Leistungsabfall im Job durch Mutterschaft

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  • Hallo,


    Fachlich bin ich mMn auch besser geworden. Mehr Wissen, mehr Erfahrung, mehr Verständnis...


    Aber das allein macht ja "Leistung" nicht aus.

    I Ich kenne aber jetzt auch meine körperlichen und psychischen Grenzen und schütze sie besser als früher.

    Hier z.B. gibst du eben nicht die berühmten "100%" sondern an einigen Stellen vielleicht nur 90 oder 80. Und das nicht mal, weil es im Moment einfach wirklich nicht anders geht, sondern sogar als ganz bewusste Entscheidung. Deinem AG stehen aber laut einigen Aussagen immer und zu jeder Zeit und unter allen Umständen 100 zu,...


    Genau so in Sachen Flexibilität... Wenn sie von deinem AG eigentlich erwartet wird und du sie nicht leisten kannst - auch hier keine 100 Punkte... ähm Prozent...


    Wie gesagt, ich finde es menschlich und natürlich. Kaum einer hat unendliche Ressourcen. Ich bewundere wie gesagt alle, für die es nach einer Nacht mit einem kranken Kind, mit drückenden Schulsorgen im Nacken, als Alleinerziehende oder auch einfach dem Leben mit mehreren kleinen Kindern einfach nur eine Frage der Einstellung und der Prioritäten ist, ob sie in allen Bereichen 100% leisten können.


    Aber ich habe eben auch tiefes Verständnis für die, bei denen es nicht so ist und finde, daß dann "gut" durchaus gut genug ist...


    Noch ein Aspekt - gerade aufs Elternsein bezogen heißt es ganz oft, keiner muss perfekt sein. Keiner kann alles zu 100% richtig machen. Fehler machen ist OK. Achte auf dich. Gut ist gut genug... Es ist OK, mal nicht OK zu sein (und erst recht nicht perfekt)...

    DA darf man Abstriche machen...

    Im Beruf aber nicht...? Warum nicht? Weil man dafür im Gegensatz zum Eltern sein bezahlt wird? Weil man am Kinder haben "selber schuld" ist?


    Und noch weiter gedacht:


    Dann wäre es spannend, sich den ein oder anderen Lohnstreifen mal anzusehen, ob die Summe die da am Ende des Monats steht, tatsächlich so groß ist, daß sie "immer und unter allen Umständen Perfektion erwarten" rechtfertigen würde...


    Wäre es so, könnte die ein oder andere Familie mit dem Geld für weniger Arbeitsstunden leben (So der AG da mitspielt...) , wäre insgesamt weniger Doppel-belastet und die Eltern könnten DANN in den weniger Arbeitsstunden vielleicht nicht 100% aber vielleicht 90 oder 95 Perfektion liefern... Oder, wenn sie nicht reduzieren möchten, jemanden einstellen, bei dem sie das Kind auch am späten Nachmittag oder am Abend gut aufgehoben wissen... Oder...

    Fröhliche Ostern! ;)

    2 Mal editiert, zuletzt von Trin ()

  • Der Knackpunkt ist doch die Frage, was die 100% sind.

    Ich kann 100% da sein und 80% leisten oder 120%.

    Meine vorhandene Arbeit mit allen Anforderungen vollkommen zu erfüllen bräuchte ich wahrscheinlich 200% Anwesenheit. Ich habe aber TZ und mache das was zu tun ist in der Zeit, die ich zur Verfügung habe. Genau wie VZ Kollegen. Die auch nicht alles bis ins letzte Detail ausarbeiten - das geht gar nicht bei unseren Randbedingungen.

    kleiner Chinesischkurs: grosse Schwester - jie jie; kleine Schwester - mei mei

  • ich arbeite seit dem richtigen wiedereinstieg 50%, 75% aktuell 60%.


    Aber wenn ich beim arbeiten bin, dann 100%tig.



    Da ich das auf Dauer mit 75% reinem Nachtdienst nicht leisten konnte, bin ich wieder runter gegangen.

    Mein Arbeitgeber hat das bedauert. Ich nicht;)

    Bedauern kann er. Es gibt trotzdem das recht auf teilzeit.

