Wie Kinder zum Sport motivieren?

  • Schon zu meiner Jugendzeit war es weit verbreitet, dass Teenager ihre Sporthobbys beendeten. Einerseits weil es nicht mehr so cool war, andererseits weil einfach auch zuwenig Zeit blieb nebst Schule/ Ausbildung.


    Ein Grossteil hat später aber wieder angefangen. So wie ich auch. Ich denke nicht, dass ich jetzt fitter wäre, wenn ich durchgehend Sport getrieben hätte.

    Mir war anderees einfach wichtiger.


    Ich kann mir einfach nicht wirklich vorstellen, wie man einen Teenager zum Sport zwingen will.

    Vorleben- ja

    Angebote machen- ja

    Angebote suchen und schmackhaft machen- ja

    "bewegte" Familienaktivitäten versuchen schmackhaft zu machen-ja

    erklären wieso man es für wichtig erachtet- ja


    Aber zur Ausführung zwingen?


    Ich bin gestern extra zu einer Treppe mit über 500 Stufen gefahren, damit ich die hochrennen kann. Weil ich das so wollte und es hat mir Spass gemacht. Wenn mir jemand sagen würde "das musst du machen", ich würde der Person gepflegt den Mittelfinger zeigen. Ich würde mich nie zu sowas zwingen lassen.


    Aber ich sehe das auch nicht so verkrampft, denn viele meiner "No Sports" Gleichaltrigen von damals machen heute durchaus wieder Sport. :)

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Arnoli74 hat das sehr schön ausformuliert finde ich.


    Deine Tochter fährt Ski, sie wandert bis zu 2 h, sie geht schwimmen...ein Kind das sich ansonsten im Alltag bewegt , das beweglich gesund und schlank (nein, ich meine mit schlank nicht anorrektisch dürr, sondern stumpf normalgewichtig) ist und problemlos 2h wandert, dass muss ich nicht zum Sport "zwingen"...erst recht nicht zum Manschaftssport (auch wenn ich das wichtig finde für Kinder), aber ein Kind das evtl. zum Übergewicht neigt, und am liebsten NUR auf der Couch vor der Konsole sitzt oder sonstwie rumdaddelt, das NUR hinter der Staffelei sitzm Grüntee trinkt und philosophische Gespräche führft oder das bei jedem zweiten Stockwerk eine Pause braucht und kaum mehr Luft bekommt...das würde ich mit den mir möglichen Mitteln zwingen, das geht sichr nicht mehr bei 16/17 jährigen, aber bei einem /einer 12/13 jährigen würde ich stumpf auch die schnöde Erpressermasche zugreifen, Mediennutzung gegen Bewegung, Handyguthaben gegen Bewegung und wenn es Spazierengehen wäre...es geht nicht um Leistungssport sondern um ein gesundes Maß an Bewegung...wenn das Alltagsbewegung ist wie mit dem Rad oder zu Fuss zur Schule, oder schwimmen gehen, oder inlinern...dann fände ich das bei bestehendem Nichtinteresse an Sport iO. Aber immer nur couchen würde ich nicht unterstützen sondern entsprechend unterbinden.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Guten Morgen zusammen, ich denke, ich kann das Problem ganz gut nachvollziehen, denn ich merke auch selbst seit einiger Zeit, wie wichtig es auf die Dauer ist, einfach genügend Bewegung in den Alltag zu integrieren und dabei möglichst quasi die Normalität eines gewissen Masses zu erhalten. Das ist dann nichts, wozu man sich extra aufraffen muss, sondern sozusagen natürlicherweise notwendig und wird nicht hinterfragt. Ich selber als sportlicher Totalausfall in Kindheit und Jugend hatte es da eigentlich richtig gut. Wir hatten kein Auto, also musste ich mit dem Fahrrad zur Schule, zum Einkaufen, zum Flötenunterricht etc. und mit der Bahn und zu Fuss zum Kieferorthopäden (boah, war das ätzend, also nicht die Bahn, sondern die Hockerei im Wartezimmer, aber ds ist ein anderes Thema). Da gab es einfach keine anderen Optionen, fertig. Damit war ich dann aber schlank und fit und von der Diskussion, mehr verhassten Vereinssport zu brauchen, erlöst. Dennoch wäre es für mich gut gewesen, zusätzlich mehr gezielte Dinge für meinen Rücken zu unternehmen, wil ich da eine degenerative Erkrankung einiger Wirbel hatte, aber das ist ja zum Glück

    nicht der Regelfall. (Trotzdem, da wäre es gesundheitlich gut für mich gewesen, aber die Möglichkeit, ungeliebte Bewegung zu vermeiden, habe ich leider genutzt, und das rächt sich jetzt schon ein bisschen.)

