Kinderklinik, ich hab Angst

  • Ich hatte selbst als Kind Affektkrämpfe. Mal hab ich vorher geweint, mal einfach vor Schmerz die Luft angehalten. Ich kann mich erinnern, dass ich in allen möglichen Situationen wieder aufgewacht bin. Einmal hat mir meine Mutter Wasser über den Kopf geschüttet, einmal wurde ich unter den Wasserhahn gehalten, einmal hat mein Opa mich mehrfach leicht hochgeworfen und aufgefangen. Dabei bin ich aufgewacht und wollte, dass er weitermacht. Ich hatte das mehrere Jahre bis ca. zur Einschulung. Damals wurde mir irgendwie klar, dass meine Mutter echt Angst hat, dass mir das in der Schule passiert und sie hat mir immer gesagt, ich soll atmen und nicht die Luft anhalten. Das hab ich mir anscheinend zu Herzen genommen. Jedenfalls hab ich ab da nicht mehr so unkontrolliert geschrieen oder die Luft angehalten.


    Bei mir war damals wohl angeblich auch irgendwas auffällig. Ich musste dann einige Jahre lang regelmäßig zu jährlichen Kontrolluntersuchungen. Was das gewesen sein soll, das weiß jetzt kein Mensch mehr. Jedenfalls bin ich kerngesund. Ein EEG wurde damals auch gemacht. Da hab ich geschrieen wie am Spieß. Ich hatte völlige Panik vor dieser Untersuchung.

    Es ist unbedingt wichtig für kleine Kinder, ein geordnetes Leben zu haben.

    Besonders wenn sie es selbst ordnen dürfen.


    - Pippi Langstrumpf -

  • Hey Trin

    War vielleicht komisch ausgedrückt. Ich zweifle gar nicht daran, dass alles genau so gelaufen wäre.


    Aber ich würde das im Kopf ganz klar als Kausalität ansehenund danach wohl in jeder Mutter - Kind - Runde erzählen, dass es eventuell von der Impfung kam (zumal ja kein Auslöser diagnostiziert wurde).


    Danke für die ganzen Geschichten zu den Affektkrämpfen. Spannend und gleichzeitig schauerlich zu hören. Ich hoffe es bleibt bei dem einen Mal. Wenn nicht bin ich dank euch aber viel besser gewappnet. #blume

  • Sollte er nochmal sich weh tun und danach nicht sofort losweinen schau ihm ins Gesicht. Wirkt er versteinert, sofort ins Gesicht pusten oder Wange tätscheln/leicht Wange kneifen. Notfalls nochmal etwas kräftiger wiederholen. Dann macht das Kind nen tiefen Atemzug und fängt dann meistens erstmal richtig lang und heftig das Weinen an.


    Manche Kinder haben das nur einmalig beim ersten plötzlichen richtig großen Schmerz, manche jahrelang bei jedem stärkeren Schreck oder plötzlichem Schmerz, bei Anderen (meiner Erfahrung nach bei den Meisten) ist es Gradmesser des Schmerzes.


    Für mich ist es inzwischen: Dramatisch aussehende Verletzung - Kibd schreit sofort - tut offenbar nur mittel weh trotzdem. Nichts zu sehen aber Kind hält die Luft an - offenbar trotzdem heftige Schmerzen (schmerzhafte Stelle erwischt? - das ist es meistens - Doch mehr passiert? Noch alle Knochen heil?)


    Wichtig ist nur, dem Kind nicht merken zu lassen dass man Angst hat. "Atmen!" zu rufen wie oben jemand erzählte ist nicht so optimal. Besser wirklich einfach anpusten oder kneifen.

    Gibt nämlich immer wieder Kinder, die das dann als Druckmittel verwenden wenn sie in die "Autonomiephase" kommen. Ich hab schon Vierjährige erlebt bei denen das total eingefahren war. Ich krieg keine Schokolade? Na gut, halt ich die Luft an bis Mama mir panisch docj eine bringt. Manche sagens nur, andere tuns mit oder ohne Ankündigung (Erkennt man aber am Gesicvtsausdruck, diese Kinder wirken nicht versteinert sondern bewegen die Augen und beobachten sehr genau die Reaktion der Umgebung. )


    Deshalb zwar behandeln (anpusten...), aber nicht in den Vordergrund stellen sondern ganz normal wegen dem Schmerz trösten.


    Also - die Kinder würden beim Affektkrampf zwar sobald die Bewusstlosigkeit anfängt von selbst wieder atmen, von daher könnte man einfach ruhig daneben stehen.

    Aber das krieg ich selbst trotz etlicher Kibder die ich damit erlebt hab (in der Klinik, Tageskinder, eigener Sohn) und trotz meinem Wissen als Krankenschwester immer noch nicht hin. Das Atemreiz-Setzen ist für die Nerven der Mutter/Betreuungsperson einfach deutlich schonender.

    Lass Dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit Gutem.

  • Meine Jüngste hatte das bisher dreimal, sie ist 22 Monate alt.

    Das erste Mal war es vor ca. 3 Monaten, da hatte sie sich sehr darüber aufgeregt, daß sie gerade nicht zu mir konnte (habe gekocht), und ist dem Papa "weggeblieben" = nicht geatmet, grau geworrden, Augen nach oben gerollt, umgekippt. Er hat sie vor Schreck geschnappt und ist mit ihr zu mir gerannt, da war sie schon wieder da und hat geschiren.

    Ich habe es dann selber vor kurzem noch zweimal erlebt, jeweils aus Schreien wegen Schmerz/Frust (wobei ich den Anlass jeweils nicht so dramatisch fand) heraus. Sie hält dann quasi im Schreien inne, bzw. wirkt als würde sie losschreien, tut es aber nicht, danach kommt Grauwerden und Augen wegrollen - aber das sind immer nur wenige Sekunden, sie wird auch nicht ohnmächtig, bei und hilft das kräftige Anpusten sehr gut, da kommt siw wieder zu sich. Ich sprech sie meistens noch sehr deutlich an dazu.

    Aber gruselig ist das in dem Moment, mir rutscht auch immer kurz das Herz in die Hose, auch wenn man sich ein wenig dran gewöhnt.

  • Beim Zwerg haben wir im Fall von Luftanhalten im Affekt folgenden Ablauf etabliert:

    • Nicht schütteln !!! (das ist irgendwie immer der erste Reflex ... Ich finde es wichtig, sich diesen Punkt ganz fest einzuprägen)
    • Anpusten
    • Seitlich am oberen Bauch drücken (mit Glück löst das einen Atemreflex aus)
    • Fest in die Innenseite am Unterarm kneifen (starker Schmerzreiz, der trotz Wegschreien im Gehirn noch ankommt und den Ablauf - einatmen, losbrüllen - auslöst.). Ein blauer Fleck am Unterarm ist uns allemal lieber, als ein Affektkrampf (beim Zwerg blauer Affektkrampf, der wie ein generalisierter Epileptischer Anfall aussieht).

    Im Endeffekt brüllt der Zwerg dann richtig heftig, aber atmet dabei kräftig.

    Die Tagesmutter hat das einmal erlebt und war mächtig erschrocken. Zum Glück hatte sie den Mut das Kind feste zu kneifen, bevor das im richtigen Affektkrampf endete - danach war Sie aber verständlicherweise völlig fertig.



    Zum Rettungswagen rufen wollte ich noch was schreiben.

    Wenn ein Kind nicht atmet ist das IMMER ein akuter Notfall. Jeder Arzt wird dir raten den Rettungswagen zu rufen - schon alleine aus Haftungsgründen.

    Du dürftest also wirklich jede Mal die 112 anrufen. Aber natürlich kannst du selber abwägen ob und zu welchem Zeitpunkt du das tust.


    Ich drück die Daumen, dass das eine einmalige Sache war und nie wieder vorkommt.

  • Mensch, CarodieNudel , das lese ich jetzt erst - bei Euch ist ja was los! So ein Schreck! Gut, dass es dem Zwerg wieder gut geht! Ich drücke die Daumen, dass die Hausschwammgeschichte, die ich gerade las, auch nicht so schlimm wird, wie es vielleicht aussieht...

  • Mensch, CarodieNudel , ich hab das auch gerade erst gesehen. Ist jetzt alles okay bei euch?

    Ring the bells that still can ring
    Forget your perfect offering
    There is a crack in everything
    That's how the light gets in.
    -Leonard Cohen-