Interessanter Unterricht in den Hauptfächern - gibt es das?

  • Sohn und ich haben gestern Abend noch ein bisschen über seine Schule (Gymnasium) gesprochen. Er hat gemeint, dass er nicht so gerne in die Schule geht, weil die Fächer einfach langweilig gestaltet sind: also vorne steht einer und spricht und die Schüler passen auf und versuchen sich alles zu merken oder füllen irgendwelche Arbeitsblätter aus. Wir sind dann draufgekommen, dass das eigentlich nicht für alle Fächer zutrifft und dass es auch tatsächlich Fächer gibt, in denen die Schüler viel selber machen können und die auch tatsächlich Spaß machen: zum Beispiel Musik oder NwT (Bio). Das Hauptproblem liegt wohl bei den Fremdsprachen, Deutsch und Mathe - also bei den Hauptfächern. Ich haben den Sohn gefragt, ob er denn eine Idee hätte, wie man diese Fächer interessanter gestalten könnte, wobei die Kinder ja trotzdem das wesentliche lernen sollen (also z.B. Grammatik). Leider fiel ihm da auch nichts dazu ein.


    Da wollte ich mal in die Runde fragen: gibt es irgendwo Kinder, bei denen die Lehrer gerade diese Hauptfächer irgendwie interessant und ansprechend gestalten? Und wie läuft das dann ab?

  • Also Tochters Französisch und Englischunterricht läuft iA mit sehr viel Interaktion ab. Da gibt es, gerade in Englisch, weil da das Niveau recht hoch ist, ganz viele Diskussionen, oft sind native speaker im Unterricht dabei. In Französisch läuft außerhalb der sprachlichen Ebene ganz viel über Arbeitspläne.


    Mathe hat Tochter bei der letzten Professorin eindeutig mehr zugesagt, da ist sicher mehr Frontalunterricht. Deutsch wird auch viel diskutiert oder Rollenspiele gemacht. Latein kann ich jetzt gar nicht sagen, haben sie das erste Jahr.


    Dafür ist Tochters Geographieunterricht seit dem Wechsel der Lehrerin furchtbar öde geworden ...

  • An meiner Schulform gibt es viel Handlungsorientierung, verschiedene Angebote, wie gelernt wird (Lerntheke, Wochenplan, Stationenarbeit,...), verschiedene Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit, Gruppenpuzzle, Kugellager,...) und viel Binnendifferenzierung.


    Aber wir sind kein Gymnasium.

    Trotzdem gibt es als höchsten Abschluss das Abi.

  • Gibt es, siehe Narzisse Ausführungen. Braucht aber oft kleine Klassen, mehr Vor/Nachbereitungszeit für Lehrkräfte (die diese oft nicht haben), geschulte Kinder - heißt, ich kann nicht plötzlich mit einer anderen Art Unterricht anfangen, sondern die Kinder müssen das ja auch können.


    Also all das, was am System Schule schwierig ist.

  • Ich habe 26 Kinder in meiner Klasse, ich unterrichte nicht weniger als andere - wir sind eine normale Schule.


    Vom Hochbegabten bis zum Geistigbehinderten über Kinder, die wenig Deutsch können, LRS-Kandidaten, Verhaltensoriginelle und was es sonst so gibt habe ich alles in der Klasse sitzen.


    Vor der Truppe würde ich mit Frontalunterricht ohne Differenzierung untergehen und hätte ein gewaltiges Disziplinproblem.


    Meinem Eindruck nach ist es nicht viel mehr Arbeit (dass die meisten LuL sich vorbereiten, setze ich einfach mal voraus), sondern ein anderer Blickwinkel.

    Mehr Arbeit ist es, das streite ich nicht ab. Aber es ist machbar.

    Und es wäre schön, wenn mein AG mal sähe, was wir tagtäglich leisten und nicht alle paar Monate mit noch einer neuen Schikane, wie das Elend besser verwaltet werden kann, um die Ecke käme.

    Aber das ist ein anderes Thema...

  • Narzisse das meine ich ja :) Es war gar nicht abwertend gemeint. Ich denke bei vollen Klassen eher an 34 Schüler ;).

    Wyrd bið ful aræd!


