Hypnobirthing - wer hat Erfahrungen mit oder ohne Kurs?

  • Hallo ihr Lieben,


    ich beschäftige mich gerade mit Hypnobirthing, da ich mein zweites Kind (Anfang Juni) erwarte und keine Lust auf Angst, Schmerz, halbe PDAs, Dammschnitte und Saugglocke habe. Ich habe bereits das Marie F. Mongan Buch und höre den Podcast "Die friedliche Geburt".


    Wer von euch hat denn bereits Erfahrungen mit Hypnobirthing? Hattet ihr extra einen Kurs oder reichten euch die Übungen Zuhause? Wie habt ihr euren Partner/Begleiter überzeugt?


    Wer plant ebenfalls eine sanfte, friedliche Geburt?

  • Ich habe mir eine privatstunde mit aufgenommener maßgeschneiderter Meditation geleistet. Das hat für die 2. Geburt gut funktioniert. Bei der 1. Geburt habe ich das Buch gelesen und die regenbogen-Meditation gemacht: hat nicht funktioniert, da ich mit der Intensität der wehen überfordert war und ich die Meditation nicht hören konnte.

    Bei der 2. Geburt hatte ich zusätzlich noch einen Duft, den ich riechen konnte und Steine, die ich in der Hand halten konnte. Das hat mich zusätzlich zur Meditation irgendwie "gehalten"

    Viel Glück!

  • hallo


    das ist hier kein geschütztes unterforum, oder?


    anyway: ich hatte weder kurs noch buch, aber ein paar jahre erfahrung mit tai chi und qui gong. unter den geburten habe ich entlang dieser erfahrungen intuitiv etwas praktiziert, was hypnobirthing zumindest ähnlich war. ich habe damit sehr gute erfahrungen gemacht, die ersten zwei geburten waren zwar nicht schmerzfrei, aber schön, die dritte war dann phasenweise, die vierte weitgehend schmerzfrei.


    deshalb meine einschätzung: entspannungs-, meditations-, konzentrationstechniken können tatsächlich was ausmachen unter der geburt. das kann, muss aber nicht hypnobirthing sein.


    wichtig scheint mir allerdings auch, trotz vorbereitung ohne überhöhte erwartungen in die geburt zu gehen und sich nicht selber druck zu machen, eine "perfekte" geburt hinlegen zu wollen.


    alles gute dir!

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • Hallo :)


    Ich erwarte im August unser 1. Kind und bin ebenfalls über den Podcast gestolpert. Mittlerweile haben wir uns ihren Online-Kurs gegönnt und schauen uns jetzt erstmal die Info-Videos an. Ich bin schon ganz gespannt, wie es uns damit unter der Geburt geht.

  • wichtig scheint mir allerdings auch, trotz vorbereitung ohne überhöhte erwartungen in die geburt zu gehen und sich nicht selber druck zu machen, eine "perfekte" geburt hinlegen zu wollen.

    das finde ich ganz wichtig. ich habe mit zwei frauen geredet, die zumindest das buch gelesen hatten. ich erinnere mich nicht, ob die beiden auch kurse belegt hatten. beide haben gemeint, sie hätten das während der geburt einfach nciht hinbekommen. die eine hat es rein deskriptiv erzählt, die andere wirkte so, als fühlte sie sich als versagerin. das scheint mir eher ungesund.

    #rose

    Zwischen Lachen und Spielen werden die Seelen gesund.


    Machtverhältnisse sind weder geschichtslos noch geschlechtsneutral. Johanna Dohnal

  • Ich bin auch mit dem Zweiten schwanger und mache grad einen Kurs, letzte Woche hatten wir die erste Sitzung, diese Woche Donnerstag die zweite. Wenn du magst, berichte ich mal am Wochenende über den Kurs und meine Gedanken dazu. Ich habe das Buch von Mongan übrigens bewusst nicht gelesen, weil ich mich nicht mit irgendwelchen Erwartungen unter Druck setzen möchte. Mir geht es um ein gutes Gefühl mit mir selbst und eine tiefe Verbindung zu meinem Baby. Ich möchte mich gut auf die Geburt einlassen können, egal, was da kommt. Ich glaube nicht, dass es darauf ankommt, zu jedem Zeitpunkt vollkommen konzentriert in seiner Trance zu bleiben und, komme, was wolle, bei seinen Affirmationen zu bleiben, vielmehr, dass man in sich selbst zurückkehren kann und daraus Kraft schöpft.

