[Diskussion] Umgang mit Overtourism

  • Ich bin ja als Berglerin auch mal mit Alltagsklamotten unterwegs (echt jetzt, vom Parkplatz bis zum Toni-Wirt reichen Sneakers und ja, der Rucksack mit Notfallset und Trinkflasche kann auch zuhause bleiben... Aber ich kenne den Weg und seine Gefahren (nämlich, dass der Sepp einem unterwegs sieht und unbedingt mit einem quatschen will ;)).

    Aber manchmal ist es echt erschreckend, wie schlecht die Leute ausgerüstet sind - oder noch schlimmer: ausgerüstet wie für den Himalaya aber weder fit noch trittsicher...


    Ich verstehe auch nicht, warum man sich am Meer nicht an die Weisungen der Einheimischen - ich "rieche" das Wetter dort nicht, bei mir zuhause schon.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Anspruchsdenken, aber auch schlicht kein Risikobewusstsein: Gefahren, die ich kenne, sehe ich - andere nicht. Das sieht man auch in den Bergen... Die "Sandalentouris" nehmen kontinuierlich zu, auch unterstützt von immer besseren Aufstiegsmöglichkeiten, ausgebauten Wegen etc... aber Himmel, es ist immer noch Berg und es ist immer noch gefährlich. Und nein, es ist nicht "der Job" der Bergretterinnen, verstiegene Touris den Berg runter zu bringen - es ist ihr Ehrenamt!


    Liebe Grüsse


    Talpa

    Ahhhhh ja...darüber habe ich mich letztes Jahr in Österreich auch aufgeregt, man sah häufig zwei Extreme, die von Dir beschriebenen "Sandalentouris" und die Kategorie , die mein Schwager und meine Schwägerin bedienten, diejenigen die mit Hochgebirgsexpeditionsausrüsten 2,5 km Wanderweg hinter sich brauchten und dann in der Hütte bei Bier und Schnapps verblieben, weil die fehlende Kondition oder die zu geteerte Lunge nicht mehr zu liessen (aber immer groß schnacken was für tolle Touren man doch so machte...man war ich genervt)....für mich die Enttäuschung des Jahrhunders dieser Urlaub...ich bin früher mit meinen Eltern sehr oft in der Schweiz gewesen zum Wandern, keine mehrtägigen Touren oder Klettersteige (die Hunde waren ja immer mit) aber schöne Tagestouren, daher käme ich nie auf die Idee mit Sandalen im gebirge zu wandern...aber dieser Ausrüstungsoverkill zum Hüttensitzen....nervt mich schon beim Skifahren...aber sorry...das ist OT.



    Edit....ich sehe Du weißt was ich meine Talpa , das hat sich überschnitten...

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Kiwi ()

  • ja, das meinte ich doch auch, Kiwi.


    Es wird spannend, wenn meine Mutter stirbt und meine Geschwister und ich das Haus verkaufen.

    Keiner von uns lebt ja da, die Bude als "Familien-Ferienhaus" zu halten ist Schwachsinn. Nur muss irgendwie verhindert werden, dass es eine der Investorenfamilien kauft und der Wohnraum verloren ist.

    Havanna + #male (*02.05) & #female (*02.03)
    Filzgleiter sind nur komprimierte Schafe

  • Ahhhh...hapsch Dich missverstanden...;)

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Man könnte alle möglichen Vorschriften machen, bis hin zur Begrenzung von Besucherzahlen oder Vorgaben, an wen verkauft oder vermietet werden darf. Ist halt nicht gewollt.

    wie in dubrovnik...das ist ja ein krasses bsp für overtourism, die einwohner haben webcams, um zu sehen, ob sie überhaupt auf die gasse rauskönnen...

    angeblich wollte der neue bürgermeister die anzahl der tagestouristen und kreuzfahrer massivst beschränken, weiß nicht, ob er es geschafft hat.

    schnecke 2004 und schneckchen 08/2008

  • Verflixt...Wären wir mal in Luzern geblieben. Meistens bringen die Asiaten ja auch ihre Infrastruktur mit und man kann lecker essen gehen.


    Ich habe mal ganz feines indisches Essen auf irgend einem schweizer Berg gehabt.

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • Glaub mir, Du hättest an den Tagen nicht in Luzern sein wollen.

