Wie komme ich vom eigenen Druck weg

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  • Ich bin mir wirklich sicher: Ein Kind wird schon nicht auf die schiefe Bahn kommen, wenn es in der 5. Klasse oder wann auch immer schlechte Noten hat.


    Auf die "schiefe Bahn" - da stell ich mir drunter vor, dass es straffällig wird, obdachlos, was auch immer, Auch wenn ein kind handwerrklich nicht begabt ist - es gibt zig Bürojobs, Berufe im sozialen Sektor, so viele Möglichkeiten ... die Kinder werden schon was finden und auch zurecht kommen.

    Danke dafür, das wollte ich nämlich auch schon einwenden.


    AstridK : Man kann auch als Motivationstrainer oder Coach oder Tierpfleger oder mit einem anderen Beruf ein Auskommen haben, OHNE handwerklich begabt zu sein ODER einen Hochschulabschluss zu haben. Zusäzlich zu den Bürojobs oder Berufen im sozialen Sektor. Da geht vieles...


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

    2 Mal editiert, zuletzt von Annie ()

  • Naja, die schiefe Bahn ist schon etwas krass. Da gerät man nicht drauf bloß weil die schulkarriere holprig ist.

    Aber genau so wie wir unsere Kinder unterstützen zu eigenen Entscheidungen zu kommen und sich so zu mögen wie sie sind, finde ich es wichtig ihnen beim umschiffen von Hindernissen zu helfen. Auch wenn es bedeutet dass sie für begrenzte Zeit die comfortzone verlassen müssen.

    Wenn das Kind jetzt bruchrechnen in der Schule hat, werden wir zu Hause üben bis es wirklich klappt weil sie sonst immer wieder an diesem Thema hängen bleiben wird. Lt dem Mathelehrer ist bruchrechnen ein Thema bei dem selbst Oberstufenschüler ins Schwimmen kommen, das kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen (ich habe selbst Nachhilfe erteilt) und sehe das auch bei meinen Studenten immer mal wieder.

    Ohne die Grundlagen, die allerdings bei den meisten Kindern mehr Zeit brauchen als in der Schule vorgesehen, kann man das nicht sicher beherrschen. Deshalb muss sie jetzt ein paar Wochen da durch und darf anschließend wieder "normal" weitermachen.

    Als Druck würde ich es sehen wenn das Kind ohne ständige Nachhilfe und Mehrarbeit nicht mehr mitkommen würde.

    Es ist doch normal dass die in dem Alter noch nicht richtig den Zeitaufwand einschätzen können. Gelingt uns doch auch nicht immer

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Schokojunkie :

    Erstmal OT: Eigentlich dürfte es nicht sein, dass die MEISTEN Kinder für ein Thema mehr Zeit brauchen, als dafür in der Schule vorgesehen ist. Das führt nämlich schnell wieder dazu, dass soziale Unterschiede den Bildungsweg bestimmen.


    Zum Thema: Ja, ich kann mein Kind z.B. beim Thema Bruchrechnen unterstützen. Machen wir auch.

    ABER: Das funktioniert nur, wenn auch das KIND die Notwendigkeit erkennt bzw. Interesse zeigt, da noch etwas zu üben, sich erklären zu lassen etc.

    Es gibt aber tatsächlich Kinder, die WOLLEN das gar nicht nochmal durchkauen. Die haben keine Lust dazu, sich nach der Schule nochmal dazu hinzusetzen.

    Da ist dann die Frage: Muss/will/kann ich meinen Ehrgeiz, dass das Kind das gut verstehen SOLL, durchetzen. Oder kann ich mich da zurücknehmen. Also Hilfe anbieten: JA, aber auf Annahme der Hilfe bestehen?! Das funktioniert längst nicht bei allen Kindern.

    Ich habe z.B. ein Kind mit schlechter Rechtschreibung. Natürlich haben wie Hilfe angeboten. Im Grundschulalter phasenweise auch geübt. Aber es sieht die Notwendigkeit nicht, zumindest nicht in der "Aufwand-Nutzen-Rechnun" #weissnicht. Ja, es versaut sich damit so manche Zensur, aber der eigene Leidensdruck ist nicht so, dass es dafür regelmäßig was tun würde. Das haben wir akzeptiert.

