Latein oder Französisch?

  • Der Bub hasst Latein. Er ist mit Vokabeln durch, jetzt werden Schriften interpretiert und große Redner übersetzt, mit dem geschwülstigen Gelabere kann er nichts anfangen. Die Vokabeln bleiben seit 4 Jahren nicht wirklich hängen, obwohl wir sie in Dauerschleife lernen, er hat die Endungen nicht auf dem Schirm und was sie im Satzbau bedeuten und schreibt in den Schulaufgaben in den Übersetzungen nur 6er.

    Er könnte nun ab dem nächsten Schuljahr französisch nehmen und Latein abwählen. Aber französisch soll ja sehr schwer sein. Wäre allerdings ein Neuanfang. Nur - gern lernen tut er nach wie vor nicht, also der Fleiß hat ihn noch nicht gepackt. Er tut immer noch nur das Minimalste und lawiniert sich so einigermaßen durch die Schuljahre.

    Hat jemand eine ähnliche Erfahrung schlecht in Latein und dann Wechsel auf französisch? Und wurde das besser?

    Was würdet Ihr machen?

    Danke

    Jaelle

  • Du kannst ja in Aurys Threads gucken #angst Sorry.


    Muss es eine Sprache sein oder kann er was anderes wählen? Mein Sohn konnte in der 9. Latein komplett abwählen.

  • Ich würde auch schauen, wann Latein abgewählt werden kann und wie lange Französisch gehen würde bevor man es abwählen kann. Französisch ist ja wieder Anfangsklimbim, das ist erstmal leichter als Latein im Fortgeschrittenenstadium. Aber nach und nach wird auch Französisch immer schwerer.


    Ich glaube, hier kann man die zweite Fremdsprache nach der Einführungsphase abwählen, also nach der 10. Klasse (G8) bzw. nach der 11. Klasse (G9). Oder beide nach der 10 bzw. nach 5 Jahren Unterricht in der Sprache? Weiß nicht genau.

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  • Nicht Latein, aber trotzdem zum Thema Sprache.


    Ich war schlecht in französisch, habe es dann auch wegen dem Lehrer gehasst (tut mir im Nachhinein jetzt leid) und habe es dann abgewählt und stattdessen russisch genommen, was ja nun auch nicht gerade easy ist. Hatte es bis zum Abi und war ganz gut (2er Bereich). Mir hat der Neuanfang sehr gut getan.


    Wenn er eh so schlecht ist, gibt es doch eigentlich auch nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen...

    Auf französisch kann man dann super Filme schauen :)

    Was möchte er denn?

    Remember stars still shine in the darkest nights. Even when you can't see them, they're always there

  • Ich würd meinem unter den Rahmenbedingungen den Wechsel empfehlen. Die Übersetzerei der Texte wird ja nicht besser, gibt halt keine anderen mit aktuelleren Bezügen.

    Und eine neue Sprache hat doch am Anfang eigentlich immer was spannendes und ist anfänglich auch noch nicht so schwer.

    Toll, dass ihr wechseln könnt, bei uns gibts die dritte Sprache nur zusätzlich.

    mamaraupe (*1973) mit paparaupe (*1969), großer raupe (*06/06), und kleiner raupe(*02/10)

  • Vermutlich wird ihm durch die Lateinkenntnisse Französisch erheblich leichter fallen. Ich lerne es jetzt erst und profitiere da schon von. Was ich gut finde: ich kann auf Netflix französische Filme mit deutschen Untertiteln schauen (manchmal versuche ich auch die französischen, aber das ist noch ein bisschen zu schwer, kommt aber bestimmt bald). Das hilft mir mehr als alle Bücher :) Wenn er gerne Filme schaut und er Latein so sehr hasst wie ich damals, dann soll er das tun. Ich musste es bis zur 11. machen und ich hätte jeden Tag kotzen können.

    Lernt er denn grundsätzlich gerne moderne Sprachen?

    LG, Kalliope


    Und bist du nicht willig, so brauch ich Geduld! (Prof. Peter Kruse) tap.gif



  • Wenn er eh so schlecht ist, gibt es doch eigentlich auch nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen...