    Wobei bei uns nicht mal mein mann für seine 80% jemals schief angeschaut wurde.


    Überstunden kommen eh dazu. Das was man nach SchichtEnde länger bleibt und die nicht gemachte pause sowieso, aber die großen posten sind doch die eingesprungenen Dienste.



    Ich sehe das auch aus der Perspektive der Menschen, die ich betreue. Wie janos sagt.

    Denen kann ich auf Dauer mit 60% teilzeit pro Dienst alles geben.

    Mit mehr wird es schwierig. Ich war auch viel öfter krank, hab mich halblebig zur Arbeit geschleppt....ein Teufelskreis.


    Das geht aber Kolleginnen ohne Kinder nicht anders. Das liegt an der Arbeitsbelastung.

  • Hallo,


    Der Knackpunkt ist doch die Frage, was die 100% sind.

    Ich kann 100% da sein und 80% leisten oder 120%.


    Mal ein Beispiel: 100% wäre, eine bestimmte Statistik am Tag ... eines jeden Monats abzuheften. Richtig berechnet natürlich.


    Aber nun gab es Zeiten, in denen ich die Statistig nicht mal am Tag drauf sondern vielleicht erst 4 Tage später fertig. Oder ich hatte in der REchnung einen schusselfehler.

    Also nicht die 100% dessen, was erwartet wurde.


    Die Gründe waren verschieden. In der Zeit mit kleinen Kindern dauerten solche "Schreibkram" Sachen bei mir länger, weil der Kopf voller war und der Schlafmangel das seine tat. und ich musste mich vielleicht entscheiden, ob ich Statsistik schreibe ODER etwas für die "eigentliche" Arbeit vorbereitete. Oder ich bin schlicht drüber eingeschlafen und musste dann entscheiden, ob ich sie hundemüde weitermache - oder doch ins Bett gehe und eine Stunde mehr Schlaf habe.

    Oder ich habe einen Fehler nicht bemerkt...


    Dann kam das Ding eben 3 oder 5 Tage später in den Ordner. Oder ich musste noch mal drüberrechnen.

    Oder eine Ausarbeitung hatte nicht die erwünschten 3 Seiten, sondern nur 1 1/2. Weil die eh für mich selber war und mir die 1 1/2 Seiten reichten (mit 1/2 Seite gereicht hätte... ), unabhängig von dem, was "von oben" als die erwarteten 100% angesehen wurde.


    Es wird erwartet, daß wir im Rahmen unserer Arbeit diverse Projekte gestalten/übernehmen. Mache ich super gerne und inzwischen (wieder) mit vollem Herzen und vermutlich mehr als für 100% nötig wäre.

    Damals mit 4 Kindern im Kiga- und Grundschulalter war ich froh, wenn ich den normalen Arbeitsalltag gut schaffte und habe mich sicher nicht freiwillig gemeldet, wenn mal wieder so was anstand. Ich habe unterstützt, begleiten, mich eingebracht, so daß niemand etwas FÜR mich tun musste, aber habe mir, wenn es sich vermeiden ließ, nicht den organisatorischen Hut dafür aufgesetzt. Unter anderem, weil ich wusste, daß ich es eben nicht schaffen würde, neben allem anderen auch noch da an alles zu denken und es dann blöd ist, wenn andere von mir abhängen.


    War halt so.


    Es waren definitiv keine 100% der erwarteten Leistung, die ich da erbracht habe. Aber aus meiner Sicht war das keine reine "Einstellungsfrage". Und ja, vielleicht war es eine Frage der Prioritäten (Schlaf vor Statistik, Zuarbeit für das, was direkt Menschen betrifft vor Statistik..) aber ich würde heute wieder so entscheiden. Und dazu stehen, daß es dann eben mal keine 100% sind - und für jedes Elternteil Verständnis haben, dem es ähnlich geht.

  • Trin: Mir hat mal eine Arbeitgeberin gesagt - erwartet werden 80%. Weil klar ist, dass kein Mensch immer 100% leisten kann. Und der Aufwand, die 100% zu erreichen, unverhältnismäßig ist.


    Ich habe bei dir den Eindruck, dass du dich da von irgendwelchen Vorstellungen ungemein unter Druck setzen lässt, die so vielleicht gar nicht existieren. Hab doch ein bisschen mehr Selbstvertrauen in dein Können und deine Fähigkeiten! (Ist ja bei den Anforderungen an Erzieherinnen ähnlich - nur weil manchmal etwas gefordert wird, muss man noch lange nicht hüpfen. Wenn es eine konkrete Dienstanweisung ist - klar, dann schon (wobei man da ja auch Möglichkeiten über den Betriebsrat hat). Aber ansonsten. Würde ich alle Vorstellungen, die etwa hier im Forum an Lehrer gestellt werden, versuchen (!) zu erfüllen - ich würde vor die Hunde gehen. Allein schon, weil sie zum Teil auf diametral entgegengesetzten Vorstellungen fußen.)

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Hallo,

    Trin: Mir hat mal eine Arbeitgeberin gesagt - erwartet werden 80%. Weil klar ist, dass kein Mensch immer 100% leisten kann. Und der Aufwand, die 100% zu erreichen, unverhältnismäßig ist.


    Na ja, es war ja hier im Strang, wo die Erwartung geäußert wurde, daß der AG immer und unter allen Umständen 100% erwarten darf. (Und daß das mit der richtigen Einstellung und Prioritätenverteilung auch möglich ist.)


    Ich versuch mal ein Beispiel (damals war ich noch im Kindergarten tätig):

    Ich organisiere mit Kolleginnen eine Waldwoche. Wenn ich das ganze organisatorische mit den Eltern kläre, mit den Kindern in den Wald gehe, sie dort entdecken lasse, hier und da Anregungen gebe und Vorschläge mache, sie beim Forschen unterstütze (Bestimmungsbücher, Material bereit stellen...) darauf achte, daß die Schüchtern sich was trauen, die Lebhaften sich austun können, ohne sich in ernste Gefahr zu bringen, daß keiner sich verletzt oder einen Sonnebrand bekommt, alle wieder heil heimbringe ...

    ... dann sind das vielleicht 50% des Erwarteten.


    Um sich den 100% zu nähern, kämen noch Sachen dazu wie

    • Nicht einfach in den Wald gehen, sondern ein konkretes, nach SMART abrechenbares Projekt draus machen., mit allem, was an Planung und Dokumentation usw. dran hängt.
    • ausführliche schriftliche Planung der einzelnen Lernangegebote, aufgeschlüsselt nach Bildungszielen und-Bereichen, Methodenkatalog, schriftlicher Reflexion ... alles ebenfalls formuliert nach "SMART" (auch wenn das 5x länger dauert als das Angebot selbst und mir persönlich 3 Stichpunkte reichen würden
    • verschriftliche Beobachtung möglichst vieler Kinder + ausführliche Auswertung nach vorgebenem Raster (umfasst mehrere Seiten)
    • Angebotsplanung nicht einfach nach dem, was ich gerade sehe, denke und fühle, sondern begründet aus den verschriftlichten Beobachtungen und Auswertungen + dem Bildungsplan
    • Gestaltung von Bildungsdokumentationen mit Bild und Lerngeschichte für die Portfolio für möglichst viele Kinder.
    • Gestaltung "sprechender Wände" für die Eltern, in denen Bildungsprozesse deutlich gemacht werden
    • und so weiter.


    Bei den ersten 50% versuche ich natürlich 100% zu geben.


    Aber wenn ich bei den anderen Sachen da hier und da etwas weggelassen oder verkürzt habe, z.B. weil mir zu der Zeit das Formulieren einfach schwerer fiel und mehr Zeit brauchte, wenn die Angebotsplanung (die sich dann in der Regel eh keiner wirklich anschaut) wegfiel, weil ich zeitlich und kraftmäßig nciht Planung UND praktische Vorbereitung geschafft habe, wenn es dann eben keine echte "Lerngeschichte" sondern nur ein paar Zeilen zum Bild geschrieben habe, wenn die Auswertung der Beobachtungen deutlich kürzer ausfiel, an der Pinnwand ein paar Fotos mit netten Bildunterschriften hingen, aber keine wirkliche "Dokumentation von Bildungsprozessen"...


    Dann kam ich vielleicht auf 70% dessen was eigentlich erwartet gewesen wäre.

    Und konnte sehr gut damit leben, ganz ohne schlechtes Gewissen meinem AG gegenüber, weil ich ihm eben nicht 100% (oder auch nur 80%) geliefert habe. Und auch mit dern besten Einstellung der Welt hätte ich nicht mehr leisten könne, ohne an der Familie NOCH größere Abstriche zu machen - oder selbst vor die Hunde zu gehen. Na genug dran, waren wir wir beide öfter mal.

    Fröhliche Ostern! ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Trin ()

  • Liebe Trin, ich kann nachvollziehen wie du das siehst, aber ich sehe den Widerspruch zu meinem Text nicht und sehe das mit den "100 Prozent" vielleicht auch einfach anders.

    Ist ja auch okay so - es tut mir nur sehr leid, dass du für dich da anscheinend eher negative Erfahrungen gemacht hast.


    Für mich ist es einfach so, dass ich das Gefühl habe, jetzt leistungsfähiger als vor dem Kind zu sein. Aber das gilt eben für meine Situation und ich würde es mir ehrlich nicht zutrauen, mit zwei Kleinkinder oder mehr als zwei Kindern überhaupt noch zu arbeiten. Da wäre ich definitiv an der Grenze meiner Leistungsfähigkeit. Allerdings hab ich ja auch nur ein Kind und weiß - Job hin oder her - noch nicht, ob ich mir jemals noch ein zweites Kind zutrauen würde.


    Ich erlebe in meinem Umfeld durchaus Kritik daran, dass ich arbeite, aber klar auch mal Unverständnis, wenn ich irgendwas wegen dem Kind absage. Beruflich, aber auch privat. Aber das ist halt so - Leute reden und urteilen ständig über andere und das ist doof und anstrengend und ich finde, man kann eigentlich nur versuchen, für dich selbst die beste Lösung zu finden und bei Kritik auch mal auf Durchzug zu schalten. Ich werde es nie allen recht machen können, egal ob im Beruf oder im Rest des Lebens. Das ist okay so.

    Aber ich selbst bin eben wirklich überzeugt, dass ich in meinem Job als Mutter besser bin als vorher. Nicht perfekt, aber das ist auch gar nicht mein Anspruch. Und ich hatte auch das Glück, noch nie einen Arbeitgeber zu haben, der sich an fiktive und unerreichbare 100 Prozent klammert.


    Ich konzentriere mich durchaus bewusst auf das Positive, das ist mir klar. Aber das ist für mich persönlich besser für mein Selbstbild und mein Wohlbefinden.

  • Arbeitsrechtlich muss ein Arbeitnehmer „ausreichende“ Leistungen erbringen, um nicht abgemahnt zu werden. Schulnote 4.

    Das ist das, was ein Arbeitgeber für ein Tarifgehalt erwarten darf.


    Natürlich macht es nicht glücklich, auf dem Niveau zu arbeiten. Diejenigen, die hier von Spaß am und im Job berichten, werden eher im Schulnotenbereich 1-2 arbeiten und gefälligst auch anständig übertariflich entlohnt. Das sind dann die, die sich der 100%- Marke nähern. Nicht unbedingt zeitlich betrachtet (=Vollzeit oder mehr), sondern auf die Qualität der in der vereinbarten Zeit abgelieferten Leistung bezogen.


    Trin was Du beschreibst, klingt so, als sei es nicht vernünftig leistbar in der vorhandenen Zeit. Das wäre für mich ein Grund, eine Überlastungsanzeige zu stellen oder Arbeiten auszulagern. Bei uns: Arbeiten außerhalb der Öffnungszeiten, Stunden als Überstunden aufschreiben und im Rahmen des Jahresarbeitszeitkontos wieder abfeiern: die Vollzeitkraft wird für 40h/Woche bezahlt, hat aber im Dienstplan regulär nur 38h/Woche. Also zwei Minusstunden in der Woche, die für Dienstbesprechungen, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sowie für o.g. Überstunden verbraucht werden.

