welches risiko hat ein arbeitgeber bei einer potentiellen schwangerschaft einer mitarbeiterin?

  • Home-office wäre bestimmt für sehr viele Menschen eine Erleichterung, da tut sich ja auch eine ganze Menge im Vergleich zu vor 10 Jahren. Aber ganz viele Berufe sind da nun mal ausgenommen, weil ohne Präsenz nichts geht.

  • Aber das hatten wir oben doch schon mal....Es GIBT kein Personal, es findet sich niemand, der die Arbeit macht. Der öffentliche Dienst kann auch nicht einfach mal das Gehalt erhöhen und sich für die entbürokratisierung der Pflege einzusetzen ist immer gut, aber ändert die Situation aktuell nicht.

    Ich habe ja auch nicht gesagt, dass ich die Lösung für Deinen Dienstplan im Januar habe - hätte ich das, würde ich wohl einen anderen Job machen (und wahrscheinlich besser verdienen ;))

    aber es geht hier ja auch um Ideen, wie es anders sein könnte - und da finde ich tatsächlich das, was Iverna schreibt:

    Kommt bestimmt auf den Markt an. Heute ist es, je nach Region, wichtig die Mitarbeiter zu binden. Weil es teuer ist, neue zu finden. ;) Also versucht man ihnen das Arbeiten angenehm zu gestalten, bietet HomeOffice, und und und ... man versucht interne Lösungen für Stellen zu finden, kranke Arbeitnehmer werden nicht rausgemobbt sondern immer wieder integriert.

    wichtig!

    Wenn wir als Gesellschaft den Mangel an Fachkräften aufheben wollen, müssen wir langfristig etwas an unserer Sicht auf Arbeit und Verhältnis Mitarbeiter-Betrieb ändern...


    Arbeitszeit: ich arbeite bereits Vollzeit, wenn man die Stundenzahl nimmt - da die Arbeitszeit pro Woche in CH etwas länger ist.

    Ich habe aber tatsächlich auch schon mein Pensum aufgestockt und wieder abgestockt, für solche innerbetrieblichen Schiebereien, ja. Mein Mann übrigens ebenso.

    Ja, wenn "man" wollen würde, wäre es möglich - damit meine ich jetzt aber nicht, dass Du oder Deine Kollegin jetzt xy machen müssen, weil ich das so gemacht habe. Ich sage nur, wenn alle mitarbeiten, inkl. dem Staat, der Kommune, ist viel möglich.

    Aber ich habe es ja oben schon geschrieben: wenn ein Team im Normalfall schon ständig am Anschlag läuft, ist es illusorisch zu glauben, dass es supi-dupi läuft, wenn ein Ausfall reinschneit.


    Liebe Grüsse


    Talpa


  • In der Pflege gibt es viele Teilzeitkräfte. Diejenigen die Teilzeit arbeiten, haben in der Regel einen Grund dafür.

    Ich arbeite 75% rein Nachtdienste und mehr geht echt nur sehr schwer, das geht an die Substanz.

    Hier gibt es keine muttischichten. Hier gibt es früh, spät und Nacht.


    Natürlich kann man mit vielen Teilzeitkräften eher abfedern, aber nicht in dem Umfang der benötigt wird. Und auf Kosten der Angestellten und deren Gesundheit.

  • Talpa , wir sind gar nicht knapp besetzt. Aber wir sind nur 10 Leute, ein kleiner Betrieb eben und können uns keine Backups irgendwo leisten. Naja, das dreht sich ein bisschen im Kreis...


    Aber wie kannst du einerseits deinen familienalltag nur so realisieren, dass ihr beide teilzeit arbeitet (so klang das oben) aber andererseits mal flockig ein Jahr lang 25% mehr arbeiten ohne dass das famikienpaket darunter leidet?

  • Es kann sehr hilfreich sein zu schauen, welche Aufgaben wirklich Präsenz erfordern und welche im Homeoffice machbar sind. In Sachen "Risikomanagement Schwangerschaft" einige praktische Beispiele:


    Schwangere Mitarbeiterin, mittleres Management, hat viel mit Übelkeit zu tun, besonders schlimm beim Bus- und Bahnfahren. Der Weg zum Büro wird aber mit Öffis zurückgelegt. Nach sorgfältiger Betrachtung der Aufgaben der Schwangeren, war es möglich, zwei Präsenztage und 3 Homeoffice-Tage zu vereinbaren. Alternativ hätte die MA sich wahrscheinlich krankschreiben oder ins Beschäftigungsverbot schicken lassen.


    Die Bereitschaft von KollegInnen, vorübergehend den Stellenumfang aufzustocken, erhöht sich, wenn die Leute dafür nicht zusätzliche Fahrzeit in Kauf nehmen müssen. Wer Montag, Mittwoch und Freitag je 2 Stunden Fahrzeit hat, ist zwar vielleicht bereit, donnerstags 4 Stunden zu arbeiten, aber nicht, noch 2 Stunden zu fahren.


    60% arbeitende angestellte Kieferorthopädin, Komplettausfall für die Praxis durch Elternzeit wäre kaum zu kompensieren, da sich niemand befristet für den Stellenumfang finden ließe. Lösung im Einzelfall: Die Kieferorthopädin hat keine Elternzeit genommen, sondern für ein Jahr keinen Patientenkontakt mehr, der Präsenz erfordern würde. Sie befundet während der Elternzeit Röntgenbilder, die übrigen KollegInnen haben diese Aufgabe für ein Jahr nicht mehr, sondern sind im Patientenkontakt tätig. Die Aufgaben verteilt sie sich frei über alle Wochentage und Zeitfenster.

  • janos : Wenn ich dich richtig verstehe, dann seid ihr aber mit 10 Leuten eigentlich unterbesetzt, oder? Findet aber niemanden, der bei euch arbeiten möchte? In Bezug auf die Kollegin mit Spezialkenntnissen - wäre es nicht sinnvoll, jetzt schon jemanden einzustellen, der dann angelernt werden kann? Der Kollegin kann ja auch sonst was passieren, im Grunde ist die Personaldecke da dünn, egal wie. (Wobei ihr da vermutlich keine Frau um die 30 anstellen werdet, weil *gehe zum Anfang der Diskussion*)


    Edit: Rheinländerin - so etwas finde ich ja extrem cool - schauen, was geht. Ist das dein Beruf? Gibt es da Berater/Fortbildungen? (Doofe Beamtin, die davon keine Ahnung hat).

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Talpa , wir sind gar nicht knapp besetzt. Aber wir sind nur 10 Leute, ein kleiner Betrieb eben und können uns keine Backups irgendwo leisten. Naja, das dreht sich ein bisschen im Kreis...


    Aber wie kannst du einerseits deinen familienalltag nur so realisieren, dass ihr beide teilzeit arbeitet (so klang das oben) aber andererseits mal flockig ein Jahr lang 25% mehr arbeiten ohne dass das famikienpaket darunter leidet?

    Für Kleinbetriebe wird es immer schwer sein, das liegt in der Natur der Sache, fürchte ich.


    In dem ich nicht die einzige bin, die sowas macht, sondern auch andere Mitarbeiter Wünsche und Anträge haben und in mittelgrossen Betrieben so oft genug Möglichkeiten zusammenkommen (ich habe im letzten Jahr 10% abgegeben, mein Mann 10% dazugenommen, zum Beispiel).

    Indem ich einen Partner habe, der dieselben Anstrengungen macht und je nachdem eben auch anpasst - in beide Richtungen (siehe oben).

    Indem ich diejenige mit "Schichtbetrieb" war/bin - also durch regelmässige Wochenend/Abendeinsätze zeitlich sowieso flexibler und mein Mann im Normjob dann übernimmt.

    Wir haben nur zwei Kinder, von denen der Grosse bereits so selbständig ist, dass er keine Betreuung mehr braucht.

    Indem wir bewusst unseren Wohnort so gewählt haben, dass Kinderbetreuung möglich ist und keine Fahrdienste nötig sind (war uns schlicht wichtig, dafür machen wir andere Abstriche).

    ....

    Wir haben in der Kinderzeit jetzt sehr viele unterschiedliche Modelle durch, von Vollzeitausbildung und Teilzeit bis zu hohe Teilzeit für Beide. Jedes hatte seine Berechtigung in dem Moment und war/ist für uns passend. Das kann sich ohne weiteres wieder ändern.


    Jede Familie ist anders! Deshalb finde ich es ja so enorm wichtig, dass flexible Lösungen möglich sind. Was für Meiers perfekt ist, ist für Müllers wahrscheinlich völlig sinnbefreit.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Hatte ich vergessen, deine kleine ist ja auch schon ziemlich groß... Da fällt dann natürlich einiger logistischer Stress weg.


    Und eure Arbeitgeber machen solche Zeitenänerungen einfach so mit? Ich weiß jetzt nicht was du arbeitest, aber sobald man Kontakt mit Kunden hat, muss man doch irgendwie auch präsent sein? Oder seid ihr so viele und alle so ähnlich in den Aufgabenbereichen, dass dann einer problemlos ein paar Stunden vom anderen nehmen kann?


    Hermine , wir sind jetzt genau richtig besetzt, jeder kann in dem Umfang arbeiten, wie er will. Ausbilden können wir den Beruf nicht und "fertige" gibt es nicht. Wir versuchen die anderen anzulernen, aber natürlich können die nicht nebenbei etwas gut lernen wofür eigentlich eine längere Ausbildung notwendig ist

  • janos - seid ihr denn auch gut besetzt, wenn jemand bei euch reduzieren muss (Erziehung, Pflege)? Oder so, dass sich eine/r berufsbegleitend weiterbilden kann in der Spezialisierung (ich denke gerade an sowas wie Ultraschall)?

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    Willy Brandt, 1969

  • wir Ärzte tragen ja ohnehin unser eigenes Risiko, wenn wir weniger arbeiten bekommen wir logischerweise weniger Geld, müssen aber trotzdem die nebenkosten weiter tragen. Das tangiert den Rest nicht so.


    Bei den Schwestern und mtas ist schon noch Luft, nach oben und unten. Für was auch immer. Aber diese spezifischen Funktionen sind eben auf zu wenige Schultern verteilt. Kleiner Betrieb eben, das wird den meisten in der Größe so gehen.

  • Hermine : Ja, ich mache Personalentwicklung, oft an Schnittstellen zur Organisationsentwicklung, und ich bin Diversity-Beraterin. Nette Leitbilder und Strategien reichen nicht, es geht viel um deren Überführung in konkrete Maßnahmen. Insofern habe ich oft mit Arbeitszeitmodellen, Kompensation von Ausfällen, Wissenstransfer, Weiterbildung etc. zu tun. Externe Beratung kann sehr hilfreich sein, um Ideen zu generieren und sie in Maßnahmen zu überführen, da intern die gewohnten Strukturen und Abläufe so vertraut sind, dass sie manchmal alternativlos scheinen. Selbst wenn intern womöglich richtig gute Ideen vorhanden sind, müssen sie oft erstmal bekannt werden, da MitarbeiterInnen in dem Wissen, dass Veränderungen immer auch auf Widerstände stoßen, sie oft nicht kundtun. Das heißt, ich schaffe dann beispielsweise einen Workshop-Rahmen, um Ideen zu generieren, die sich später nicht namentlich auf eine Person zurückführen lassen.

  • Sehr, sehr cool! Genau das, was du beschreibst, erlebe ich täglich. Den Eindruck, dass eher in Beschränkungen als in Möglichkeiten gedacht wird.

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  • Cool, Rheinländerin!


    Janos, ich arbeite in einem sehr vielfältigen Bereich, ich bin Archäologin. In dem Beruf habe ich einiges durch: Grabungsleitung, wissenschaftliche Auswertung oder wie jetzt Museum (aka: eine Menge Kundenkontakt).

    Wir sind in dem Beruf nicht gerade verwöhnt, was Stellen angeht und müssen grundsätzlich sehr flexibel denken. Ich hatte schon Zeiten, wo sich Projekte überschnitten haben und dann halt "zweimal 60%" gearbeitet werden musste. Dafür auch Durststrecken mit Minipensen. Daher schreckt mich der Gedanke von Veränderungen in den Arbeitszeiten nur wenig, da bin ich Kummer gewohnt.


    Wir sind ein kleiner Betrieb - aber eine gewisse "Vertretbarkeit" haben wir. Also diejenigen, die für den Kundenbetrieb arbeiten. Da sorgen wir dafür, dass im Normalfall ein "Backup" im Haus ist (musste auch erst eingeführt werden, vorher waren alle kinderlos und mit stählerner Gesundheit ausgestattet offenbar). Kunden leiden also nicht, wenn ich ausfalle. Meine anderen Pflichten bleiben aber im Normalfall liegen. Ist es projektrelevant, habe ich die Gewohnheit angenommen, das immer gut zu dokumentieren - im Notfall würden die wichtigsten Aufgaben sogar von einem Fremden ausgeführt werden können. Ich bin nicht gern unersetzlich ;)


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Also versucht man ihnen das Arbeiten angenehm zu gestalten, bietet HomeOffice, und und und ..

