Unterschied zwischen Minijob und altem Teilzeitvertrag

  • Liebe Raben,


    mein bisheriger Teilzeitjob (sozialversicherungspflichtig) wurde von mir gekündigt, da ich eine neue Stelle anfange (auch soz.vers.pflichtig). Mein alter Arbeitgeber hat mich bekniet, wenigstens ab und zu noch einzuspringen, also habe ich zugestimmt, dass sie mir einen Minijobvertrag zuschicken für ein paar Stunden im Monat (gleicher Einsatzort, gleiche Arbeit wie bisher).

    Jetzt lese ich diesen Vertrag durch und bin verwundert. Weniger Nachtschichtzuschläge als im alten Vertrag. Geringerer Bruttostundenlohn. Keine Zulagen mehr. Ist das normal? Wieso unterscheiden sich die Zuschläge und der Bruttostundenlohn bei gleicher Arbeit und gleicher Belastung wie bisher, eben nur eine andere Vertragsart?

    Klar, es gehen keine Krankenkassenbeiträge, AV-Beiträge usw mehr ab. Trotzdem hatte ich beim alten Vertrag (auf netto umgerechnet) mehr pro Stunde raus als ich beim neuen hätte.


    Kennt sich jemand da aus und weiss, ob das normal ist, dass bei Minijobs generell weniger Lohn/Zuschläge bezahlt werden?

    When you’re a kid, they tell you it’s all… Grow up, get a job, get
    married, get a house, have a kid, and that’s it. But the truth is, the
    world is so much stranger than that. It’s so much darker. And so much
    madder. And so much better.

  • Meiner Meinung nach hat das nichts mit dem Minijob an sich zu tun. Der AG versucht halt, dich günstiger als bisher einzukaufen und unterbreitet dir hierfür ein Vertragsangebot.


    Hast du schon geschaut, ob der zugeschickte Vertrag möglicherweise nur "Arbeit auf Abruf" bedeutet? Dann trägst du nämlich das Risiko, wenn der AG dich nicht zu Einsätzen anfordert. Außerdem gibt das auch meist Ärger wg. der freien Tage / Berücksichtigung von Feiertagen / Urlaub etc.

  • Bei meinem Arbeitgeber bekommt man bei minijob auch viel weniger als bei Sozialversicherungspflichtigem Job.


    Die begründen das mit „ist halt so, tut uns leid, aber wir können nicht mehr zahlen bei minijob“

  • Er will dich ja gerne behalten, also würde ich den Vertrag nicht so unterschreiben.

    Ich würde das nur machen, wenn der Nettolohn zumindest der gleiche ist, und auch die Zuschläge usw. gleich sind.

    Und eben auch auf so Sachen wie Urlaubsregelung bestehen.

  • Hast du mit deinem Hauptarbeitgeber geklärt, ob er die Nebenbeschäftigung gestattet? Evtl. würde er dich ja auch für mehr Stunden beschäftigen?

  • Mein neuer Hauptarbeitgeber weiss, dass ich noch ein paar Stunden im Minijob bin. Der würde mich sehr gerne mehr einsetzen, das ist nur von der Kinderbetreuung her nicht weiter aufzustocken. Der Minijob wird auch organisatorisch schwierig, ich habe eigentlich nur zugestimmt, wenigstens noch ein bisschen dazubleiben, weil personaltechnisch sonst echt Not am Mann wäre (wie immer und überall in der Pflege) und alle Beteiligten so froh waren, dass ich nicht ganz weg gehe. Für mich selbst bräuchte ich diese Extrastunden eigentlich nicht... eher, dass ich mich irgendwie nun moralisch gebunden fühle, die Leute nicht hängen zu lassen.


    Eigentlich ist das auch ein netter Arbeitsgeber, gutes Betriebsklima etc, von dem her dachte ich halt, na, ein paar Stunden krieg ich schon hin...


    Ich wüsste eben gerne, ob es dafür irgendwelche betriebswirtschaftlichen Gründe gibt, die ich nicht verstehe oder nicht kenne. Was ist denn die Begründung dafür, dass für die gleiche Arbeit unterschiedlich gezahlt wird je nach Vertrag? Ich dachte, wenn, dann geht es nach Qualifikation oder Berufserfahrung, das verstehe ich noch. Aber so? Hat das irgendwas mit der Abrechnung zu tun? Sind Minijobber aufwendiger zu verwalten? Gibt es da extra Abgaben für die Betriebe? Oder für die soz.vers.pflichtigen Leute irgendwas, was die Betriebe absetzen können, um zu sparen, und das geht bei Minijob nicht? Irgendeinen logischen HIntergrund muss es da doch geben #confused

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  • Das ist nicht korrekt. Ein Minijob hat die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Teilzeitjob.

    Dir steht dieselbe Eingruppierung zu, ebenso Urlaub, die Zuschläge wie alle anderen sie haben und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Ich würde verlangen dass der Arbeitsvertrag geändert wird. Und wenn nicht, dann dort nicht arbeiten. So ein Verhalten geht gar nicht.

    Die Vorteile sind nur steuerrechtlicher Art, der Arbeitgeber kann pauschal versteuern und Du kannst die Lohnsteuer umgehen, weil ein Minijob neben dem Hauptjob zulässig ist.

    Und Du müßtest entscheiden, ob Du den Minijob rentenrelevant haben möchtest.

  • Minijobs wurden doch extra geschaffen, um kleine Beschäftigungsverhältnisse mit möglichst wenig Bürokratie ermöglichen zu können. Ich sehe da keinen Mehraufwand für den Arbeitgeber. Der Grund für die schlechtere Bezahlung liegt im Wunsch des AG Geld zu sparen.


    Im Eingangspost schreibst du vom Netto, das ist aber erstmal irrelevant. Hast du im Minijob tatsächlich einen niedrigeren Bruttolohn als vorher mit Teilzeitvertrag? Solange du nicht unter Mindestlohn liegst, kann der AG dir erstmal jeden Vertrag anbieten. Vielleicht unterschreibst du ja ;-o


    Eigentlich bist du doch in einer guten Verhandlungsposition. Du kommst entweder zum alten Stundenlohn oder gar nicht.


    Die Genehmigung vom Hauptarbeitgeber würde ich mir schriftlich geben lassen, zumal wenn er dich auch für mehr Stunden einstellen würde. Er könnte sie nämlich auch mit Verweis auf eine Tätigkeit bei der Konkurrenz untersagen. Wenn es ohnehin eng wird mit deiner Zeit sehe ich da mittelfristig auch Ärger vorprogrammiert.

  • Bei diesen Bedingungen (Arbeitgeber braucht dich dringend, du kämst auch ohne Zweitjob aus) wäre wohl eher eine Lohnerhöhung angemessen.

  • Danke für die Antworten, ich werde nun nochmal im Büro nachfragen, warum das so ist, und schauen, ob sie mir etwas anderes anbieten können bzw. eine Begründung geben.


    Der Bruttolohn ist im Minijobvertrag tatsächlich niedriger als im alten Vertrag. Im alten Vertrag steht zusätzlich noch eine freiwillige variable Funktionszulage drin, bisher zwei Euro extra pro Stunde auf den Bruttolohn dazu, davon steht im Minijobvertrag auch nichts.

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  • Bei meinem Arbeitgeber bekommt man bei minijob auch viel weniger als bei Sozialversicherungspflichtigem Job.


    Die begründen das mit „ist halt so, tut uns leid, aber wir können nicht mehr zahlen bei minijob“

    Das ist halt eine seltsame Begründung. Warum nicht? Warum genau bei Minijob nicht, wenn es bei mehr Stunden doch geht? Weil mehr Personal für weniger Stunden zu verwalten aufwendiger ist fürs Büro als wenig Vollzeitpersonal?

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  • Nein, weil der AG nicht will.

    Danke für die Antworten, ich werde nun nochmal im Büro nachfragen, warum das so ist, und schauen, ob sie mir etwas anderes anbieten können bzw. eine Begründung geben.

    Und wenn sie dir eine plausible Begründung liefern können, dann unterschreibst du?

    Das ist genau der Grund, warum sie solche Verträge anbieten - weil man damit Geld sparen kann. Man braucht nur ne plasible Erklärung.

    Bei diesen Bedingungen (Arbeitgeber braucht dich dringend, du kämst auch ohne Zweitjob aus) wäre wohl eher eine Lohnerhöhung angemessen.

    So siehts aus!

    Du solltest nicht nachfragen warum... sondern feststellen, dass das weniger ist als vorher und du ehr mehr möchtest, dafür, dass du deinem alten AG aus der Patsche hilfst!

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)

  • Ich hab vor über 20 Jahren als Studentin bei der Telekom gearbeitet und schon damals was es offiziell so, dass Minijobber nicht schlechter gestellt sein durften als Festangestellte. Im Moment arbeite ich ab und an nebenbei in der Gastro. Da habe ich sogar bessere Bedingungen (natürlich auch gemein) als die Festangestellten.

    Sepia mit Tochter 09/2006 + Sohn 07/2010

  • Aber der Stundenlohn muss genauso sein, weil man ja für die Arbeit bezahlt wird, nicht für das was hinten raus kommt. Das ist eh für jeden anders, je nach Steuerklasse oder Kirchenzugehörigkeit.

    Tarifverträge sagen ganz deutlich, Minijob ist auch nur Teilzeit, da gibts auch jede Menge Urteile dazu.

  • Das heisst, wenn ich am Montag im Büro anrufe, und die würden z.B. sagen, dass das bei Minijob weniger Bruttolohn ist, weil da ja keine Abzüge vorgenommen werden, und dass es dann ja mit dem höheren Bruttolohn beim normalen Vertrag vergleichbar wäre - das wäre dann nicht zulässig? Gibt es da irgendetwas, auf dass ich mich berufen könnte? Rechtlich vorgeschrieben ist es ja vermutlich nicht, dass der Bruttolohn und die Zuschläge gleich sein sollten, aber Jaelle schreibt von Tarifverträgen, evtl. könnte ich sagen, dass es in Tarifverträgen so üblich ist und ich es auch so erwarte...

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  • Das habe ich jetzt bei der Minijobzentrale gefunden:


    "Für Minijobber gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Demnach dürfen Sie Ihre Minijobber nicht schlechter behandeln als vergleichbare vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer. Dies gilt im Arbeitsverhältnis für alle Maßnahmen und Vereinbarungen, die Sie als Arbeitgeber mit ihrem Minijobber treffen.



    Beispiel

    Zahlen Sie Ihren Vollzeitbeschäftigten Weihnachtsgeld, haben nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz auch Ihre geringfügig Beschäftigten anteilsmäßig - gemessen an den Arbeitsstunden - einen Anspruch auf Weihnachtsgeld.


    Wichtig zu wissen

    Der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt nicht, wenn sachliche Gründe für eine Ungleichbehandlung

    vorliegen. Dazu können Arbeitsleistung, Qualifikation, Berufserfahrung und unterschiedliche Arbeitsplatzanforderungen gehören.

    Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung und Urlaub

    Minijobbern steht der gleiche Kündigungsschutz zu wie vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern.

    Minijobber haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit, Krankheit des Kindes, Mutterschaft und Arbeitsausfall an Feiertagen sowie auf Erholungsurlaub."



    https://www.minijob-zentrale.d…04_arbeitsrecht/node.html


    Da steht jetzt aber nicht, ob das bei allen Verträgen gilt oder nur bei Tarif oder ob es generell anfechtbar ist, wenn es unterschiedliche Verträge gibt?

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  • Das sind ja aber ziemlich klare Richtlinien.

    Die würde ich Montag vorlegen, und wenn sie nicht drauf eingehen, haben sie Pech gehabt ;)

    Du sagst, sie können sich gut gebrauchen, aber du brauchst den Job nicht zwingend. Eine gute Position.