  • Ach, mir geht es gleich wie dir #heul seit das erste Kind in der 5. ist und nicht mehr alles so läuft wie in der Grundschule.


    Schwankend zwischen helfen (Abfragen, erinnern, motivieren etc. ) und langsam immer mehr Verantwortung dem Kind übergeben. Ich kann mich einfach nicht angrenzen.

    Aber ich hab auch ein Kind dass nur den minimalsten Aufwand treibt und bei den Hauptgegenständen immer am Grat zwischen 4 und 5 wandert. Es macht mich beinahe wahnsinnig.

    Einen Schulwechsel konnte das Kind immer abwenden und es will auch an der Schule bleiben. #hmpf

  • Es ist natürlich eine Gratwanderung, und ein Kind das "dichtmacht" werde ich mit meiner Unterstützung auch nicht mehr erreichen. Dann sollte ich über eine andere schulform nachdenken. Ziel ist es doch dass das Kind seine Möglichkeiten ausschöpfen kann. Ich habe eben auch einige Menschen kennengelernt die im Nachhinein sagen dass sie es bedauern niemanden gehabt zu haben der sie an die Hand genommen hat.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Vielleicht ist dieses Dilemma auch darin begründet, das das Konzept Schule einfach grundsätzlich an den Kindern vorbei geht.

    Ich erinnere mich mit grauen an Anrufe zwischen Eltern in der Grundschulzeit, weil Hausaufgaben unklar, zu schwer, nicht lösbar waren. Panik ging um. Irgendwelche Lehrer-Bekannte-Verwandte wurden befragt. In anderen Klassen gründeten Eltern whatsapp-Hausi-Gruppen usw.

    Bei Elternabenden habe ich noch nie erlebt, das dieses Thema auf den Tisch kam.


    Den Druck rausnehmen gelingt vielleicht mit mehr Vertrauen in die Kinder setzen?

    Und mit dem Mut, sie eigene Erfahrungen sammeln zu lassen. Schlechte Noten mag glaube ich kein Kind.

  • In der Grundschule habe ich diejenigen auch immer belächelt die sich solchen Druck machten und die eher mittelmäßigen Noten meiner Tochter weggelächelt. In Gesprächen mit der Lehrerin habe ich gebetsmühlenartig wiederholt dass ich ihre Ergebnisse gar nicht schlecht fände, wenn man berücksichtigt dass andere Kinder bereits Nachhilfe bekämen oder ständig zu Hause getriezt würden.

    Allerdings mit dem Hintergrund dass hier in NRW der Elternwille entscheidend ist für die Wahl der weiterführenden Schule. Jetzt braucht sie vor allem noch Hilfe bei der Orientierung in der Menge an Stoff. Ich muss schon darauf bestehen dass sie frühzeitig anfängt zu üben weil sie den zeitbedarf nicht realistisch einschätzen kann.

    Aber das wird schon besser, am schlimmsten war es direkt am Anfang der fünften Klasse. Sie kam aus einer kleinen behüteten Grundschule in der jeder jeden kannte in ein großes Gymnasium mit einem komplett neuen Konzept mit dem selbst die Lehrer ihre Probleme hatten. Da war Unterstützung dringend nötig.

    Bei uns am Gymnasium haben die Kinder selbstlernzeiten in denen sie sich einen Teil des Stoffes selbst erarbeiten müssen. Das ist zwar lehrerbetreut, aber es ist trotzdem sehr anders als das was sie bisher kannten.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Ja das war blöd ausgedrückt da habt ihr Recht!!!

    Mein Sohn ist sehr kreativ und extrem fasziniert von dem großen Ganzen was Medien, Filme, Musik, Regie, Autor, Hörbücher, etc angeht. Er möchte unbeding Medienwissenschaften studieren.

    Vom Gym auf die Realschule zu wechseln würde ja das Problem des Lernen Wollens nicht lösen.