    Das ist dann aber auch eine Frage der Praxis. Ich arbeite auch in einem als "familienfreundich" zertifiziertem Unternehmen, dass offiziell "Homeoffice" anbietet.


    ...und dann hat eine Kollegin mit Baby, langer Anfahrtsstrecke und Betreuungsproblemen es tatsächlich gewagt, für einen Tag in der Woche Homeoffice offiziell zu beantragen....

    Keine Toleranz gegenüber Intoleranz!

  • In keinem Betrieb darf jemand unersetzbar sein. Viel zu schnell passiert irgendwas.

    Ansonsten könnte es auch helfen Teams möglichst divers, unterschiedliche alt und unterschiedlichen Geschlechts, aufzustellen. Wenn man zehn Frauen Ende 20 anstellt, muss man sich nicht wundern, wenn alle gleichzeitig ausfallen. Es wäre ja auch mal einen Gedanken wert jemanden Ü50 einzustellen.

    Man kann aber auch nicht erwarten, dass erfahrene Arbeitnehmer für 0€ zu haben sind und eine vernünftige Personaldecke ist leider auch keine Selbstverständlichkeit.

  • ...und trotzdem gibt es ganz herbe Reibungsverluste bei Personalwechsel... wir haben gerade so eine Phase durch...

    Persönliches Vertrauensverhältnis zu den Kunden ist unersetzlich, dauert gut zwei Jahre, bis neue Gesichter einigermaßen akzeptiert werden. Unsere Vorgänge gehen oft durch 3-5 Hände, wir haben ein sehr gut entwickeltes QM so dass alle Prozesse sehr transparent sind und gut gelenkt. Das macht es für neue Kolleginnen deutlich leichter, aber es sind sehr viele Dinge hochkomplex (deshalb ja auch das umfangreiche QM) und wir sind in unserem Leistungsspektrum weit aufgestellt.

    Daher müssen auch bei guter Personaldecke die „alten Hasen“ mindestens ein Jahr lang erheblich mehr leisten, wenn es einen Wechsel gibt (also die ausfallende Person sofort ersetzt werden kann).

    Diese „Kosten“ sind glaube ich nicht messbar... aber durchaus fühlbar (und werden von unserer Leitung persönlich gewürdigt auch durch das Vorhalten von genügend Personal).

  • Das ist immer so einfach gesagt: Niemand darf unersetzbar sein...


    Prinzipiell ist es nicht so, aber wie die.lumme sagt .... auch innerhalb eines Teams, im Kontakt mit Zuliefern ect. ..


    Aber egal. Ich finde manchmal merkt man hier, dass das ganze arbeits/wirtschaftsleben eben doch nicht so einfach ist und man nicht einfach von außen drauf blicken kann.

  • Natürlich gibt es in etlichen Jobs Reibungsverluste, wenn es Personalwechsel gibt. Ich hab den Spaß grade auch: Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Kostet mich sicher 50% meiner Arbeitszeit am Anfang. Und aufs erste Jahr gerechnet 20% insgesamt. Und solange braucht der neue eben bis er das Tagesgeschäft alleine machen kann, Sonderfälle dauern länger. In diesem Fall nicht wegen Schwangerschaft. Im Sommer ist uns jemand komplett spontan ausgefallen für 2 Monate wegen Unfalls. Auch nicht witzig.

    Darüber hinaus wechseln manchmal Leute von einem Auftrag auf den anderen, kündigen oder es ist sonst noch was anderes.


    Ja, alles nervig und anstrengender als 10 Jahre am Stück mit gleichem Personal arbeiten. Schwangerschaft ist da wirklich nur ein Baustein. Bei uns noch nicht mal der Größte. Das muss ich als Arbeitgeber aber mit kalkulieren.


    Darüber hinaus gibt es Branchen in denen die Einarbeitungszeiten kürzer sind oder mehr Personalfluktuation die Regel.


    Und ja für kleine Unternehmen durchaus schwierig, aber für mittlere (so ab 100-200 Mitarbeitern)und große Unternehmen durchaus machbar.

  • Ansonsten könnte es auch helfen Teams möglichst divers, unterschiedliche alt und unterschiedlichen Geschlechts, aufzustellen. Wenn man zehn Frauen Ende 20 anstellt, muss man sich nicht wundern, wenn alle gleichzeitig ausfallen. Es wäre ja auch mal einen Gedanken wert jemanden Ü50 einzustellen.

    Mach das mal, wenn Du in einer GS oder einem Kindergarten Stellen neu besetzen willst!

    Keine Toleranz gegenüber Intoleranz!