    Bei meinem Sohn ist es auch so, dass er sportlich eher ungeschickt ist und daher bestimmte Anstrengungen lieber vermeidet. Nun ist er zwar untergewichtig, trotzdem ist seine Kondition durchaus verbesserungswürdig und mir macht der Einfluss von eher niedriger Körperspannung und wenig Muskulatur auf den Halteapparat und die Wirbelsäule schon ein wenig Sorge. Ich versuche daher auch, ihn zu mehr Bewegung zu animieren bzw. wird er an den Wochenenden zu einer Mindestdosis frischer Luft verdonnert. Zum Glück macht ihm der Schulsport und Bewegung grundsätzlich trotz Anstrengungsvermeidung noch Spass. Was bei ihm aber au h gut funktioniert und enorm hilfreich ist, sind zwei Dinge, nämlich Reiten und Yoga. Beides macht nämlich bei ihm ein grösseres Bewusstsein für seinen Körper und seine Bewegungen und hilft ihmauch, Bedürfnisse seines Körpers besser wahrzunehmen. Beim Reiten steht ausserdem die Beschäftigung mit dem Tier im Vordergrund, er nimmt das gar nicht als Sport wahr, obwohl es total anstrengend ist. Vielleicht wäre das ja was?

  • eine Tochter fährt Ski, sie wandert bis zu 2 h, sie geht schwimmen...ein Kind das sich ansonsten im Alltag bewegt

    Ähm, das sind so "Jahres-Highlights" :D

    Nein, sie macht wirklich nicht viel. Sie hat lediglich das Glück der guten Gene, das heisst, sie ist körperlich gesund, schlank und wird es einige Jugendjahre ohne Sport überstehen.


    Ich selber habe mit ca. 13 Jahren mit Sport aufgehört, und die erste sportliche "Nachpubertäts" Betätigung war dann das Schwangerschaftsturnen.


    Ich bin übrigends immer noch sehr skeptisch, dass man im Alltag angefuttertes Übergewicht durch hin und wieder Seilpark oder Spazieren wegbekommen kann.


    Viele haben da ganz falsche Vorstellungen davon, was man beim Sport verbrennt. Dann schwimmen sie gemütlich einigen Bahnen, und gehen nachher Torte essen, weil sie ja Sport gemacht haben und wundern sich wieso sie trotzdem zunehmen.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Also bei uns läuft das so, wir Eltern machen keinen Sport und sind nur in der Kirchengemeinde. Unsere Kinder sind alle in mehrere Vereinen #rolleyes#augen. Ich unterstütze sie nur mäßig, mich nervt das!

    Also nix mit guten Vorbild. Wir haben sie nur zum schwimmen lernen gezwungen.


    Was mir aber wichtig, macht hier niemand. Das ist aufräumen. Ich werde es mal mit ignorieren versuchen, alles ander hab ich schon versucht, mit null Erfolg.

  • Aber es geht ja nicht in erster Linie darum, angefuttertes Übergewicht loszuwerden, sondern (zumindest mir) darum, Bewegung in den Alltag zu integrieren und raus zu kommen. Das ist für soviel mehr als nur die Kondition wichtig.

    There is a crack in everything. That's how the light gets in.
    - Leonard Cohen

