Eingewöhnung Kindergarten - was soll ich davon halten?

  • Ich würde wohl erstmal Druck rausnehmen und vor dem Essen abholen, bis das Kind da gut eingwöhnt ist. Insbesondere Schlafen, bzw Mittagsruhe zu halten, wenn das Kind noch kein Vertrauen zur Bezugsperson gefasst hat, finde ich schwierig.


    Mein zu der Zeit knapp Dreijähriger durfte in der Eingewöhnungszeit übrigens auf dem Arm der Erzieherin einschlafen. "Irgendwann hören die schon auf zu Jammern" fände ich absolut indiskutabel.

  • Ja, für die erste Zeit nur bis zum Essen da lassen, macht Sinn. Vermutlich ist er mittags einfach auch durch, was die Situation zuspitzt. Essen dann offenbar zu viel.


    Prinzipiell finde ich es schon richtig, dass alle Kinder am Tisch sitzen, solange die Kinder nicht zum Essen gezwungen werden.

  • Das widerspricht sich etwas, finde ich.

    Ja, da gebe ich dir recht. Das liegt daran, dass es erst in Deutschland auffallend schlimm war und es sich über den januar dann hier in Norwegen gebessert hat, Februar war dann eigentlich wieder gut. Ich glaube das ist deshalb so weil wir uns hier in Norwegen in der Kernfamilie mit Sprüchen zurückhalten und ihn in Ruhe lassen. Wenn wir mit anderen Familienmitgliedern zusammensitzen, fängt er sich praktisch immer einen Spruch z.B. "Pass auf das du dich nicht vergiftest" und ähnliches. Ist nicht hilfreich, lässt sich aber nicht wirklich verhindern. Meine Mutter macht immer sehr viel Druck, kann ich nicht ändern.

  • Das Problem was ich dabei seh ist, dass es ein Waldorf-Kiga ist, die ja nochmal wesentlich mehr an den Strukturen festhalten und wesentlich weniger Abweichungen vom Tagesrhytmus zulassen als andere Kigä.

    Und dass die Kinder dort in der Regel schon mit 1 Jahr in ne Einrichtung gehen

    Ja, mir war das nicht so klar, das das so extrem ist. Fällt mir aber auch gerade sehr auf. Trotzdem gleich alles auf einmal zum funktionieren zu bringen, kann eigentlich garnicht funktionieren. Es gibt aber anscheinend durch die Norwegensituation da garkeine Erfahrung mehr mit älteren Kindern.

  • Ich schließe mich den anderen an und würde die Eingewöhnung zeitlich in entspanntere Phasen legen. Das gemeinsame am Tisch sitzen, wird sich durch die Gruppendynamik und den "Herdentrieb" ganz sicher ergeben. Aber dafür muss sich das Kind halt erst mal als Teil der Herde fühlen.


    Die Sprüche, die dein Kleiner sich hat anhören müssen, sind furchtbar. Es würde mich auch absolut nicht wundern, wenn das nachhaltig zu echten Ängsten geführt hat. Kinder verstehen Ironie noch nicht, sowas kann mal ganz nebenbei ein fettes Trauma verursachen.
    Mein Sohn ist zwei Jahre älter und ein ganz unkomplizierter Esser. Seine große Schwester hat mal so einen ähnlichen Spruch gebracht und obwohl er selbst erkannt hat, dass das "nur ein blöder Witz" war, hat er über Wochen nicht unbeschwert essen können. Alles wurde ganz genau betrachtet, beschnuppert und versuchsweise angeleckt, bevor er es in den Mund stecken konnte.


    Vielleicht könnt ihr die Erlebnisse, die der Kleine da machen musste, auch im KIndergarten erwähnen, damit sie besser verstehen, dass er sich bei dem Thema erst mal wieder erholen muss.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Also, ich wollte euch noch erzählen wie die Geschichte geendet ist.

    Es gab ein Gespräch mit der Kindergartenleitung.

    Es hat sich herausgestellt, das dieses Gespräch eigentlich nur dazu da war mir zu sagen, dass ich meinen Sohn ab jetzt nur noch da lassen soll und nicht mehr weiter dabei sein kann. Wenn ich dazu nicht bereit bin, kann er den Kindergartenplatz nicht behalten. Ich hab gesagt, dann lassen wir es bleiben.

    Ich wollte eigentlich versuchen die Trennungszeiten stück für stück zu erhöhen, aber das wurde regelrecht abgebügelt.

    Bei ihnen ist das so, das die Eltern die ersten drei Tage dabei sind, am vierten Tag gibt es eine Trennung von einer Stunde und ab dann sind die Eltern nicht mehr dabei.

    Seltsam finde ich, dass mir diese Vorgehensweise erst hinterher erzählt wird und in einem vorherigen Emailaustausch gesagt wurde "

    Code
    it depends on the child how quick it can be. It is better to give it time, than to rush!

    Mein Sohn wollte aber auch sowieso dort nicht mehr sein, hat sich gleich unter den Tisch versteckt. Eigentlich wollte die Leitung, das ich ihn dort lasse und er nicht mit mir ins obere Stockwerk ins Büro mitgeht. Ich hab gesagt, das mach ich nicht.

    Dann hallen bei mir noch so komische Satzfetzen aus dem Gespräch nach. Sie hat gesagt die Erzieher könnten zu dem Kind keine Beziehung aufbauen, wenn ich dabei bin. Aber für mich kommt eigentlich erst eine Vertrauensbeziehung und dann die Trennung. Alles irgendwie voll falsch...

  • Naka, letzteres ist schon manchmal so. Dass die Kinder erst Vertrauen in den Raum aufbauen ("hier bin ich sicher und Mama kommt ja später wieder"), allein bleiben können und teils sogar ausdrücklich wollen und danach erst in Beziehung mit der Erzieherin treten.


    Den Rest find ich genauso schräg wie Du. Die Kündigung find ich für ihn das Beste, das wäre nix mehr geworden.

    Ich tipp drauf dass eine Erzieherin schlicht und ergreifend ein Problem mit Dir hatte. Gibts manchmal einfach, dass jemand einen an irgendwen unangenehmen erinnert oder man vom Typ her einfach nicht zusammen passt. Wenn man dann ausgerechnet denjenigen den man eh nicht mag häufiger/länger als normal sehen muss, kann es da trotz aller professionellen Distanz mal "menscheln".

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.