    Aktuell muss er eine 5 in Mathe ausbügeln und geht zu einem Nachbarmädchen, dass ins selbe Gym 12. Klasse geht und die übt einmal in der Woche für 1 Stunde mit ihm den Stoff, den sie aktuell durchgenommen haben. Wenn es nach ihm ginge würde er täglich dorthin gehen.

    Sag ich zu ihm, „komm schau dir schnell Bio an“ rennt er weg...

    Parallel zu Mathe muss er auch Englisch üben. Am Montag schreiben sie den Test und er hat noch nichts getan. Wir haben einen Schulaufgabentrainer. Joah.... er hat jetzt noch 3 Tage Zeit sich die Grammatik einzuverleiben. Er spricht nämlich mehr „Denglisch“ - übersetzt Wort für Wort... Aber er sieht nur den BERG an Arbeit und möchte gar nicht erst anfangen. Selbst wenn man ihm nur eine Mini-Aufgabe gibt verweigert er total.....

    Das größte Problem ist, dass für ihn Lernen echt Überwindung kostet und er das Gefühl hat das kostet ihn jetzt ganz viel Zeit und Konzentration und ist anstrengend und eigentlich würde er lieber.....

    Schokojunkie schlechte Noten haben meine Jungs nie gestört.

    Mein Großer entwickelt jetzt in der 10. Klasse erstmals Ehrgeiz gut sein zu wollen und erntet gute Noten.

    Wenn du nach dem Menschen suchst, der dein Leben verändert,
    Dann schaue in den Spiegel.

  • AstridK , ich glaube, unsere Söhne haben da in ziemlich identisches „Lern-Meide-Verhalten“

    und wir beide eine ähnliche Schulerfahrung. #hmpf

    Doofe Kombi...


    Edit: vielleicht missverständlich: mit doofer Kombi meinte ich nicht unsere Parallelen!

    Liebe Grüße


    tannemarie

    Einmal editiert, zuletzt von Abete ()

  • Hallo,


    Eins meiner Kinder hat eine etwas besonderen Schulgeschichte, aber zum Trost, von der "schiefen Bahn" war er jederzeit weit entfernt. Da waren andere, die (scheinbar) glatt durch ihre Schullaufbahn durchgerutscht sind, deutlich näher dran (oder drauf) .


    Ansonsten: Ich habe immer deutlich gemacht, daß ich als HELFER gerne bereit bin. Das heißt ich erinnere, unterstütze, helfe, ja mache auch in den großen Klassen sogar mache Dinge f ü r das Kind (wenn ich weiß, daß es die Sachen eigentlich kann - o d e r auch wenn es an der Stelle einfach gehandikapt ist) . Aber nur, so lange ich das Gefühl habe, auf der Seite des Kindes zu stehen.


    Wenn es sich weigert, mit mir schimpft (über die Sache schimpfen ist absolut OK) oder gar weint, ist Ende.

    "Ich bin deine Mama, nicht dein Gegner". Unterstützung kann man mMn nur anbieten und nicht aufzwingen.


    Ja, manchmal steckt das Kind dann in einem Dilemma, weil eigentlich jegliche Optionen nicht gehen, aber das kann ich dann tatsächlich nicht für das Kind lösen. Da kann ich dann nur anbieten, da zu sein, zu trosten und wenn das Kind so weit ist, den bestmöglichen Kompromiss zu suchen.


    Aber das Wichtigste ist mMn wirklich, sich davon zu lösen, daß ich irgendwie für die Schulleistungen verantwortlich bin. Ich bin dafür verantwortlich, daß sie bestimmte Möglichkeiten haben, die ihren und unserem Rahmen entsprechen. Verantwortlich für das, was daraus wird, bin ich nicht und schon gar nicht auf Kosten der Eltern-Kind-Beziehung. Denn die ist beizeiten das einzige was man überhaupt noch hat.

  • Trin, aber irgendwie ist man doch für die Schulleistung verantwortlich.

    Erstens hat man ja seine eigene Vorgeschichte (wenn ich etwas in meinem Leben ändern könnte wäre es definitiv meine Schullaufbahn!!!).