    Es gäbe zum Beispiel die komplette Befreiung von zweiter Fremdsprache zu verlieren. Also bei uns muss, glaube (!) ich, eine zweite Sprache soundsolange gelernt worden sein, sonst gibt's keine Zulassung zum Abitur. Ein Wechsel von Latein zu Französisch würde hier (glaube ich (!)) den Zähler quasi neu starten, Französisch müsste dann durchgehalten werden bis zum Ende. Wenn das wieder eine Qual wird, kann das quasi das Abi verhageln. Während Latein vor dem Abi wegfallen könnte und er dann gar keine zweite Fremdsprache mehr bräuchte.



    Da würde ich mich vorher mal informieren. Ansonsten klingt der Wechsel schon vorteilhaft.

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  • Es gäbe zum Beispiel die komplette Befreiung von zweiter Fremdsprache zu verlieren. Also bei uns muss, glaube (!) ich, eine zweite Sprache soundsolange gelernt worden sein, sonst gibt's keine Zulassung zum Abitur. Ein Wechsel von Latein zu Französisch würde hier (glaube ich (!)) den Zähler quasi neu starten, Französisch müsste dann durchgehalten werden bis zum Ende. Wenn das wieder eine Qual wird, kann das quasi das Abi verhageln. Während Latein vor dem Abi wegfallen könnte und er dann gar keine zweite Fremdsprache mehr bräuchte.

    Dazu kenne ich mich nicht aus, aber das klingt wie ein bedenkenswertes Argument. Sonst hätte ich gedacht, dass der Wechsel auf Französisch auch die Chance bietet von Anfang am Ball zu bleiben, was einfach ein anderes Gefühl ist als ständig hinterher zu hecheln.

  • Huhu,


    nach meiner traurigen Statistik sind die Gründe, aus denen es in der einen Sprache nicht klappt, meist dieselben, warum es in einer anderen auch nicht funktioniert. Ausnahme: Es liegt tatsächlich an der Chemie zwischen Lehrendem und Lernendem. Von daher: Nein, unbedingt durchhalten. In welcher Klasse ist er? Welche Schulform?


    lg roma

    Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat - Kurt Tucholsky

  • Ich würde wechseln.


    Nicht, weil Französisch einfacher wäre als Latein, aber

    1.) Neustart

    2.) Sprache mit mehr praktischem Nährwert

    3.) verfügbare Hilfsmittel.


    Neben Netflix finde ich insbesondere auch Duolingo sehr praktisch. Damit lerne ich seit etwas über 3 Jahren Französisch. Die Effektivität hält sich in Grenzen, aber die Effizienz ist unschlagbar: Es lernt sich damit nämlich völlig schmerzfrei.


    Ansonsten: In dem Thread von Aury wurden die Argumente pro Französisch und pro Latein wirklich mehrmals hoch- und runterdiskutiert. Wenn du so viel Zeit hast, kannst du den mal nachlesen.

    Xenia mit Te (Herbst 04) und Ka (Herbst 07) und Ha (Feb 12)

  • Aber Jaelle Sohn hat ja schon Latein, es geht nur darum wie lange noch.

    Bei uns stand das auch im Raum, allerdings kam der Französisch Kurs dann nicht zusammen#hmpf. Jetzt mit neuer Lehrerin und Lexikon!!! hat es den Schrecken verloren und sie ist froh dass es nicht geklappt hat. Die paar Monate schafft sie dann auch noch. Die 10. in Bayern ist schon knackig und dann noch eine neue Sprache lernen??

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Wenns das letzte Jahr Latein ist, wäre ich auch für durchhalten, ne vier hinkriegen und weg damit... so verfahren wir gerade mit französisch 😬

  • Wenn er eine fünf hat, hat er das Latium nicht, aber das ist euch nicht wichtig, oder?

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Meine Tendenz geht auch in Richtung Wechsel nach Französisch in Erwägung ziehen und vorab ein paar Eckpunkte abklären:


    - Wie lange müsste er französisch dann machen?