  • Daroan , in dem Fall würde ich deutlich versuchen zu animieren...ich kann das nicht beurteilen, da ich ja deine Tochter nicht kenne, meine Kinder würden durchdrehen ohne Sport und meine Große, die wahnsinnig gern mal eine Chips- und Naschiorgie veranstaltet würde große Probleme mit ihrem Gewicht bekommen...was den tatsächlichen Kalorienverbrauch beim Sport angeht hast Du recht...vielleicht würde ich das Thema anders sehen, wenn ich nicht selber dazu neigen würde ohne Sport auf zu gehen wie ein Hefeklops und selbst mit Sport wenngleich als normalgewichtig und sportlich aber ganz sicher nicht als zierlich durchgehen würde...mir ist es extrem wichtig, weil ich life und in Farbe an meiner Ursprungsfamilie sehe was sein könnte, wenn ich mich nicht so viel bewegen würde, vielleicht (oder gar wahrscheinlich) ...das optische ist da nur ein kleiner Aspekt, auch wenn ich zugeben muss das mir das nicht egal ist, aber der gesundheitliche Aspekt, der tut weh, als mein Vater noch deutlich jünger war, hat der Körper das alles auffangen können, da war er für seine Physis recht fit, gesund und beweglich, anders als mein Bruder der mit 40 schon ein Arsenal an Tabletten schlucken muss, aber jetzt wo er in Rente ist und die zeit und das Geld hätte so viele dinge zu machen und zu reisen, was er immer wollte...kannn er das nicht mehr...der Blutdruck, die Knochen , das Herz, Diabetes...das will ich nicht für mich und auch nicht für meine Kinder.

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  • Aber es geht ja nicht in erster Linie darum, angefuttertes Übergewicht loszuwerden

    Aber genau das wird doch so oft als Argument angeführt. Wenn es so einfach wäre, einen sportmuffeligen, zu übergewicht neigenden Teenager zur Bewegung zu zwingen, dann könnte man doch auch den gewagten Schlenker machen, dann zwingt den zu Übergewicht neigenden Teenager einfach dazu sich gesund zu ernähren.


    Und wenn man dann sagt, ja aber Bewegung ist doch auch ohne Kalorien zu verbrennen wichtig, so als Ausgleich oder für die Psyche, dann ist es doch so, das viele Menschen ihren Ausgleich auch dann finden, wenn sie Musik hören, Musik machen, Bücher lesen, Bilder malen, Torten backen, Kreuzworträtsel lösen, usw.


    Ich finde es einfach etwas verquer einem Kind, das doch schon eine gewisse Vorstellung über sich und seine Art zu sein hat, sowas so überzustülpen. "Dann zwinge ich es halt".

    Im Mittelpunkt sollte doch nicht meine Vorstellung eines ausgewogenen Lebens stehen sondern das Kind und was es gerade braucht und was seine "Themen" sind, die es gerade bearbeitet.

    Ich glaube nicht, das man immer alles gleichzeitig beackern kann, schon gar nicht als Teenager. Manches tritt halt in den Hintergrund, manches ist gerade übergross.


    Ich bin mir auch sicher, dass vieles, was wir als "Samen" gesät haben, nach einiger Reifezeit auchaufgehen wird. Manches nicht, manches gibt nur ein kleines Pflänzchen, aber sicher ist, dass es auch Vertrauen braucht.


    Ich vertraue meiner Tochter, dass sie es spüren wird, wenn das Thema "Sport" wieder ansteht. Im Moment steht es gefühlt an 38. Stelle ungefähr in ihrem Leben. Ich denke, das kann ich aushalten.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Liebe TS, ich finde, Du hast für Dich bzw. Euch schon einen guten Weg vor Augen. Mir sind noch einpasst Sachen eingefallen, vielleicht passt ja was für Euch.

    Ich glaube auch, dass „Sport“ im Sinne von ein- bis zweimal wöchentlich gegen Gewichtssorgen allein nichts ausrichten kann. Ich meine aus eigener Erfahrung, dass es wichtiger ist, im Alltag möglichst aktiv zu sein, d.h. viele nicht-sitzende Tätigkeiten zu haben. Zum einen hat man dann weniger Zeit, z.B. Aus Langeweile zu essen, zum anderen bringt das altmodische Viel-auf-den-Beinen sein für den Grundumsatz wahrscheinlich mehr als isoliert Sport zu treiben. Deshalb würde ich mein Augenmerk auch eher darauf richten. Wenn man mal darüber nachdenkt, finden sich oft viele Gelegenheiten, wo man einfach noch mehr Aktivität einbauen kann, ohne dass es groß auffällt - und sei es, dass der Kinofilm durch Bowling ersetzt wird oder so. Sport kann dann hab noch dazukommen, wenn das Interesse dafür da ist, da könnt ihr ja immer mal wieder was ausprobieren. Alles Gute!

  • So wie Arnoli74 schrieb, er hat eh schon wenig Alltagsbewegung. Zum Bus sind es 2 Minuten zu Fuß, an der Schule ist die Bushaltestelle noch näher.

    Ich achte ja auch selbstverständlich auf eine gesunde Ernährung, da gehört auch Bewegung dazu. Ich will ja gar keine Sportskanone aus ihm machen, aber ich merke auch, dass der Bewegungsmangel ihm nicht gut tut. Er sieht irgendwie nicht gut aus, im Gesicht, weiß auch nicht, kann es schwer beschreiben. Beim Arzt waren wir übrigens, da scheint alles in Ordnung zu sein.

    Aber ich will ihn auch nicht drängen, den Fokus auf sein Übergewicht legen will ich auch nicht, ich weiß das das oft ins Gegenteil kippt. Mein Mann ist auch übergewichtig, aber körperlich fit, beim Joggen läuft er mir weg. Es geht mir bei meinem Sohn wirklich nur darum das er gesund und einigermaßen fit bleibt bzw wird, das sehe ich als meine Verantwortung, so wie Zähne putzen, den Vergleich brachte ja Fürchel schon.

    Ich bewege mich jetzt auch nicht immer so gerne, aber ich putze auch nicht gerne Zähne und tue es trotzdem.

  • dann zwingt den zu Übergewicht neigenden Teenager einfach dazu sich gesund zu ernähren.

    Ich verstehe deinen Zwiespalt durchaus, aber ja den zu Übergewicht neigenden Teenager würde ich schon versuchen dazu zu zwingen sich gesund zu ernähren. Ich finde auch nicht, das man jemand anderem (auch und erst recht nicht den eigenen Kindern) etwas überstülpen soll, sondern sie dahin zu führen das ein gesundes Mittelmaß möglich ist...es soll ja nicht bedeuten, dass sie 4 x wöchentlich Leistungssport machen sollen, oder zwingend einen Mannschaftssport, sondern dass sie eine gesunde Lebensweise kennen lernen, wo sie da den Fokus legen oder ihre Prioritäten setzen ist ihre Sache...aber wenn eine 14 jährige sich entscheidet tgl 14 Kippen zu rauchen, würde ich auch alles in meiner Macht stehende tun um das irgendwie einzu grenzen oder auch ganz zu verhindern...es sollte in meinen Augen nicht darum gehen den Spormuffel zum Fitnessfreak zu machen oder den einzelgänger zum engagierten teamsportler, sondern um das gesunde Mittelmaß...

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

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  • Na, aber das ist doch eh irgendwie albern: Natürlich kann man einen Teenager zu nichts zwingen. Wenn ein Mensch sich verweigert hat man schlechte Karten, besonders, wenn er groß und kräftig genug ist, um sich nicht wegtragen zu lassen.

    Trotzdem gibt es wohl in den meisten Familien Dinge, die einfach "gesetzt" sind. Die mit hoher Prio versehen und von den Eltern entsprechend thematisiert und verfolgt werden.


    Z.B. spreche ich mit meinem Kind und den Kindern meines Mannes nicht ständig übers Zähneputzen. Dass wir aber nicht mit ungeputzten Zähnen das Haus verlassen ist allen klar. Das fordere ich auch entsprechend nachdrücklich ein. Irgendwie musst ich noch keinen (auch keinen Teenager) Körperlich überwältigen und zur Zahnbürste greifen, sie haben es dann schon gemacht.

    Ich habe auch noch kein Kind gewaltsam in die Schule verfrachtet, niemandem den rauszubringenden Müll um den Bauch gebunden oder eigenhändig in passende Kleidung gesteckt. Trotzdem gehen alle schulpflichtigen täglich zur Schule, erledigen überwiegend vereinbarte Pflichten im Haushalt und begleiten uns bei Essenseinladungen nicht in Joggingbuxe sondern angemessen bekleidet.


    Gegen Verweigerung in all diesen Bereichen hätte ich kein Rezept, ich wüsste also tatsächlich nicht, wie ich es dann erzwingen sollte. Aber ich hab schon eine Idee, wie ich Kinder und insbesondere mein Kind bei Themen, die ich für wichtig halte, zur Kooperation bewege.

