[Diskussion] Umgang mit Overtourism

  • Airbnb: nein, das geht gesetzlich nicht, das ist nicht legal und die Städte treiben inzwischen einen gehörigen Aufwand, das zu unterbinden.

    Leider können sie nicht so agieren wie Polizei. Aber wenn solche Wohnungen angezeigt werden, bekommen die Eigentümer durchaus empfindliche Strafen. Das ist Wohnraumvernichtung, außerdem zahlen die keine Gewerbesteuer (oft nicht einmal Steuer pberhaupt, wenn das schwarz geht...)

    Hier muss ich vehement widersprechen. Ich bin airbnb host und es geht gar nicht, keine Steuern zu zahlen. Weil alles auf der airbnb Seite gespeichert ist. Wir bezahlen Kurtaxe und die normale Steuer. Allerdings ist hier bei uns auch defiitiv keine Wohnraum Knappheit. Aber beim schimpfen auf airbnb wird gerne auch vergessen, dass viele von uns hosts even nicht regulär vermieten würden. Ich möchte keine Leute dauerhaft in meinen Wohnungen, da ich selbst in dem Haus wohne. Bevor ich airbnb gemacht habe, standen die Wohnungen leer.

    Leider ist das österreichische Mietrecht nämlich so, dass du als Vermieter sehr wenig Rechte hast. Daher gehe ich das Risiko gleich gar nicht ein.

  • es geht um Wohnungen (ganze Wohnungen), die eigentlich Dauerwohnungen sind und missbraucht werden als Ferienwohnungen/Kurzvermietungen.

    Das ist in Städten wie Berlin und München verboten. Zu Recht, da hier der Mietmarkt völlig austrocknet.

    annalin mit Nr 1 M 9/2003 und Nr2 W 3/2006

  • Es ist schwierig. Ich habe früher auf Sylt gelebt und gearbeitet, das wäre heute nicht mehr so möglich. Die Insulaner können sich die Mieten nicht mehr leisten und es gibt auch keine Wohnungen mehr zur Miete. An Touristen vermieten ist einfach ein goldenes Geschäft. Die auf der Insel arbeiten kommen zu großen Teilen jeden Tag vom Festland rüber. Die kleinen Supermärkte machen zu, weil die Touristen zu Aldi gehen und es nicht genug Einheimische mehr gibt die in den Dorfläden einkaufen. Außerdem ist die Verlockung zu groß das Geschäft an Investoren zu verkaufen die da Ferienwohnungen hinbauen. Schuld haben da natürlich nicht "nur" die Touristen. Es war ja abzusehen und es hätte rechtzeitig politisch gebremst werden können. Was da für Wohnraum einfach überwiegend leer steht...

    Ich greife das mal raus, weil meine Familie seit 50 Jahren Urlaub auf Sylt macht.


    Ich glaube nicht, dass die Gemeinden dem hilflos ausgeliefert sind. Es gibt ganz verschiedene politische Handlungsmöglichkeiten, sie müssen nur von der Mehrheit der Wahlberechtigten der Gemeinde gewollt sein. Sylt macht ja zB viel im Inselschutz (früher durfte/kommte man überall herumlaufen, jetzt ist ganz viel eingezäunt und es gibt Holzpfade mit Geländer). Kampen hat strengere Bauvorschriften als Westerland und daher keine Bettenburgen wie das Miramar etc.


    Man könnte alle möglichen Vorschriften machen, bis hin zur Begrenzung von Besucherzahlen oder Vorgaben, an wen verkauft oder vermietet werden darf. Ist halt nicht gewollt.


    Wenn man Tourismus zahlenmäßig begrenzt, heißt das im Übrigen auch, dass schöne Orte zugunsten weniger (den Einwohnern) vor vielen (den Touristen) geschützt werden.

    "Every day, in every vay, ve get better and better."

  • Meine Schwester wohnt im Prenzlauer Berg in einem ganz normalen Mietshaus - unten ist eine Airbnb Wohnung - furchtbar - Horden von jungen Touristen, oft aus Spanien, fallen dort ein (manchmal 10 Personen auf 50 m2) - erbrechen sich ins Treppenhaus, machen nachts Dauerparty und schmeißen den Müll vor das Haus oder ungetrennt in die falschen Tonnen.


