1. Klasse - Lehrerin schwanger...jemand Erfahrung?

  • Astarte: Es hat mir keine Ruhe gelassen und ich hab das hier gefunden. Ich vermute, dass wir damals tatsächlich die Ergebnisse der Helbig-Studien diskutiert hatten, ich hab 2009/10 studiert.


    Hier sein zentrales Fazit:


    Zitat

    Auch wenn in einigen wenigen empirischen Untersuchungen Belege für einen Zu- sammenhang zwischen dem Unterricht bei einer gleichgeschlechtlichen Lehrkraft und dem relativen Schulerfolg von Jungen und Mädchen gefunden wurden, so zeigt doch die überwiegende Mehrheit der Studien, dass das Geschlecht der Lehrkraft auf den Schulerfolg keine Auswirkungen hat. Insgesamt kann man sagen, dass die Fe- minisierung der Grundschule weder zu einem niedrigeren Schulerfolg der Jungen noch zu einem höheren bei den Mädchen geführt hat.

    Ich finde übrigens, die Zusammenfassung lohnt sich insgesamt zu lesen, es sind nur 12 Seiten.


    Marcel Helbig: Es sind nicht die Lehrerinnen. Empirische Belege zum Geschlecht der Lehrkraft und dem Schulerfolg der Kinder

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Ich hab jetzt alles gelesen, und ich kann mich nur nochmal nachdrücklich den Vorschreiberinnen anschließen, die Ähnliches geschrieben haben.


    Ich finde, der Elternbeirat sollte tunlichst die schwangere Lehrerin in Ruhe lassen mit irgendwelchen Gesprächsersuchen.

    Wenn Gesprächsbedarf besteht, dann wäre in meinen Augen die Schulleitung der geeignete Ansprechpartner.



    Wobei die Schulleitung dem Elternbeirat auch nicht mehr mitteilen können wird als den voraussichtlichen Termin des Mutterschutzes (und, wie schon mehrfach geschrieben, das kann sich ja tagtäglich ändern, ob die Lehrerin noch kommt oder nicht). Und weiterhin, dass die Schulleitung um eine gute Lösung bemüht ist.


    Aber die Bitte um einen Gesprächstermin direkt mit der Lehrerin seitens des Elternbeirates fände ich persönlich absolut übergriffig, unangebracht und unverschämt. (Ich bin jetzt keine Lehrerin, aber wenn jemand während meiner Schwangerschaften so einen Druck auf mich versucht hätte auszuüben... und so hätte ich das wohl empfunden... dann wäre das eventuell für mich ein Grund gewesen, schnurstracks zum Arzt zu gehen und mich krank schreiben zu lassen wegen zu hoher psychischer Belastung. Echt.)


    Übrigens habe ich es auch schon einige Male erlebt, dass männliche Lehrer in Elternzeit gehen. Richtig so. Und tatsächlich habe ich es noch nie erlebt, dass die Elternschaft sich dann da einen Riesen-Kopf drum macht.


    Wie auch immer, wenn überhaupt wäre in meinen Augen die Schulleitung Ansprechpartner des Elternbeirates.

    Wenn überhaupt.

    Die Situation ist, wie sie ist. Die Schulleitung wird leider auch keine Vertretung herhexen können.

  • Ganz lieben Dank! Habe es gleich gelesen. Das ist wirklich sehr hilfreich, zumal hier eine Reihe typischer Stammtischargumente entkräftet werden.

  • Hallo,


    Ich fände es - bei allem Verständnis für die Sorgen der Eltern, daß ich durchaus habe - befremdlich, wenn eine schwangere Lehrerin hier den Eltern bzw. gar dem Elternrat Rede und Antwort stehen müsste... Das ist so gar nicht üblich.


    Ich kenne es auch so, daß oft die Kinder zuerst Bescheid wissen, es zu Hause erzählen. Dann kann man beim abholen mal freundlich gratulieren und nachfragen, wann es denn so weit ist - und sich seine Gedanken dazu machen. Oder einfach abwarten und ggf. beim nächsten Elternabend mal nachfragen, wenn nichts dazu kommt.


    Ich weiß nicht, wie es anderswo ist, aber hier könnte keine Lehrerin sagen, wie es weitergeht, wie lange sie da ist (da reicht manchmal das Auftreten einer blöden Infektionskrankheit) oder gar wer die Klasse übernimmt usw., weil das "vom Amt" meist erst sehr spät geregelt wird. Das ist blöd, ja, aber nicht in der Verantwortung der einzelnen Lehrerinnen...


    Männer/Frauen ... im Grunde ist das doch egal, es sollte GENUG Lehrer und Lehrerinnen geben, um auch Ausfälle auffangen zu können. Die entstehen nämlich nicht durch Schwangerschaften und Elternzeit, auch Verletzungen, langwierige Krankheiten oder - leider gerade durch den Personalmangel und den dadurch vorhandenen Stress mitbedingt - häufiger werdenden Burnouts o.ä. reißen genau so große und teilweise langwierige Lücken.

  • Ich schaffe das Zitieren gerade nicht am Handy, möchte aber gerne den Text von Trin in vollem Umfang unterschreiben.


    Mich hält übrigens ein sehr männlicher Grund davon ab, nach meinem Ref an der Grundschule zu bleiben: die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung und das ständige Unterschätzen der Arbeit. Zumindest das Gehalt soll ja in den nächsten Jahren angeglichen werden - endlich.


    Ich würde an der Stelle der Lehrerin das Gespräch freundlich hinter mich bringen, wäre aber innerlich unfassbar genervt.