Rechtschreibung trainieren

  • Hallo,


    Im Lehrplan Sachsen nimmt allein der Grammatikteil in der 5. Klasse 40 UStd. ein, in der 6. und 7. Klasse 24 Ustd. Und es sind auch jedes Jahr mehrere Rechtschreibthemen enthalten. In der 8. Klasse gibt es auch noch einen Übungsteil Rechtschreibung und 20 Ustd. Grammatik. Also es ist nicht vorgesehen, dass es "aufhört".


    OK, das wusste ich tatsächlich nicht.


    Da meine Kinder ja an einer anderen Schulform waren, war es nie wirklich Thema. Ich kenne es nur aus dem Forum so, daß immer wieder geschrieben wurde, daß in Klasse 5 eine "fertige" Rechtschreibung vorausgesetzt wird und keine Zeit mehr dafür ist, daran zu arbeiten. Irgendwo wurden mal Einzelbeispiele genannt, wo tolle Lehrer das aus eigenem Antrieb heraus machten. Und, daß die Lehrer der Klassen 5 sich beschweren, daß die Kinder es eben nicht können. Hier wo an fast allen Schulen noch ganz klassisch nach Fibel unterrichtet wird, übrigens genau so, daß lässt mich vermuten, daß es nicht vorrangig an der Lehrmethode liegt.


    Zitat

    Es sollte ein kontinuierlicher Prozess sein, der in der 1. Klasse beginnt und immer im Auge behalten wird.

    Es geht mir echt nicht ums "Schreibenlernen", sondern um Regelvermittlung und -kontrolle.


    Genau so. Meiner Meinung nach idealerweise am individuellen Kind orientiert und mit einer Methodenvielfalt, die für jeden etwas bereit hält...

  • Hallo,

    was ich mir von einer Grundschul-Klassenlehrerin wünschen würde: dass sie das Kind mal zur Seite nimmt, es erzählen lässt, tröstet und bei der Note ein Auge zudrückt, wenn das Leben gerade blöd ist.

    Ein bisschen Herz und Menschlichkeit.


    Das wünsche ich mir auch.


    Nur erlebe ich wo ich arbeite, daß die meisten Lehrer das tatsächlich gerne MÖCHTEN, aber so etwas mit 28 Erstklässlern in einem Raum und einem Lehrplan im Nacken oft einfach kaum möglich ist. Es ist nicht mal selten, daß ein Lehrer teilweise für 2 Klassen verantwortlich ist. Zeitgleich.


    Natürlich gibt es auch die, bei denen man sich fragt, warum sie ausgerechnet in diesem Beruf sind.


    Aber ich denke, wenn sich die Grundbedingungen ändern würden (kleiner Klassen, 2 Leute auf eine Klasse statt 1 Pädagoge für 2 Klassen, mehr Freiheit bei der Gestaltung eines individuellen Lerntempos...), dann würde sich bei ganz vielen auch am "Drumrum" etwas ändern...


    Aber ich glaube, das führt jetzt hier zu weit.

  • Hier wo an fast allen Schulen noch ganz klassisch nach Fibel unterrichtet wird, übrigens genau so, daß lässt mich vermuten, daß es nicht vorrangig an der Lehrmethode liegt.

    Ich habe inzwischen immer große Zweifel daran, dass noch irgendwo wirklich die reine [...]Methode unterrichtet wird. Unsere GS hat z.B. beim Infoabend für die kommenden Erstklässler (wo ich wegen unserem Kleinen war) doch allen Ernstes erzählt, sie würden überhaupt nicht mit Schreiben nach Gehör arbeiten. Bei meinem Großen gab es an ebendieser Schule unter der gleichen Rektorin z.B. das Arbeiten mit Anlauttabelle und schon in der 1. Klasse eine wöchentlich HA, wo die Kinder völlig frei etwas zu ihrem Wochenende schreiben sollten (am Anfang einzelne Wörter, später ganze Sätze). Für mich ist das Schreiben nach Gehör und reicht um in den Kindern die Überzeugung einzupflanzen dass man so schreibt wie man es hört.