    - Hatten alle Fanzösischanfänger vorher Latein? Dann könnte das Lerntempo sehr schnell anziehen.

    - Andererseits: Es ist eine lebende Sprache und evtl. kann er mit der Aussicht auf Austausch / Urlaub ein bisschen Motivation aktivieren?

    - Latein ist eine sehr exakte Sprache, wer das Wort incl. Deklinaktion / Konjugation nicht genau kennt, ist verloren. Bei lebenden Sprachen hat man eher die Möglichkeit Umschreibungen zu finden oder sich die Bedeutung fehlender Wörter aus dem Zusammenhang zu erschließen. Damit kann man manche Lücken kaschieren.


    - Legt er Wert auf Latinum? Dann evtl. durchhalten.

    - Gibt es Einschränkungen bei Kurswahl bzw. Prüfungsfächern?

  • Ich werde zur sich wiederholenden Gebetsmühle:

    Latein ist was für Schüler, denen eine regelbasierte Herangehensweise an eine Sprache liegt, Französisch ist was für Schüler, denen eine sprachkompetenzbasierte Herangehensweise liegt. Vokabeln verfolgen Dich hier wie da, die Grammatik ist meiner Meinung nach gleich komplex, und es gibt hüben wie drüben ein gerüttelt Maß an Ausnahmen.

    Wer auf Geschichte der Antike steht, dem bieten lateinische Texte interessante Inhalte, wer sich eher in der Gegenwart bewegen mchte, für den ist Französisch interessanter.


    Mein Sohn hat jetzt das 5. Jahr Französisch und praktisch seit 4 Jahren kämpft er drum, sich zum Ende immer irgendwie noch auf eine 4 zu retten. Ich hab' ihn mal gefragt, was er empfehlen würde: Spontane Antwort - "Wirf 'ne Münze - beides Scheiße." - etwas nachdenken - "Nein, Französisch - das spricht man wenigstens noch irgendwo."


    Deinem Sohn liegt Latein offenbar nicht - wenn er das will, würde ich sagen, wechseln. Ein Neuanfang hat durchaus was für sich. Und vielleicht rettet ihn ja der modernere Inhalt und die Möglichkeit, einfach mal zu sprechen, über die Klippen im Franzsischen etwas hinweg.

  • Ich hatte als erste Fremdsprache Latein, als dritte Französisch. Latein habe ich immer gehasst, konnte es aber erst in der Oberstufe abwählen. Französisch hab ich als Leistungskurs genommen. Ich hab mir dann immer das Latein vom Französisch hergeleitet. :D

    Es gibt für mich wichtige Unterschiede zwischen den Sprachen:

    Erstens: Ich bin ein hörender Lerntyp, visuell geht bei mir überhaupt nichts, da gibt es im Französischen einfach mehr Material und Gelegenheiten zum Lernen.

    Zweitens: Ein Verb kann im Lateinischen sehr viele unterschiedliche Bedeutungen haben. Ich lerne gerade Rumänisch, und es erinnert mich sehr an meinen Lateinunterricht: Ich kenne jedes einzelne Wort des Satzes, und kann trotzdem den Satz nicht übersetzen.

    Und drittens gilt das Gleiche für die Endungen: Wenn man die im Lateinischen nicht beherrscht, hat man verloren.

    Was für Latein spricht ist die leichtere Schreibweise.

    Ach so: Fleiß war für mich auch immer ein Fremdwort, trotzdem Französisch LK.

    Wie lernt er denn seine Vokabeln? Also mit welcher Methode?

  • Gibt es Alternativen? Hier gibt es spanisch als spät startende Fremdsprache, das ist erheblich einfacher weil die Spanier alles konsequent so aussprechen wie sie es schreiben. Mir erscheint auch die grammatik einfacher, kann das aber nicht fundiert beurteilen.

    Und überlegt noch einmal warum ihr euch damals für Latein und gegen französisch entschieden habt, die Argumente contra französisch gelten vermutlich immer noch.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)