    Wir selber waren neulich in der Nähe von Blaubeuren in einer Ferienwohnung über Airbnb in einem Zweifamilienhaus- die Vermieterin wohnte quasi über uns und das war ganz zauberhaft, so konnte sie uns Tipps geben zum Essengehen und für Ausflüge und wir konnten Schwätzchen halten :)

  • ich glaube, es ist ein anderer Schnack, wenn Frau Manou ihre Wohnungen legal als Ferienwohnung vermietet, als wenn der Vermieter von Frau Hansen auf Sylt ihr niedliches Einfamilienhaus nach der Kündigung aufteilt und sehr lukrativ als Ferienwohnungen vermietet, Frau Hansen dann nach Niebüll umziehen muss, weil sie sich als Rentnerin keinen bezahlbaren Wohnraum auf Sylt - ihrer Heimat - mehr leisten kann.

    Letzteres ist NICHT gewollt von den Syltern, nur haben sie kaum Chancen es zu stoppen, es sei denn, die Politik in Kiel macht jetzt mal was dagegen.

    In Hamburg ist es auch nicht (mehr!!) legal, aber es tun noch genug Leute. Wobei da auch zu unterscheiden ist, ob man/frau nur ein Zimmer der Wohnung vermietet wird, damit der Mieter in seiner Bude bleiben kann, oder ganze Mehrfamilienhäuser weg fallen.

    Hier mal ein Artikel aus der heutigen Mopo: https://www.mopo.de/hamburg/il…witter#Echobox=1565756552

    Havanna + #male (*02.05) & #female (*02.03)
    Filzgleiter sind nur komprimierte Schafe

  • Ja, ich denke da sollte man differenzieren. Ich bin da schon so angepiekt, weil man immer und immer wieder unterstellt bekommt, Steuern zu hinterziehen.

    Aber zum Thema: wie sind einen kleine Gemeinde in den Wiener Alpen und für uns ist der Tourismus super wichtig. Er hält sich aber auch in Grenzen. Solche Probleme wie auf Sylt etc. Haben wir nicht. Unser Problem ist, dass wir hier immer weniger Leute werden, die ganzjährig hier wohnen, weil die Jobsituation recht angespannt ist. Wohnraum gibt es hier genügend. Der Tourismus hält viele Betriebe am Leben, sodass wir über jede Nächtigung froh sind. Viele Geschäfte gleichen das Defizit, das sie unterm Jahr machen, mir dem Gewinn der Saisonen aus.

    Und ja, gerade im Juli ist es oft mühsam, aber wenn wir den Tourismus nicht hätten, hätten wir hier noch weniger Jobs.

  • Mein persönlicher Eindruck ist, dass es heute in der Gesamtzahl mehr Touristen gibt.

    Gab es früher zwei Wochen Nordsee, drei Wochen Gardasee oder zehn Tage Mallorca-Urlaub im Jahr. So gibt es heute eine Woche dies, ein Wochenende Städtetrip und noch mal ein verlängertes Wochenende Nordsee im Jahr.


    Also viel mehr Anreise, d.h. statt zwei Flügen, zwei Flüge + 4 Autofahrten; km weitere Anreisen und insgesamt können auch mehr Leute ein oder mehrmals im Jahr Urlaub weiter weg machen.


    Tourismus ist wie Medizin: Die Dosis macht das Gift.

    Außerdem sehe ich die Gemeinden sowie die höhere Politik in der Verantwortung den Tourismus in sinnvolle Bahnen zu lenken. Das kann auch die Vermarktung bisher unbekannterer Orte einschließen, Bauverbote, Nitzungsbeschränkungen für Immobilien etc.


    Außerdem muss sich jeder an die eigene Nase packen. Sieben mal "sanfter Tourismus" mit Museen angucken und netter Bed and Breakfast-Pension mit Vermieteranschluss ist ja nicht zwangsläufig sinnvoller für die besuchten Orte als zwei Wochen klassischer Ballermann in dafür ausgelegter Bettenburg.

  • Talpa Die Doku über Hallstadt habe ich auch gesehen bzw. versucht zu sehen. Ich mochte das nicht wirklich anchauen, wie überlaufen der Ort heute ist. Wir waren vor etwa 15 Jahren dort. Da war es nettes, ruhiges Örtchen ohne Menschenmassen.

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  • ich kann mir vorstellen, dass Overtourism an einigen Orten wirklich nur Geld in die Kassen einiger Weniger spült, der Rest hat das Nachsehen.

    In den FB-Gruppen meines Heimatortes lese ich manchmal Gequengel, dass bestimmte Areale nicht zur Brut- und/oder Wurfsaison begangen werden können, oder dass die neuen Häuser das Bild verschandeln (tun sie nicht, sie sind gut designt und weder Plattenbauten noch sonstwie hässlich). Das Gequengel kommt von Touristen, die - um des mal etwas zu überspitzen - meinen, sie hätten die Insel "gekauft", weil sie einmal im Jahr für eine Woche da sind.