    Genauso beim Schreibenlernen: zu DDR-Zeiten war eine sehr gut untersuchte und ausgereifte Methode, die z.B. mit sehr lange dauernden Schwungübungen losging und sofort mit der Schreibschrift weitermachte. Alleinde die Übungszeiten, die heute noch fürs Schreiben aufgewendet werden, dürften dramatisch viel kürzer sein. Dieser ganze Umweg über die Druckschrift ist katastrophal und nimmt noch mehr Zeit weg, um eine Schrift richtig gut einzuüben. Und wenn man schon feinmotorisch die Schrift nicht beherrscht hat man halt auch weniger geistige Kapazitäten übrig sich zusätzlich auch noch auf die Rechtschreibung zu konzentrieren.

  • Hier wo an fast allen Schulen noch ganz klassisch nach Fibel unterrichtet wird, übrigens genau so, daß lässt mich vermuten, daß es nicht vorrangig an der Lehrmethode liegt.

    Ich habe inzwischen immer große Zweifel daran, dass noch irgendwo wirklich die reine [...]Methode unterrichtet wird.


    Nun, da ich an einer dieser Schulen arbeite arbeite und täglich u.a. bei den Hausaufgaben dabei bin, die Hefte und Aushänge sehe usw., kann ich mMn schon einschätzen, mit welcher Methode sie lernen. ;)


    Auch die DDR-Methode hat nicht dafür gesorgt, daß ich wirklich leserlich schreiben könnte, hat mir aber ziemlich gründlich die Freude am Schreiben genommen. Freiwillig habe ich daher nie mehr als das Nötigste geschrieben, obwohl ich 1000 Geschichten im Kopf hatte (im Gegensatz zu meinen Kindern, die trotz ähnlicher problematischer Schrift ihre Geschichten aufschrieben und dafür Anerkennung bekamen)

    Schreiben war Hass, jedes Wort eins zu viel. Eventuell wäre das anders gewesen, wenn ich mehr positive Rückmeldungen für den Inhalt bekommen hätte? Wer weiß das schon. und ich weiß, daß ich nicht die einzige bin, der es so ging.


    (Im Gegenzug habe ich mich im Leseunterricht gelangweilt und hatte nach 2 Wochen die Fibel heimlich im Unterricht fertig gelesen und dann war es nur noch eine gähnende Langeweile. Welch eine Erleichterung, als ich recht zeitig dann auf den Trick kam, daß man, wenn man es geschickt anstellt, unter der Bank sein eigenes Buch halten und lesen kann... )


    An "Eins passt für alle" glaube ich schon lange nicht mehr... Dazu sind Menschen einfach zu verschieden, auch kleine Menschen.


    Die Diskussion, daß sich eine Methode zum l e s e n lernen nicht für den Rechtschreiberwerb eignet und darum durch Methoden zum Rechtschreiberwerb ergänzt werden muss - ohne daß deswegen das Angebot, auch Texte zu schreiben, bei denen es vorrangig um den Inhalt geht, falsch wäre - und wie ds aussehen kann, gab es schon in einigen Strängen. Ich denke, die muss hier nicht noch mal geführt werden.

  • Jetzt sind meine ganzen zusammengesuchten Zitate weg... naja, egal.


    Hier (Gymnasium, norddeutsches Bundesland) ist es so, dass Rechtschreibung und Grammatik nach Klasse 9 als abgeschlossen gilt und nicht mehr im Lehrplan vorkommt. Bis zu dem Zeitpunkt wird in jedem Schuljahr zu unterschiedlichen Schwerpunkten gearbeitet. Nichtsdestotrotz werden natürlich bestimmte Sachen irgendwann vorausgesetzt und es fehlt die Zeit, ganz grundlegende Dinge ausführlich zu wiederholen.


    Das Grundproblem, das hier von vielen angesprochen wird, liegt doch aber nicht in der Schule bzw. bei den Lehrkräften, sondern auf einer viel höheren Ebene. Natürlich wäre es schön, wenn Lehrkräfte die Zeit hätten, sich den individuellen Sorgen, Nöten und Problemen all ihrer Schüler*innen adäquat widmen zu können Kajak . Dass sie diese nicht haben, ist doch aber nicht die Schuld der Lehrkräfte und auch nicht die Schuld der Schulen, sondern die Schuld der Kultusministerien. Und das ist unheimlich praktisch, weil sich betroffene Eltern über die Lehrkräfte ihrer Kinder aufregen und sich ggf. noch bei der Schule beschweren aber kaum jemand seinen Unmut an die jeweiligen Landesschulbehörden bzw. Kultusministerien richtet. Also dürfen sich die Schulen vor Ort mit der Wut der Eltern herumschlagen und die höheren und verantwortlichen Ebenen sind fein raus.