  • Ich habe während der ersten Schwangerschaft einen zweistündigen Einführungskurs zur Selbsthypnose unter der Geburt gemacht, gehalten von einer Hebamme, ausgebildet in Hypnosetherapie. Der Kurs war toll, sie ist viel auf die hormonellen Abläufe unter der Geburt eingegangen. Sie hat uns eine selbst gesprochene Hypnose mitgegeben, mit der ich geübt habe. Das heisst, ich habe es immer wieder abends gehört und bin meist dabei eingeschlafen. Dazu habe ich viel Yoga gemacht und darüber auch weiter atmen und entspannen geübt


    Eine Freundin hatte das Buch, das habe ich auch gelesen, aber keinen Zugang dazu gefunden. Unsere Kursleiterin hat das Buch auch kritisiert. Zum einen, dass teils mit negativen Aussagen arbeitet und dass die Visualisierungen nicht individuell erarbeitet werden.


    Mein Partner ist mit in den Kurs gekommen. Teil des Kurses war eine angeleitete Selbsthypnose. Wie warwn sehr fasziniert, dass alle Kursteilnehmer ohne Vorerfahrung in die Selbsthypnose gefunden haben. Mein Partner hätte mich eh in allem unterstützt, aber so hat er selbst den positiven Effekt erlebt gehabt und während des Kurses gelernt, was wichtig ist an der Selbsthypnose, z.B. an der Umgebung.


    Ich habe unter beiden Geburten in einen Art entrückten Zustand gefunden. Dies war jedoch störungsanfällig. Ich bin also immer wieder mal raus gekommen, habe aber auch immer wieder rein gefunden. Die Geburten waren nicht schmerzfrei, aber ich habe sie auch nicht als schlimm empfunden. Unangenehm weh getan hat es jeweils nur teils auf der Fahrt und kurz nach Ankunft im Geburtsort. Dort habe ich ein wenig gebraucht, um wieder zu mir zu finden.


    Ich finde auch die Umgebung und Begleitung sehr wichtig. Und, wie oben angesprochen, nicht den Anspruch zu haben, dass es klappen muss.

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Hypnobirthing ist ja was ganz spezielles. Das war in den USA zT sehr beliebt, und funktionierte bei manchen Frauen bei manchen Geburten in meinem Bekanntenkreis. Oft gab es aber auch Enttäuschungen, weil das Versprochene nicht eingehalten wurde.


    Selbsthypnose, lernen sich Gehen zu lassen, sich auf die Geburt konzentrieren, die Wellen, das Anspannen, lernen Schmerzen auszuhalten (Eisbadtraining) oder damit Umgehen, das Entspannen, die Pausen nutzen, das innere "Tier" finden, das waren Fähigkeiten, die mir bei meinen Geburten sehr viel halfen, und die ich auch als Mutter immer noch gebrauchen kann

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • Vor 10 Jahren habe ich einen Kurs gemacht, Einzeltraining mit meinem Mann und einer Hebamme bei uns zu Hause. Hypnobirthing war damals noch ziemlich neu in Deutschland und die Frage: Funktioniert das? Habe ich mir natürlich auch gestellt.

    Während der Regenbogenentspannung bin ich beim Üben grundsätzlich eingeschlafen. Die Handschuhentspannung haben wir zu wenig geübt, mein Mann hatte nie Lust.

    Während der Geburt kam bei mir so ein Moment, in dem ich aus tiefstem Herzen dachte: Scheiß Meditation! Du bist keine Asiatin!". Und dann hab ich losgeschrien.

    Und es hat mir Freude gemacht und Spaß. Mir war nichts peinlich, habe mich sehr stark gefühlt und innerlich gelacht. Ich bin eher ein ruhiger Mensch, aber mit Meditieren habe ich es gar nicht. Und während der Geburt Raum einnehmen, aus mir rauszugehen, mir vorzustellen, was die Nachbarn wohl jetzt denken, war ein tolles Erlebnis.

    Von daher: Hypnobirthing war für mich toll gegen Ängste. Für mein Selbstbewusstsein, für den unbeirrbaren Glauben, dass alles gut ausgeht. Aber "friedlich und sanft" war es nicht.


    Wenn Ihr das macht, fragt Euch, warum Ihr das macht. Seid Ihr meditativ? Oder wollt Ihr anderen gefallen? Soll die Hebamme danach mit verklärtem Blick sagen: "Es war die schönste Geburt, die ich je gesehen habe!" und dann freut Ihr Euch, weil Ihr niemanden gestört habt und hübsch anzusehen wart? Geburt ist kein Eislaufkür, es geht um Euch und das Kind allein!