    So hat man natürlich auch mal heftige Stoßzeiten, aber insgesamt im Schnitt nicht mehr als die im Vertrag vereinbarte Zeit gearbeitet.


    Doof ist es natürlich, wenn man Betonarbeitgeber hat, die auf Vollzeit plus bestehen und die Arbeitnehmer verheizen. Aber die Zeiten sollten langsam echt vorbei sein.

  • Nachtrag: Liebe Trin, wir haben gleichzeitig geschrieben und nach deiner genauen Auflistung verstehe ich besser, was du mit 100 Prozent meinst und warum du das für unerreichbar hältst. Ich gebe dir völlig Recht und sage: Das ist für JEDEN unerreichbar. Wer macht das denn in der Praxis wirklich regelmäßig in dieser Form?

    Aufgrund der Ähnlichkeiten zwischen unseren Berufen kann ich die Vorgaben gut nachvollziehen, aber wo sich unsere Sichtweisen unterscheiden, ist dann in der Interpretation. Für mich ist das einfach ein Idealbild und in der Form kann man das doch gar nicht schaffen, egal ob jetzt mit 30 oder 40 Stunden. Ich zumindest nicht.


    So gesehen gebe ich dir recht, dass diese 100 Prozent nicht erreichbar sind. Aber in der Praxis komzentriert man sich ja doch meist mehr darauf, was wirklich ansteht und nicht auf ein unerreichbares Idealbild.


    Ich übertrage das zum Spaß mal aufs Muttersein.Wenn ich diesen Perfektionismus da auch anlegen würde, wäre ich längst verzweifelt, weil ich meine Tochter aufgrund meines Wunsches wieder zu arbeiten zum Beispiel um die Chance gebracht habe, ein windelfreies Baby zu sein. Oder weil ich ihr noch nie selbst etwas genäht habe. Oder weil sie regelmäßig aus Zeitgründen ein Quetschie bekommt, obwohl ich mich für jeden Kauf aufgrund des Mülls schäme. Oder weil ich es hasse, länger als zehn Minuten pro Tag Kaufladen zu spielen oder Kuscheltiere zu wickeln/füttern.

    Meine ideale Mutter-Version von mir in meinem Kopf begeht keine dieser Verfehlungen, aber ist eben auch nur das: ein Idealbild. Und obwohl ich davon weit entfernt bin, würde ich eben trotzdem sagen, dass ich als Mutter 100 Prozent gebe, weil meine Bemühungen nämlich (meistens zumindest) 100 Prozent ergeben, auch wenn ich kein perfekt funktionierender Roboter bin. Weder als Mutter noch im Beruf.

    Und natürlich finden das immer mal Leute blöd oder denken, dass ich meine Prioritäten falsch setze. Aber warum sollte ich mich mit ihrer Meinung belasten, wenn ich von dem, was ich tue, doch überzeugt bin?

  • Wir reden da von sehr unterschiedlichen 100%, denke ich. Wenn 100% in manchen Köpfen völlig unschaffbare Arbeitspensen sind (oder nur schaffbar, wenn die Person übermenschliches leisten kann), dann ist da was ganz anderes im Argen als nur Elternschafts-Leistungsabfall.

    Meine Arbeitgeber erwarten von mir, dass ich die mir anvertrauten Aufgaben möglichst sorgfältig und speditiv erledige - sie erwarten aber nicht, dass ich ständig für 2 Personen schufte... und zu meinem Job - den man auch mit "ständig unter" bezeichnen könnte: ständig unterfinanziert, unterbesetzt und unter massivem Zeitdruck ;) - gehört auch, dass ich hinstehe und sage: xy geht nicht, wenn YZ gehen soll. Priorisierung ist mein zweiter Vorname.

