welches risiko hat ein arbeitgeber bei einer potentiellen schwangerschaft einer mitarbeiterin?

  • kann mir jemand das wirtschaftliche risiko eines arbeitgebers erklären, dass besteht, wenn man eine frau einstellt, die schwanger werden könnte?


    was kostet es den arbeitgeber, wenn frauen in mutterschutz und elternkarenz/elternzeit gehen? konkret würde mich das risiko für österreich interessieren, aber für deutschland und die schweiz ist es natürlich auch interessant für mich, auch wenn die rechtliche lage eine andere ist.

    #rose

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.


    Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral. Johanna Dohnal

  • Soweit ich informiert bin, übernimmt die Versicherung die Kosten für Elternzeit und Mutterschutz...schwierig ist es aber oft mit der Vertretung. Mein Schwager ist Zahnarzt und im letzten Jahr sind 3 Helferinnen gleichzeitig schwanger geworden, dass hat den Laden echt ins Schwanken gebracht, da in diesem Fall die Helferinnen mit Bekanntwerden der Schwangerschaft nicht mehr an den Patienten durften und er ganz schnell Leute brauchte, die musst Du aber erst mal finden...da war das fianziellle Risiko das geringste Problem...ich glaube aber, je größer ein Unternehmen, desto weniger Risiko ist es. Mein derzeitiger Arbeitgeber unterhält eine wirklich "fruchtbare" (gemeinnützige) Gesellschaft und tut sich damit gar nicht schwer, meist wurden Standorte die mit Schwangerschaftsvertretungen besetzt waren danach so ausgebaut, dass die Vertretungen bleiben konnten bzw. an einen weiteren Standort mit dem sie gut klar kamen versetzt wurden...auch hier ist es so, das mit Bekanntwerden der Schwnagerschaft die Mitarbeiter keine gewebe mehr entnehmen dürfen.


    Achtung: gänzlich laienhaftes Statement ohne Anspruch auf Korrektheit...

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Kiwi ()

  • Während Mutterschutz (und u.U. auch Elternzeit) sammelt die AN Urlaubsanspruch an. Sie darf ggf. Nur noch eingeschränkt beschäftigt werden (etwa wenn die gefährdenden Arbeiten oder Nachtschichten dann Kollegen delegiert werden müssen). Schwangere haben zudem ein höheres Risiko für Krankschreibung (Übelkeit, vorzeitige Wehen). Und der AG muss die Schwangere zu nicht anders legbaren Arztterminen freistellen, unter Lohnfortzahlung für diese Zeit.

  • da mit urlaubsanspruch ist in österreich noch nicht so, das gesetz soll aber kommen. (oder wurde es schon beschlossen?)


    alle risiken kann ich doch bei jedem menschen haben. irgend eine blöde krankheit kann jeder kriegen, die viele krankenstände braucht und eventuell eingeschränkte arbeitsfähigkeit nach sich zieht.

    und er ganz schnell Leute brauchte, die musst Du aber erst mal finden...da war das fianziellle Risiko das geringste Problem...

    zu wenig mitarbeiter ist ja auch ein wirtschaftliches risiko.

    #rose

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.


    Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral. Johanna Dohnal

  • zu wenig mitarbeiter ist ja auch ein wirtschaftliches risiko.

    das ist richtig, aber in kleinen Strukturen einen plötzlichen langen Ausfall (mehrere Monate bis Jahre) gleich dreier Mitarbeiterinnen auf einmal zu kompensieren ist schwierieg, mann kann sich ja nicht 3 Helferinnen die sonst nicht benötigt werden auf Halde legen, dass wäre ebenso wirtschaflich problematisch, daher denke ich das je größer die Strukturen, desto weniger Risiko bedeuten evtl. Schwangerschaften.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Disclaimer: Das ist nicht meine persönliche Meinung. Es sind die potentiellen Risiken, die ein Arbeitgeber sehen kann


    In Deutschland:

    Je nach Tätigkeit sofortiges Arbeitsverbot inkl. Lohnfortzahlung. Da fällt also eine Arbeitskraft sofort weg. Ersatz muss gesucht weden.