    Ich bin mir sehr sicher, dass sehr viele (mit Sicherheit nicht alle) Probleme sich durch viel mehr Geld im System lösen lassen würden. Mehr Lehrkräfte, mehr unterstützdendes Personal, mehr individuelle Förderung und auch mehr Fortbildungen für Lehrkräfte, die "Lesen durch Schreiben" unterrichten müssen, obwohl sie niemals die Zeit bekommen haben, sich mit dem System ausführlich auseinanderzusetzen. Ich persönlich mag diese Methode nämlich sehr gerne und habe das Gefühl, dass sie oft einfach nur nicht mit all ihren Konsequenzen unterrichtet wird bzw. werden kann und dann entstehen natürlich eine Menge Probleme.

  • Zephyr Ja, es ist ein systemisches Problem. Aber nach meinem Eindruck braucht es u.U. gar nicht so viel mehr Geld um es zu lösen. Und ich denke, auch die Lehrer selbst könnten schon eine Menge erreichen, wenn sie es nur wollten. Dafür müsste man aber vermutlich einiges, was man in dem heutigen System gelernt hat, über Bord werfen.


    Ein Beispiel: Ich verstehe z.B. überhaupt nicht wofür man in Mathe für jedes Grundschuljahr ein extra Arbeitsheft UND Unmengen an zusätzlichen Arbeitsblättern (auch von den Verlagen zur Verfügung gestellt) NEBEN dem Mathebuch braucht. Auch in den heutigen Mathebüchern sind Unmengen an Aufgaben drin, die zumindest an unserer GS fast nicht verwendet wurden. Im klassischen Matheheft waren pro Schuljahr(!) ca. 4-6 Seiten mit aus dem Buch gelösten Aufgaben. Das Kind war am Ende der GS quasi nicht in der Lage, mit Aufgaben aus dem Buch vernüftig zu arbeiten, sprich sie angemessen in sein Heft zu übertragen und dort zu lösen. Meiner Meinung hätte es in vielerlei Hinsicht enorme Vorteile wenn man wieder ganz klassisch mit dem Buch arbeitet, z.B.: (1) Die Kinder lernen von Anfang an, wie man sauber mit einem Heft arbeitet (2) Die Schüler müssen wieder mehr selber schreiben was die Feinmotorik, Schreiben etc. übt und dem immer weniger üben entgegenwirkt (3) Meiner Meinung nach bleibt auch sehr viel mehr im Kopf hängen, wenn man eine vollständige Aufgabe mit Lösung selbst aufschreibt und nicht nur das Ergebnis, d.h. ich erwarte damit ein besseres Lernen. (4) Man braucht kein Arbeitsheft und keine Unmengen an Kopien mehr. Damit kann man die Kasse der Eltern (!) entlasten, was Gutes für die Umwelt tun etc. Wenn man wirklich ein paar wenige Kinder hat, die man aus irgendeinem Grund anders fördern muss - dann könnte man für diese wenigen immer noch ein paar wenige Kopien machen.


    Ein anderes Thema ist der wahnsinnige Methodenmix heute. Ja - eine gewisse Vielfalt an Lehr- und Lernmethoden braucht man. Aber vor allem bei den Grundlagen ist es meiner Meinung nach viel sinnvoller, ein sinnvolles ausgereiftes System zu haben, das für 90% der Kinder gut funktioniert als einen wüsten Methodenmix aus lauter Methoden, die (1) überhaupt nicht sauber abgesichert sind und (2) alle nicht in "Reinform" verwendet werden sondern sich überall etwas herausgepickt wird. Dies trägt eher zur Verwirrung bei und ist meiner Meinung nach mit ein Grund, warum sie für ein paar Kinder funktionieren, aber für einen sehr großen Anteil halt leider nicht. Der Anteil schon in den ersten 2 Schuljahren abgehängter Kinder macht mich echt wahnsinnig (und dazu gehören für mich z.B. auch alle Kinder, die nach 2 Jahren Schule noch keine halbwegs brauchbare Schrift haben. In Klasse 3 und 4 war dann quasi schon keine Kappa mehr da, sich darum noch zu kümmern)

  • Ich ergänze bei Jette zum Mathebuch: (5) Es entfällt eine ganze Menge Vorbereitungszeit, weil nicht erst Arbeitsblätter aus etlichen Quellen zusammengesucht werden müssen. Die Zeit hat die Lehrkraft dann für anderes zur Verfügung.
    (6) Die Kinder werden mit weniger Fehlern konfrontiert. Die Bücher sind idR sorgfältig(er) lektoriert, die Arbeitblätter kommen oft fehlerhaft daher, sei es in der Rechtschreibung oder inhaltlich. Als Beispiel hatten wir da z.B. mal ein Kreuzworträtsel, bei dem bei richtiger Bearbeitung als Lösungswort " T I E G E R " rauskam.
    Meine 6.Klässlerin kam die Woche erst wieder nach einer halben Stunde Frust total entnervt an, sie bekäme eine Aufgabe nicht richtig gelöst. Nach einer weiteren Viertelstunde zusammen knobeln hatte ich dann die Lösung: Ein Tippfehler in der Aufgabe, Satzzeichen vertauscht.


    Und zum Methodenmix: Man kann ja nicht einerseits voraussetzen, dass die Eltern den schwächeren Schülern zu Hause helfen, und gleichzeitig eben aus x Quellen y Methoden zusammensuchen, sodass die Eltern im Grunde erst mal eine Woche lang hospitieren müssten, um dann in der Lage zu sein, dem Kind den aktuellen Stoff nochmal zu erklären. Dieses "Aber Frau Blümchen hat gesagt, wir sollen das anders machen!"* ist so etwa das Ätzendste, was man sich vorstellen kann, wenn man gefordert ist, dem Kind den Kram zu erklären. Ja, woher soll ich wissen, wie Frau Blümchen das haben will. Ich kann mich doch nur am Buch orientieren #yoga



    *) Isch krisch Plack und Albträume von dem Satz, echt wahr, jetzt. #stumm

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



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  • Hallo,


    Ich bin mir sehr sicher, dass sehr viele (mit Sicherheit nicht alle) Probleme sich durch viel mehr Geld im System lösen lassen würden. Mehr Lehrkräfte, mehr unterstützdendes Personal, mehr individuelle Förderung und auch mehr Fortbildungen für Lehrkräfte, die "Lesen durch Schreiben" unterrichten müssen, obwohl sie niemals die Zeit bekommen haben, sich mit dem System ausführlich auseinanderzusetzen. Ich persönlich mag diese Methode nämlich sehr gerne und habe das Gefühl, dass sie oft einfach nur nicht mit all ihren Konsequenzen unterrichtet wird bzw. werden kann und dann entstehen natürlich eine Menge Probleme.


    Das sehe ich ähnlich. Ich kenne ja mehreres. Von Schulen mit "breitem" und offenem Konzept, die es schaffen, weitestgehend alle Kinder mitzunehmen interessanterweise auch welche mit diagnostizierter LRS, die MIT dieser Diagnose da hinwechseln, bei denen die Diagnose also definitiv nicht DURCH ein offenes Lernkonzept entstand, bis zu Regelschulen, die ganz klassisch wie zu meiner Schulzeit nach Fibelmethode unterichten - und bei denen etliche Kinder hinten über kippen , weil sie eben den Erwartungen nicht gerecht werden können oder sich dauerhaft langweilen und regelmäßig mehrere Kinder der Klasse zur LRS-Diagnostik geschickt werden (was ich ja prinzipiell nicht falsch finde, was mir aber zeigt, daß Fibelmethode eben kein Garant für weniger Probleme ist).


    Nach meinen persönlichen Erfahrungen könnte ich folgern, daß ein offenes, am individuellen Kind orientiertes Konzept in dem das freie Schreiben UND ein gut gemachter Rechtschreiberwerb vorkommen, sehr wohl für 90% der Schüler - auch/gerade der Schüler mit Lernschwierigkeiten - passt. Zumindest habe ich das in der Schule meiner Kinder so erlebt und dort lernen vom Überflieger bis zum Förderkind alle gemeinsam (natürlich mit individuellen Lernzielen).


    Die Probleme liegen woanders und das wird zu wenig gesehen. Schade finde ich, daß viele sich "zurück zum alten" wünsche, statt WIRKLICHE Veränderungen einzufordern ...


    Jette - wenn ich ganz weit gehe, könnte ich fragen, wozu man für Mathe in der Grundschule überhaupt ein Lehrbuch braucht. Geht ganz wunderbar auch ohne - wenn man die entsprechenden Materialien hat und die zeitlichen, personellen und räumlichen Möglichkeiten, die Kinder damit lernen zu lassen.

    Und auch so kann man lernen, sauber und übersichtlich zu arbeiten, dazu braucht man kein Lehrbuch... (Und das sage ich mit tendenziell eher "Chaos-Kids"...)


    Die Probleme liegen an anderer Stelle...


    Übrigens hatten wir letztens eine Weiterbiuldung bei der der Referent der Meinung war, die Rechtschreibschwierigkeiten usw. lägen daran vorrangig daran, daß die Eltern(!) heutzutage weniger mit den Kindern reden, kaum noch vorlesen, kaum noch vorleben, daß Handschrift etwas wichtiges ist, weil nur noch getippt wird, weil sie schon im Kleinkindalter der Kinder eher aufs Handy als aufs Kind schauen, kaum noch in Ruhe Bilder betrachten ...

    Daß Kinder Eltern kaum noch Bücher lesend und Hand(!)schreiben erleben und daher das Vorbild und die Motivation fehlt. Daß Eltern heute erwarten, daß der Kindergarten die Bildung, Erziehung und Förderung übernimmt (Und es gibt tatsächlich Eltern, die sagen: Mein Kind kann mit 6 immer noch keine Schleife (nicht schreiben, den Stift nicht richtig halten...) , das haben sie ihm im Kindergarten(!) nie beigebracht!".


    Und so weiter. So daß Kinder heute von vornherein schon VOR der Schule Defizite haben, was z.B. die Lautdifferenzierung und die optische Differnezierung angeht und so weiter.


    Ich halte diese Aussagen für zutreffend. Und zwar genau in dem Maße, in dem der Vorwurf an die Schulen, Lehrer, Lehrmethoden zutreffend ist.


    Also (ehe jemand sich grämt) : Was die Eltern betrifft: zum Teil, also einige Familien betreffend - absolut ja. Zum Teil (davon gehe ich bei den Raben hier z.B. aus) absolut nein. Zum Teil teilweise bzw. in Kombination aufeinandertreffend.


    Und ähnlich falsch oder richtig finde ich die Aussage, daß es an Lehrer/Lehrmethode/falscher Umsetzung bzw. falsche Erwartungen an eine eigentlich gute Methode ... liegt. Zum Teil sicher ja (und ja, das kann aus meiner Sicht genau so auch für die klassische Fibelmethode gelten). Zum Teil auch nein. Weil die Probleme ganz real woanders liegen. Zum Teil ein zusammentreffen verschiedener Gründe.

  • Ich bin ganz Eurer Meinung.

    Zudem hätte ein Buch den Vorteil, dass man als Eltern etwa wüsste, was gemacht wurde und was nicht.

    Ich weiss nie, was als nächstes kommt oder wirklich wichtig war.

    Die Methodenwechsel machen mich wahnsinnig. Meine Kinder haben 4 Methoden gleichzeitig gelernt, um im Tausenderraum zu addieren.

    Ergebnis: sie können keine Methode richtig, wechseln während der Aufgabe die Methode und ich weiss nicht, was und wie ich mit denen üben soll. Zumal ich natürlich nur eine Methode kann (hat bis zum Abitur trotzdem gereicht ;))

    Was soll das eigentlich Alles? Je länger meine Kinder zur Schule gehen, desto mehr habe ich den Eindruck, dass das Alles irgendwie völlig irre und unausgegoren ist, was die da machen. Planloses Chaos statt Struktur.

  • Hallo,


    Die Rahmenbedinungen zu haben, um eine Methodenvielfalt anbieten zu können, die auf das individuelle Kind ausgerichtet ist, ist aus meiner Sicht übrigens so ziemlich das Gegenteil von "über alle Kinder zeitgleich den gleichen Methodenmix auskippen".


    Nur noch mal zur Erklärung: Wenn ich von Methodenvielfalt spreche, dann meine ich eben gerade KEINEN Methodenmix im Sinne von "Alle Kinder lernen gleichzeitig 4 verschiedene Varianten, den Lernschritt X zu bewältigen". Aber eben auch nicht: "Alle Kinder müssen nach Methode XY lernen, weil soundsoviel Prozent der Kinder damit klar kommen (die einen mehr, die anderen weniger...) .


    Sondern daß aufs Kind geschaut wird - werden KANN - und es dann möglich ist, für DIESES Kind eine geeignete Methode zu finden, auch wenn andere mit einer anderen besser klar kommen.


    Eins liest erst und schreibt dann freudig das gelesene ab, eins schreibt erst mal selber und lernt so nebenbei lesen. Rechtschreibung muss allen vermittelt werden, auch dafür gibt es verschiedene Strategien...

    Viele Kinder lernen problemlos die Schulausgangsschrift. Für eins meiner Kinder (Linkshänder) ging die absolut nicht. Welch eine Erleichterung, als es endlich die vereinfachte Schulausgangschrift bekam und dann einen Mix aus dieser und Druckschrift endlich lesbar und zügig schreiben konnte.

    Eins meiner Kinder las und schrieb schon vor der Schule flüssig, eins war erst in der 3. Klasse graphomotorisch so weit, in die sonst schon in de ersten Klasse vorgegebenen kleine Zeilen zu schreiben. Beide wäre eine Fibelmethode nicht gerecht geworden usw. Eins hatte lange Rechtschreibprobleme und konnte über die Anerkennung des Inhaltes zum schreiben motiviert werden (was bei vorgebenen Texten eher nicht der Fall gewesen wäre).

    Und so weiter.

  • Trin Ich glaube auch, dass da einiges dran ist und ich bin mir sehr sicher, dass die Möglichkeit für mehr Individualität allen gut tun würde.


    Zu den Mathegeschichten kann ich leider gar nichts sagen, dafür aber zur Methodenvielfalt. In den Lehrplänen steht, welche Methoden wann erlernt sein müssen und teilweise wird im Kerncurriculum mehr Wert auf die Methode (bzw. eine Vielfalt an Methoden) als auf die Inhalte gelegt. Wenn mir als Lehrerin das nicht gefällt, habe ich genau gar keine Handhabe. Denn wenn ich es den Schüler*innen nicht beibringe, bekommen sie spätestens ein Jahr später ein Problem, wenn es erwartet wird. Auch da sitzen die Verursacher der Schwierigkeiten nicht in der Schule, sondern gemütlich weit weg.

  • Übrigens hatten wir letztens eine Weiterbiuldung bei der der Referent der Meinung war, die Rechtschreibschwierigkeiten usw. lägen daran vorrangig daran, daß die Eltern(!) heutzutage weniger mit den Kindern reden, kaum noch vorlesen, kaum noch vorleben, daß Handschrift etwas wichtiges ist, weil nur noch getippt wird, weil sie schon im Kleinkindalter der Kinder eher aufs Handy als aufs Kind schauen, kaum noch in Ruhe Bilder betrachten ...

    Daß Kinder Eltern kaum noch Bücher lesend und Hand(!)schreiben erleben und daher das Vorbild und die Motivation fehlt. Daß Eltern heute erwarten, daß der Kindergarten die Bildung, Erziehung und Förderung übernimmt (Und es gibt tatsächlich Eltern, die sagen: Mein Kind kann mit 6 immer noch keine Schleife (nicht schreiben, den Stift nicht richtig halten...) , das haben sie ihm im Kindergarten(!) nie beigebracht!".

    Sorry, aber das halte ich für ziemlichen Blödsinn und ein Wegschieben der Verantwortlichkeiten, die KiGa und Schule haben.


    Wie gesagt, ich habe so ein Kind, was in der 5. Klasse immer noch nicht richtig schreiben kann, aber durchaus ziemlich intelligent ist. Bei uns wird täglich vorgelesen, selbst dem 11Jährigen noch mehrmals die Woche. Die Wohnung ist voll mit Büchern, wir haben eine dicke Tageszeitung. Ich habe bis heute kein Smartphone, allerdings ein Tablet. Einkaufszettel werden mit Hand geschrieben. Kind bekommt sehr regelmäßig handgeschriebene Postkarten von Oma und Tante, wir schreiben im Urlaub auch noch regelmäßig Karten. Etc. Kind kam mit einer sehr guten Stifthaltung aus dem KiGa an die Schule. All das kommt nicht an gegen den Blödsinn, den die Schule verzapft und wo man als Elternhaus keine Chance hat, gegen das verkorkste System etwas für sein Kind zu erreichen.


    Alle die Dinge, die Du unten aufzählst (inkl Schleifebinden!), wurden mir übrigens auch schon im (DDR-)KiGa beigebracht. Meine Eltern hätten bei den damaligen Arbeitszeiten und den sonstigen Umständen kaum Zeit gehabt, täglich noch großartig solche Dinge mit den Kindern zu machen.


    Neben all den inhaltlichen Problemen der heutigen GS-Didaktik sehe ich hier übrigens auch einen riesigen was die emotionale Seite angeht. Zu meiner Schulzeit war den Lehrerinnen im GS-Alter klar, welche Rolle und welche Bedeutung sie in den Augen der Kinder haben (z.B. hohe natürliche Autorität, auch emotionale Bindung der Kinder an die Lehrerin) und wir Kinder in dem Alter ticken, was sie können - und sie haben bewusst damit gearbeitet. Ich habe heute hier den Eindruck, dass die meisten Lehrerinnen z.B. (1) gar nicht verstehen wir Kinder in dem Alter ticken und was sie wirklich altersgemäß schon leisten können, (2) eine emotionale Bindung komplett negieren und verweigern , (3) keine Verantwortung sehen bei Dingen die sie selbst verbockt haben.


    Einige Beispiele:

    - Wie wir inzwischen wissen herrschte hier 4 GS-Schuljahre lang extremes Schreien und Brüllen durch mehrere Lehrerinnen, was wir aber größtenteils erst im Nachhinein mitbekommen haben. Welche psychischen und emotionalen Auswirkungen das auf die Kinder hatte wurde komplett ignoriert bzw. die Verantwortung den Eltern zugeschoben. Wie verhasst(!) die Lehrerin unseren Kindern war, haben wir leider erst ganz am Ende der 4. Klasse mitbekommen.

    - Uns Eltern(!) wurde auf einem Elternabend mitgeteilt, wie wichtig das Auswendiglernen des 1x1 wäre. Die gleiche Lehrerin hat nicht einmal als HA aufgegeben, eine 1x1-Reihe zu lernen. Auch sonst scheint sie meinem Sohn nicht klargemacht zu haben, dass er das tun sollte.

    - Wir hatten mehrfach Diskussionen mit der Klassenleiterin wo wir explizit darum gebeten haben, bestimmte konkrete Dinge mit unserem Sohn selbst zu besprechen, weil ihre Autorität viel höher war als unsere was schulische Angelegenheiten betraf. Dies hat sie nie getan sondern quasi immer uns beauftragt.

    - Der Schreiblehrgang in der 2. Klasse wurde von der Klassenleiterin an eine Lehrerin abgegeben, die die Klasse genau eine Stunde in der Woche hatte (und das auch noch Freitag 6. Stunde). Später hat sie sich dann fürchterlich über die schlechten Handschriften mehrerer Kinder aufgeregt.


  • Hallo,


    Ich denke, du hast mich falsch verstanden.


    Denn meine Aussage sollte eben nicht sein: "Die Eltern sind schuld" sondern genau die, daß diese hin- und hergeschobenen Schuldzuweisungen sinnlos sind.

    Weil es aus meiner Sicht viele ganz unterschiedliche Ursachen gibt. Gesamtgesellschaftliche, schulorganistorische (Klassengrößen, Ausfallstunden, Lehrerwechsel...) . famliläre, lehrerbedingte, ...


