Fördert Latein die Konzentration und Herleiten von Zusammenhängen in anderen Fächern????

  • Wäre ja interessant, ob der Anglist Dr. Werner Schäfer überhaupt ein Latinum hat

    Ich wäre ohne Latinum -damals, 1853- gar nicht Anglistin geworden an meiner Uni. :P

    Zu meiner Studienzeit hat man auch für Fächer das (zumindest kleine) Latium gebraucht, bei denen man es wirklich nicht vermuten würde und absolut nicht braucht. Ich war sehr froh, dass ich Latein auf der BOS hatte und das anerkannt wurde (weil eben so viel gelernt wurde, wie es auf dem Gymnasium bis zum kleinen Latinum üblich ist). Der Weg war der deutlich leichtere, als es auf der Uni zusätzlich zu den anderen Fächern (ich sag nur Altnordisch!) noch nachzuholen und dann mit einer einzigen Prüfung zu beweisen, dass man es kann. Auf der BOS konnte ich mir die nötigen Noten irgendwie zusammenklamüsern. Die Prüfung auf der Uni hätte ich niemals geschafft.

  • Ich gehöre zu den wenigen Leuten, die zu DDR-Zeiten Latein in der Schule hatten. Bei uns gab es Anfang der 90er dann eine echt heftige Diskussion, welchen Latinums-Abschluss wir mit dem Abi-Zeugnis bekommen würden. Mir war das total egal - aber für einige Mitschüler war das wirklich wichtig für das Studium, dass sie da möglichst hohe Lateinkenntnisse bescheinigt bekamen.


    Ich habe aber keine Ahnung, was da heute noch gefordert wird. Ich vermute deutlich weniger.

  • Meine Tochter möchte Latein nach der 10 wieder abwählen. Das spricht nicht gegen ihre Entscheidung - Französisch wäre es auch nicht gewesen, Fremdsprachen sind nicht ihrs -, aber sie hat jetzt festgestellt, dass Vokabellernen (fällt ihr nicht schwer) und Übersetzen zwei Paar Schuhe sind. Also man muss, durchaus bei korrektem Erkennen der grammatikalischen Strukturen, den Satz in eine Aussage verwandeln, die Sinn macht. Tja, und das scheint gar nicht so einfach zu sein. Denke, da gehört dann doch Sprachgefühl statt Logik dazu. Meiner Tochter fällt das nicht so leicht - und dabei sind es in der 8 ja noch keine besonders komplexen Texte.

  • Ich finde, Latein ist eine gute Schulung dafür, eine Sprache systematisch und mit Fokus auf grammatische Strukturen zu lernen. Außerdem finde ich Latein grammatikalisch interessant, weil es anders funktioniert als die modernen europäischen Fremdsprachen. Ein guter Blick über den Tellerrand. Sowohl Latein als auch die anderen Sprachen, die man in der Schule lernt, sind für mich nur Impulse. Wenn man kein Talent hat, steht man halt das Minimalprogramm durch. Jede Sprache, die man lernt, öffnet einem eine neue Welt. Latein war so wichtig in unserer Kultur (Französisch, Altgriechisch auch), dass ich es schon gut finde, wenn man es wenigstens ein bisschen kann.

  • Meine Tochter möchte Latein nach der 10 wieder abwählen. Das spricht nicht gegen ihre Entscheidung - Französisch wäre es auch nicht gewesen, Fremdsprachen sind nicht ihrs -, aber sie hat jetzt festgestellt, dass Vokabellernen (fällt ihr nicht schwer) und Übersetzen zwei Paar Schuhe sind. Also man muss, durchaus bei korrektem Erkennen der grammatikalischen Strukturen, den Satz in eine Aussage verwandeln, die Sinn macht. Tja, und das scheint gar nicht so einfach zu sein. Denke, da gehört dann doch Sprachgefühl statt Logik dazu. Meiner Tochter fällt das nicht so leicht - und dabei sind es in der 8 ja noch keine besonders komplexen Texte.

    Dass Latein auch die Sprachfertigkeiten im Deutschen fördert, ist durch eine Studie der HU Berlin belegt. Das macht Latein auch so komplex: Einen Text zu verstehen heißt nicht unbedingt, dass man ihn inhaltlich und sprachlich korrekt ins Deutsche übersetzen kann, zumal vieles gar nicht 1:1 übersetzbar ist. Aber auch das gilt für alle Fremdsprachen, nur wird in den modernen Fremdsprachen im Unterricht nicht einmal in der Oberstufe noch übersetzt (zumindest in Berlin nicht).

    Mirjam mit Clown (2006) und Spaßvogel (2008) und Quatschkopf (2010)

  • Das ist interessant, mira76 . Diese Studie würde ich auch gern lesen. Deckt sich mit meinen persönlichen Beobachtungen, in Deutsch war Grammatik ja quasi ausgefallen, und mit dem korrekten Übersetzen der Fälle tut sie sich schwer, weil ihr auch die deutsche Grammatik nur intuitiv-muttersprachlich geläufig, aber nicht immer wirklich klar ist. Dass vieles nicht direkt übersetzbar ist, hat sie auch schon gemerkt. Die Kinder sind so drin im wortwörtlichen Übertragen... im Englischen kommt dann Denglisch heraus, aber bei Latein ist der Unterschied zu groß.

    Nachdenken über Sprache ist nicht ihrs, es nervt sie total. Ich halte mich dann zurück, ihr zu umreißen, dass es in anderen Sprachfamilien sogar noch mal alles ganz anders ist.


    Ich finde Übersetzungsprobleme spannend, weil es ein Spektrum aufzeigt, wie anders gedacht werden kann - und zwar nicht nur auf die Sprache allein bezogen, sondern sicherlich auch inhaltlich.

  • nur wird in den modernen Fremdsprachen im Unterricht nicht einmal in der Oberstufe noch übersetzt

    Bei uns geht es in der 5. jetzt schon teilweise darum, dass die Kinder erlebtes nacherzählen sollen, oder es gab spielerische Übungen, wo die Kinder, fuer die Eltern im London-Urlaub übersetzen sollten.


    Allerdings ist Grammatik ziemlich wenig erklärt, und es geht bisher viel mehr um Intuition.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • nur wird in den modernen Fremdsprachen im Unterricht nicht einmal in der Oberstufe noch übersetzt

    Bei uns geht es in der 5. jetzt schon teilweise darum, dass die Kinder erlebtes nacherzählen sollen, oder es gab spielerische Übungen, wo die Kinder, fuer die Eltern im London-Urlaub übersetzen sollten.


    Allerdings ist Grammatik ziemlich wenig erklärt, und es geht bisher viel mehr um Intuition.

    Das ist Mediation, eine Kompetenz, die man im FSU erlangen sollte.

    Das hat wenig bis gar nichts mit der Grammatik-Übersetzungsmethode zu tun, nach der im Lateinunterricht gelernt wird und die für den Erwerb moderner Fremdsprachen recht wenig bringt (so die Studienlage, die mir bekannt ist).

    Liebe Grüße von Rafiki mit M1(*05) und M2 (*07)

  • Was ist fSU?


    Mit der didaktik kenne ich mich nicht aus. Und dann scheint es mal wieder so als ob es verschiedene Verständnisse zum Thema übersetzen gibt.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Mira, hättest du den Link noch mal? Bei mir erscheint da nur ein "Die Seite existiert leider nicht...".

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • Ein "s" an die Adresse hängen dann stimmt's: https://www.klassphil.hu-berli…ete/didaktik/pons-latinus


    Das ist ein Didaktik-Projekt in dem es darum geht wie Lateinunterricht zur Sprachbildung im Deutschen genutzt werden kann wenn ich mir das so durchlese mit Hauptaugenmerk auf Schüler deren primäre Sprache nicht Deutsch ist.

    So auch mein Eindruck.

    Ein wenig entsteht vor meinen Augen das Bild, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Es braucht sicher nicht den Umweg über ein Fach wie Latein, um die 'Probleme', die in den Artikeln skizziert werden, zu lösen.

    Zum Transferpotential Französisch und andere romanische Sprachen hier ein recht guter Überblick:

    http://home.uni-leipzig.de/did…tein-Artikel_Neveling.pdf


    Die Sprachdidaktik rückt auch immer mehr davon ab, grammatische Aspekte a la Chomsky zu lehren, sondern geht mehr und mehr andere Wege (und das ist gut so).

    Liebe Grüße von Rafiki mit M1(*05) und M2 (*07)