    Begrenzung der täglichen Stundenzahl, keine Nachtschichten, keine Arbeit nach 20 Uhr, mind. 60 Minuten Pause, etc. = organisatorischer Aufwand, die Kolleginnen müssen es abfangen

    Ausfall der Mitarbeiterin spätestens zum Beginn des Mutterschutzes. Absolutes Beschäftigungsverbot in der Zeit des Mutterschutzes inkl. Lohnfortzahlung

    Dann Erziehungszeit. Die Mitarbeiterin hat bis zu 3 Jahre Anspruch auf Rückkehr. Es muss nicht genau derselbe Arbeitsplatz sein, aber eigentlich eine vergleichbare Tätigkeit. Da muss man Ersatz suchen, kann nur befristet einstellen, muss wieder einarbeiten, etc.

    Wenn dann ein zweites Kind dazu kommt, verlängert sich die Zeit nochmal um 3 Jahre. Somit muss eine maximale Abwesenheit von 6 Jahren überbrückt werden.

    Dann will die Mutter wahrscheinlich wieder in Teilzeit einsteigen. Das ist zwar eigentlich nicht Teil der Arbeitsplatzgarantie, aber wohl doch oft so gemacht.


    Und dann, ja dann, sind die Kinder ja immer krank und die Frau fällt ja dann immer aus #kreischen

    Finanziell dürfte der Schaden nicht besonders hoch sein. Was genau die Versicherungen übernehmen, weiss ich nicht, aber da gibt es Umlagen etc.


    Ich nehme an, dass es vor allem organisatorische Gründe sind. Es geht eben Know-How verloren.

    Je grösser das Unternehmen ist, umso geringer dürfte der Aufwand sein, weil es da ja generelle Fluktuationen gibt, und mehr Ausweichmöglichkeiten.



    Jetzt ganz persönlich von mir:

    Bei diesen Überlegungen wird irgendwie vergessen, dass Mitarbeiter auch aus anderen Gründen das Unternehmen verlassen oder krank werden können. #hammer

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Nur Laienwissen:


    Hier im Umfeld erfuhr jemand am Tag nach der Vertragsunterzeichnung ( Saisonjob) von der Schwangerschaft.

    Da ihr ziemlich übel war und sie somit immer wieder ausfiel wurde ihr nahegelegt ein BV zu bringen da das für alle einfacher wäre. Also planbar, da eben klar ist sie kommt nicht.

    Allerdings fällt ihr das jetzt vor die Füße, da der Vertrag ja trotzdem endete da befristet, und da sie arbeitsunfähig ist bekommt sie kein Geld von der Agentur für Arbeit, was scheinbar auch weitere finanzielle Auswirkungen hat.


    Ansonsten gibt’s fürs mutterschaftsgeld eine ausgleichskasse, in die zB bei der minijobzentrale eingezahlt werden muss vom Arbeitgeber

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von mama5 ()

  • Bei diesen Überlegungen wird irgendwie vergessen, dass Mitarbeiter auch aus anderen Gründen das Unternehmen verlassen oder krank werden können.


    ganz genau. deshalb frage ich ja. ich sehe schwangerschaft als eines von vielen risiken, wenn man menschen einstellt und nicht, wie oft suggeriert wird, als ein erhöhtes risiko, dass ein arbeitgeber eingeht, wenn er frauen in gebärfähigem alter einstellt. es könnte aber sein, dass ich irgendwas nicht verstehe, übersehe oder so, deshalb der thread.

    Ausfall der Mitarbeiterin spätestens zum Beginn des Mutterschutzes. Absolutes Beschäftigungsverbot in der Zeit des Mutterschutzes inkl. Lohnfortzahlung

    das geld während des mutterschutzes wird in österreich von der krankenkasse gezahlt.


    kündigungsschutz hat man 2 jahre ab geburt, recht auf elternteilzeit hat man in betrieben mit mehr als 30 mitarbeitern inkl. kündigungsschutz bis zum 4. geburtstag des kindes.


    was mich zur nächsten frage bringt: was ist das wirtschaftliche risiko bei teilzeit? meiner meinung nach ist es in österreich steuerlich sogar besser, zwei geringere gehälter auszuzahlen als ein höheres. und wenn ich zwei mitarbeiter für einen job hab, dann ist ja das ausfallsrisiko minimiert, da ich bei ausfall einer halben arbeitskraft ja noch die andere halbe arbeitskraft habe.

    #rose

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.


    Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral. Johanna Dohnal

  • achso, was ich noch vergessen habe: Ab dem Moment, in dem die Schwangerschaft bekannt gemacht wurde, gilt ein erweiterter Kündigungsschutz.

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Julchen86 : vor der geburt darf man Arbeiten in D, das Verbot gilt nur für den mutterschutz nach der geburt.

    Die Lohnfortzahlung kann sich der ag von der kk wiederholen, ist also nur organisatorischer Aufwand für ihn.


    licht : aber ist ist ja ein zusätzliches Risiko. Alle anderen Risiken hat ja eine gebärfähige Frau auch.

  • licht: aber ist ist ja ein zusätzliches Risiko. Alle anderen Risiken hat ja eine gebärfähige Frau auch.

    das ist ein argument, dass mich zwar ärgert, aber nicht von der hand zu weisen ist. da müsste man eine risikoberwertung machen, wie hoch das risiko für diverse arbeitsausfälle insgesammt ist und wieweit eine schwangerschaft das ausfallsrisiko tatsächlich erhöht. wobei in österreich der finanzielle schaden bei schwangerschaft um einiges geringer ist, als bei krankheitsbedingtem ausfall.

    #rose

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.


    Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral. Johanna Dohnal

  • Der Schaden ist je nach Unternehmenssituation recht hoch.


    Das Suchen nach einer neuen Arbeitskraft kostet Zeit (und somit Geld): Geld für die Anzeige schalten, Geld für die Überstunden, weil jemand anders die liegen gebliebene Arbeit machen muss, Geld/Zeit die der Chef in die Vorstellungsgespräche steckt (Es sind ja meist mehrere, je nach Position sogar viele mehrere)


    Das ist im wirtschaftlichen Sinne viel Geld, was erstmal verdient werden muss.


    Dann: je nach Position - wenn ich nur eine Elternzeitvertretung suche, finde ich oft nichts adäquates. Wer will schon nur für ein Jahr irgendwo arbeiten? Die meisten Arbeitgeber verlangen "wunderschön perfekte" Lebensläufe. Das ist unheimlich schwer. Und es kostet. Immer wenn du Extern jemand einstellst, kostet der i.d.R. mehr, als wenn du jemand aufsteigen lassen kannst.



    Schon alleine diese Faktoren sind schwierig.


    Für ein mittelgroßes Unternehmen ist dies zwar ein Kostenpunkt, aber eben ein einkalkulierbarer. Der muss erwirtschaftet werden. Ja.



    Leicht und easy ist das aber nicht, und aus der Portokasse zahlt man das auch nicht. Eine Schwangerschaft einer Mitarbeiterin in einem kleinen Unternehmen (sagen wir um die 10-50 Mitarbeiter) kann extrem an die Substanz gehen. Da sind Umsatz/Gewinn so eng gestrickt, dass das extreme Mehrkosten sind.


    Früher habe ich das auch belächelt ... heute sehe ich das "kritischer", eine Lösung habe ich aber nicht. Alleiniges rumgeschimpfe auf Unternehmen, dass sie keine "könnte schwanger werden" Frauen einstellen, finde ich schwierig.

  • Es kann aber auch sein, dass eine Mitarbeiterin eine unkomplizierte Schwangerschaft hat, auch schwanger in ihrem Tätigkeitsbereich arbeit darf und nach der Geburt 8 Wochen im Mutterschutz ist, was über Umlageverfahren ausgeglichen wird. Elternzeit und deren Folgen fürs Unternehmen würde ich nicht als spezielles Risiko bei der Einstellung von Frauen betrachten, es kann genauso sein, dass ein männlicher Mitarbeiter z. B. ein Jahr Elternzeit nimmt.

  • Unser Betriebsrat sagt, es kostet nur die mutterschutzzeit (vor und nach geburt). Elternzeit ist kostenlos und das risiko ist überschaubar.


    (Bürojob, da kann frau bis zum Mutterschutz arbeiten, wenn die Schwangerschaft es zulässt)

    lg quark


    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von quark ()

  • und ein anderer chef meinte, „fertige“ mütter sind dann zuverlässig und verantwortungsbewusst. Wollen weniger wechseln und bleiben dem Unternehmen länger erhalten(wenn die Bedingungen stimmen).

  • Wir hatten die Situation in unserem letzten Kindergarten, viergruppige Einrichtung, 15 Mitarbeitende.


    Innerhalb eines Jahres sind 9 Mitarbeiterinnen schwanger geworden und alle haben ein sofortiges BV bekommen. Das war wirklich übel, denn weil das immer so plötzlich kam, waren die Gruppen permanent unterbesetzt.

    Obwohl der Arbeitgeber unbefristete Stellen ausgeschrieben hatte, war es unmöglich, alle fehlenden Stellen zu ersetzen (Erziehermangel).

    Es gab zwar mal hier und da Springerkräfte, aber nur stundenweise.

    Durch die hohe Arbeitsbelastung sind die verbliebenen Mitarbeiter sehr an die Grenze gekommen, wurden öfter krank und alles mögliche musste gestrichen und weggelassen werden (Vorschulprogramm z.B).


    Viele haben zu dieser Zeit den Kindergarten gewechselt, wir hätten das auch getan, wenn meine Tochter nicht sowieso eingeschult worden wäre.

    Das letzte Jahr war unsere Kinderpflegerin dauerhaft alleine mit ihrer Gruppe (24 Kinder). #haare


    Im kleinen lief es so ähnlich bei meiner Zahnärztin. Die hat eine kleine Praxis mit drei Angestellten, zwei davon wurden schwanger mit BV. Ebenfalls eine Branche, in der es kaum Bewerber gibt (nachvollziehbar, wird schlecht bezahlt)

    Sie hat sehr geschwommen und dann eine Frau eingestellt, die fachfremd ist (das war für beide ein Glücksgriff, denn die Bewerberin spricht kein Deutsch und hat keine hier anerkannte Ausbildung, also nicht gerade viele Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie macht das toll, aber ich würde ihr natürlich trotzdem einen besser bezahlten Job wünschen...)

  • Eine verwandte führt ein kleines Unternehmen. Für sie ist eine schwangere gut machbar.

    Selbst mit BV. (Medizinischer Bereich)

    Dann kamen 3 schwangere auf einmal von denen sich eine auch noch nur Tage vor bekanntgabe einen Vollzeit Vertrag hat geben lassen.

    Das wäre beinah das Ende gewesen.

    Darauf hin hat sie auch erstmal ältere Frauen oder Männer eingestellt um erst mal planungssicherheit zu stabilisieren.

    Zum Glück konnte sie sich erholen aber die verbliebenen Mitarbeiter mussten unfassbares leisten. Hätten diese nicht freiwillig deutlich mehr als "Dienst nach vorschrift" getan wäre das den nach runter gegangen.


    Das kann also schon wirklich ein Problem werden. Vor allem wenn es sehr plötzlich mehrere betrifft.

    Solang wir uns begleiten...durch Sturm und Gezeiten...durch Ebbe und Flut...dann bleibt alles gut...#herz

  • ganz genau. deshalb frage ich ja. ich sehe schwangerschaft als eines von vielen risiken, wenn man menschen einstellt und nicht, wie oft suggeriert wird, als ein erhöhtes risiko, dass ein arbeitgeber eingeht, wenn er frauen in gebärfähigem alter einstellt. es könnte aber sein, dass ich irgendwas nicht verstehe, übersehe oder so, deshalb der thread.

    Ahhh..ich verstehe worauf Du hinaus willst...ein komplizierter bruch oder ein Burn-Out können ähnlich problematisch werden....

    Eine verwandte führt ein kleines Unternehmen. Für sie ist eine schwangere gut machbar.

    Selbst mit BV. (Medizinischer Bereich)

    Dann kamen 3 schwangere auf einmal von denen sich eine auch noch nur Tage vor bekanntgabe einen Vollzeit Vertrag hat geben lassen.


    Das wäre beinah das Ende gewesen.

    Das war bei meinem Schwager auch das Problem... 1 Schwangere hätte man gut verknusen können, 3 auf einmal dann schon deutlich weniger...allerdings hat er kaum eine andere Möglichkeit als junge gebärfähige Frauen ein zu stellen, denn Zahnarzthelferin ist so ein unglaublich gegenderter Beruf und die älteren erfahreneren Helferinnen werden mit allen Mitteln bei der Stange gehalten...

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf