Halal-Fleisch in Schulkantine

  • Ich frage mich, wie das Kinder in Ländern überleben, die mittags gar nix Warmes kriegen...


    Leider merkt man doch insgesamt, dass das Thema Essen doch sehr divers ist. Aber wenn man in einer Gemeinschaftsküche verpflegen lässt, muss man leider immer Abstriche machen. Wir hatten das GsD nur im KiGa. Leider durfte man dort irgendwann auch nichts selbst mitbringen. Aber bei älteren Kindern (weiterführende Schule) sollte das eigentlich kein Thema sein. Ist es jedenfalls an unseren Schulen nicht.


    Wenn die o.g. Richtlinien eingehalten würden, wäre ich ja schon froh. Aber ich denke nicht, dass das immer der Fall ist...

  • Das heisst ja nicht, dass man dann das Essen nicht nach Einkommen gestaffelt anbieten kann.

    I. d. Regel wird das sicher auch bezuschusst. Bei uns kostet das Schulmittagessen 3,60EUR für Schüler, wer BuT-berechtigt ist zahlt 1,00EUR. Nach der von mir verlinkten Kostentabelle (übrigens von 2010) dürften die Vollkosten für unser System bei rund 4,80EUR liegen.


    Ein Kostentreiber ist sicher auch das Wahlsystem. Verbindliches Mittagessen kommt pro Mahlzeit günstiger als einzelne, ausgewählte Tage, insbesondere wenn auch noch zwischen Menus gewählt werden kann. Für viele ist das aber der Kompromiss, um überhaupt eine breitere Akzeptanz zu erzielen.


    In den KiTas und auch in der Grundschulbetreuung gibt es hier nur entweder täglich essen oder gar nicht. Das gehört zum pädagogischen Konzept und kostet pro Monat mittlerweile ca. 70EUR. Ein solcher Betrag wird spätestens ab der weiterführenden Schule gar nicht mehr akzeptiert.


    wir stehen vmtl. demnächst auch vor der Frage, einen Essensanbieter zu wählen und perspektivisch gibt es vielleicht sogar eine Schulküche. Daher die Frage: Wie habt ihr das durchgesetzt? Gab es einen demokratischen Prozess? Warum gab es keine Beschwerden? --> Was ist der Trick?

    Mein Eindruck ist: Der Träger muss überzeugt werden. Er muss die räumlichen Voraussetzungen schaffen und kommt an einem Finanzierungsbeitrag nicht vorbei.


    Schulen in D sind ja traditionell erstmal Halbtagsveranstaltungen. Hier kam der Durchbruch mit G8 und dem zwangsläufig damit verbundenen Nachmittagsunterricht bereits ab Klasse 5. Da konnte sich der Schulträger für seine vier Gymnasien nicht mehr so einfach auf den Standpunkt "ab Mittag ist Mutti zuständig" zurückziehen.


    Eine Bekannte hat jahrelang den Schulkiosk eines unserer Gymnasien betrieben. Das war eine Elterninitiative, dahinter stand rechtlich eine Personengesellschaft. Im Angebot waren eine täglich wechselnde Suppe / Eintopf, mal ein Nudelgericht, Wraps, belegte Brote / Brötchen. Immer mit frischen Komponenten, günstig und super angenommen. Sie hat aufgehört, weil sich, nachdem das jünste von vier Kindern die Schule abgeschlossen hatte, kein Nachfolger fand, der das kleine Unternehmen weiterzuführen bereit war. Heute hat die Schule, wie alle anderen in der Stadt auch ein Warmanlieferungssystem, weil das für den Träger am billigsten kommt.


    Beschwerden gibt es dennoch ständig. Beim Speiseplan. Bei den Räumen. Beim Abrechnungssystem. Die Frage ist halt, wie man damit umgeht. Da bekommt der Begriff Kundenmanagement noch mal eine ganz andere Qualität. :D


    Außerdem reden Gesundheitsamt und Gewebeaufsicht eine ganze Menge mit. In der Krippe (U3) meiner Kinder musste vor Jahren die angestellte Köchin, die täglich frisch und lecker kochte entlassen werden. Grund: Es wurde eine weitere Gruppe eröffnet und damit durfte nicht mehr in einer "Haushaltsküche" gekocht werden, sondern es galten Auflagen wie für gewerbliche Großküchen. In gemieteten Räumen und von einem freien Träger nicht zu stemmen.


    Die Schüler selbst kochen zu lassen geht i. d. R. auch nicht. Von Waldorfschulen höre ich das gelegentlich, dort es es aber Bestandteil der besonderen pädagogischen Ausrichtung.


    Bohnen und Linsen zu Gemuese und nicht zu den Proteinen zählen?

    Weil sonst die Gemüsekomponente verteuern würde?

  • Ich frage mich, wie das Kinder in Ländern überleben, die mittags gar nix Warmes kriegen...

    Da kommen halt die Traditionen und Vorurteile in Extremform durch. In Deutschland hat der Lehrer nachmittags frei und Mutti kocht mittags warm. Supp', Gemüs' und Fleisch natürlich.

  • Bei uns wird abends war gegessen... Gegen mittags Brotzeit spricht eigentlich auch nichts. Nur ist das Thema bei Zöli und Fruktosemalabsorption echt nicht leicht...

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    Wunder 1: 07


    Wunder2: 11

  • Ich finde man sollte zu einem System kommen das es ja in vielen Betrieben gibt. Eine Kantine in der man sich mittags aufhalten kann und nur das konsumiert was man möchte. Ob es ein Getränk ist oder ein Salat oder auch mal gar nichts. Idealerweise sollten noch (in der weiterführenden Schule zumindest) Mikrowellen vorhanden sein. Dann können die Kinder entweder ihr mitgebrachtes essen essen oder in der Kantine kaufen.

    Das Problem ist aber dass mitgebrachtes essen den caterer nur kosten verursacht indem er einen essplatz stellt evtl noch Teller und Besteck.

    Solche festkosten müssten über die Stadt abgerechnet werden die ja auch Träger der Schule ist.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • In solchen Kantinen kostet das Essen dann aber zwischen 7 und 10 Euro, zumindest hier im Großraum MUC.. Die großen Firmen, die solche Kantinen betreiben bezuschussen diese oft nicht unwesentlich. Ja, das sollte eigentlich der Staat tragen, davon sind wir leider im Moment aber meilenweit entfernt..

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    Wunder 1: 07


    Wunder2: 11

  • den caterer nur kosten verursacht indem er einen essplatz stellt evtl noch Teller und Besteck.

    Nur dann, wenn das in deren Räumen ist. Bei uns sind die Mikrowellen im Aufenthaltsraum der Mittelstufe.

  • Das mit den Kosten bezweifel ich.

    Ich finde 55 Euro pro Monat nicht wenig und auf die Anzahl der Kinder gerechnet ein hoher Betrag mit dem gut gearbeitet werden kann.

    Zumal man ja die Schließungszeiten mit bezahlt.


    Also ich schätze schon, dass man da besser kochen kann.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Das muss doch nicht so viel teurer sein als jetzt. Das platzangebot muss größer sein als jetzt und die Reinigung ist natürlich auch aufwendiger. Bei uns in der schulkantine gibt es immer zusätzlich zum tagesgericht eine nudelbar und eine Salatbar.

    Preise etwas über drei Euro.

    Spezielles Essen wie dein Sohn es bräuchte Gwynifer ,wird im grossbetrieb eher nicht machbar sein. Allein die glutenfreiheit zu garantieren stelle ich mir unmöglich vor. Aber so hätte er die Möglichkeit mitgebrachtes warm zu machen und von einem Teller zu essen statt aus der Tupperdose. Und er könnte mit seinen Freunden am gleichen Tisch essen und nicht wo anders.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • krebbel Es geht doch auch darum dass die Kinder am gemeinsamen Essen teilnehmen können mit ihren Freunden. Und es muss doch auch jemand die Mikrowelle putzen, das funktioniert in Gemeinschaftsräumen nicht so gut.


    Hier ist es wohl so dass die Kinder die nicht essen mit in die Mensa dürfen wenn Platz ist. Sozusagen haben diejenigen Vorrang die dort essen wollen. Das ist schon mal ein Anfang. Ich sehe die Stadt auch in der Pflicht Möglichkeiten anzubieten, immerhin haben die Kinder ja an drei Tagen Unterricht bis 15 Uhr.

    Die Kinder dürfen in der Mittagspause wohl auch in die Turnhalle, was meine Tochter auch nutzt, dort darf aber natürlich nicht gegessen werden.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Bei uns in der Grundschule ist das Essen übrigens deshalb verpflichtend für GTS Kinder, weil sonst tw. Kinder bis nachmittags um 15.45 ohne essen da stehen, also ohne Frühstück, Vesper und Mittagessen. Ich nehme an, dass in begründeten Ausnahmefällen (Allergien oder besonders aufwändige & seltene religiöse Vorschriften zb) auch ein mitgebrachtes Essen ok ist (wenn es dann auch zuverlässig dabei ist!)

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • Doppelt

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

    Einmal editiert, zuletzt von braten ()

  • Ich finde, Länder mit keiner oder schlechter Schulverpflegung sollten nicht wirklich Vorbilder sein... klar, andernorts müssen die Kinder auch raus und beim Imbiss um die Ecke was besorgen. Aber ist das angesichts der bekannten gesundheitlichen Probleme wirklich erstrebenswert?


    Glutenfrei ist gerade im Grossbetrieb wunderbar möglich - klar, mit "kann Spuren von enthalten" muss man dabei leben. Aber damit müssen unsere Kinder sowieso leben, dieses Restrisiko ist kaum zu umgehen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Naja, wenn der Teenager der Lehrerin den hier üblichen Handschlag zur Begrüssung (das ist hier wirklich Standard, in allen schulischen Belangen) verweigert, weil er keine "unreinen Frauenhände" schüttelt und der Vater dasselbe auch noch unterstützt... dann ist bei mir die Toleranzgrenze erreicht - im Gegensatz zu einem Speisegesetz, das mich nicht tangiert (ein gutes vegetarisches Angebot schränkt ja jetzt meine persönliche Freiheit nicht wirklich ein).