    Das war echt beeindruckend, ich war dort.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Problem ist halt auch, dass bei den saisonalen Touristen auch wenn sie jahrzehntelang jeden Sommer da sind jedes Verständnis für den Alltag im Rest des Jahres fehlt. Da bilden sich Gemeinschaften und Freundschaften, die drei Monate halten, und die Preise steigen dennoch so, dass Familien, die seit Generationen da lebten sich Smith Haus nicht mehr leisten können, wegen der gestiegenen Steuern.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • ich war vor einem jahr in hallstatt, das war auch krass...

    wie in dubrovnik - je kleiner die stadt bzw das areal, desto schlimmer ist es, wenn sich da horden durchwälzen.

    war neulich in cesky krumlov, da war es gar nicht soooo schlimm (frühe tageszeit), aber die anderen asiatischen gewohnheiten sind mir wieder aufgefallen (klotür offenlassen und öffentlich bieseln???warum??)

    schnecke 2004 und schneckchen 08/2008

  • Das hat man ja nicht nur mit Tourismus, so schaut es ja auch in den Speckgürteln aus. Wir sind her östlich von FFM und die „Einheimischen“ stöhnen über den Zuzug der Frankfurter die hier die Preise kaputt machen. Die Frankfurter hingehen freuen sich über (verhältnismäßig) bezahlbaren Wohnraum.

    es grüßt rosarot mit himmelblau (* april 09) und kunterbunt (*märz 11)

  • rosarot . Stimmt. Problem sehe ich bei den speckgürteln vor allem darin, dass die Menschen kaum in ihrem Ort leben, zumindest habe ich das so erlebt.

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    ~a.joy~

  • Danke euch für eure Beiträge.


    Ich habe dieses Jahr mal wieder stark den Kontrast wahrgenommen.

    Wir sind 9 Tage durch Holland geradelt mit dem Zelt. Auf offiziellen Fahrradrouten, haben uns an die Verkehrsregeln gehalten, versucht nicht im Weg zu stehen, und Nachts auf offiziellen Mini- und Natuurcampings geschlafen und dort auch Touristensteuer bezahlt.

    Die Route ging quer durchs Land, durch kleine Städte, durch Dörfer, teilweise haben wir Stundenlang nur Bauernhöfe und Wiesen und Felder gesehen, und Endete mit der Nordseeküste und dann noch einmal kurz Amsterdam, da von dort unser Zug nach Hause fuhr.


    Meine Erfahrungen waren: je ländlicher und abgelegener, je mehr haben die Menschen sich gefreut uns zu sehen.

    Die Bauersfrau mit ihrem kleinen Selbstbedienungsstand am Straßenrand war so nett und hat sich sehr gefreut, dass ich ein paar Brocken Niederländisch konnte um mich zu verständigen.

    Die Menschen die einem entgegen kamen haben einen gegrüßt und wir wurden immer wieder freundlich angequatscht.


    Als wir dann an der Küste ankamen, wurde das schlagartig anders.

    Die Leute waren alle genervt wenn ich versucht habe Holländisch zu reden und fast jeder konnte sogar Deutsch.

    Die Leute haben eher genervt geguckt, wir wurden nicht gegrüßt.


    Von Amsterdam habe ich nicht viel gesehen, weil der Radweg fast nicht durch die Stadt führt. Am Bahnhof war es voll und wir haben echt gestört mit unserem Gespann. Auch im Zug haben wir definitiv zu viel Platz gebraucht, obwohl wir extra unter der Woche gefahren sind und uns an die Sperrzeit von 16-18:30 gehalten haben.

    Das werden wir nicht nochmal so machen.

    Auf dem Hinweg haben wir niemanden gestört, einfach weil im Inland weniger Menschen im Zug fuhren.


    Ich fahre gerne zur Nebensaison.

    Z.B. war ich im Januar an der Nordsee in einem totalen SommerTouristenort.

    Der war echt ausgestorben, weil es da fast nur Ferienhäuser gab.


    Oder wir fahren über Fronleichnahm immer in einen Wintersportort. Da ist die Vermieterin sehr froh auf unsere jährliche Einnahme zählen zu können.



    An die Menschen die in Touristenorten leben: wie ist das denn in der Nebensaison? Wollt ihr dann eure Ruhe? Freut ihr euch über zusätzliche Einkünfte?


    Wie würde denn netter Tourismus aussehen?

    Meine Vorstellung ist in etwa: die Sprache wenigstens etwas lernen, die Verkehrs- und groben Verhaltensregeln kennen und sich versuchen so zu verhalten als würde man dort wohnen. Oder anders?

    Lg

    Annanita


    #love - #love - #love - #love- #love - #love- #love - 8 - (#lovex2) - #love - #love - #post - #post - #post - #post - #post - #post - #post - #post - #post - 21 - #post - 23 - #post


    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*


  • Das hat man ja nicht nur mit Tourismus, so schaut es ja auch in den Speckgürteln aus. Wir sind her östlich von FFM und die „Einheimischen“ stöhnen über den Zuzug der Frankfurter die hier die Preise kaputt machen. Die Frankfurter hingehen freuen sich über (verhältnismäßig) bezahlbaren Wohnraum.

    Das Problem daran ist, zumindest hier, dass massig neuer und dann auch überteuerter Wohnraum geschaffen wird. Dieser macht dann die Vorteile und das Flair des Speckgürtels kaputt.

    Hier sollen Felder und Grünflächen geopfert werden, damit noch mehr Menschen hier wohnen können.

    Damit ist der Ort aber ein völlig anderer.

    Und vieles, warum wir hier geblieben sind ist dann weg.

    Das wird dann auch oft vergessen. Viele wollen hier leben, weil es ja so schön ist mit den Feldern.

    Ja, da stehen dann eure Häuser drauf und es ist eben nicht mehr so schön....

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Da ich nicht vom Tourismus lebte, war das für mich nie relevant. Der beachclub schloss ja auch mit Saisonende die Pforte.



    Ferienhausbelegung ausserhalb der Saison für nur einmal ist aber oft sehr auswendig, weil man dann das vorbereiten und aufräumen auch nur einmal hat und dementsprechend planen muss und die saisonalen Arbeiter aber auch verschwinden.


    Stören taten mich die sommertouristen hauptsächlich dann, wenn sie sich in Lokalpolitik einmischten und die Mieten hochtrieben und alteingesessene vertrieben.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • Annanita Ich habe bis vor kurzem an einem Ferienort gelebt. Für einige Leute ist die Ausweitung der Saison richtig gut: ich habe in letzter Zeit immer öfter von Arbeitsverträgen in der Tourismusbranche gehört, die tatsächlich übers ganze Jahr gehen.

    Wer davon nicht direkt betroffen ist, freut sich eher auf die Ruhe. Es ist schon auch unheimlich viel zu tun in der Saison , viele haben nicht mal freie Tage zwischendrin (also kein Sonntag oder anderen freien Tag). Kunsthandwerker freuen sich auf Ausschlafen und Produktion.

    Ich (keine Arbeit mit Touristen) habe mich immer gefreut, wenn wir uns mal wieder in den Hafen oder nach Binz trauen konnten. Die paar versprengten außerhalb der Saison hindern einen da auch nicht dran. Und komischerweise die Nachsaisonurlauber oft netter. In der Saison erlebt man Sachen...

    ---#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-#post-16-#post-18-19-2x#post-21-22-23-#post ---

    #paket #post#post :)

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  • Stören tuen mich die Touris eigentlich nur wenn sie im Schwung massenhaft von einem der kreuzfahrer ausgespuckt werden und im Pulk durch den, dem Hafen nahegelegen Teil der Stadt walzen. Ansonsten geht es hier zum einen noch, Kiel ist nun (obwohl ich es liebe) nicht das Kleinod, das jeder Touri mal gesehen haben muss und zum anderen, solange sich die Luete vernünftig benehmen stören sie nicht. In den kleinen Küstenorten drum rum ist es in der nebensaison eher stiller, aber nie ganz tot.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


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  • Ich finde es ja garnicht schlimm, wenn die Sprache nicht gesprochen wird.

    Warum auch?

    Für eine kurze Zeit im Jahr, evtl. auch nur einmal im Leben.

    Also "Hallo, Tschüß, Bitte, Danke" finde ich da völlig ausreichend.


    Klar, Verkehrsregeln usw. sollte man kennen.

    Auch wenn es bestimmt andere Sitten und Regeln gibt, sollte man sie kennen.


    Aber sonst wäre es doch oft schon hilfreich sich so zu benehmen, wie zu Hause auch.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Mondschein . Es gibt Touristen, die nicht mal das können und dann in ihrer Sprache auf dich einreden und erwarten, dass man sie versteht.


    Ansonsten - je mehr Touristen, vor allem in Gruppen desto unmöglicher wird manches benehmen.

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    ~a.joy~

  • netter Tourismus ist zB. wie an meinem Heimatort in der Nebensaison, wo die Menschen kommen, die Interesse an der Natur und der Geschichte haben, sich an die Regeln an den Stränden halten und nicht erwarten, dass im November noch das ganze vielfältige Angebot der Gastronomie wie im Sommer verfügbar ist.

    Die erleben nämlich dann die wirkliche Schönheit und lernen die Einheimischen kennen.


    Tourismus macht was mit den Menschen die da leben.

    Ich bin in eine Zeit geboren und damit aufgewachsen, die noch heute als "fette Jahre" bezeichnet werden. Da wurden alle möglichen und unmöglichen Zimmer im Haus vermietet, wir Kinder durften nur auf Zehenspitzen in unserem Zuhause gehen, wehe ein Gast fühlte sich gestört durch "normale Lebensgeräusche", das brach die Hölle los, die Eltern fürchteten um ihre Einkünfte, die sie aber dringend brauchten um ihre Häuser zu bezahlen. Meine beiden Eltern hatten ja noch Hauptjobs dazu.

    Diese Zeiten sind zwar irgendwie vorbei, aber dieses "Alles für den Gast"-Gefühl ist geblieben, manchmal aber auch ins Gegenteil umgeschlagen, gerade bei meiner Generation.

    Havanna + #male (*02.05) & #female (*02.03)
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  • Havanna: Du musst in dem Fall unbedingt die "Piefke-Saga" mal schauen - die beschreibt exakt das Lebensgefühl unserer Kindheit (in meinem Fall als Beobachterin, meine Eltern hatten nämlich keine Gästezimmer).


    Liebe Grüsse


    Talpa