    Vergessen wird, dass es eben kaum noch Wohnraum gibt, Zuzug von Außen aber wichtig ist usw.

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  • Meine Schwester wohnt im Prenzlauer Berg in einem ganz normalen Mietshaus - unten ist eine Airbnb Wohnung - furchtbar - Horden von jungen Touristen, oft aus Spanien, fallen dort ein (manchmal 10 Personen auf 50 m2) - erbrechen sich ins Treppenhaus, machen nachts Dauerparty und schmeißen den Müll vor das Haus oder ungetrennt in die falschen Tonnen.


    Wir selber waren neulich in der Nähe von Blaubeuren in einer Ferienwohnung über Airbnb in einem Zweifamilienhaus- die Vermieterin wohnte quasi über uns und das war ganz zauberhaft, so konnte sie uns Tipps geben zum Essengehen und für Ausflüge und wir konnten Schwätzchen halten :)

    Ja, man muss differenzieren und die Städte mit Wohnraumknappheit sollten da auch gegen Airbnb vorgehen. Wir haben auf dem Weg in den Süden bei einer Familie im Dachgeschoss übernachtet. Zwar eigenes Zimmer und Bad, aber man muss durch deren Wohnung durch, war also nicht abgetrennt. Das ist dann stimmig und klaut keinen Wohnraum.

  • Mein persönlicher Eindruck ist, dass es heute in der Gesamtzahl mehr Touristen gibt.

    Das ist so. Nur ein Link zur Untermauerung

    https://www.welt.de/regionales…Boom-setzt-sich-fort.html


    Vor allem in Asien ist es mehr Menschen möglich zu reisen und das wird dem entsprechend auch genutzt. So "muss" halt herkömmliche Tourist seine Hotspots mit zusätzlichen Touristen teilen. Dazu kommt, dass zb. Asiaten gerne in Gruppen reisen.


    Da gab es im Luzern kürzlich eine skurille Situation:

    Ein chinesisches Kosmetiknuternehmen belohnt gute Verkäufer mit Reisen. Etwas unerwartet haben mehr Verkäufer als geplant dieses Ziel erreicht (man rechnete mit 3000) und so reiste eine chinesische Reisegruppe mit knapp 12`000 Personen in die Schweiz. Das war die bisher grösste Reisegruppe, die jemals die Schweiz besucht hat. Natürlich teilte man die Menschen auf verscheidene Standorte auf, anders wäre das gar nicht gegangen.

    Aber alleine in Luzern waren dann an einem Tag 95 Reisebusse dieser Reisegruppe im Einsatz, mehrere Schiffe gebucht auf dem Vierwaldstättersee, es wurden mehr ÖV eingesetzt, es wurden zusätzliche mobile Toiletten aufgestellt und man riet den Einheimischen an dem Tag davon ab, die Hotspots der Stadt beuschen zu wollen. Es war fest in chinesischer Hand.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Overtourismus ist für den Grossteil der Bevölkerung, der dort wohnt einfach nur schlecht. Wir lebten selbst in einem touristischen Ort - von Juni bis September verzehnfachte sich die Bevölkerungsdichte, plus die Tagesbesucher, Verkehr war dicht, zT gefährlich für die Kinder auf den sonst leeren Strassen. In den restlichen Monaten war dann tote Hose, nur in jedem 5. Haus wohnte jemand etwa. Der Supermarkt war nur im Sommer auf, und auch sonst kollabierte die Infrastruktur. Es war eine tolle Gegend und wir liebten es sehr, aber der Unterschied zwischen einsam und überbevölkert war krass. Und viele bekamen nur Mieten von September bis Juni, danach stiegen die Preise fuer den Sommer um das 5-10fache, oder man zog halt fuer die Zeit aus (wohin?); war in den USA, da war sowas üblicher. Häuser waren älter und superteuer, die günstigeren Häuschen kosteten schon 750000.


    Dazu kam der Schmutz am Strand im Sommer, das Sportzentrum war auch nur im Sommer offen und betreut, viele schmissen dann im Sommer ihre Sommerparties mit vielen, vielen Gästen. Das war laut in dem Moment, und dann waren die Grundstücke aber oft nicht dafuer ausgelegt und der Septic Tank (wir waren nicht an die Kanalisation angeschlossen und jeder musste hatte einen Tank), liefen ueber. Oder der Garten wurde grün gedüngt und mit Pestiziden besprüht, was dann in manchem Jahr zu Problemen im See führte... und die Sommerbewohner verstanden das nicht und sahen das nicht. Auch das man Schwaene nicht füttern sollten und dass die in dieses Oekosystem eben nicht hingehörten. Sie verstanden einfach nicht das normale Leben.


