Impfpflicht! Impfpflicht?

  • Das kommt.

    Die jüngeren Ärzte haben meist ein Bewusstsein dafür, dass sich der Stand der Wissenschaft regelmäßig ändert und es laufend neue Leitlinien gibt.

    Und sie haben meist einen guten Grund, um von einer Leitlinie im Einzelfall abzuweichen. Die alten „Götter in weiß“ gehen langsam aber sicher in Rente.



    ...und Du erwartest vom Gesundheitsminister Fachkompetenz? #lol

  • Hallo,


    ...und Du erwartest vom Gesundheitsminister Fachkompetenz? #lol


    Nicht wirklich. (Dazu hab ich um mich rum zu viele Leute, die im Gesundheitsbereich arbeiten...)


    Aber man kann ja hoffen und an Wunder glauben.

    Zumindest dann, wenn einer zu einem konkreten Thema große Reden schwingt. #yoga#zwinker

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  • Vielleicht wollte er einfach nur "mit der Sprache des Volkes" erklären, dass er gegen FSME geimpft ist.


    Wir sind hier bei den Raben in einer sehr aufgeklärten Blase. Ich erlebe tatsächlich tagtäglich viele Menschen, die von einem Arzt, der sagt, dass er zu einem Thema nicht auf dem neuesten Stand ist, nicht mehr behandelt werden wollen.

    Ein Arzt hat studiert und hat Recht! Fertig. Der Apotheker wiederspricht dem Arzt ja auch nicht - und der hat auch studiert und weiß warum.


    Vielleicht ist das auch so ein Stadt-Land-Ding, keine Ahnung.

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • Ich erlebe tatsächlich tagtäglich viele Menschen, die von einem Arzt, der sagt, dass er zu einem Thema nicht auf dem neuesten Stand ist, nicht mehr behandelt werden wollen.

    Genau so erleben ich das auch. Einleitend wird bei der Anamneseerhebung sehr oft darüber hergezogen, dass ein Arzt sich erst habe belesen wollen oder entsetzt festgestellt, dass er erst das Internet zu Rate ziehen würde, bevor er endgültig seine Meinung äußert. Das als Antwort, warum sie nicht mehr zu dem bisher behandelnden gehen ist dann schon schwierig einzuordnen.


    Ich habe bei dem meisten Patienten bislang auch immer sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht, auf meinen nicht allumfassenden Wissensstand hinzuweisen. Die allwrmeisten wollen das nicht hören.


    Oder kommen mit Zitaten aus aktuellen Publikationen und fragen mich, was ich davon halte. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich diesen Artikel kenne liegt natürlich im Promillebereich. Aber die Erwartungshaltung ist da sehr hoch.


    Ich glaube, die jüngeren Ärzte würden gerne von diesem Halbgott-in-Weiß-Gedöns wegkommen. Aber die Mehrheit der Patienten lässt es nicht zu.

  • Ich glaube, die jüngeren Ärzte würden gerne von diesem Halbgott-in-Weiß-Gedöns wegkommen. Aber die Mehrheit der Patienten lässt es nicht zu.

    Mühsame und undankbare "Erziehungsarbeit" am Patienten, die halt mit dazu gehört?

    Murmel 12/05 Murmelini 12/07


    Es gibt eben so wenig hundertprozentige Wahrheit wie hundertprozentigen Alkohol. (Sigmund Freud)


    262 Beiträge im alten Forum – war ich so stolz drauf, deswegen steht's jetzt hier. #baden

  • @ janos: Naja, eben immer wieder – maßvoll – daran erinnern, dass man als Arzt*in eben mensch ist, der das alles gut studiert hat, sich weiterbildet ect. aber unmöglich immer alles wissen kann und das vorzugeben unseriös wäre. Das ist undankbar. Keine Frage, aber absolut notwendig, wenn sich was ändern soll. also wenn Ärzte wirklich mündige Patienten wollen, mit denen sie auf Augenhöhe reden können, kommen sie nicht dran vorbei, oder?


    (Ich kann mir schon vorstellen, dass das a) mühsam und b) enorm undankbar ist, finde es aber wichtig. und sicherlich muss man aufpassen, die Patient*innen nicht scharenweise zu vergraulen, aber ich glaube, es lohnt sich.)