    Liebe Grüße von Alusra
    #rose


    Manchmal braucht man keine Tipps. Manchmal braucht man nur einen
    Zuhörer, der an den richtigen stellen "Hmmm" sagt und auch alles blöd
    findet.


  • Ich hab mein 2. Kind mit Hypnobirthing bekommen und kann sagen, es war eine sehr schöne Geburt. Ich war tatsächlich schmerzfrei bis zur Austreibungsphase, dann aber nicht mehr. Hatte ich aber auch nicht erwartet.

    Wir hatten aber auch gute Voraussetzungen - es war eine HG, der Hebamme habe ich blind vertraut, da sie schon bei der Geburt des 1. Kindes super war, Mann und Hebamme waren dem Hypnobirthing gegenüber positiv eingestellt und haben mich machen lassen und unser Großer war bei Freunden (ich hab die Geburt erst richtig zulassen können, als er sicher "verstaut" war).

    Vorbereitet habe ich mich allein bzw teilweise mit Mann. Ich hatte auch das Buch und CD von Marie Mongan, welches ich aber nicht so gut fand, weil ich dieses Credo "Du musst nur genug üben, es nur genug wollen, dann wird es eine Traumgeburt" absolut daneben finde. Auch mit der CD konnte ich nur bedingt etwas anfangen. Viel besser hat mir gefallen "Hypnobirthing" von Katherine Graves. Gibt es aber, glaub ich, nur auf Englisch. Die war wesentlich realistischer eingestellt und trotzdem durchweg positiv.

    Bei den Übungen hab ich mich bewusst nur auf die konzentriert, die sich für mich gut anfühlten. Ich finde z.B. Berührungen unter der Geburt nicht angenehm, auch kein Streicheln.

  • Ich habe keinen Kurs gemacht und nichts dazu gelesen, finde es aber auf jeden Fall eine gute Sache einige Techniken in der Hinterhand zu haben, um darauf zurück greifen zu können.


    Zu Alusras Bemerkungen möchte ich noch hinzufügen: es kann auch anders kommen, als frau sich einschätzt. Ich hätte geschworen, dass ich eine laute Gebärende sein werde - war ich aber nicht, die Hebammen meinten, wir seien ein unfassbar ruhiges Paar gewesen (umso lustiger, wenn man uns sonst kennt).

    Und ich hätte auch nicht gedacht, dass zwei Geburten bei mir so diametral anders sein könnten.


    Also: Techniken üben auf jeden Fall - und auf vieles gefasst sein ;)


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Und ich hätte auch nicht gedacht, dass zwei Geburten bei mir so diametral anders sein könnten.

    Meine Hebamme meinte, dass die erste Geburt meist sehr lang sei, die zweite anders als die erste und die 3. dann auf jeden Fall nochmal eine Ueberraschung bringt. Ab der 4. hat man dann Routine ;-)


    Ihr Tip neben Entspannungsübungen war uebrigens immer Kraft und Ausdauertraining, angemessen natuerlich. Aber taeglich 1h zügig spazieren gehen, Kniebeugen ueben und halten. So eine Geburt braucht viel Kraft.

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    ~a.joy~

  • Ja, wie Talpa sagt, man weiß das nicht vorher.

    Also, ich finde Hypnobirthing ist ein gutes Mittel, um eine positive Einstellung zur Geburt zu bekommen. Denn in unserer Kultur ist Geburt sehr negativ belegt.

    Aber unter Leistungsdruck setzen lassen sollten wir uns nicht.

    Liebe Grüße von Alusra
    #rose


    Manchmal braucht man keine Tipps. Manchmal braucht man nur einen
    Zuhörer, der an den richtigen stellen "Hmmm" sagt und auch alles blöd
    findet.


  • Also ich sehe da zumindest Tendenzen so in Richtung "Wer hat während der Geburt die beste Figur gemacht?" bei einigen Geburtsvideos. Und wer hatte eine Woche danach den flachesten Bauch? Als Fortsetzung.

    In einem alten Buch über Lamaze-Technik von meiner Mutter steht sogar drin, es sei doch netter, geschminkt und lächelnd bei der Krankenhausrezeption anzukommen, als schreiend und im Morgenmantel.

    Liebe Grüße von Alusra
    #rose


    Manchmal braucht man keine Tipps. Manchmal braucht man nur einen
    Zuhörer, der an den richtigen stellen "Hmmm" sagt und auch alles blöd
    findet.


  • netter, geschminkt und lächelnd bei der Krankenhausrezeption anzukommen, als schreiend und im Morgenmantel.

    Da hatte ich letztens Geburtsvideos mit Tips zum Schminken fuer die Geburt gesehen - verrückt.

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    ~a.joy~

  • Wenn Ihr das macht, fragt Euch, warum Ihr das macht. Seid Ihr meditativ? Oder wollt Ihr anderen gefallen? Soll die Hebamme danach mit verklärtem Blick sagen: "Es war die schönste Geburt, die ich je gesehen habe!" und dann freut Ihr Euch, weil Ihr niemanden gestört habt und hübsch anzusehen wart? Geburt ist kein Eislaufkür, es geht um Euch und das Kind allein!

    Das finde ich einen ganz wichtigen Gedanken!

  • Genau, Alusra, den Wettbewerbsgedanken möglichst weit weg schieben!

    Was hilft mir, wie gehe ich mit extremen körperlichen Belastungen um...? Und was kann ich MIR Gutes tun, was tut mir in unterschiedlichen Situationen gut?

    Das fand ich für mich hilfreich.


    Nachtkerze : hatte ich zwar gehört, aber frau meint ja immer, alles besser zu wissen... Die erste Geburt war quasi die K2-Besteigung, die zweite ein Crash mit einer Strassenbahn - beide Erlebnisse kann ich aber als positiv beschreiben.

    Und da hat meiner Meinung etwas Erfahrung mit Entspannungs- und Meditationstechniken schon geholfen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich habe mir in meiner ersten Schwangerschaft erst das Buch besorgt und gelesen. Es hat meine Neugierde geweckt, ansonsten war ich mir nicht sicher, ob mir das nicht zu „esoterisch“ ist.

    Aber weil die Neugier eben da war und ich keine Lust auf einen „Hechelkurs“ hatte, suchte ich mir eine Kursleiterin (nach Marie Mongan zertifiziert) für HB und buchte nach einem längeren Gespräch mit ihr einen Kurs.

    Der Kurs bestand aus 5x 2,5 Stunden und fand im kleinsten Kreis mit 3 Paaren statt. Die Männer waren immer dabei und wurden voll einbezogen.


    Im Kurs ging es um ganz vieles... den Vorgang der Geburt, wieso Angst/Stress so kontraproduktiv sind und zu Schmerz führen, gute Gebärpositionen vs. schlechte, Standardprozedere im Krankenhaus mit ausführlicher Erklärung, damit wir eine gute Entscheidung für/wider treffen können (Zugang, CTG, ...) und Tipps fürs Anbringen unserer Wünsche beim Aufnahmegespräch im Krankenhaus, und natürlich viele Entspannungsübungen, Meditationen und Hypnose.


    Hausaufgabe war stets, die Regenbogenentspannung TÄGLICH anzuhören... ich glaube ganze 2,5 Monate lang...


    Es war im Kurs nie die Rede davon, eine „ruhige“ Geburt haben zu müssen. Stattdessen wurden wir immer darin bestärkt, unserem Instinkt zu folgen, uns zu bewegen und zu tönen wie wir es in diesem Moment brauchen. Die Männer wurden darin instruiert, uns zu unterstützen und zu schützen.


    Aus dem Kurs bin ich angstfrei, selbstbewusst und gestärkt herausgegangen - das war für mich das Hauptziel.



    Die Geburt meines Sohnes war dann tatsächlich auch ziemlich toll. Die Wehen fingen schon in der Nacht an, wir blieben aber den ganzen Tag daheim, waren total entspannt... ich saß noch strickend auf dem Sofa. Die Wehen haben schon gezwiebelt, aber ich konnte damit positiv umgehen und fand die Schmerzen damit auch nicht schlimm.


    Die Presswehen, im Krankenhaus, taten hingegen gar nicht weh, dafür war diese Phase einfach nur brutal anstrengend. Und ich definitiv nicht leise...


    Was ich sehr interessant fand und woran ich mich noch immer gut erinnern kann, ist diese unglaubliche Präsenz. Ich war nicht „hypnotisiert“, „verklärt“ oder in einem „Dämmerzustand“. Ich war einfach nur da, wach und konnte alles total unvoreingenommen ansehen und annehmen. „Ah, jetzt kommt eine Welle, gleich zieht es wieder im Oberschenkel. Das ist ok.“

    Keine Angst, keine Panik. Kein Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder überrollt zu werden. Ich stand über allem.


    Ich habe übrigens im Krankenhaus mit einer mir wildfremden Hebamme entbunden und glaube, dass gerade Hypnobirthing dabei helfen kann, mit solchen Situationen gut umzugehen.



    Ich kann die Methode aus tiefstem Herzen empfehlen, weiß aber auch, dass die keine Garantie für eine Traumgeburt ist.