    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Iverna ()

  • Ich kenne auch viel guten Projektunterricht oder auch Unterricht von Montessori-Schulen, der vielfältiger als Frontalunterricht sein kann. Problem ist, dass es dazu nicht nur andere Tools fuer die Lehrer geben muss, diese als neue Methoden lernen muessen, auch die Schüler, koennen mit diesen anderen Methoden oft nicht umgehen.


    Und wenn ich dran denke, dass meine Kinder sagen, dass oft ein (grosser) Anteil der Stunde damit zu gebracht wird, die 2-3 Pappenheimer zum Mitarbeiten zu animieren, still zu sitzen, Materialien rauszuholen, dann ist auch klar, dass anderen lernwilligen Kindern langweilig wird.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • Iverna

    Hatte ich auch gar nicht so verstanden!


    Falls meine Antwort so angekommen sein sollte, tut es mir leid.

    Frust habe ich. Weil meine Schule, an der mein Herz hängt, aktuell vom Träger und dem Kumi an die Wand gefahren wird.
    Aber das wäre ein Thema für einen eigenen Thread. Und der würde mich so mitnehmen, dass ich mich noch nicht traue.

  • abgesehen davon, was narzisse schreibt, fand ich für mich sehr hilfreich zu wissen, wozu man das alles lernt. bei den lehrkräften, die auch dies mit auf den weg gegeben haben, hab ich viel besser gelernt und das gelernte behalten, zum teil heute noch.


    bei den fremdsprachen finde ich die option das gelernte anzuwenden ganz wichtig und nicht nur die vokabeln zu pauken, sätze auf papier zu bilden. das hat mir latein und graecum verdorben (abgesehen von der tatsache, dass ich sie nebenbei an der uni lernen musste, angeblich für mein fachgebiet, wofür es aber nie ausgereicht hat und wir eh mit philologInnen zusammenarbeiten), dabei lerne ich gern und ziemlich einfach fremdsprachen.

    #sonneige Grüße von Fibula mit drei Juli-Männern #kerze #kerze #kerze #kerze
    Vorurteile sind menschenfreundlich. Sie passen sich dem Niveau ihrer Benutzer bedingungslos an.
    Ernst Ferstl

  • Nachtkerze Es gehört auch viel Bereitschaft dazu, mal anders zu denken und zu handeln und als Kollegium bspw. eine Fortbildungsreihe über mehrere Jahre hinweg mitzumachen.


    Wir arbeiten bspw. in Teams, das erleichtert schonmal viel.


    Es geht und es geht auch an "normalen" Schulen. Mich ärgert es immer mal wieder, wenn ich mitkriege, wie andere Schulen (leider oft Gymnasien) vehement abstreiten, dass es anders laufen kann.

  • Einer der alternativen Lehrer meiner Kinder, den meine Kinder mal als Ersatzlerher hatten, war bei den allermeisten Eltern total verhasst. Einziges Problem war, dass er superchaotisch war und damit viele verwirrte, aber die Konzepte waren klasse, aber fuer das frz. Schulsystem, dass sehr frontal ist, sehr ungewöhnlich und viele Kinder waren zB damit überfordert.

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    ~a.joy~

  • Das Problem hier ist nicht die Binnendifferenzierung. Also Sohn beklagt sich nicht, dass der Stoff zu einfach oder zu kompliziert wäre. Das Problem ist auch nicht die Klassengröße (20 Kinder) und nicht, dass die Kinder nicht andres können (weil in anderen Fächern können sie ja offensichtlich auch) sondern einfach das "wie bring ich's an's Kind." Das ist eben langweilig und wenig handlungsorientiert. Diskussionen u.ä. wie bei Corvidaes Tochter, würden den Unterricht sicherlich aufwerten, aber ich denke mal, dass in einer 5. Klasse da noch nicht viel drin ist. Tatsächlich müssen die Kinder ja erstmal die Basics wie Grammatik und Vokabeln lernen, bevor sie Diskussionen durchführen können. Aber ich denke, genau diese praktische Anwendung, der Bezug zum echten Leben, ist das, was Sohn fehlt. Also zuhause hat er sich z.B. englische Brieffreunde gesucht. Oder letztens waren wir auf einem Konzert mit italienischen Musikern, mit denen konnte er sich danach auf Englisch unterhalten.

