Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod .... Und er Dativ tötet auch dem Akkusativ?

  • In Sohnis Kindergarten scheint seit einigen Monaten auch ein neues Sprachgesetz zu gelten: "Nee, nicht in Spiel - das ist NACH ECHT so!"

    NACH echt? Also, IN echt ja - aber NACH echt???

    Ich dachte die ganze Zeit Sohni hätte da halt nen Sprachfehler drin, aber heut hab ich das vom Freund auch gehört. #hammer

    Lass Dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit Gutem.

  • Genauso wie "Die Tasse ist Lena" What???.

    "Die ist Lena, die daneben ist frei"

    "Die ist der Lena"

    Da rollen sich mir die Fußnägel hoch, das klingt für mich so völlig falsch, dass es echt in den Ohren weh tut.

    Und das mit der verzauberten Lena wäre auch meine Assoziation zu den ersten beiden Sätzen.


    Wir sagen einfach:

    Das ist Lenas (Kurzform); Das ist Lenas Tasse (Langform)

    oder

    Die gehört Lena (Kurzform); Die Tasse gehört Lena (Langform)


    Alles andere... #haare.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich konnts auch immer kaum ertragen. Hab diese Sprechweise inzwischen aber auch von Anderen gehört (wenn auch zum Glück sehr selten).


    Ab und zu hört man hier auch "Das ist Lenas",

    üblich ist aber eigentlich "Das ist der Lena ihre " oder eben "Die gehört der Lena"

    Lass Dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit Gutem.

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  • „Das ist der Lena ihre.“ ist Dialekt. In dem Fall meiner.


    „Die ist Lena“ auch. Halt ein anderer.


    Wieso muss man denn den Dialekt anderer Leute furchtbar finden oder sich die Haare raufen?

  • Wieso muss man denn den Dialekt anderer Leute furchtbar finden oder sich die Haare raufen?

    Weil wir hier in unserer Region eigentlich gar keinen Dialekt haben bzw. Hochdeutsch sprechen und auch weil es sich eben für mich schief und falsch anhört.


    Vielleicht klingt es für Dich furchtbar, wenn wir zu Namen keinen Artikel verwenden oder "Das ist Lenas Tasse" sagen?


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • „Das ist der Lena ihre.“ ist Dialekt. In dem Fall meiner.


    „Die ist Lena“ auch. Halt ein anderer.


    Wieso muss man denn den Dialekt anderer Leute furchtbar finden oder sich die Haare raufen?

    Ich glaube sowas ist ähnlich, wie Musik.

    Das klingt in den verschiedenen Ohren eben anders.

    Einer findet es furchtbar, ein anderer schön.

    Ist beim Dialekt auch so.


    Finde ich nicht schlimm.

  • Nein, das klingt nicht furchtbar für mich, weil ich weiß, was ein Genitiv ist, und weil ich weiß, dass Namen eigentlich ohne Artikel stehen müssten.

    Aber im Bayerischen gibt’s nun mal keinen Genitiv, insofern ist „der Lena ihre Tasse“ im Bayerischen einfach korrekt. Und einen korrekten Dialektausdruck furchtbar finden, finde ich halt nicht nett.

    Wobei ich gerade merke, dass ich „Kann ich einen Keks?“ tatsächlich gar nicht mag, weil dem Satz einfach was fehlt. Meine Kinder haben das auch nie gesagt, die haben einfach „Bekomm‘ ich einen Keks?“ gefragt. Und wenn ein ganz bestimmtes Kind, das ich eh nicht besonders mochte, angerufen und ohne Begrüßung einfach „Kann ich den L.“ gesagt hat, dann hab ich schon auch mal gefragt, wer da spricht und was er den L. denn möchte #schäm

  • Nein, das klingt nicht furchtbar für mich, weil ich weiß, was ein Genitiv ist, und weil ich weiß, dass Namen eigentlich ohne Artikel stehen müssten.

    Ich wollte Dir damit auch nicht absprechen, dass Du weißt, was ein Genitiv ist (nur, falls das so rüberkam).

    Es zeigt sich aber, dass das Wissen um korrekte Grammatik noch lange nicht bedeutet, dass genau so gesprochen wird, wie man es in der Schule gelernt hat (jetzt unterstelle ich einfach mal, dass wir alle, in welcher Region wir auch immer wohnen mögen, die gleiche Grammatik lernen).


    Aber im Bayerischen gibt’s nun mal keinen Genitiv, insofern ist „der Lena ihre Tasse“ im Bayerischen einfach korrekt.

    Das wusste ich nicht.

    S.o., ich bin davon ausgegangen, das wir alle "das gleiche grammatikalische Deutsch" lernen und es eben nur regional unterschiedlich im Alltag gelebt wird.


    Meine Kinder haben das auch nie gesagt, die haben einfach „Bekomm‘ ich einen Keks?“ gefragt

    Das finde ich eine sehr schöne Lösung, das klingt für mich sehr harmonisch und richtig.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

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  • Ich bin jetzt nicht ganz sicher, ob ich Dich hundertprozentig richtig verstehe. Also natürlich lernt man in Bayern die gleiche Grammatik wie im restlichen Deutschland, und man wendet die auch an, wenn man z.B. einen Aufsatz schreibt oder später im Job ein Konzept entwirft oder einen Vortrag hält. Aber man spricht - sofern man überhaupt Dialekt spricht, das stirbt ja ohnehin aus - eben im privaten Umfeld seinen Dialekt. Im Grunde ist das eine zweite Sprache. Und da bin ich halt empfindlich, wenn jemand die als furchtbar empfindet.

  • Um Dürenmatt zu zitieren: "In meinem Hause bestimme ich, was klassisches Latein ist"

    (Romulus der Grosse, Erster Akt, Erste Szene)


    Die deutsche Sprache ist toll - und zum Glück nicht so langweilig, dass es nur ein "richtig" gibt.

    Ich sage völlig korrekt: "Das isch da Lena sins" (wir haben nämlich nichtmal weibliche Possesivpronomen) - und finde es völlig normal, dass andere ebenso korrekt: "Das ist Lenas" sagen.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • In der Schule wird die Grammatik der deutschen Standardsprache gelehrt.

    Keine Dialekte.... Aber natürlich haben Dialekte auch eigene grammatikregeln.

    Ich würde bei Dialekt auch nix sagen....


    Aber hier wird ja kaum noch Dialekt gesprochen... Duracellmädchen spricht (für meine Ohren) gar keinen Dialekt und ich nur selten und sehr dezent

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Aber man spricht - sofern man überhaupt Dialekt spricht, das stirbt ja ohnehin aus - eben im privaten Umfeld seinen Dialekt. Im Grunde ist das eine zweite Sprache. Und da bin ich halt empfindlich, wenn jemand die als furchtbar empfindet.

    Das mit "der zweiten Sprache" ist ein total neuer Gedanke für mich, ich kenne das so nicht.

    Also, wir reden hier auch nicht wie aus dem Grammatikbuch und natürlich haben wir auch "Alltagssprache", aber dass diese sich so stark vom Hochdeutsch unterscheidet - das kenne ich wirklich nicht. Schon gar nicht, dass es dafür eine eigene Grammatik gibt.

    Es tut mir leid, dass ich ich Dich an diesem Punkt getroffen habe.

    Mit "furchtbar" war wirklich nur gemeint, wie das in meinen Ohren klingt, eben ungewohnt schräg.


    Der Musikvergleich von Mondschein weiter oben, trifft es sehr gut:

    Jazz finde ich persönlich auch furchtbar, das heißt aber nicht, dass Jazz nun schlimme Musik wäre oder so. Sie ist nicht meins, ich kann sie nicht hören, weil es mir in den Ohren weh tut. Aber das soll jetzt nicht die Jazz-Liebhaber irgendwie abwerten.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • sendlingerin

    Danke Dir für Deine liebe Rückmeldung., Du hast mich mit Deinen Postings wirklich bereichert.

    Einen Dialekt als zweite Sprache zu sehen, das wäre mir selbst nie in den Sinn gekommen. Aus Deiner Sichtweise heraus kann ich das nun anders sehen #ja.

    Und danke, dass Du so umsichtig nachgefragt hast.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Danke fürs Zitieren, ich hatte hier gar nicht mehr mitgelesen.


    Nach etwas querlesen wäre meine Theorie folgendermaßen (bin aber kein Germanist):

    • Möchtest du ein Eis: Sprachwandel so gut wie vollzogen ('haben' ist überflüssig weil als default-Verb hineininterpretiert, alles andere wird dann angegeben, "möchtest du ein Eis an die Wand klatschen" ist also nicht mitgemeint sondern muss in dem Fall explizit dazu gesagt werden)
    • Kann ich ein Eis: Sprachwandel offenbar seit mindestens 30 Jahren zugange aber noch nicht abgeschlossen (vermutlich mit regionalen Unterschieden?)

    Ich bin zwar nicht Gemanistin, aber Autorin und Deutschdozentin, darum kenne ich mich da etwas aus:


    Möchten ist die Konjunktivform von mögen und mögen ist kein Modalverb.

    Darum ist auch möchten nur so ein halbes Modalverb.


    Können hingegen ist ein Modalverb, und Modalverben sind Hilfsverben, die brauchen ein zweites Verb.


    Wieso muss man denn den Dialekt anderer Leute furchtbar finden oder sich die Haare raufen?

    Ich denke, weil es so nahe am Hochdeutschen ist, dass ich zumindest irgendwie eigentlich die hochdeutsche Variante erwarte, und dann kommt was anderes, und das verwirrt dann schon.


    Ich kenne auch nicht jeden Dialekt, und kann oft nicht sagen, ob das nun Dialekt ist oder einfach falsches Deutsch.

    Was das Reden ohne Präpositionen angeht: Das hatte ich auch schon mit Jugendlichen, die mit mir ganz normale Hochdeutsch sprachen, und sich dann umwandten, und mit ihren Freunden ohne Präposition oder Artikel gesprochen haben. Sie haben das wie zwei Sprachen benutzt.

    It all started with the big BANG!


    (Big Bang Theory)

  • Das ist umstritten.


    Mögen geht ja auch ohne zweites Verb (Ich mag Eis, Ich mag meinen Mann....) und wird dann wie lieben benutzt, also als ganz normales Verb.

    Darum eben so ein halbes Modalverb.


    Im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht werden auch können, wollen, sollen, müssen und dürfen als Modalverben vermittelt und mögen und möchten nicht. (zumindest ist mir noch kein Buch untergekommen, dass das anders handhabt).

    It all started with the big BANG!


    (Big Bang Theory)