    Und da ist vielleicht der Unterschied: Ich finde es wichtig für die Gesundheit, sich ausreichend zu bewegen und gebe das - schon auch als Forderung - weiter. Ich bin nicht einverstanden damit, das ganze WE rumzugammeln, ich finde es wichtig und gesund auch Bewegung unterzubringen. So planen wir z.B. unsere Wochenenden und bringen alles unter. Auch Rumhängen wird bedacht, aber es ist eben auch klar, dass nur Rumhängen keine Option ist. Und so wäre es auch, wenn die Woche tägliches Rumhängen erlauben würde (ist nicht so bei uns, weil auf die Betreuung meist Sport oder Instrument folgt). Auch dann wäre klar, dass wir einen Plan brauchen, der Bewegung beinhaltet.


    Von mir aus darf jeder sport treiben, soviel er mag. Mich stört nur das Belehren. Dass man kein gesundes Leben führen kann, wenn man keinen Sport treibt. Bzw wenn doch, wäre es garantiert noch besser mit Sport.

    Für Erwachsene kann ich 100 % unterschreiben. Und zwar weil ich Belehrungen immer übergriffig und nutzlos finde. UND weil es eben tatsächlich keine Sport braucht, wenn man trotzdem ausreichend Alltagsbewegung hat.

    Aber das war ja nicht der Impetus dieses Stranges. Hier ging es um ein Kind und zwar um eines, dass eben offensichtlich bereits gesundheitliche Auswirkungen durch Bewegungs-Mangel hat. Der führt also offensichtlich kein gesundes Leben, was seine Mutter sorgt. Deswegen fragt sie hier, wie sie damit umgehen könnte.


    Ich finde das bereits bestehende Übergewicht auch aus anderem Grund einen wichtigen Punkt in der Geschichte: Zuviel Gewicht dämpft eben leider auch die Bewegungsfreude. Das sage ich aus eigene Erfahrung, das beobachtet ich und davon bin ich überzeugt: Je mehr Gewicht, desto weniger Spaß macht Bewegung, desto anstrengender und körperlich belastender wird Bewegung. Das ist auch eine Art Teufelskreis, weil sich negative Einflussgrößen verstärken. Ich will jetzt niemandem auf den Schlips treten und ja, es gibt auch sehr sportliche und fitte dickere Menschen und sicher auch Kinder. Trotzdem hat man einen klaren Nachteil im direkten Vergleich und der ist ja gerade für Kinder sehr wichtig. Es ist sicher für dickere Kinder und Jugendliche sehr frustrierend, bei sportlichen Aktivitäten schneller schlapp zu machen, langsamer zu sein etc. Das bildet oft ein zusätzliches Hemmnis, was wiederum besondere Anforderungen an die Eltern stellt. Da muss man dann mMn einfach mehr machen, mehr anbieten, mehr unterstützen, mehr ausprobieren lassen, mehr gemeinsam bewegen. Den Alltag auf Potenziale abklopfen etc.

    Und auch das ganz sachlich, nicht mit Schuldzuweisung und Druck. Sondern klar als Unterstützung, weil das Kind die offensichtlich braucht.



  • Ich bin nicht einverstanden damit, das ganze WE rumzugammeln, ich finde es wichtig und gesund auch Bewegung unterzubringen. So planen wir z.B. unsere Wochenenden und bringen alles unter.

    Das ist doch spannend. :) Magst du das genauer ausführen?

    Hat jeder Mitspracherecht? Bringt ihr gezielt Sport unter, oder einfach "bewegte Aktivitäten", wäre ein Museumsbesuch zb. auch etwas, was ihr durchaus unter "Bewegung" verbuchen würdet?

    Kommt es vor, dass ein Kind nicht mit mag, besteht diese Option? Was ist mit eigenen Plänen des Kindes? Werden die miteinbezogen?


    Ich hätte einfach gerne dieses, etwas saloppe "das ist mir einfach wichtig, dann zwinge ich es halt" auf eine praktische Ebene runtergebrochen.

    Denn wie du schreibst, ohne Kooperation ist das doch Augenwischerei.


    Meine Kinder sind vom Alter her zu gross, zu selbständig, aber ich denke mit etwas jüngeren Teenager ist das doch wirklich hilfreich. :)

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Sommerwind : Wie weit ist es denn für ihn zur Schule? Wäre es möglich den Schulweg ganz oder teilweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen?


