Kur für Kinder bei Übergewicht

  • Hallo liebe Raben,


    hat jemand von euch Erfahrungen zu Kuren für Kinder, speziell bei Übergewicht bedingt durch Ernährung? Meine Tochter wird jetzt 9 Jahre alt und würde nur auf sowas gehen, wenn ich mitkommen würde. Dann müsste allerdings ihr kleiner Bruder auch mit. Geht sowas?


    Danke euch.

    Tine mit Perlchen *02.2010 und Junior *12.2013

  • erstmal nur kurz, später gern mehr: mein Sohn war mal in einer Kinder-Reha, u.a. wegen Übergewicht. Mein Gefühl war, dass das eher was bringt wenn jemand übergewichtig ist weil es zuhause vor allem Fast Food, Süssigkeiten und Limonade gibt. Wenn das Übergewicht trotz halbwegs gesunder Küche und guten "Vorbildern" (also z.B. Eltern die sich gesund ernähren) kommt ist das Programm in so einer Kur meiner Meinung nach eher mäßig geeignet. Kann sein, dass in den 4-6 Wochen ein paar Kilos runter sind, aber ob es sehr nachhaltig ist bezweifle ich (unter den o.g. Bedingungen).

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • Ein ambulantes Programm gibt es nicht? 9 Jahre ist halt schon recht jung...

    Bei mir im Familienumfeld war ein Kind mal, allerdings mit 13-14 Jahren. Was das langfristig bringt, werden wir sehen, es ist noch nicht allzu lange her. Da war die komplette Familie übergewichtig, ein Mix aus viel zu großen Portionen und der Zusammensetzung des Essens. Inzwischen ernähren sie sich alle vegan, das kam quasi parallel zu der Kur, haben alle ein bißchen oder sogar ziemlich viel abgenommen, machen zusammen Sport und wie gesagt, mal sehen, was das langfristig bewirkt, im Moment sieht es schon gut aus für alle.

    Dem Kind hat es schon bißchen was gebracht, aber jetzt nicht so viel, dass ich sagen würde, es war die totale Offenbarung und hinterher war alles bestens.

    LG H. mit J.K. (14,5) und S.E. (9)

  • Ich war mit meiner Tochter letztes Jahr zu einer Kinder-Reha mit einer anderen Diagnose, aber dort waren auch viele Kinder mit Adipositas.

    Es ist auf jeden Fall sinnvoll, mit Kindern in dem Alter gemeinsam zu fahren und es ist auch kein Problem, Geschwisterkinder mitzunehmen, da gibt es einen extra Antrag dafür. Ich hatte auch die kleine Schwester mit. Man sollte aber wissen, dass die Geschwister normalerweise nicht betreut werden, wenn sie nicht selbst eine Diagnose/Therapie haben, sondern dass man als Elternteil für die Beschäftigung des Kindes zuständig ist, solange man nicht in die Therapien oder Schulungen des Therapiekindes eingebunden ist. Das kann u.U. für das Geschwisterkind recht langweilig sein.


    Schwerpunkt der Therapien für Adipositas waren eine systematische Überwachung der Ernährung und viel, viel Sport (Bewegungsbad, Nordic Walking, Radfahren, Fitnessraum ...). Dazu gab es auch noch Möglichkeiten für Physiotherapie, Ergotherapie, Entspannung, Körperwahrnehmung etc. Und die Kinder haben natürlich andere Kinder mit dem gleichen Problem kennengelernt und sich damit auch gegenseitig motiviert.

  • sorry, wenn ich dazwischen frage, Freda : Wurde da nicht geschaut, wann und warum ein Kind so viel isst? Ist sind es ja auch Verhaltensmuster, die man ggf ursächlich angehen kann?

    Liebe Grüße,


    Ich, mit Tochter (2/06) und tochter (12/07).

  • Danke euch. Das klingt doch schon mal ganz gut. Bei uns ist es eine schwierige Sache. Sie isst gerne aus Langeweile oder Frust. Dann vor allem süße Sachen, oder schnell verfügbares. Da wird das Brötchen dem Apfel vorgezogen. Ich dachte es würde ihr Helfen, einen anderen Umgang damit zu lernen, denn sein wir ehrlich: wenn ich was sage, zählt es nicht. Und ich will auch nicht so viel rum kritisieren und meckern.


    Wie genau geht man denn da vor? Zum Kinderarzt und dann Anträge ausfüllen? Oder kann ich die Anträge schon mal besorgen und die nur ausfüllen lassen?

    Tine mit Perlchen *02.2010 und Junior *12.2013

  • Oder vielleicht eine Mutter-Kind-Kur und mein Kind ist Therapiekind? aber ich war erst vor drei Jahren zur Kur.

    Tine mit Perlchen *02.2010 und Junior *12.2013

  • Tine88 ich will dich nicht entmutigen, aber ich befürchte da hilft eine Kur nicht weiter. In der Kur wird es so sein, dass außerhalb der Essenszeit keine Lebensmittel verfügbar sind, bei den Mahlzeiten gab es bei der Kur meines Sohnes kleine ausgedruckte Kärtchen mit Lebensmittelpyramiden, wo man die verzehrten Anteile abstreichen musste. Aber das war so ziemlich verquer zu dem, was ich denke. Z.B. sollten/durften die Kinder nur einmal am Tag Wurst oder Fleisch essen, einmal hat mein Sohn nicht gesehen dass es Mittags Spaghetti Bolognese geben sollte und hat sich morgens Wurst genommen. Also hat er Mittags Nudeln pur gegessen, weil Fleisch durfte er ja nicht #stumm#confused Ich behaupte, so ein "Programm" hält man zuhause nicht durch.


    Da würde ich lieber versuchen, Langeweile oder Frust (wegen was hat sie Frust?) zuhause, ggf. mit Unterstützung aktiv zu bearbeiten und (das ist meine persönliche Erkenntnis nach 25 kg Abnahme...) am besten keine Vorräte zuhause zu haben. Meiner Meinung nach ist der Apfel übrigens genauso ungünstig wie ein Brötchen, wenn es dadurch in der Summe zuviele Kalorien sind (und beides nur aus Langeweile gegessen wird). Und vielleicht das ganze Thema Übergewicht "entzaubern" und aus der Tabu-Ecke hervorholen. Arnoli74 hat zu dem Thema schon viele schlaue Beiträge geschrieben, die findest du in den "einschlägigen" Threads wo es um Kinder mit Übergewicht geht.

    k. (*1979) mit p. (*02/2006), k. (*09/2008), h. (*12/2010) und f. (*09/2015)

  • erstmal nur kurz, später gern mehr: mein Sohn war mal in einer Kinder-Reha, u.a. wegen Übergewicht. Mein Gefühl war, dass das eher was bringt wenn jemand übergewichtig ist weil es zuhause vor allem Fast Food, Süssigkeiten und Limonade gibt. Wenn das Übergewicht trotz halbwegs gesunder Küche und guten "Vorbildern" (also z.B. Eltern die sich gesund ernähren) kommt ist das Programm in so einer Kur meiner Meinung nach eher mäßig geeignet. Kann sein, dass in den 4-6 Wochen ein paar Kilos runter sind, aber ob es sehr nachhaltig ist bezweifle ich (unter den o.g. Bedingungen).

    So auch mein Eindruck! Leider sind auch Ernährungsberatungen nur sinnvoll wenn man sich nicht so toll ernährt und auch keine Ahnung hat. Ansonsten steht man, zumindest hier bei uns, recht alleine da. Das regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung das A und O sind weiß ich, und meine Kinder (2 von 4 übergewichtig) ebenfalls. Wir kochen und essen zusammen, bewegen uns, und trotzdem, sie essen halt gerne... Auch das Saft Dickmacher sind, wissen wir, Fruchtjoghurts (gekaufte), gibt es nur selten und eher als Süßigkeit.

    Was macht man da noch? Ich weiß es nicht.


    Manchmal glaube ich das Gott, das Universum, oder weiß der Geier wer, mir eine "Lektion" erteilen will, ich hatte bisher nämlich immer eine sehr voreingenommene Meinung von Übergewichtigen.

  • sorry, wenn ich dazwischen frage, Freda : Wurde da nicht geschaut, wann und warum ein Kind so viel isst? Ist sind es ja auch Verhaltensmuster, die man ggf ursächlich angehen kann?

    Das kann ich Dir nicht so genau sagen, weil wir ja nicht deswegen dort waren. Es gab auch Arztgespräche und Diätassistenz etc., aber ich glaube eher weniger psychologische Einzelbetreuung, sondern mehr Gruppenangebote.

    Ernährungspyramide mit Abstreichen gab es auf jeden Fall auch. Was ich etwas ungünstig fand, war, dass die Küche nicht unbedingt auf "gesund" ausgelegt war, sondern recht normales "Großküchenangebot" (halt alles genau beschriftet und Waagen überall - letztere aber eher für Diabetes-Patienten). Man kann das allerdings auch so sehen, dass es durchaus "alltagsähnlich" war.

    Was man zu Hause halt eher nicht hat, ist der Austausch mit anderen "Betroffenen" und durch das sehr intensive Sporttreiben auch den Körper besser kennenlernen kann.

    Also ja, wenn Kinder/Familien schon sehr gutes Ernährungswissen haben und sich viel bewegen, dann ist das vielleicht nicht das Richtige. Aber das war halt bei den meisten Familien, die dort waren nicht wirklich der Fall.

    Freda mit dem Jan-Feb-Mär-Trio (01/05 + 02/08 + 03/12) #love


    Ich kaufe und verkaufe im Rabenflohmarkt

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Freda ()

  • Sie isst gerne aus Langeweile oder Frust.

    Das mache ich auch im Erwachsenenalter noch so. Mit den entsprechenden Folgen. Und dass, obwohl ich im Bereich Ernährung sehr gebildet bzw. teils studiert bin. Da stecken andere Mechanismen dahinter. Ich glaube, eine Kur wie hier von einigen beschrieben, bringt euch da nicht weiter.