Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod .... Und er Dativ tötet auch dem Akkusativ?

  • Puh, gerade das mit dem fehlenden Verb bei "kann ich bitte ein Eis" sehe ich nicht so eng.

    Ich mache mir immer wieder die Mühe und weise darauf hin und lasse sie auch mal auflaufen, damit sie wissen, dass die Korrektheit zumindest diskutierbar ist, aber solange sie in ganzen Sätzen reden können, dürfen sie auch mal schludern.

    Morgens, müde, am Frühstückstisch hört man von mir durchaus auch ein "Marmelade, bitte". Und wenn mein Kind auf mich zugehüpft kommt und sich mit einem "Mama, Kuscheln!" in meinen Arm wirft, dann schiebe ich es auch nicht zurück und verlange einen ganzen Satz.


    Das mit dem "ich gebe Dir ein Stift"-Problem ist sehr regional ausgeprägt. Im mittleren Westen war es extrem, da auch ganz oft bei Kindern aus gebildeten Elternhäusern. Sonst kenne ich das eigentlich hauptsächlich aus Familien mit geringerem Bildungshintergrund.

  • Sich "übelst freuen" oder "hart gruseln" ist Dialekt aus Sachsen-Anhalt und Sachsen. Das musste ich auch erst lernen aber mittlerweile mag ich es und nutze es auch.

  • Mir ist es tatsächlich egal, ob die Grundschüler mich duzen oder siezen...

    Ich möchte, dass sie mich mit Nachnamen ansprechen, für die Distanz. Nicht aus Respekt.

    Ob sie nun "Frau Winkle, kannst Du mir mal bitte..." Oder "Frau winkle, ich habe Sie gestern gesehen" ist mir ehrlich nicht so wichtig.


    Und ich merke: die meisten Kinder machen ab einem gewissen Alter von selbst (so ab zehn würde ich sagen)

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • ich war am Wochenende auf vielfachen Wunsch der Kinder bei einer Show mit Moderator, der den Darstellern über Mikro z.B. immer gesagt hat: Winke das Publikum. Mich hat das extrem gestört.

    Ich dachte, das wäre evt ein Dialekt. Bochum oder so.

    Isses gar nicht ????#kreischen

    Im Fränkischen wird der Genitiv ja einfach anders gebildet, z.B.

    Man sagt da nicht Tomas' Frau oder die Frau von Tomas sondern dem Tomas seine Frau.

    Gilt glaub ich auch für den Rest Bayerns.

  • Ich hasse diese im Alltag korregiererei...besonders absurd weitergeführte Sätze und hab meiner Mama, die das auch mal witzig fand dann echt gesagt "ok, behalt das SCh...eis doch". Ich hasse das.

    Ein "ich fänd den Satz mit Verb besser" oder so, ok. Wems wichtig ist, gern. Aber dieses "lustige" weiterführen kam bei mir total klug...erisch an und kein Stück witzig und ich hab dann aus Protest echt auf viele HErzenswünsche verzichtet, aber meine Sprache nicht geändert.

    "Kann ich bitte ein Eis?" ist für mich ok. Es ist Alltagssprache.

    Dass da im Schriftgebrauch oder offiziellen Anlässen ein Verb hinter kommt wusste und weiß ich natürlich, aber ich frage bis heute so.

    Wenn ich bei menen Eltern bin "Papa, kann ich nen Kaffee?" . Ist ok für mich.

    ABer ich freue mich auch übelst oder feiere Dinge hart. Ich mag das.

    Solang wir uns begleiten...durch Sturm und Gezeiten...durch Ebbe und Flut...dann bleibt alles gut...#herz

  • Spielt es eine Rolle, was der andere mit dem Eis macht?

    Aus Erfahrung: nein. Mein Kind hat mal versucht, eins in der Kinderküche aufzubewahren <X

    #wisch


    Nicht schlecht die Idee.


    Also:

    Kann ich bitte ein Eis haben?

    Kann ich bitte ein Eis verschenken?

    Kann ich bitte ein Eis essen?

    Kann ich bitte ein Eis in der Kinderküche aufbewahren?


    Macht vereinfacht:

    Kann ich bitte ein Eis?

  • Das mit dem "ich gebe Dir ein Stift"-Problem ist sehr regional ausgeprägt. Im mittleren Westen war es extrem, da auch ganz oft bei Kindern aus gebildeten Elternhäusern. Sonst kenne ich das eigentlich hauptsächlich aus Familien mit geringerem Bildungshintergrund.

    Hier (Oberbayern) scheint bei den Kindern extrem weit verbreitet zu sein "Gibst du mir die rot/blau/..." Ich weiss bis heute nicht, woher das kommt - erstens fehlt das für mich "Stift" o.ä, zweitens weiss ich nicht wieso DIE. Wenn schon ohne Nomen, wäre es bei mir DAS rot...


