Der Vorfall im Frankfurter Hauptbahnhof

  • Ich kann dazu kaum was sagen, ich bin da momentan zugeschnürt innen drin. Eins meiner Kinder wäre fast zu dem Zeitpunkt am Bahnhof gewesen, als die Mutter im ersten Fall geschubst wurde. Purer Zufall, dass er sich anders entschied.

    Ich habe Facebook gelöscht, weil ich die Hassreden dazu nicht mehr ertragen kann.

    Gruß von Guinan
    mit pubertierenden Teeniehaufen
    ---------------------------------------
    Meine Nationalität: Mensch!

    Die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

  • Weil es nichts zur Sache tut. Es hat ungefähr so viel Erklärungskraft wie zB die Aussage, dass der Täter auf dem Land aufgewachsen ist (ausgedacht). Damit dass man es sagt, vermittelt man aber das Gefühl, dass das ein Grund sei.

    Tut es wirklich gar nichts zur Sache, wenn es sich beispielsweise um einen durch Kriegs- und/oder Fluchterlebnisse schwer traumatisierten Menschen handelt, dem nirgends Hilfe zu Teil wurde?

    Wenn ich zB von einer traumatischen Kindheit eines Täters weiß und diese als Mitursache ansehe, dann würde ich über diese traumatische Kindheit schreiben. Und nicht darüber, dass derjenige auf dem Land geboren wurde.

    Was ich damit meine: Natürlich können Fluchterlebnisse einen Menschen traumatisierten. Jeden Menschen. Also macht es Sinn über die Fluchterlebnisse eines Menschen zu sprechen. Unrelevant ist es dann doch aber, ob man genau dieselben Erlebnisse als Deutscher, Hawaianer oder Lappländer hatte.

    Ich weiß nicht, ob ich klar machen kann, was ich meine. Aber eigentlich sollte ja möglichst in diesem Thread gar nicht groß darüber diskutiert werden. Insofern halte ich mich ab jetzt lieber zurück.

  • Mir tut die Mutter so leid.



    Ich kann nicht ermessen, wie sie heute fühlen mag, am Tag danach...

    der Schmerz in ihrer Seele, die Bilder in ihrem Kopf... das Wissen, dass ihr kleiner Sohn tot ist, dass sie ihn nie wieder in die Arme schließen kann, dass er nie wieder Nachmittags von der Schule heimkommen wird, nie wieder fröhlich beim Spielen lachen, sie nie wieder Abends noch in sein Zimmer gehen, ihn im Schlaf zudecken, ihm nochmal über die Haare wird streicheln können...

    Tot, einfach tot... nicht durch Krankheit, nicht durch einen Unfall, sondern durch einen grausamen, niederträchtigen Mord.

    Und sie musste das alles mitansehen und hatte keine Chance, es zu verhindern.



    Es ist so schlimm.#crying

    Wie soll solcher Schmerz je heilen?




    (Die anderen hier erwähnten Gewalttaten habe ich sehr wohl wahrgenommen und finde sie ebenfalls furchtbar. Aber als Mutter mit ansehen zu müssen, wie dem eigenen Kind so furchtbare Gewalt angetan wird und nicht helfen zu können... das ist das, wo mein Kopf nicht mehr mitgeht. Ich will das alles auch gar nicht vergleichen oder in Relation stellen. Ich habe keine Worte, um das richtig auszudrücken. Und ich mag es hier auch nicht diskutieren. Die armen, armen Menschen :()

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von liddy ()

  • Diese Gedanken schwirren mir auch den ganzen Tag durch den Kopf.


    Es ist einfach unbegreiflich. Mir kommen immer wieder die Tränen und ich muss meine Kinder ganz fest drücken.