    Ich könnte wie gesagt am Beispiel meiner Kinder und ihrer Klassenkameraden (mit denen einige von der Regleschule mit Fibelmethode bereits mit diagnostizierter LRS hinwechselten) erzählen, bei denen es sehr wohl mit sogar SEHR freiem lernen wunderbar geklappt hat und eine Menge Beispiele aus meinem beruflichen Alltag bringen, bei denen die Fibelmethode NICHT dazu führt, daß sie nicht mit einer guten Rechtschreibung aus der GS gingen. (Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, in der es wahrlich keine allzugroße Methodenvielfalt oder diesbezügliche Versuche gab - aber mit der Hand leserlich schreiben, egal wie sehr ich mich mühe ... nun ja, dazu sag ich lieber mal nix. #schäm


    Daß (aus meiner Sicht neben dem freien Schreiben) selbstverständlich eine Rechtschreibvermittlung statt finden MUSS, ich denke, darüber sind sich alle hier einig.


    Ob nun "statt dessen" oder/und ob der beste Weg dazu nun ein "zurück zum alten" ist, in dem alle Kinder mit der gleichen Methode lernen sollen (und möglichst unabhängig vom eigenen Stand auch noch im gleichen Tempo) oder ob das ein Unterricht sein sollte, der sich tatsächlich am individuellen Kind orientiert und die personellen und zeitlichen Möglichkeiten hat, die Kinder wirklich zu begleiten und ihnen ein breiteres Spektrum an Lernmöglichkeiten und auch ein individuelles Lerntempo anbieten zu können, darüber werden wir uns dagegen wohl nicht einig.


    Ich könnte auch erzählen, daß eine Rückkehr zu alten Methoden vermutlich kaum Auswirkung auf die Persönlichkeit (und damit z.B. Lautstärke) der Lehrer hat (da habe ich einfach auch im beruflichen Kontext genug erlebt, tolles,, aber eben auch ... anderes, vorsichtig gesagt, gerade in einem sehr Lehrerzentrierten Unterricht...)

    Dagegen habe ich die Lehrerin an der Schule meiner Kinder tatsächlich NIE laut erlebt -

    und auch die Kinder konnten sich nicht dran erinnern, als ich damals mal fragte, wie sie mit Problemsituationen umgeht.


    Aber ich denke, das bringt nichts. Ich habe meine beruflichen und privaten Erfahrungen mit verschiedenen Lernsystemen gemacht, du deine und die Schlussfolgerungen, die wir daraus ziehen, sind eben unterschiedlich.

  • Wir haben die Auswertung vom Test bekommen und über 500 Seiten Übungsmaterial 8o

    Mit der Großen (2011), dem Mittleren (2014), dem Ministernchen (2015) und der Kleinen (2018)

  • Kajak: Herz und Menschlichkeit darf eine Lehrerin gerne haben. Aber gute Noten zu verschenken finde ich nicht in Ordnung. Das ist denen gegenüber, die nicht so auffällig leiden und nicht so laut jammern können, unfair. Und es ist denen gegenüber unfair, die die Leistung bringen.

    Man kann über eine Schonzeit reden und eine sinnvolle Umsetzung. Aber bei uns haben sich manche sehr erfolgreich sehr lange durchgemogelt.

  • Nachdem ich heute mal wieder einen freien Text meiner Tochter gelesen habe, bin ich mal wieder sehr verunsichert und besorgt. Allerdings war der Rechtschreibtest im Rahmen, aber ich kann das gar nicht glauben. Mir fehlt einfach die Vergleichsmoeglichkeit mit anderen Drittklaesslerinnen :(

    Mit der Großen (2011), dem Mittleren (2014), dem Ministernchen (2015) und der Kleinen (2018)

  • Ich hab auch ne Drittklässlerin hier und beruflich mit ab 5.Klasse.

    Magst du mal ein paar Beispiele sagen? Gerne auch per PN.

    Dann könnte ich rückmelden, ob es vergleichbar ist oder völlig aus dem Rahmen.

  • Oh, total gerne, vielen Dank! Ich schick dir spaeter ne PN, wenn ich am PC bin.

    Mit der Großen (2011), dem Mittleren (2014), dem Ministernchen (2015) und der Kleinen (2018)