  • Also auch Grundschulfremdsprachen kann man aufwerten - mein grosser schrieb sich Briefe mit einer anderen Schule in der 4.Klasse. Einfache Texte, aber alle schrieben und freuten sich ueber die Antworten. Oder Lieder, Filme, Rollenspiele, Spiele wurden eingesetzt. Ist englisch in der 5. wirklich nur lesen, Grammatik und Vokabeln?

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    ~a.joy~

  • Vielleicht hat er auch einfach gerade Pech mit den Hauptfachlehrern?

    Bei meinen Kindern hing die Beliebtheit der Fächer auch immer von den Lehrern ab.

    Im Moment hat meine Tochter eine sensationelle Deutschlehrerin, die von allen Kindern geliebt wird und einen sehr guten Englischlehrer.

    Beide schaffen es den Kindern viel beizubringen.

  • Vielleicht hat er auch einfach gerade Pech mit den Hauptfachlehrern?

    Bei meinen Kindern hing die Beliebtheit der Fächer auch immer von den Lehrern ab.

    Im Moment hat meine Tochter eine sensationelle Deutschlehrerin, die von allen Kindern geliebt wird und einen sehr guten Englischlehrer.

    Beide schaffen es den Kindern viel beizubringen.

    Genau. Aber wie schaffen sie das?


    Uneffektiv sind die Lehrer bei uns nicht. Also Sohn kann alles und eigentlich mag er auch die Lehrer sehr gerne. Nur ihren Unterrichtsstil findet er eben zu langweilig.

  • Ich habe gerade eine 5. Klasse.

    Nachtrag: Ich gebe Deutsch und Musik.


    Thema Brief:
    Wir haben die Briefe nicht nur fürs Heft geschrieben, wir haben sie an die ehem. Grundschullehrerinnen geschickt sowie an Kinder unserer Partnerschule in Thüringen.


    Thema Märchen: Wem da nicht einfällt, wie handlungsorientiert gearbeitet werden kann, dem ist nicht zu helfen. ;-)
    Bilder zu Märchen in die richtige Reihenfolge bringen und mit Text versehen, Märchenszenen nachspielen lassen und per Checkliste vom Plenum kontrollieren/nachzählen lassen, Schreibkonferenzen...


    Lektüre: Ein Kapitel aus Sicht einer anderen Person schreiben, beschreibende Textstellen zu einer Person unterstreichen und dann die Person zeichnen lassen, ein Kapitel als Comic zeichnen,...


    Satzglieder: Umstellprobe MACHEN. Ein Kind kriegt das Wort mit dem Subjekt in die Hand, jedes Wort wird auf ein Kind verteilt, das Plenum stellt um. Wer immer nebeneinander steht, merkt das und teilt das mit. So wird der Unterschied zw. Wort und Satzglied klar.


    Verben/Zeitformen: Der Klassiker ist eine Pantomine als Einstieg, es sind ja TUNwörter.



    Ich könnte noch viel weiterschreiben.

    Natürlich muss nicht jede Stunde ein Feuerwerk gezündet werden, aber ich versuche, jede Stunde ein Highlight zu setzen. Das muss nicht mit Aufwand verbunden sein, aber es motiviert ungemein.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Narzisse ()

  • Meine Fremdsprachenkollegin macht ganz viel in Richtung selbst Dialoge führen, Vokabel-Memory usw.

    Ich denke schon, dass es geht.


    Aber wenn die Person vorne das nicht kann oder es ihr nicht liegt oder sie aus unbekannten Gründen nicht möchte, machste halt nix...

  • Hier ging das nach meiner Erinnerung auch: Viel Referate, Arbeitsgruppen, Klassenbrieffreundschaften im Englischunterricht, selbst geschriebene Spielszenen auf Englisch (geht ja mit einfachen Themen schon in der 5. klasse). Vokabelllernspiele, die meine Kinder witzig fanden .... am besten wäre es natürlihc, wenn dein Sohn das im Unterricht einfach mal ansprechen könnte, in der Klassenratstunde oder so.

  • Hagendeel : darum geht's. Er wollte es ansprechen aber dann eben auch mit Ideen, was man denn mal machen könnte. Seine Idee wäre auch, eine gemeinsame Geschichte zu schreiben, also jeder abwechselnd eine Seite. Aber den Unterricht selber macht das wahrscheinlich auch nicht interessanter ;)


    Narzisse : da sind viele gute Ideen dabei :P