    Mein Gott #crying

  • meine Tochter und ich sind gestern um 11:50 am Frank. Bahnhof angekommen; kurz vor der Einfahrt kam die Durchsage, dass es sich um wenige Minuten verzögert wegen Notarzteinsatz, dann rutschte aber der Schaffner ganz betroffen etwas von einem schrecklichen Vorfall; natürlich googelte sofort jemand; ich mochte nicht glauben was sie las; ich konnte meiner Tochter echt nichts sagen, habe sie nur noch ganz dicht an mich gelassen; wir mussten dann ca. 30 Minuten warten, und jede einen weiteren Zug zu nehmen; es war irgendwie doch so still und ruhig...


    es beschäftigt mich sei gestern.


    die arme Mutter, so etwas ist nicht auszuhalten


    und ganz egoistisch frage ich mich, ob so etwas zur Norm wird. die Tat an sich ist sowieso weit von allem Begreiflichen, aber scheinbar ohne persönliches Motiv............. natürlich nciht dass es besser/ zu entschuldigen wäre, ich hoffe ihr versteht was ich meine

  • Schon immer vermeide ich die Nähe der Gleise. Auch aus Angst versehentlich geschubst zu werden, oder abzurutschen. Vor drei Wochen noch war ich mit meinem Sohn an Gleis 10 und dachte häufig, wie unwohl ich mich fühle. Auch wegen der hetzenden Menschen, die nicht auf ihren Weg, sondern ins Smartphone glotzen, rennen, tippen, die ganzen Durchsagen, der Lärm.


    Es ist so furchtbar, was dort gestern geschehen ist, ich bin in Gedanken ständig bei der Mutter, dem armen Jungen und all den Menschen, die das miterleben mussten.

    Mein Respekt und meine Hochachtung an die, die diesen Unmensch verfolgt und gestellt haben. Es fällt mir schwer ihm rational nicht zu wünschen, wonach es emotional schreit.


    Ich hoffe, die Familie findet trotzdem irgendwann in ein lebenswertes Leben zurück und viele tragende Hände für die unfassbar schwere Zeit.

  • Annie , entschuldige ich kann vom Handy nicht zitieren.


    Ja, das wäre möglich, dass das bei der recht neuen Transferverbindung zwischen den beiden Terminals diese Trennwände gibt. Bei der S-Bahn Station des Münchner Flughafen gibt es das leider nicht.

  • Ich bin dankbar, dass so schnell so viele Menschen - Rettungskräfte, Polizei, SeelsorgerInnen, BahnmitarbeiterInnen usw. - vor Ort waren, um den Betroffenen zu helfen. Angesichts eines so unermesslich grausamen Verbrechens besonnen und professionell arbeiten zu können, ist eine Wahnsinnsleistung, finde ich.

  • Wir hatten heute eine lange Bahnfahrt mit drei mal Umsteigen und es war schon auffällig, dass alle möglichst weit weg vom Gleis standen und fast alle Züge äußerst langsam einfuhren.

  • Ich bin so unfassbar wütend auf diesen Kerl. Ich wünsche ihm eine möglichst quälende Untersuchungshaft und dass er wie auch immer leidet. Ich erschrecke über meine Gedanken und weiß auch dass es gut ist dass ich nicht über den Täter urteilen muss.

    Nochmal zur Herkunft : immer wenn der Täter als Ausländer benannt wird kommt (nicht nur bei mir, vermutlich ) der Gedanke auf dass es ja gar nicht passiert wäre wenn der Mensch nicht hier gewesen wäre. Bei Einheimischen ist dieser Gedanke absurd. Das führt zu der in sich logischen schlussfolgerung :"keine Ausländer, keine Straftaten durch Ausländer ". Dass diese Gleichung gesellschaftlich gesehen quatsch ist wissen wir, aber in den Köpfen mancher Menschen scheint das real zu sein.

    Schoko

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Ich habe vorhin kurz mit meinem Mann über den Vorfall geredet (kurz deshalb, weil er sagt, er darf das nicht an sich ranlassen, sonst kann er irgendwann nicht mehr fahren) und er hat erzählt, dass so gut wie bei jedem Einfahren in einen größeren Bahnhof zumindest jemand so tut, als würde er gleich jemanden vor den Zug schubsen. Zum allergrößten Teil sind das Schülergruppen oder eine Horde Jugendlicher, die das total witzig finden - aber ihm (und seinen Kollegen) bleibt dabei jedes Mal fast das Herz stehen. Hat jetzt nicht direkt was mit dem Frankfurter Fall zu tun, aber es hat mir mal wieder bewusst gemacht, unter welchem Druck die LokführerInnen permanent stehen.

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • er hat erzählt, dass so gut wie bei jedem Einfahren in einen größeren Bahnhof zumindest jemand so tut, als würde er gleich jemanden vor den Zug schubsen.

    #hmpf echt? Dann bin ich sehr froh, dass nicht öfter was passiert.

    Was die Taten nicht weniger schlimm macht. #crying

  • Obstsalat : Ja, das sind in fast allen Fällen Kinder/Jugendliche, die aus Übermut/Coolness/Langeweile rangeln und sich gar nicht bewusst sind, welchen Adrenalinausstoß sie beim Lokführer auslösen. Mir war das bis zu dem Gespräch mit meinem Mann vorhin auch nicht klar, also zumindest das Ausmaß nicht. Aber wie gesagt, es hat ja mit dem Frankfurter Vorfall nichts zu tun.

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • Schokojunkie ich glaube, so eine Tat ist einfach so unfassbar, dass wir automatisch versuchen, irgendeine Logik reinzuargumentieren. Sei es die ursprüngliche Herkunft, sei es die Schweizer Polizei, die ihn wohl hätte verhaften müssen, was auch immer. Irgendwas, was so schreckliche Taten verhindert. Weil es ein furchtbares Gefühl ist, dass man es nicht verhindern kann.


    Vor einigen Monaten hat hier eine Schülergruppe auch am Gleis gerangelt (nach einer Jugenddisko, die speziell für Minderjährige war), zwei Jugendliche wurden dann vor die S-Bahn geschubst und starben. Da wurde auch viel diskutiert, wie sowas verhindert werden kann. Aber wirklich geändert hat sich nichts. #hmpf


    rhcp an die Lokführer denke ich da auch immer. Es muss schrecklich sein, das mitzuerleben, weil sie ja gar keine Chance haben, es zu verhindern...

  • der Vorfall selbst macht mich fassungslos, wütend, traurig.. so schlimm.#crying

    ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man sowas jemals verarbeiten kann und wünsche der Mutter viele schützende Hände.


    Ich pendel nahezu täglich mit der S-Bahn, das was dein Mann rhcp sagt habe ich auch schon beobachtet. Und auch durchaus schon Kinder/Jugendliche angesprochen. Ich kann es auch an Verkehrsinseln nicht aushalten, wenn da rumgehampelt wird.

    Und ich bin ganz egoistisch heilfroh, dass ich noch nie einen "Personenschaden" miterleben musste.

  • Trillian : Ja, der Blogeintrag ist wirklich gut!



    Für meinen Mann war es mit am Schlimmsten, dass der Suizidversuch so weit draußen war und er - obwohl die Rettungskräfte so schnell es ging vor Ort waren - nicht nur die Erstversorgung übernehmen musste, sondern auch noch beim Schwerverletzten bleiben musste, obwohl er selbst gerade in dieser Ausnahmesituation war. Die Betreuung vor Ort bzw. die Nachbetreuung war dann aber wirklich sehr professionell und hat ihm da unglaublich gut geholfen. Er ist allerdings auch ein psychisch sehr stabiler Mensch, das hatte mit Sicherheit großen Anteil daran, dass er nach der obligaten Krankschreibung wieder in den Fahrdienst zurückkehren konnte. Sorry, jetzt schreib ich hier die ganze Zeit von meinem Mann.

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • Sorry, jetzt schreib ich hier die ganze Zeit von meinem Mann.

    #knuddel


    das muss so eine schwere Zeit für ihn und auch für dich gewesen sein. Ich kann es gut verstehen, dass es gerade alles wieder hochgewirbelt wird.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969