    Murmel 12/05 Murmelini 12/07


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  • Tja, mal sehen, wie es weitergeht in den nächsten Jahren, Hilda . Im Moment sehe ich regelmäßig Leute, die sich an irgendwas operieren lassen, obwohl sie das nicht wollen. Weil sie den Chirurgen, mit dem sie geredet haben nicht enttäuschen wollen. Und der größte Teil der Patienten kann sich nicht merken, wie seine Tabletten heißen. Das ist im RL das Niveau. Da ist noch viel Luft nach oben

  • @ janos: Das kann ich mir alles leider sehr lebhaft vorstellen …

    Murmel 12/05 Murmelini 12/07


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  • Aber warum sollte ein Arzt beruhigen, wenn er eigentlich der Meinung ist, dass die Krankheit, um die da geht, wirklich gefährlich ist und eine Impfung sinnvoll?


    Wie kann ein Arzt wertfrei informieren, wenn die Basis schon problematisch ist, nämlich, dass zB Masern von den meisten Ärzten als gefährlich angesehen werden, von vielen Eltern aber eben nicht?


    Oder meinst du beruhigen in dem Sinne, die Impfing werde schon keine Probleme machen - das sehen hier aber viele offenbar anders

    Dann kann er das gerne als seine Meinung rüberbringen (diesen Aspekt, dass er für Stiko-Impfungen ist, insbesondere wohl, weil er aus seiner Zeit in Afrika Angst vor den Erkrankungen hat, habe ich unserem KiA beispielsweise überhaupt nicht übelgenommen).


    Aber die Impfung als die einzig sinnvolle Entscheidung darzustellen, Nichtimpfen als unverantwortlich usw. - das fände ich nicht gut.


    Unseren KiA habe ich dann für die Impfentscheidung nicht mehr konsultiert, aber wir sind trotzdem gerne für andere Belange zu ihm gegangen. Und er hatte auch kein Problem damit, einfach das zu impfen, was wir wünschen, also unsere Entscheidung respektiert. Das macht ja leider auch nicht jeder Arzt.


    Mit dem "beruhigen" sehe ich eben den Unterschied zwischen Erkrankung/Behandlungsbedarf, wo der Patient irgendwas hören will/muss. Da möchte ich als Patient ja dringend etwas hören und nicht 25 Ärzte abklappern oder mich einlesen, wenn es nicht wirklich nötig ist. Da kann es in meinen Augen auch mal ausreichend sein, zu sagen, es ist nichts Schlimmes, auch wenn ich nicht weiß, was es ist. Eine Impfung hingegen ist erstmal nicht zeitkritisch. Normalerweise ist auch die Erkrankungswahrscheinlichkeit so gering, dass es nicht schädlich ist, mit der Impfung noch abzuwarten. In so einer Situation besteht für mich überhaupt nicht die Notwendigkeit, einfach nur zur Beruhigung irgendwas zu labern, sondern da möchte ich entweder gescheite Information oder gar keine, oder, sofern Meinungen zum Besten gegeben werden, das wenigstens wissen.

    Gerade darum fände ich es wichtig, daß Ärzte zugeben könne, daß sie in einem bestimmten Bereich auch mal was nicht wissen oder zumindest nicht auf dem neuesten Stand sind. ("Als ich da 2012 eine Weiterbildung hatte, war der Stand diesbezüglich xy...") Oder dazusagen, daß ihr Rat (nur) ihrer ganz persönlichen Meinung und privaten Erfahrung entspricht.

    Das habe ich nur irgendwie noch nie erlebt.


    UND daß sie (idealerweise vorwurfsfrei) akzeptieren, daß man sich selber informieren möchte und/oder dann anders entscheidet als sie es raten. Auch das ist mir selten begegnet (außer bei unserer zweiten KiÄ)

    Genau so. Unser KiA konnte andere Entscheidungen zum Glück gut akzeptieren.