    Und zweitens sieht man ja die Konsequenz die das Kind noch nicht wahrhaben möchte/kann.


    Der Mathe-Lehrer hat zu uns Eltern gesagt: Bis meine eigenen Kinder aufs Gym gegangen sind (aktuell 6./8. Klasse) dachte ich immer, wenn das ein Kind nicht von anfang an packt hat er auf dem Gym nichts zu suchen... Meine Kinder haben mich da eines Besseren belehrt!

    Bitte liebe Eltern begleitet eure Kinder so lange es nötig ist bei den Hausaufgaben/Lernen/Schulranzen packen. Es gibt so viele Kinder die hier auf dem Gym gut aufgehoben sind, aber von der Schule gehen, weil sie es alleine nicht auf die Reihe kriegen.


    Tannemarie, ich hab dich schon verstanden.

    Sohni hat jetzt genau gestern mal bisschen mit Papa Englisch geübt. Mal schauen...

    Ich bin ja froh über alles was keine 5 ist - trotzdem wäre eine 3 schon echt toll - auch für ihn.

    Am Freitag schreiben sie Mathe...

    Den ultimativen Tipp scheint es irgendwie nicht zu geben....

    Wenn du nach dem Menschen suchst, der dein Leben verändert,
    Dann schaue in den Spiegel.

  • Hallo,


    Trin, aber irgendwie ist man doch für die Schulleistung verantwortlich.


    Das sehe ich (inzwischen) anders.


    Ich bin verantwortlich dafür, bestimmte Rahmenbedinungen zu schaffen, aber nicht dafür, was daraus wird. Ich bin z.B. dafür verantwortlich, daß mein Kind pünktlich sein KANN, aber nicht dafür, daß es das IST (z.B. bei Verweigerung o.ä.). Ich bin dafür verantwortlich, daß mein Kind alle Schulmaterialien HAT, und daß es meine Unterstützung bekommen kann, wenn es sie braucht - aber nicht dafür, daß er sie dabei HAT. Es ist nicht meine Aufgabe, sie ihm in den Ranzen zu stecken, wenn es selber das nicht tun und auch meine Hilfe nicht annimmt. Ich bin dafür verantwortlich, daß er seine Aufgaben in Ruhe erledigen KANN und auch, z.,B. bei Teilleistungsschwächen, Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen,. aber nicht dafür, daß das Kind sie auch annehmen kann oder sie greifen.


    Zitat

    Erstens hat man ja seine eigene Vorgeschichte (wenn ich etwas in meinem Leben ändern könnte wäre es definitiv meine Schullaufbahn!!!).

    Und zweitens sieht man ja die Konsequenz die das Kind noch nicht wahrhaben möchte/kann.


    Aber ist es richtig, die Kinder MEINEN (Wunsch)Weg gehen zu lassen? Müssen sie Abitur machen, weil ICH es gerne gemacht hätte (damals aber die WElt eine andere war und man als Drittbeste der Klasse keine Chance hatte, sie aber dagegen eine viel höhere?. Sie haben die Möglichkeit. Ob sie sie annehmen, liegt nicht bei mir.


    Wenn sie "meinen Weg" gehen wollen tun und nur der ein oder andere Anschieben nötig ist, warum nicht. Aber auch dann, wenn es in Zwang, Druck und Verzweiflung auf allen Seiten ausartet? Wie weit geht dann mein "verantwortlich sein" für das, was am Ende herauskommt? Und bin ich nicht auch verantwortlich dafür, daß unsere Beziehung stark und stabil ist, gerade im Blick auf die Pubertät?


    Begleiten, Möglichkeiten schaffen ist für mich etwas anderes als "verantwortlich für das Ergebnis (in dem Falle die Noten) zu sein".


    Ich habe lange geholfen, helfe heute noch, wenn e4s erwünscht ist bzw. das Angebot angenommen wird. Ja ich frage sogar den Großen noch ab, wenn er für seine Ausbildung lernen muss. Ich erinnere meine Schusselkinder an Termine. Ich mache für alle Frühstück, weil ich weiß, daß sie morgens damit überfordert sind, zu frühstücken und sich etwas zum mitnehmen zu machen, obwohl viele im Umfeld finden, dafür wären sie nun wirklich zu alt.