    Aber für mich ist das 100%- ich tue, was ich kann (mit allen "Mist, heute ging mal gar nix vorwärts" oder "Mei, dann halt alles nochmal von vorne" die da so anfallen) - und in dem Sinn gab ich vor den Kindern meinen Arbeitgeberinnen nicht mehr als heute. Manches vielleicht anders, aber einen echten Leistungsabfall im Sinne: kann den Arbeitsanfall nicht mehr bewältigen? Nein, das hatte ich tatsächlich nicht.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • @ claraluna, weil du nach Literatur gefragt hast und natürlich für alle anderen, die es interessiert:

    Wirklich empfehlen kann ich Top Girls. Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes von Angela McRobbie (2010). Gute Analyse, leicht lesbar .

    Für Leute, die gerne Romane (social fiction) lesen: Piercy, Marge (1996) : Frau am Abgrund der Zeit. Richtig gutes Buch mit spannenden Perspektiven auf Elternschaft. Habs zweimal gelesen#love

    Eher theoretisch, aber sehr interessant:
    Lettow, Susanne (2015): Biokapitalismus und Inwertsetzung der Körper. Perspektiven der Kritik. In: Prokla. Heft 178 S.33-49.
    Und hier noch ein Weblink zu einem guten, aber etwas sperrigen Text zu Care Dynamiken mit ganz vielen weiteren Literaturtipps am Ende:

    http://www.denknetz.ch/wp-cont…trag_in_Jahrbuch_2013.pdf


    Mir fällt grad auf, dass explizit zu Mutter*schaft gar nicht so viel dabei ist. Bin also selbst auch für weitere Tipps dankbar;)

  • Hallo,

    Trin was Du beschreibst, klingt so, als sei es nicht vernünftig leistbar in der vorhandenen Zeit. Das wäre für mich ein Grund, eine Überlastungsanzeige zu stellen oder Arbeiten auszulagern.


    Es sind halt die 100%, die der AG fordert und die ihm damit offenbar auch unter allen Umständen eben "zustehen". Auslagern geht schlecht, wegen dem Datenschutz (und wie soll jemand etwas planen oder auswerten, der gar nicht da war? Und die Kosten würden an mir hängen bleiben. ... Überlastungsanzeige würde nichts bringen, aber dazu ist es mir hier dann doch zu öffentlich.

    Und ja, es ist normalerweise schon irgendwie machbar. Sehr, sehr anstrengend, aber irgendwie machbar. Ist halt mein Job...


    Zumindest bin ich jetzt. wo die Kinder größer sind, deutlich näher dran. Daß ich es damals nicht war, lag mMn aber eben nicht an falsch gesetzten Prioritäten oder fehlendem Willen, oder falscher Einstellung zum Job sondern daran, daß es für mich(!) tatsächlich zu der Zeit eben nicht machbar war. Weil "kleine Kinder habe" nun mal auch Kraft gebraucht hat, die eben nicht nur mit richtiger Einstellung und dem Willen alle zu geben, auszugleichen war.


    Wie schon geschrieben, im Ausgangsposting geht es um Dinge wie "Schusselfehler", nicht darum, daß jemand gar nichts mehr schafft. Antworten in Richtung "Dem AG stehen aber nun mal 100% Leistung zu, schließlich bezahlt er dafür (tut er das in jedem Fall?)", "Vertrag ist Vertrag, da braucht der AG kein Verständnis haben", "Alles eine Frage der richtigen Einstellung" usw. finde ICH an der Stelle unpassend und zugegbenermaßen auch erschreckend.


    Daß man das verschieden sehen kann, ist inzwischen denke ich ausreichend klar.

  • Schade, dass du offensichtlich Uns "anderen" nicht richtig liest.


    Nach einigem nachdenken meine ich dass das Gegeneinander nicht verstehen an unserer komplett unterschiedlichen sozialisation liegt.

    Anders kann ich mir das nicht erKlären.


    Weil eigentlich haben wir beide das gleiche Ziel....Zeit für familie

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Hallo,


    Nach einigem nachdenken meine ich dass das Gegeneinander nicht verstehen an unserer komplett unterschiedlichen sozialisation liegt.

    Anders kann ich mir das nicht erKlären.


    Weil eigentlich haben wir beide das gleiche Ziel....Zeit für familie


    Ja vielleichthaben wir ähnliche Ziele.


    Ich glaube aber nun mal eben nicht, daß sich das Ziel dadurch erreichen lässt, daß man jungen Eltern, die wie im Ausgangspost geschrieben, in der ersten Zeit des Wiedereinstiegs mit kleinen Kindern ein paar Schusselfehler machen und sich auch mal überlastet fühlen, Sachen sagt wie:


    Zitat

    ich als Arbeitgeber bezahle für eine bestimmte Leistung. Und nein, dann will ich nicht hören, och.. ich bin jetzt aber mal... oder ich hab zu viel... oder was weiß ich.

    Dann haben wir einen Vertrag geschlossen. Und dann möchte ich auch bitte, dass der erfüllt wird.

    Zitat

    Ein Vertrag ist ein Vertrag - und da hat weder Rücksicht, Nachsicht noch sonst was zu suchen.

    Usw.


    Das mag rein arbeitsrechtlich so gerechtfertigt sein, ich finde es menschlich nun mal besser statt dessen zu sagen:

    "Ich finde es völlig normal, daß Menschen - oder zumindest manche Menschen, für einige scheint es ja kein Problem zu sein - mit kleinen Kindern im Haus phasenweise beruflich nicht das leisten können (oder auch wollen, wenn es zu Lasten der Familie gehen würde), was sie ohne Kinder vielleicht leisten könnten. Das ist OK, vor allem, wenn es sich nur um solche Kleinigkeiten handelt und das wird vermutlich schon wieder, wenn man sich wieder etwas eingewöhnt hat und vor allem die Kinder größer werden. Bis dahin ist "gut" gut genug. ".

  • Aber "schusselfehler machen" ist doch was völlig anderes als als seine Beschreibung: du schreibst, bei deinem Ausflug alle heil nach Hause gebracht zu haben und auch noch nette Dinge mit ihnen gemacht zu haben, aber eben nicht dieses und jenes i-Tüpfelchen dazu. Da ist doch kein Fehler unterlaufen?


    Und ich kann mir heim besten Willen nicht vorstellen, dass dein Arbeitgeber bei jeder Aktion, bei jedem Ausflug eine umfangreiche Dokumentation der Planung, der pädagogischen Ziele, des Ausflugs selbst mit Fotowand und Portfolio von jedem Kind erwartet.


    Das machen die ErzieherInnen in ihrer Ausbildung ab und an in dieser Form, um zu dokumentieren, dass sie wissen, was sie tun.

  • Trin ich glaube wirklich, wir sehen alle das gleiche Problem, aber haben verschiedene Lösungswege im Kopf.


    Hier würde niemand von einer Mutter kleiner Kinder verlangen, dass sie 30 oder 40 Stunden pro Woche arbeitet (wünschen tun sich die Arbeitgeber das vielleicht, aber durchsetzen gegen den Willen der Arbeitnehmerin könnten sie es nur in Ausnahmefällen). Also ist die (westdeutsche?) Lösung: weniger Stunden/Tage arbeiten (oder ganz zu Hause zu bleiben). Dann bleibt mehr Zeit um zum Laternebasteln, Vorspiel etc. zu gehen und sich um seine eigene Familie und das Ehrenamt zu kümmern.

    Und in der Zeit, in der ich arbeite, arbeite ich dann halt. Wobei bei mir nicht so übermenschliches verlangt wird wie bei dir. Schaffen deine Kolleginnen das denn? Für mich klingt das nach 120% … und die kann keiner auf Dauer leisten, Kinder hin oder her.

  • Ich kann hier gar nicht so mitreden, habe erst nach dem 4. Kind eine Ausbildung gemacht und bin erst seit 2 Jahren berufstätig. Ich merke aber das ich sehr stressresistent bin, das mag aber auch nicht nur an den Kindern liegen, das weiß ich ja nicht da mir der Vergleich fehlt. Aber, ich habe bestimmt fast 1 Jahr gebraucht um mich an Kinder und Berufstätigkeit zu gewöhnen. Ich war anfangs totale alle nach Feierabend, das ist jetzt nicht mehr so. Von einer guten Freundin kenne ich es auch, sie hat auch lange gebraucht um sich an die Doppelbelastung zu gewöhnen.

    Und, was mich stört, auf der Arbeit bin ich immer noch Ansprechpartner für meine Kinder, sie schreiben mir, ich erinnere an Termine usw. Das lenkt ab und stört die Konzentration.

  • ch glaube aber nun mal eben nicht, daß sich das Ziel dadurch erreichen lässt, daß man jungen Eltern, die wie im Ausgangspost geschrieben, in der ersten Zeit des Wiedereinstiegs mit kleinen Kindern ein paar Schusselfehler machen und sich auch mal überlastet fühlen, Sachen sagt wie:

    ich finde es schade, dass Du hier wiederholt Dinge schreibst und in den Raum stellst, die so niemand gesagt hat.


    und ja ich weiß ich wiederhole mich jetzt auch. Du liest uns nicht richtig. Bitte lies doch mal was alle hier schreiben.


    Und ich sags jetzt mal knallhart: ich persönlich würde kein Kind vor 1,5 Jahren in eine Krippe geben, so wie die meisten derzeit ausschauen. Ich finde die Art und Weise wie in der DDR und wohl auch heute Kinderbetreuung stattfindet kein bisschen nachahmenswert. Insofern sage ich ELTERN von kleinen Kindern....kümmert euch um eure Kinder... arbeiten könnt ihr lange genug. Insofern hätten sich dann auch Deine Schusselfehler erledigt.


    Wurde hier ja aber auch schon geschrieben, wenn ich als Konsument eine Dienstleistung in Anspruch nehme, habe ich wahrlich keinen Bock auf Schusselfehler des Leistungserbringenden.

    Oh.. Herr Doktor... da haben eine Nadel in meinem Bauch vergessen... macht nix... ihr Kind ist gerade geboren. Hab da volles Verständnis...sonst ist die OP ja gut verlaufen.... ironieoff....

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Hallo,


    ich finde es schade, dass Du hier wiederholt Dinge schreibst und in den Raum stellst, die so niemand gesagt hat.


    Die beiden Zitate oben sind von dir. ;)

    (Fall ich beim kopieren doch was durcheinandergebracht habe, sind sie zumindest direkt aus diesem Strang hier und nicht von mir erfunden.)


    Zitat

    Wurde hier ja aber auch schon geschrieben, wenn ich als Konsument eine Dienstleistung in Anspruch nehme, habe ich wahrlich keinen Bock auf Schusselfehler des Leistungserbringenden.

    Oh.. Herr Doktor... da haben eine Nadel in meinem Bauch vergessen... macht nix... ihr Kind ist gerade geboren. Hab da volles Verständnis...sonst ist die OP ja gut verlaufen.... ironieoff....


    Auf dieser Basis brauchen wir gar nicht weiterreden. Glaubst du tatsächlich, Calypso1981 spricht von Fehlern, die andere Menschen in Lebensgefahr bringen, wenn sie von "Schusselfehlern" schreibt? Oder glaubst du tatsächlich, daß ICH das darunter verstehe? Danke auch... #rolleyes


    Was erwartest du als Antwort? Soll ich mit ähnlichem Zynismus antworten und schreiben "Egal ob die Familien zerbrechen oder Menschen irgendwann umfallen, Hauptsache der AG hatte jederzeit seine 100% ... Ironioff" ?

    Bringt so eine Diskussion jemandem etwas? Mir nicht.


    @Dorthea


    Doch es ist machbar, wenn man tatsächlich die 100% gibt bzw. geben kann (und die Prioritäten entsprechend setzt, wobei meine gelegentlich anders, eher im praktischen Teil liegen und ich dann den schriftlichen Teil tatsächlich später nacharbeiten muss, aber das ist ja meine Entscheidung) . Und wenn doch mal jemand sagt, es geht nicht, wird ihm vorgerechnet, daß es sehr wohl geht.

    Nur kann eben nicht jeder zu jederzeit diese 100% leisten und ich kann´s verstehen.


    Stunden runter möglichst vielleicht sogar beide Elternteile - dazu müsste man erst mal so viel verdienen, daß man von dem Geld trotzdem einigermaßen vernünftig leben könnte.