    Es machen hier beide Kinder, die 5 Jahre auseinander sind und
    in unterschiedlichen Betreuungseinrichtungen. Mich macht das jedesmal wahnsinnig weil das für mein Sprachgefühl so gar nicht passt.

  • Jette

    Das habe ich im Hessischen kennengelernt. Auch beide Kinder, verschiedene KiTas.

    Sie sagen, das wär doch logisch, ist doch DIE Farbe und damit auch DIE Rot. #haare;)

    mamaraupe (*1973) mit paparaupe (*1969), großer raupe (*06/06), und kleiner raupe(*02/10)

  • "Gib mir än Schtift" wäre hier ja völlig normal, wir besitzen im Dialekt keinen solchen Schnickschnack wie Dativ.:D

    Dementsprechend müssen sich die meisten Allemannischsprechenden ziemlich konzentrieren, wenn die Fälle korrekt angewendet werden sollen im Hochdeutsch... mein 15jähriger macht gelegentlich noch Fallfehler.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ha, bis gerade bin ich völlig entspannt über den Dingen und Beispielen gestanden, aber hier hat es mich erwischt


    Hier (Oberbayern) scheint bei den Kindern extrem weit verbreitet zu sein "Gibst du mir die rot/blau/..."

    Sach ich nämlich auch (groß geschrieben natürlich, heißt ja auch DIE Rot#zwinker)


    In was ich mich sehr gern mal tiefer einlesen möchte ist, wie sich Sprache bei großen Schädel/Hirnverletzungen in ihrer Struktur verändert. Danke fürs Erinnern Leslie Winkle , da muss ich mal ein bisschen bei Fachmenschen herumfragen

    Was A über B sagt, sagt mehr über A als über B.

  • ...

    ABer ich freue mich auch übelst oder feiere Dinge hart. Ich mag das.

    Wir wohnen glaube ich nicht so weit auseinander (OWL, also weit weg von Sachsen), und meine 13jährige benutzt diese Sätze auch.


    Ich verbuche das unter Jugendsprache. Youtube, Fortnite? Sie spielt das nicht, aber Eeeeehrenfrau krieg ich hier manchmal zu hören und das ist durchaus respektvoll gemeint #rolleyes. So sprechen sie halt untereinander und das ist doch ok so. Sprache lebt halt.


    Insofern wundert es mich nicht, dass auch Erwachsene das übernehmen, wenn es für sie passt.

  • Gib mir mal die Rot / hast Du noch ne andere Rot? sag ich auch. Schon immer und fand auch noch keiner komisch. Scheint in Franken (zumindest Ober- und Mittel-) ganz normal zu sein. #weissnicht


    Witzig aberfällt mir grade auf: das gilt nur bei künstlerischen Malfarben, egal welcher Variante (also Bubtstifte, Wasserfarben, Acryl,...)

    Bei Knetmasse z.b. heisst es "Gib mir mal die Rote" und im Baumarkt "Ich brauch ein Rot/gibt es noch ein anderes Rot" #blink

    Lass Dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit Gutem.

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  • Bei uns sagen sie (ich auch #freu):"Gibst Du mir bitte DAS rot."


    Die Sätze mit "Kann ich ein Eis" nerven mich eben, deshalb verbessere ich sie.

    Und auch weil ich Aufsätze gesehen habe, in denen die Kinder so etwas dann auch schreiben. Wenn sie dann in der Schriftsprache richtig benutzen, ist es ja okay.

    Aber das geht dann ja auch weiter, dann fragen die Kinder am Telefon: "Kann ich mal Maria?". Und das mag ich einfach nicht.

  • Typische Antwort unsres Lehrers früher auf die Frage "Kann ich aufs Klo?:

    "Ob Du kannst weiss ich nicht- dürfen tust Du". #nägel

    Lass Dich nicht vom Bösen überwinden sondern überwinde das Böse mit Gutem.

  • Aber das geht dann ja auch weiter, dann fragen die Kinder am Telefon: "Kann ich mal Maria?". Und das mag ich einfach nicht.

    Hier sagen die Teenies z.B.: "Der Paul ist in Lara" und ich habe die ersten Male so geschaut: #eek

    Sie klemmen sich einfach das Verb "verliebt" oder verknallt".


    Ich hab meiner Tochter dann erst einmal gesagt, welche Assoziationen das bei MIR (!) auslöst, darauf augenrollend ihre Antwort "Mama, wir reden alle so, wir wissen ja, wie wir das meinen, Du bist halt alt". Öhm, ja, danke Tochterherz... #rolleyes


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe