht. Da waren nur so zufriedene überallschläfer, die in ihrem Körbchen lagen bei Familienbesuchen und keinen Mucks machten au

    Meine dann absolut high Need. Da ist mir aufgefallen, dass mein Mann sich mit 'solchen' Kindern auskennt, das normal findet und die einfach immer durch die Gegend trägt, auf dem Bauch schlafen lässt usw. In seiner Familie sind wirklich alle Babys so. Die Hebamme hat mich darin bestärkt, ihn machen zu lassen. Er hat dann auch seinen Job erstmal aufgegeben, damit er sich in der Intensität kümmern konnte. Also, Mann, Hebamme, Kinder.

    Die Nachbarn halten uns wahrscheinlich für Angelikaner :D

  • Unser erster Sohn schlief recht schlecht und schrie viel. Meine Schwiegermutter riet mir immer ihn rumzutragen und nicht schreien zu lassen ❤️ Als er dann ein Paar Monate war, meinten einige, wir müssten ihn schreien lassen. Das kam uns aber total falsch vor und wir lasen im Internet darüber und haben uns dagegen entschieden. 2003 bin ich dann auf die Raben gestoßen, seitdem bin ich dabei. Beim ersten Kind habe ich noch ganz viel anders gemacht als bei den anderen, aber auch 2002 hatte ich ein Tragetuch, welches damals noch gar nicht in Mode war und ich musste mir oft blöde Sprüche anhören. Gestillt wurde das erste Kind leider nur ein paar Wochen, es ging einfach nicht, aber die Unterstützung und das Wissen fehlte mir.

  • meine eltern waren so.

    meine einen grosseltern waren so.


    ich tu mich deshalb sehr schwer damit, einen bedürfnisorientierten umgang mit kindern als "neu" wahrzunehmen (und habe auch kaum was dazu gelesen).


    ich sehe gerade, ähnlich wie Daroan . und frage mich, ob es zufall ist, dass wir beide schweizerinnen sind. ich wage mal die steile these, dass in deutschland die gesellschaftlichen, politischen und letztlich auch pädagogischen rahmenbedingungen (spezifische form der nationalstaatenbildung, nationalsozialismus, kriegs- und nachkriegsjahre) diese art des umgangs massiv erschwert, verschüttet, verdrängt haben.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • Nach der Geburt meines Sohnes und vielen Erfahrungen, wie es nicht laufen sollte, bin ich hier hergekommen und wurde darin bestärkt, Dinge anders anzugehen. Seitdem versuche ich bedürfnisorientiert zu handeln. Und zwar auf die gesamte Familie. Auch für mich und meinen Mann.

    Wer laufen kann, der kann tanzen ~ wer reden kann, der kann singen!

  • Bei Licht betrachtet war ich wahrscheinlich einfach zu faul, es anders zu machen. Nachts aufstehen für Fläschchen oder so, oder überhaupt nachts aufstehen und nicht nur das Shirt im Halbschlaf hochheben usw. wäre mir alles viel zu anstrengend gewesen.


    Gleichzeitig ging es mir und meiner Tochter am besten, wenn sie Körperkontakt hatte, ihr erstes Lebensjahr wohnte sie quasi auf mir und mich hat das überhaupt nicht gestresst, obwohl ich sonst (auch jetzt schon sehr sehr lange wieder, meine Tochter ist 16 ;) sehr viel Freiraum auch für mich brauche). Beim zweiten Kind war es anders, mein Sohn war nicht ganz so anhänglich und daher auch früher mal mehr bei seinem Vater oder der Oma oder so.


    Ich hatte das grosse Glück, eine ganz tolle Hebamme zu haben, bei ihr hörte ich zum ersten Mal den Begriff Familienbett und zum stillen hatte sie auch eine wunderbare Haltung. Und kurz nach Geburt bin ich zum Glück auf meine lieben Mit-Rabeneltern-Gründerinnen gestossen, von da an war das mit dem rabig sein nicht mehr nur ein "fühlt sich richtig an" sondern auch ein "dafür gibt es die und die Argumente".

  • ich sehe gerade, ähnlich wie Daroan . und frage mich, ob es zufall ist, dass wir beide schweizerinnen sind. ich wage mal die steile these, dass in deutschland die gesellschaftlichen, politischen und letztlich auch pädagogischen rahmenbedingungen (spezifische form der nationalstaatenbildung, nationalsozialismus, kriegs- und nachkriegsjahre) diese art des umgangs massiv erschwert, verschüttet, verdrängt haben.

    Ich als Deutsche hatte diesen Gedanken auch schon. Die Kriege haben tiefgreifende Einflüsse auf mehrere Generationen gehabt.