    Genau so erleben ich das auch. Einleitend wird bei der Anamneseerhebung sehr oft darüber hergezogen, dass ein Arzt sich erst habe belesen wollen oder entsetzt festgestellt, dass er erst das Internet zu Rate ziehen würde, bevor er endgültig seine Meinung äußert. Das als Antwort, warum sie nicht mehr zu dem bisher behandelnden gehen ist dann schon schwierig einzuordnen.


    Ich habe bei dem meisten Patienten bislang auch immer sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht, auf meinen nicht allumfassenden Wissensstand hinzuweisen. Die allwrmeisten wollen das nicht hören.

    Ich glaube, die jüngeren Ärzte würden gerne von diesem Halbgott-in-Weiß-Gedöns wegkommen. Aber die Mehrheit der Patienten lässt es nicht zu.

    Hmm, das ist ja ein Ding. Damit hätte ich nicht gerechnet. Blöd. Dann kann ich wenigstens einigermaßen verstehen, warum viele Ärzte das so machen (und warum ich öfters mal mit denen aneinandergerate #rolleyes). Das "den Patienten da abholen, wo er steht, und ihm das geben, was er braucht" scheint dann bei manchen Patienten nicht zu gelingen. Aber ich sehe ein, dass das schwer ist. Wenn ich Ärztin wäre, wäre ich erstmal davon ausgegangen, dass alle es so haben wollen, wie ich, und hätte mich wohl gewundert, weshalb mir die Patienten in Scharen wegrennen #hmpf.

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Ich glaube, die jüngeren Ärzte würden gerne von diesem Halbgott-in-Weiß-Gedöns wegkommen. Aber die Mehrheit der Patienten lässt es nicht zu.

    Ich weiß nicht ob das wirklich so ist. Ich erlebe es hier immer wieder, dass ich von Ärzten wohlwollend als gut informiert wahrgenommen werde und mich auch ernst genommen fühle. Das hat übrigens auch nicht unbedingt etwas mit der Arzt-Generation zu tun - unser vor wenigen Jahren in den Ruhestand gegangener Hausarzt war diebezüglich wirklich super und hat sehr gute Impfberatungen gemacht. Ich vermute, dass da auch regionale Gepflogenheiten eine Rolle spielen, ebenso durchschnittlicher Bildungsstand der Patienten (in unserer Gegend sicher vergleichsweise hoch) und vermutlich auch das durchschnittliche Patientenalter.


    Ich habe da z.B. auch große Unterschiede bei meinen Eltern gesehen. Mein Vater hat nie bei einem Arzt großartig hinterfragt sondern normalerweise alles klaglos genau so gemacht wie der Arzt das gesagt hat. Er hätte auch nie einem Arzt einen Vorschlag gemacht, ob man nicht noch etwas zusätzlich untersuchen könnte oder er etwas zusätzlich verschrieben bekommen könnte. (Die einzige Ausnahme in seinem Leben war sein Umgang mit dem Krebs - da ist er extrem selbstbestimmt genau seinen Weg bis zum Lebensende gegangen und hat auf alle Ärzte gepfiffen, die ihn noch mal unters Messer legen wollten). Meine Mutter dagegen würde ich als beinahe ebenso gut informierte Patientin wie mich selbst einschätzen, die auch regelmäßig versucht einen Arzt in bestimmte Richtungen zu lenken (z.B. Osteopathie zu bekommen wenn die halt mehr hilft aus Physiotherapie).

  • Ja die Titerbestimmungen musste ich selbst zahlen.


    Bzgl. MMR verstehe ich es so, dass es billiger und einfacher ist 2 mal zu impfen - dann erreicht man ein Wirkquote von 95% als einmal zu impfen und Titerbestimmung.

    Meine Kinderärztin hat mir noch mitgegeben, ob ich das Kind wirklich so durch Blut abnehmen quälen möchte.

    (Das war aber auch diejenige, die mir erzählt hatte, man müsste auf jeden Fall zweimal impfen).

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Jette , mich freuen die informierten Patienten, die wissen, was sie wollen. Da ist es dann manchmal eine gratwanderung, wenn von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgegangen wird und Dinge gewünscht werden, die in meinen Augen keine Berechtigung haben.


    Wahrscheinlich gehen mir solche Leute immer wieder durch die Lappen, weil das Gros eben so ganz anders ist. Aber ich gebe mir Mühe, die zu entdecken.

  • Eine Impfung ist billiger als eine Titerbestimmung.

    Und WENN die erste Impfung gut vertragen wurde gibt es aus meiner Sicht keinen Grund das teurere Verfahren zu nutzen.

    Ich fände es aber gut, wenn die Ärzte für den Fall, dass die erste Impfung nicht gut vertragen wurde auch erstmal eine Titerbestimmung in Auftrag geben könnten (von der Kasse bezahlt) um die zweite Impfung sparen zu können.

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • ich war 2015 und 2017 beim Amtsarzt. Und keiner hat sich an den nicht-existenten Impfungen gestört (mein Impfpass wirde erst ausgestellt, als ich 10 Jahre alt war, die ganzen Kleinkind-Impfungen fehlen also). Und keiner hat mich darauf hingewiesen, dass die letzte Td-Impfung 1999 war.


    Interesse bestand lediglich an Röteln, und die hätten sie trotz (dokumentierten) 2 Impfungen zur Kontrolle am liebsten titern wollen.

    Das konnte ich ihnen mithilfe der Mutterpässe ausreden. Ich habe trotz Impfungen keinen ausreichenden nachweisbaren Schutz (Impfversager) und weiß, dass ich im Falle einer Schwangerschaft deshalb sofort Berufsverbot bekommen "muss".

    Was macht ihr eigentlich, ihr flinken Sekundenhorter, mit all der Zeit, die ihr spart, wenn ihr "lg" tippt statt lieb zu grüßen?

    - aus einer Berliner S-Bahn-Station -

  • ich war 2015 und 2017 beim Amtsarzt. Und keiner hat sich an den nicht-existenten Impfungen gestört

    und das ist etwas was ich in der aktuellen Diskussion total vermisse. Die krasse Impflücke haben die Erwachsenen und das aollte man ran bevor man irgendwelche Zwangsmassnahmen für Kleinkinder beschliesst.


    Ich frage mich aber auch, wie die Politik da ein Gesetz basteln will was einee juristischen Prüfung stand hält. Bei allem, was ich bisher gehört habe, habe ich da ggrosse Zweifel das das ohne Grundgesetzänderung möglich ist.

  • die Erwachsenen zu impfen wäre sicher bei der großen impflücke deutlich effektiver. Aber allein die Aktion "Deutschland sucht den impfpass" zeigt eins der Probleme auf - ohne impfpass keine Ahnung was fehlt. Das andere sind die vielen Menschen, die nie zum Arzt gehen. Wenn es immer heißt, eine impfquote von 95% sei notwendig, um einen guten herdenschutz zu etablierten ist das ein unerreichbares Ziel.


    Schafft man es in der Kindheit hohe Quoten zu erreichen, so hilft das, den gasamtschutz im.laufe der nächsten Generation zu erhöhen

  • @ Janos, das hört sich plausibel an. aber vor dem Hintergrund, daß sich der Impfschutz abbaut, ist es da nicht sinnvoller bei den Erwachsenen regelmäßig zu gucken?


    Ich denke, daß Problem ist, daß die schlechter greifbar sind, oder? Aber das ist doch nicht unmöglich. Vielleicht hat ja Herr Spahn mit seiner überbordenden Energie und seinem Aktionismus die Durchsetzungsfähigkeit #nägel


    Titerbestimmung hat hier um die €20 gekostet, pro Erregerantikörper. Für das Abchecken der Antikörper eine 7-Fach-Impfung käme da was zusammen

  • Das Nachschauen könnte man wahrscheinlich nur im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen machen. Bei Frauen wär das sicherlich gut im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge machbar. Und bei Männern? Die gehen wahrscheinlich allerhöchstens mal zum Hautkrebsscreening. Da müsste man dann Fachfremde (Dermatologen / Gynäkologen) abrechnen lassen, das wäre aber sicher mal ein Ansatz. Bei allen Ü50 kommt zudem hinzu, dass viele die Kinderkrankheiten durchgemacht haben, vor der Impfeinführung, deswegen möglicherweise nicht geimpft wurden, sich aber kaum mehr selbst an die Krankheiten erinnern werden.