    Aber ich bin nicht verantwortlich dafür, daß sie am Ende gute Schulergebnisse haben, gute Ausbildungsergebnisse...


    Ich musste es lernen. Wenn man ein Kind mit sehr hohem "Potential" hat, daß aus verschiedenen Gründen andere Wege (keine schlechten, aber eben sehr andere) geht, muss man das "fürs Ergebnis verantwortlich sein" loslassen können, sonst geht man kaputt und die Beziehung zum (großen) Kind mit. Und dann fehlt zusätzlich noch die Möglichkeit emotionale und organisatorische "Bedingungen/Möglichkeiten" zu schaffen.

    Oder ein zweites entscheiden, seine guten Möglichkeiten für ein Studium (vorerst?) NICHT zu nutzen, sondern in die Welt zu ziehen. Oder ein drittes mit ebenfalls hohem Potential mit Durchschnitt zufrieden ist, obwohl "mehr drin" wäre...


    Dafür bin ich nicht verantwortlich, genau so wenig wie für ein anderes Kind, daß zeitweise überehrgeizig war. Ich habe ihr sozusagen die Möglichkeit gegeben, gut zu lernen und dabei entspannt zu sein (Leistung war anerkannt, aber nicht übermäßig gewertet), es war ihre Entscheidung, es für sich anders zu sehen und teilweise arg an die Grenzen zu gehen. Auch dafür bin ich nicht "verantwortlich", weder im guten noch im Negativen.


    Sicher kann man das verschieden sehen. Ich habe auch schon zu hören bekommen, ich müsste mehr Zwang ausüben, zur Not "Konsequenzen" androhen usw. Aber das war nicht unser Weg und mein Sohn sagte nach all der schweren Zeit mal, was ihn überhaupt gehalten hat, war unsere Beziehung zu ihm, das Gefühl, daß er als Mensch uns immer wichtig war, wichtiger als Leistungen, daß wir hinter ihm stehen... Wenn man (Lern)Druck und Beziehung gut vereinbaren kann, dann mag es funktionieren. Bei uns wäre es eben nicht gegangen.

  • Du hast sehr gut in Worte gefasst, Trin , was ich auch empfinde. Wir können gute Rahmenbedingungen schaffen, die unseren Kindern ermöglichen, ihr Potential zu nutzen. Wir können auch versuchen, ihnen unsere Werte und Moral nahezubringen, unseren Eindruck zu vermitteln, Hilfe anzubieten, etc. .Auch in dem Alter noch nach dem Motto: Hilf mir, es selbst zu tun.

    Aber sie müssen IHREN Weg selber gehen. Nicht unseren.

  • Nun habe ich mich eine ganze Woche drumrum gedrückt hier reinzuschauen, weil allein der Gedanke daran wieder Stress in mir auslöst.


    Meine eigene Geschichte spielt wahrscheinlich genau so eine große Rolle wie die Vorgeschichten der Kinder. Ich selber habe auch nie etwas gemacht, weil es mir zugesflogen ist und wenn es doch mal schwieriger wurde, habe ich zugemacht. Für ein durchschnittliche gutes Mittlere Reife Zeugnis hat es gereicht, obwohl wahrscheinlich ein guter Gymnasialabschluss möglich gewesen wären, hätte ich einfach nur mal gelernt. Nur leider habe ich das nie gelernt und war zu faul dazu. Das Ende vom Lied war immer, dass ich mich für Berufe interessiert habe, die ein Studium vorausgesetzt hätten. Gut, was dazu kam war auch, dass ich Russisch als erste Fremdsprache lernen musste (eine andere Geschichte) obwohl Englisch normal war. Deshalb konnte ich ihne große Anstrengung kein Abi nachholen. Und die Englischkurse die ich besuchte waren nie auf dem Niveau das ich gebraucht hätte. Durch Zufall habe ich nun mit Mitte 30 endlich einen Berufsabschluss der mir ein ordentliches Gehalt bringt und der mir Spaß macht.