    Ich merke gerade wie sehr mir der tägliche Weg zum/vom Kindergarten fehlt, seitdem meine Kleine nun auch zur Schule gekommen ist. Ich bin die letzten 13 Jahre jeden Tag ca. 6 km KiGa-Weg (3 hin, 3 zurück) zumeist mit dem Fahrrad gefahren. Das mache ich nun seit dem Sommer nicht mehr und habe schon ca. 4 kg zugenommen. Leider finde ich im Moment keine "sinnvolle" Kompensation, da ich von zu Hause aus (sitzend) arbeite und "nur mal so" früh 6 km rausgehen nicht so mein Ding ist (es gibt ja auch immer wichtigeres zu tun #angst).

    Daran merke ich, wie wichtig diese Alltagsbewegung für mich ist. Besonders großen Einfluss hat sie halt auch am Morgen, damit der Kreislauf und damit auch die Verdauung in Schwung kommen kann. Das habe ich auch in meinen Zeiten mit Schwangerschaftsdiabetes gemerkt. Den Morgen (regelmäßig) mit Bewegung beginnen, bringt wirklich ganz viel. Wahrscheinlich deutlich mehr, als 1-2 mal "Sport" in der Woche.

  • Das ist doch spannend. Magst du das genauer ausführen?

    Hat jeder Mitspracherecht? Bringt ihr gezielt Sport unter, oder einfach "bewegte Aktivitäten", wäre ein Museumsbesuch zb. auch etwas, was ihr durchaus unter "Bewegung" verbuchen würdet?

    Kommt es vor, dass ein Kind nicht mit mag, besteht diese Option? Was ist mit eigenen Plänen des Kindes? Werden die miteinbezogen?

    Das ist echt total unterschiedlich, hier sind ja manchmal nur mein und manchmal auch mehrere Kinder am Start, hängt also davon ab und natürlich auch von der sonstigen Planung. Eigentlich ist die Unterscheidung auch (fast) nur zwischen "Zuhause rumhängen" und "Aktivität draußen", solange letztere nicht rein sitzender Natur ist. Wenn es z.B. nur um ein WE mit meinem Sohn geht, überlegen wir halt, was so ansteht und wenn nix ansteht, überlegen wir, wo wir was einbauen können. Oft radeln wir dann vormittags einfach gemeinsam zum Markt, sind vielleicht 30 Minuten radeln und ca. 30 Minuten rumlaufen, da muss ich eh hin und so können wir es verbinden. Wenn er darauf keinen Bock hat kann es sein, wir gehen zu zweit joggen (also Kind und ich) oder in mein Fitnessstudio zum Badminton spielen oder schwimmen. Auch ein Museumsbesuch zählt und sogar eine ausgedehnte Shopping-Tour. Es gibt echt viele Möglichkeiten und hat schon auch viel mit Gewohnheiten zu tun. Der Markt-Einkauf ist nämlich eigentlich gesetzt, das machen wir meistens zusammen.

    Wenn ein schöner Sonntag ohne Plan vor uns liegt überlegen wir, ob wir eine Radtour machen oder in die Stadt laufen (hin und zurück ne Stunde Weg) und ein Eis essen. Oder ob er einen Freund treffen und mit dem was draußen machen will. Ich gehe auch mal mit in die Trampolinhalle oder in den Kletterwald.

    Ich suche einfach recht gezielt viele Wege, Bewegung anzubieten und einzubauen. Das tut eigentlich nicht weh und ich bekomme das meist unbewaffnet hin ;)

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  • @Mitspracherecht: Hab ich vergessen, natürlich hat jeder Mitspracherecht - ich versaue mir meine knappe Freizeit ja nicht gerne damit, muffige Kinder zu den Park zu treiben.


    Und ich merke schon, dass es bei dem bewegungsunwilligeren Kind viel öfter auf gemeinsame Aktivitäten hinausläuft, bzw. wir bei gemeinsam Aktivitäten gezielt mehr Bewegung einbauen. Fahren nicht mit dem Auto ins Kino oder Restaurant sondern laufen und suchen uns die Orte auch so aus. Überhaupt lasse ich das Auto am WE überwiegend stehen (außer um in mein Fitnessstudio zu kommen #schäm - aber das verrate ich keinem) und auch das wird überwiegend ohne murren akzeptiert.

  • Meine Sportmuffeline bekomme ich zB. an die frische Luft, wenn wir (wenn es warm ist) picknicken am Fluss. Oder was auch geht, nebst Kunstmuseum, ist Stadtbummel mit Häuser angucken und picknicken im Stadtpark.

    Schlitten fahren geht, wenn es sich im einen Weg mit längerer Fahrt handelt und in einem gemütlichen Restaurant bei Punsch oder "Schoggi Mélange" endet.

    Oder was auch geht ist, Abendspaziergang mit Sternenhimmel bewundern.


    Im Sommer findet sie gut, sich mit einer Schwimmhilfe den Rhein hinuntertreiben lassen und wieder hoch spazieren.


    Ein schöner Markt könnte auch ziehen. Oder ein Gutschein für den Künstlerbedarfsladen. Ich glaube, da würde sie sogar hinkriechen, wenn es sein müsste Mit Gewichtsmanschetten :D

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Sommerwind : Wie weit ist es denn für ihn zur Schule? Wäre es möglich den Schulweg ganz oder teilweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen?


    Ich merke gerade wie sehr mir der tägliche Weg zum/vom Kindergarten fehlt, seitdem meine Kleine nun auch zur Schule gekommen ist. Ich bin die letzten 13 Jahre jeden Tag ca. 6 km KiGa-Weg (3 hin, 3 zurück) zumeist mit dem Fahrrad gefahren. Das mache ich nun seit dem Sommer nicht mehr und habe schon ca. 4 kg zugenommen. Leider finde ich im Moment keine "sinnvolle" Kompensation, da ich von zu Hause aus (sitzend) arbeite und "nur mal so" früh 6 km rausgehen nicht so mein Ding ist (es gibt ja auch immer wichtigeres zu tun #angst).

    Daran merke ich, wie wichtig diese Alltagsbewegung für mich ist. Besonders großen Einfluss hat sie halt auch am Morgen, damit der Kreislauf und damit auch die Verdauung in Schwung kommen kann. Das habe ich auch in meinen Zeiten mit Schwangerschaftsdiabetes gemerkt. Den Morgen (regelmäßig) mit Bewegung beginnen, bringt wirklich ganz viel. Wahrscheinlich deutlich mehr, als 1-2 mal "Sport" in der Woche.

    Es sind ca 3km einfache Strecke, allerdings müsste er zurück ziemlich bergauf, ca. 150 Höhenmeter, das fährt er schon ohne Rucksack ungerne. Aber tendenziell wäre sowas natürlich ideal, das macht er aber nicht mit, darüber hatte ich mit meinen Jungs schon gesprochen.


    Pokemon Go und Ingress haben wir bereits probiert, ich liebe ja Ingress, er halbwegs Pokemon, aber so richtig fasziniert ihn das nicht.

    Ich versuche schon ihn mal zum Bäcker oder zum Supermarkt zu schicken, das macht er auch dann, aber zu oft die Woche kann ich das nicht machen, dann hat er dazu auch keine Lust mehr. Als er noch zur Grundschule ging musste er jeden Tag zur Schule laufen, das war toll für ihn, das bitte nicht falsch verstehen, er war wirklich ausgeglichener. Das mag aber auch am Alter, Vorpubertät?, liegen.

  • Ich bin jetzt zum Beispiel wirklich null, aber so richtig NULL der Typ für "ich muss Bewegung einplanen". Das würde mich als Konzept schon stressen ;) Ist auch bei dem Test rausgekommen, ich bin reiner "Spassbeweger".

    Ich habe sowieso recht viel Alltagsbewegung und in der Freizeit plane ich die Aktivität nach Lust (und da hat es dann schon auch mal zufällig Bewegung drin).


    Mein Teenager kann ja auch Sesselkleben, aber da er vier-fünfmal die Woche Sport macht und auch sonst viel Bewegung hat, kann ich natürlich einfach entspannt bleiben.

    Bei den Voraussetzungen wie Sommerwind beschreibt, wäre mir das auch etwas wenig Bewegung, zugegeben. In dem Fall würde ich wohl tatsächlich jeden zweiten Abend einen Spaziergang mit ihm machen - muss er Vokabeln lernen oder so? Dann könntest Du ihn unterwegs abhören.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Sommerwind : Warum läuft er nicht die 3 km zur Schule? Das sind ca. 30 -40 min. zu Fuß, 2 mal täglich. Könnte er das mit seinen Brüdern gemeinsam machen? Dann braucht man auch nicht weiter an seiner Sportunlust ansetzten. Es wäre einfache, aber durchaus effektive tägliche Alltagsbewegung.

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