    Aber irgendwie kann ich mir auch schwer vorstellen, dass es vorher weiträumig besser war. Also hier. #crying

  • Meine Mutter wäre gerne etwas rabiger gewesen, wenn es die Zeit damals zugelassen hätte. Zu meiner Geburtszeit war stillen out, denn die Muttermilch war belastet (womit?) und Ersatznahrung so viel besser. Damals war es auch üblich, wenn die Kinder schliefen, Dinge zu erledigen, einkaufen, etc. Meine Mutter wollte das alles gefühlsmäßig nicht und fand das nicht richtig, hat aber aufgrund des gesellschaftlichen Drucks so gemacht.


    Bevor ich schwanger war, war ich auch der Meinung, ein Kind müßte man mal ordentlich schreien lassen, damit es damit aufhört und sich "benimmt" und früh zu fremden Leuten geben, damit es sich daran gewöhnt.


    Dann kam das Kind und da war mir klar, ich möchte das Kind so behandeln, wie ich behandelt werden möchte, würde- und respektvoll mit Humor und Herz.

  • Ich glaube, die Tendenz zur Härte gab es überall. Und die Ausnahmen waren individuelle, so ist zumindest meine Wahrnehmung.


    Ich habe meiner Mutter (Jahrgang 1940) als meine Tochter ca. ein Jahr alt war mal von dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" erzählt, und sie war völlig entsetzt, wie jemand auch nur auf solche Ideen kommen könnte. "Ein Baby lässt man doch nicht alleine beim einschlafen, das weiss doch jeder!" #herz

  • 1) als kind fand ich es ungerecht, dass ich nicht ernst genommen wurde und freute mich darauf, endlich erwachsen zu sein und selbst bestimmen zu können. das gefühl wollte ich meinen kindern nicht geben.

    2) ich fand immer schon schlimm, dass kleine kinder, die gerade die welt entdecken, sehr oft "nein", "lass das" und so weiter zu hören bekommen. freunde von mir, beide recht relaxte eltern, liessen ihre kinder überall raufklettern, sodass mir als kinderlose fast das herz stehen blieb. die kinder waren super geschickt. die mutter meinte auch, wenn das kind nie fallen darf, wie soll es dann gleichgewicht halten lernen.

    3) ich fand windeln eher ecklig. so in der eigenen schei*** zu sitzen und dann muss man das aus allen hautfalten rausputzen und die kinder haben wunde pos. als mir dann mal eine frau mit zwei kindern von windelfrei erzählte, war das ein aha-erlebnis für mich. das war lange bevor ich schwanger wurde, aber mir war klar, sollte ich jemals kinder haben, gibts keine windeln.

    4) lange vor meiner schwangerschaft las ich lidloffs "erinnerung ans glück".

    5) hausgeburten und tragetuch lernte ich schon als jugendliche in den 80er-jahren kennen, da meine eltern teilweise alternative freunde hatten. auch war die klinik in korneuburg damals ende der 80er eine sensation, weil sie wassergeburten anboten. viele wiener frauen pilgerten nach korneuburg, um dort gebären zu können. (das hat sich leider in den letzten 20 jahren sehr gewandelt.)


    das war alles vor dem ersten kind. ich bin also mein leben lang immer wieder auf themen gestossen, die mir logisch erschienen, mein bauchgefühl und mein herz bestätigten. mit der ersten schwangerschaft kam dann familienbett, eine intensive kritische auseinandersetzung mit dem medizinischen system und langzeitstillen dazu. und als das kind da war, suchte ich im internet nach tips zu windelfrei und fand das rabeneltern-forum.


    von irgendwelchen christlichen strömungen bin ich weit weg. den begriff attachement parenting lernte ich erst kenne, als mein erstes kind ein jahr war.

    #rose  

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.

    Equality is not about making women more like men, but about creating an environment where both sexes can have equal choices and fully participate in social, work and family life.



    Věra Jourová

  • ich war früher hardcore-rabig. ;-).


    ich dachte, nur ein langzeitgestilltes, getragenes kind wird glücklich...oder so...nun sind meine kids 12 und 15..tja und die Erfahrung hat mich einiges gelehrt.

    sonja mit Eisprincess (03) + kleinronaldo (06)

  • Ich glaube, die Tendenz zur Härte gab es überall. Und die Ausnahmen waren individuelle, so ist zumindest meine Wahrnehmung.


    Ich habe meiner Mutter (Jahrgang 1940) als meine Tochter ca. ein Jahr alt war mal von dem Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" erzählt, und sie war völlig entsetzt, wie jemand auch nur auf solche Ideen kommen könnte. "Ein Baby lässt man doch nicht alleine beim einschlafen, das weiss doch jeder!" #herz

    Meine Stiefmutter, JG 48, DDR hatte ähnliche Ansichten, stand damit aber recht allein da. Sie hat es trotzdem so gemacht, finde ich Klasse!

  • Oh, vom Rabig-Sein habe ich hier im Rabenforum ja schon eine ganze Weile nichts mehr gelesen.

    Ich bin vor recht langer Zeit über ein Stoffwickel-Forum von einer Userin hierher gelotst worden. Die Suchmaschinen haben mir damals - trotz intensiven Googelns zu allen möglichen Babythemen und der Erschließung neuer Konsumwelten - kein einziges Mal das Rabenforum angezeigt. Als ich hierher fand, war das Kindchen schon ein halbes Jahr alt.


    EDIT: In meiner Familie wirken unterschiedliche Sozialisationen. Europäische (Vorkriegs- und Nachkriegsgenerationen) und außereuropäische. Ich hab einfach nur das behalten, was mir positiv und nachahmenswert erschien.

  • ich finde den Gedanken gar nicht so abwegig.. diese "Härte" hat in Deutschland schon einiges an Tradition.


    ich bin da auch eher so reingewachsen, ich habe in der ersten Schwangerschaft schon hier gelesen und es hat mich sehr bestärkt, auf mein Bauchgefühl zu hören. Denn als das Kind dann da war, war alles so anders als "geplant".. (er kam zu früh, wollte nicht richtig trinken, hatte Gelbsucht..etc) Aber wir haben ihn im Tragetuch aus dem Krankenhaus rausgetragen.. und da hat er dann auch erst mal 3 Monate drin gewohnt. Ums Stillen hab ich einen Monat lang gekämpft und gewonnen.. und danach habich mir da auch nicht mehr reinreden lassen ;)

    Ich musste allerdings gegenüber meinem Mann manchmal kämpfen, weil aus seiner Familie öfter mal "aber er muss doch mal..:" kam. (v.a. was die Schlafsituation betrifft).


    Ob ich/wir "rabig" im Sinne der Definition sind? Ich habe durchaus noch einiges an Potential was den freundlichen Umgang angeht.. aber ich weiß und spüre, dass wir ihnen eine sehr sichere Bindung mitgegeben habe.. auch wenn ich oft die Meckermama bin, die auch mal laut werden kann..#schäm

  • Ich finde es rabig, sich zu hinterfragen und noch Spielraum nach oben zu sehen. Das Gegenteil, unrabig, wäre für mich, dem Kind die Schuld zurecht zu konstruieren, warum es so unmöglich ist.

    mel_kane

    #post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-21-22-23-#post #herz#post

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  • Da ich mir gar nicht so sicher bin, was rabig eigentlich ist, und auch Attachment Parenting oft unterschiedlich verstanden wird, weiss ich nicht genau, wohin ich passe.


    Fuer mich persönlich besteht ein grosser Unterschied zwischen einer emotionalen, sicheren Bindung der Kinder an ihre Eltern, und den mehr visuellen Zeichen wie Langzeitstillen, Tragen, Familienbett, etc. Beides trifft oft zusammen, aber nicht immer. Ersteres ist aus meiner Sicht Attachment Parenting.


    Gelernt habe ich das nicht durch meine Eltern. Eher durch eine Abwendung vom Erziehungsstil meiner Eltern. Ich hatte schon lange bevor ich schwanger war, entschlossen, dass ich einen anderen Weg gehen wollte. Durch meine Kindheit weiss ich auch, dass Stillen und Kinder tragen nichts mit sicherer Bindung zu tun haben. Meine Familie kommt da eher aus der klassischen deutschen Tradition und Denkweise, dass man Kinder ja nicht zu viel verwöhnen sollte, und frühe Unabhängigkeit stärkt.


    Dann fand ich meinen Mann und bekam damit einen Einblick in eine andere Kultur, wo Attachment parenting gar kein Trend ist, sondern einfach normal ist. Ich las viel, fand Freunde, die aehnlich dachten, in den USA (keiner davon christlich uebrigens, im Gegenteil). Und habe durch mein Schreikind, und dann ein strong-willed Child viel als Mutter gelernt, meinen Weg zu gehen.


    Kloetern koennte in die Ecke des Attachment Parenting passen, aber ich mag die Briefe aus diversen Gründen so gar nicht.

    'Attachment Parenting' ein Trend aus den USA ist (unter den Evangelikalen verbreitet ist)

    Das hab ich ja noch nie gehoert, dass Attachment Parenting besonders mit Evangelikalen verbunden ist, und haette da eher das Gegenteil behauptet. Meiner persönlichen Erfahrung nach, waren es eher säkulare und hippie-Familien, die Attachment Parenting praktizierten.

  • Nachtkerze Ich hatte es auch noch nie gehört, kenne mich aber in den USA nicht aus.

    Vielleicht hat der Schreiberling sich das ja auch nur konstruiert, weil er zwei evangelikale Familien kennt, die so sind. Oder er wirft Homeschooling grundsätzlich mit Attachment Parenting zusammen.