    Mein Großer ist ähnlich. Er hat eine getestete Hochbegabung und ist Underarchiever. Das heißt, ihm fliegt auch alles zu oder eben nicht. Er hat den Zauberlehrling auf 1er Niveau innerhalb eines Tages gelernt, er hat sich (jetzt in der 9. Klasse)die Prüfungsaufgaben für Mathe klasse 10 besorgt und findet sie leicht. Sein Praktikum in einer kleinen Softwarefirma hat er bereits nach 3 Tagen den Lehrling eingeholt, der im 2. Jahr dort ist. ABER wenn ihn etwas nicht interessiert, dann schreibt er eben 4en, 5en oder 6en. Und er hat durch lange Sprachdefizite als Kleinkind große Defizite in der schriftlichen Sprache. Deshalb musste er bereits einmal die Klasse wiederholen. Er ist schon auf der Realschule, aber er würde diese Leistungen wahrscheinlich auch auf dem Gymnasium und auf der Hauptschule zeigen. Nur nichts machen. Und so sitze ich eben unter der Woche, weil ihm Montag einfällt, dass er noch eine Hausarbeit von 1 Woche aufhat. Dienstag lernt er ein bisschen was für die Geschichtsarbeit am Mittwoch. Und Mittwoch schaut er sich den Inhalt für den Physikvortrag am Donnerstag an. Vokabeln hat er noch nie gelernt und trotzdem steht er auf einer guten 3. Was macht man mit solchen Kindern? Nachhilfe ist da bestimmt auch nicht das Richtige. Also trete ich ihn jeden Tag und schaue, dass er wenigstens die Grundlagen halbwegs wiederholt.


    Und nein, einen eigenen Weg würde er alleine nicht finden. Er würde, wenn ich keinen Druck mache, die Schule hinwerfen. Hat er shcon mehrmal gesagt. Er würde sofort eine Lehrstelle in der Softwarefirma bekommen, sagt er. Und wahrscheinlich stimmt das sogar.


    Sollte ich keinen "Druck" mehr machen, dann weiß ich, dass er nicht glücklich wird, da er nie das machen kann, was er möchte und wofür er brennt. Aber der Druck ist für micht glaube schlimmer als für die Kinder. Eben weil ich jedes Wochenende dasitze und Schulsachen mit den Kindern aufarbeite. Zum Teil macht das auch Spaß, aber eben nicht, wenn man in einem Tag den "Handschuh" ins Kind bekommen muss. Er hat es dann übrigens am Sonntag noch drin gehabt udn die Lehrerin hat wirklich noch ein Woche Zeit gegeben zu lernen, wegen der Klassenfahrt.

  • Ich unterschreibe bei Trin #ja


    Allerdings habe ich erst 2 Kinder in der Schule.

    Die Große: 7.Klasse Gym. Ehrgeizig, gewissenhaft, zielstrebig seit dem 1.Schultag. Fragt sie nach Hilfe, helfe ich so gut ich kann. Ansonsten ist Schule ihr Ding.

    Die Mittlere: 3.Klasse Förderschule. Sie ist auch sehr gewissenhaft und erinnert sich an alle Termine, Aufgaben, Ranzen packen, etc. Aber, durch einen kleinen Gendeffekt ist ihr IQ unterdurchschnittlich und sie braucht viele Wiederholungen, ehe was verstanden wird und hängen bleibt. Es gibt nur 2x Woche HA und dabei schaue ich ihr nebenbei über die Schulter, erkläre auch mal was und gebe eventuell Rückmeldung an den Lehrer, damit es in der Schule noch mal besprochen wird. Liegt natürlich am Konzept der Förderschule, das sie einfach mehr Zeit haben.



    Elfie

    Warum weißt Du, daß dein Sohn nicht glücklich wird?

    Was wäre an einer Lehre in einer Software Firma verkehrt? Wenn er das will und ihn es interessiert.


    Weiterbildung, höhere Anschlüsse etc kann man doch später noch machen.

    Man lernt doch immer dann am besten, wenn man es WILL. :)

    #super No one is you and thats your power #super

  • Er würde sofort eine Lehrstelle in der Softwarefirma bekommen, sagt er. Und wahrscheinlich stimmt das sogar.


    Sollte ich keinen "Druck" mehr machen, dann weiß ich, dass er nicht glücklich wird, da er nie das machen kann, was er möchte und wofür er brennt.

    Ist das Programmieren nicht etwas, wofür er brennt?


    Das ist es jedenfalls bei T. Er möchte Fachinformatiker (Richtung Anwendungsentwicklung) werden. Wenn es ihn dann noch kribbeln sollte, kann er bestimmt noch Informatik hinterherstudieren. Das bieten einige Arbeitgeber auch als duales Studium an. Oder er bleibt eben bei Fachinformatiker.


    Dieses Jahr macht er im Juni ein Praktikum bei einem Betrieb, der das ausbildet, und in den Oster- oder Pfingstferien würde er gerne bei seinem Wunschbetrieb noch ein Praktikum machen. Ich hoffe, dass es ihm dann wirklich so gut gefällt, wie er sich das erträumt.

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Darf ich hier mal kurz mit einem Buchtipp reinwinken?


    Ich habe gerade aus der Bibliothek ausgeliehen: Jean-Bernard Pouy/Serge Bloch/Anne Blanchard: Lexikon der Faulpelze (im französischen Original "Enzyklopädie der Schulversager, Unruhestifter und anderer Genies“). Von Albert Einstein bis Leonardo da Vinci. Und ja, es sind auch ein paar Frauen dabei. Ein wunderbar charmantes Buch, das die Lebensläufe von Künstlern, Politikern, Autorinnen, Wissenschaftlerinnen nachzeichnet, die ALLE entweder mit Schule nichts anfangen konnten, als faul und renitent galten oder schon ganz früh außerhalb der Schule ihren Weg suchten. Bekannt ist ja z.B., dass einer der Lehrer von Albert Einstein ihm ins Gesicht sagte, bei ihm sei Hopfen und Malz verloren, er würde es imLeben zu nichts bringen und solle lieber aufs Abi verzichten (was er dann auch gemacht hat).


    Das Buch ist auch für Kinder ein toller Zugang zu verschiedenen Zeiten und Biographien und vermittelt, dass Respekt gegenüber Autoritäten und der Norm eben nicht alles ist.


    Also, ich weiß, wie schwer es ist, aber dieses Buch hilft ungemein beim "Chill mal, Mama"...


    Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele.


    Kurt Tucholsky (Schloß Gripsholm)

  • Doch genau das ist das was er machen möchte und das unterstütze ich auch sehr. Aber dafür sollte er einen Schulabschluss machen. Denn ohne den denke ich kann die Firma ihn haben wollen wie sie will, wenn es offiziell nicht geht. Das heißt mindestens noch ein Jahr in die Schule gehen und relativ gute Noten bekommen, damit er das machen kann was er möchte. Denn alles andere ist bestimmt weder einfacher noch das womit er glücklich wird.

  • Hallo,


    Elfie


    Ich finde, auch unsere Kinder haben das Recht, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, auch falsche. Oder welche, die ich zumindest falsch finde, die aber für diesen Menschen vielleicht sogar die richtigen sind? Natürlich muss ich sie davor bewahren, daß sie sich in Gefahr bringen, wenn sie klein sind, aber es ist immer die Frage, was ist eine wirkliche Gefahr und welche Maßnahmen sind an der Stelle gerechtfertigt?


    Da gibt es sicher kein "so ist das". Aber wenn jemand mit HB einen Beruf lernt - dann ist das für mich keine echte Gefahr, auch wenn er "mehr" hätte lernen können. Nur ist es für denjenigen dann wirklich "mehr"? Die Bildungswege sind heute so vielfältig, man kann auch später noch Wege finden. Dafür bin ich nicht verantwortlich. Zu lernen das "auszuhalten" war für mich eins der größten Lernfelder in den letzten Jahren...


    Wenn jemand durch mehr Lernen eine Ehrenrunde verhindern könnte, der Zwang dazu aber die Beziehung zum Jugendlichen kaputt macht - ist es den Zwang dann wert? Oder bricht es dann dafür an anderer Stelle?


    Was passiert, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, Druck auszuüben, wenn das Kind nicht mitzieht? Und die Zeit kommt früher als man denkt? Was dann? Ist das Kind dann automatisch so weit, von sich aus zu wollen und zu können?


    Ich kenne eine junge Frau, die musikalisch hochbegabt war und der eine erfolgreiche Karriere auf ihrem Instrument bevorstand. Natürlich wollten die Eltern, daß sie ihr Potential ausschöpft und so wurde sie "zu ihrem eigenen Besten, damit sie alle Chancen hat und glücklich wird" mit Druck zum üben gebracht wurde. Sobald sie sich zur Wehr setzen konnte, hat sie das getan und leider seit dem nie wieder ihr Instrument angefasst.

    "Wenn man versucht, alles auszuschöpfen, ist auch ein voller Topf irgendwann leer". Das trifft leider sehr oft zu.


    Vielleicht wäre sie als durchschnittliche Musikerin glücklicher geworden? Oder braucht die Musik tatsächlich nicht zum glücklich sein? Oder hätte ohne den Druck irgendwann freiwillig mehr geübt und so vielleicht nicht die Weltkarriere, aber eine trotzdem gute geschafft?


    Natürlich ist ein Musikinstrument nicht so ganz vergleichbar mit Schule, aber das Risiko des "Aus dem Druck aussteigens" sehe ich trotzdem auch da.


    Ich habe meinen Vater damals fast gehasst für eine bestimmte Aussage, aber heute sehe ich, daß er Recht hatte: "Du kannst mir nie vorwerfen, wir hätten dich nicht unterstützt., Aber WOLLEN musst du.". Er hatte Recht und so blöd ich ihn damals fand, dieser Satz hat mir - allerdings erst sehr viel später - klar gemacht, daß es MEINE Verantwortung für mein Leben ist, nicht seine. Daß ich weder jetzt noch später IHM Vorwürfe machen kann. Und dafür bin ich dankbar.

    (Daß man damals über Konzentrationsprobleme bei ruhigen Kindern nicht viel wusste, und es daher nicht wirklich eine Frage des "Wollens" war, kann ich ihm nicht zum Vorwurf machen.


    Wie gesagt, ich finde es richtig und wichtig, Struktur zu geben, zu unterstützen, Hilfsangebote zu organisieren, wenn es nötig ist, auch klare Ansagen zu machen. Ich finde es unbedingt wichtig, hinzuschauen, WARUM ein Kind sich verweigert oder zumindest weniger als erwartet leidet. Hat es eine Not? Hat es ein Grundproblem (Teilleistungsschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten, emotionale Probleme in der Klasse...) oder ist es einfach zufrieden mit sich und der Welt?

    Wo ist der Punkt, an dem ich eingreifen muss? Und bis zu welchem Punkt, zu welchem Preis sollte das gehen? Das ist sicher sehr individuell, da kann ich auch nicht sagen: "So sollte das sein".


    Mir hat eben der Gedanke, daß ich nicht für das Ergebnis verantwortlich bin, geholfen, den Blick mehr auf den Weg, auf die Beziehung und auf die Themen außerhalb des schulischen Lernens zu finden und uns hat das gut getan. Bei andren mag das anders aussehen. Und wie weit das über "begleiten, unterstützen., Möglichkeiten geben" hinausgeht (zu Druck, Strafen, Streit, Beziehungskreisen ...) und was die Eltern-Kind-Beziehung aushält, das muss wohl jede Familie für sich selber schauen.

  • Prinzipiell gebe ich denen recht, die sagen, dass Kind auch "unter seinen Möglichkeiten" bleiben kann, wenn es das will.


    Ich weiß aber nicht so genau, ab wann man "druck" ausübt und wo es noch "Unterstützung" genannt werden kann.



    Und schon gar nicht, ab wann ein Kind überblickt, was für es "am besten" ist. Und wo es sich für oder gegen was entscheidet, nur weil es jetzt gerade ok scheint. ZB weil Peter und Susi es so machen