    Woher nimmst du das unrein?


    Ich kenne es als generelle Zurückhaltung zwischen den Geschlechtern und die Ansicht, dass es einer Frau gegenüber respektlos sei, sie zu berühren. Und wenn ich mir anschaue, wie viel sich Männer in meinen Kursen berühren, ist mir das auch ganz recht.

    It all started with the big BANG!


    (Big Bang Theory)

  • Talpa

    Bei Zöliakie ist es meines Wissens relevant. Und die "Spuren" die die grossküchen die ich so kenne verursachen sind da schon zuviel. Aber das hängt natürlich auch davon ab ob jemand Zöliakie hat oder eine andere Unverträglichkeit.

    In Deutschland ist das kantinenpersonal in der Regel unterbezahlt, desinteressiert und der Sprache nicht sonderlich gut mächtig. Da möchte ich keinem Kind zumuten zu erklären warum man nicht mit dem Löffel auf dem semmelbrösel sind über den warmhaltecontainer für das Kartoffelpüree langen darf.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Mondschein

    Meinst du die von mir verlinkten Zahlen?


    Bei 55EUR Monatsbeitrag stünden für ein einzelnes Essen 3,30EUR zur Verfügung. Rechnung: 12 Monate x 55EUR / 200 Schultage.


    Um diesen Preis überhaupt erzielen zu können, müssten mindestens 300 Essen pro Tag ausgegeben werden. Bei verplichtendem Mittagessen ist das evtl. schaffbar, aber für weiterführende Schulen sicher nicht durchsetzbar. An unserer Schule mit rund 750 Schülern werden an Spitzentagen etwa 130 Essen ausgegeben. Dort wo es nebenbei noch ein attraktives Kioskangebot gib, sind es deutlich weniger.


    Außerdem: Die Kosten bestehen ja nicht nur aus dem Wareneinsatz. Personal, Räume, Geräte, Instandhaltung und Umsatzsteuer müssen ebenso einkalkuliert werden. Wenn die Speisen in den Räumen eingenommen werden, kommt der volle MWSt.-Satz zur Anwendung. Mit 19% liegt er dann fast so hoch wie der Wareneinsatz. Eigentlich grotesk.

  • Hier sind - nicht nur im Schulbereich - viele Caterer damit überfordert, dass man auf der Platte die Käsebrötchen nicht mit den Wurstbröchten gemischt stapelt.

  • Es geht doch auch darum dass die Kinder am gemeinsamen Essen teilnehmen können mit ihren Freunden. Und es muss doch auch jemand die Mikrowelle putzen, das funktioniert in Gemeinschaftsräumen nicht so gut.

    Die essen nicht oder seltenst alleine. Die sprechen sich schon ab, was sie lieber wollen. Sind ja auch keine Grundschüler mehr. Ich glaube, bei uns müssen die GTS-Kinder in Klasse 5-6 auch mit in die Mensa. Die Größeren nicht mehr. Und die Kinder, die nur 1x die Woche nachmittags haben, gehen da meist eh nicht hin.

    Ich finde, Länder mit keiner oder schlechter Schulverpflegung sollten nicht wirklich Vorbilder sein

    ich weiß nicht, ich hätte tausend andere Dinge an Schulen, die ich zu ändern wichtiger fände. Jedenfalls solange es möglich ist, sich selbst etwas mitzubringen zum Essen.

  • In den KiTas und auch in der Grundschulbetreuung gibt es hier nur entweder täglich essen oder gar nicht. Das gehört zum pädagogischen Konzept und kostet pro Monat mittlerweile ca. 70EUR. Ein solcher Betrag wird spätestens ab der weiterführenden Schule gar nicht mehr akzeptiert.

    Im Abonnement zahlen wir hier 5Euro pro Mittagessen, aber Kindergartenalter (das ist natuerlich staatlich bezuschusst), und der Preis ist gestaffelt niedriger bis zu 0Euro. Wer nicht abonniert, kriegt auch ein Mittagessen, wenn er sich am Vortag anmeldet, kostet dann etwa 50c mehr. Hier kocht die Stadt vor fuer alle Schulen vor, und in den Schulküchen wird aufgewärmt oder mitunter auch selbst gekocht. Es ist keine TKWare und keine Mikrowelle. Es kostet halt Geld, wenn man ein ordentliches Essen moechte. Es essen auch 95% der Schüler an der Schule. Das Schulküchen nicht wie ein Restaurant funktionieren koennen ist irgendwie klar, dennoch scheint da so ein Anspruchsgedanke zu sein. Bei 130 Essen pro Tag kann es einfach nicht so viel Auswahl geben. Da ist es sicherlich sinnvoller einen gemeinsamen Nenner zu finden.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.