    Airbnb war sehr nervig, als unsere Nachbarin damit anfing einen Teil ihres Hauses darueber zu vermieten, weil sie von uns verlangte, dass die Kinder nicht mehr so laut im Garten spielen sollten, dass wir uns doch bitte nur im Hintergarten aufhalten sollten etc. Die Gäste waren meist sehr ruhig, aber sie war sehr sehr nervig und mischte sich staendig in unser Leben ein.



    Und noch was - viele Touristen haben keine Ahnung von Gefahren und dann braucht es extra Sicherheitsvorkehrungen und Massnahmen am Meer zB. Auch das muss bezahlt werden. Mit Bademeistern und Einsatzkräften etc.


    Meine Schwiegerfamilie lebt auch in einem Tourismusort und es ist erschreckend, wenn das kleine Lieblingsrestaurant unbesuchbar wird, weil es von Touristen überschwemmt wird, wenn Busse vor manche Geschäfte gekarrt werden, und man dort nicht mehr hinkann. Die Preise steigen, die Läden verschwinden, stattdessen gibt es nur noch Läden mit Andenken. Dort haben sich die Zahlen in den letzten 4 Jahren verfuenfacht und es ist so deutlich zu spüren. Einfach erschreckend.


    In soweit ich weiss nicht, ob die Art von Tourismus so einen Riesenunterschied macht, wenn die Gesamtzahlen einfach schon so hoch sind. Allerdings habe ich noch nie wirklich den Kreuzfahrttourismus life erlebt und waere dann vielleicht noch erschrockener.



    Was ich tue? nie auf Kreuzfahrt gehen. Und ich meide Toursimushochburgen und verbringe auch gerne Urlaub daheim :-)

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

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  • Und noch was - viele Touristen haben keine Ahnung von Gefahren und dann braucht es extra Sicherheitsvorkehrungen und Massnahmen am Meer zB. Auch das muss bezahlt werden. Mit Bademeistern und Einsatzkräften etc.

    selbst wenn es Bademeister, bzw. bewachte Strände gibt, schützt das nicht vor Idioten, die meinen, die Regeln gelten nicht für sie! Grad erst an der Ostsee wieder: https://www.ndr.de/nachrichten…-Bucht,badeverbot170.html

    Wir wussten als Kinder schon, wann wir besser nicht ins Wasser gehen, wegen zu viel Wellengang usw. Außerdem kannten uns die Rettungsschwimmer und wenn wir es doch taten, gabs echt Ärger.

    Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass solche Gefahren einfach ignoriert werden, einfach weil "man ja schliesslich einen Urlaub an der See bezahlt hat und das muss auch erlebbar sein".


    Kann es sein, dass bei einigen Menschen das überhöhtes Anspruchsdenken einfach den gesunden Menschenverstand aushebelt?

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  • schützt das nicht vor Idioten, die meinen, die Regeln gelten nicht für sie!

    Das habe ich auch schon erlebt - viele unterschätzen das Meer, das auch an einem sonnigen Tag gefährlichen Sog haben kann, und kräftige Maenner auch bei Wadenhohen Wasser umhauen und rausziehen kann.

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  • Anspruchsdenken, aber auch schlicht kein Risikobewusstsein: Gefahren, die ich kenne, sehe ich - andere nicht. Das sieht man auch in den Bergen... Die "Sandalentouris" nehmen kontinuierlich zu, auch unterstützt von immer besseren Aufstiegsmöglichkeiten, ausgebauten Wegen etc... aber Himmel, es ist immer noch Berg und es ist immer noch gefährlich. Und nein, es ist nicht "der Job" der Bergretterinnen, verstiegene Touris den Berg runter zu bringen - es ist ihr Ehrenamt!


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Anspruchsdenken, aber auch schlicht kein Risikobewusstsein: Gefahren, die ich kenne, sehe ich - andere nicht. Das sieht man auch in den Bergen... Die "Sandalentouris" nehmen kontinuierlich zu, auch unterstützt von immer besseren Aufstiegsmöglichkeiten, ausgebauten Wegen etc... aber Himmel, es ist immer noch Berg und es ist immer noch gefährlich. Und nein, es ist nicht "der Job" der Bergretterinnen, verstiegene Touris den Berg runter zu bringen - es ist ihr Ehrenamt!


    Liebe Grüsse


    Talpa

    die Berge sind ja nicht so mein Beritt, aber ich erinnere mich noch an die Erzählungen von befreundeten Bergrettern (meine Mutter ist aus den "Bergen" und fuhr jedes Jahr zum Ski ins Allgäu), deckt sich mit dem was Du schreibst und was überall passiert.

    Das ist wie an der See, wenn die alten Fischer nicht mehr rausfahren, weil sies in den "Knochen spüren" (aka Wetterbeobachtung und entsprechende Vorhersagen ;-) ), das es ungemütlich werden kann und da noch die Trottel mit ihren für Schwerwetter untauglichen Booten raus fahren und dann von den Seenotrettern raus gefischt werden müssen.

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  • Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass solche Gefahren einfach ignoriert werden, einfach weil "man ja schliesslich einen Urlaub an der See bezahlt hat und das muss auch erlebbar sein".

    Ja und oft ist es auch quasi der Zeitdruck. "Aber ich habe doch _jetzt_ eine Woche Urlaub und ich wollte doch in diesem Urlaub -am Meer schwimmen/ auf diesen Berg steigen/ diese Wanderung machen- das geht jetzt einfach nicht, dass es heisst, dass Wetter ist nicht gut. Das muss jetzt einfach gehen, denn sonst kann ich es ja in diesem Urlaub gar nicht machen."


    Auf Facebook gibt es die interessanten Gruppe "Stupid things tourists do in Iceland" :D

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Oh ja Talpa , uns sind vor zwei Wochen auch gerade auf einer wirklich deftigen Wanderung im sehr steinig-felsigen Gebiet in den Alpen eine Frau und zwei Teenager auf Flip-flops entgegen gekommen.

    Uns war unbegreiflich, wie die das überhaupt geschafft haben. Total irrsinnig.

    Liebe Grüße
    Silke mit dem Großen 06/2006 und der Kleinen 06/2009

  • zu dem Thema, aber nicht ganz Overtourism:

    wir kriegen ja seit ein paar Monaten TLC und HGTV im Fernsehen. Da gibt es Sendungen, wo Menschen (fast nur in den USA oder vllt. mal Mexiko) Häuser bzw. Ferienhäuser auf Inseln suchen. Nun gut, vllt. ist es eine spezielle Macke von mir, aber wenn irgendwo Naturkatastrophen statt finden, interessiere ich mich dafür und denke mir: mensch, ein Haus so dicht am Strand ist wirklich dämlich! Erst recht, wenn der sehr flach ist und er Grund wo diese Häuser gebaut sind auch noch Marschland/Salzwiesen sind, da ist doch vorprogrammiert, dass beim nächsten Sturm/Hurrikan da was gewaltig kaputt gehen könnte.

    Die wollen aber un-be-dingt Meerblick und einen Direktzugang zum Meer. Das kann doch nur schief gehen. Merken die das wirklich nicht?

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  • als wenn der Vermieter von Frau Hansen auf Sylt ihr niedliches Einfamilienhaus nach der Kündigung aufteilt und sehr lukrativ als Ferienwohnungen vermietet, Frau Hansen dann nach Niebüll umziehen muss, weil sie sich als Rentnerin keinen bezahlbaren Wohnraum auf Sylt - ihrer Heimat - mehr leisten kann.

    Jein....wenn Frau Hansen aus ihrem Eifamilienhaus mehrere Ferienwohnungen macht, die sie lukrativ vermietet, dann könnte sie sich auch einen Wohnsitzt auf Sylt leisten. Das Sylterproblem ist, dass Investoren dort massiv Immobilien und Grundstücke aufkaufen und viele Sylter (nicht alle!) den hals nicht vollkriegen können und alles was geht "ferienvermieten". Zusätzlich ist Sylt nicht unbedingt ein Arbeitsmarktparadies, ich kenn einige Sylter, die hier in Kiel arbeiten, Immobilien auf Sylt geerbt haben, diese aber für ein Wahnsinnsgeld an Investoren verticken um so hier nette Häuser zu bauen. Es ist auf den den Inseln mehr als ein reines Tourismusproblem, es ist zusätzlich ein Strukturproblem, die jungen Leute, die NICHT in der Gastro oder im Tourismus arbeiten fehlen und verkaufen die Immobilien ihrer Eltern/Großeltern. Frau Hansen selbst, hatte ja ihr Einfamilienhaus, ihren Wohnsitz auf Sylt, fand es aber lukrativer dort Ferienwohnungen zu machen.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf