Datenschutz, ein Fremdwort beim Arzt?!

  • War heute in einem MVZ, saß im Gang, mit mind fünf anderen.


    Permanent das Telefon wg Terminvereinbarung, das MVZ hat ua eine Gyn-Sprechstunde. Und nun weis ich das eine ehemalige Nachbarin eine „Krebs-op“ hatte und am Mittwoch einen Nachsorgetermin hat.

    Ich hörte mit halbem Ohr hin und wunderte mich zunehmend das die Telefondame sehr angenervt sprach und eher so als wenn man mit Menschen spricht die der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig sind.

    Und dann notierte sie Name, buchstabierte ihn beim aufschreiben, wiederholte ihn, auch die Telefonnummer ( eine Geheimnummer) hätte ich nun, da sie die notierte und dann noch mal wiederholte,

    Auch fasste sie nochmal den Grund des Termins zusammen.

    Irgendwie finde ich das ziemlich sonderbar.

    Hoffe ich schaffe es ein angemessenes Gesicht aufzusetzen wenn ich die Nachbarin das nächste mal sehe, und entweder überrascht reagieren kann wenn sie’s erzählt oder nicht komisch bin wenn sie nix erzählt


    Ob man die Leute darauf hinweisen soll?

  • Ich glaube, ich hätte die Arzthelferin tatsächlich angesprochen. Da das Bewusstsein für Datenschutz im medizin. Bereich gerade leider erst noch ein sehr zartes Pflänzchen ist, würde ich das absolut freundlich ansprechen. Alleine die Räumlichkeiten sind schon ein Problem in Arztpraxen. Ganze Abläufe müssen sich ändern, damit der Datenschutz besser wird, weil gerade die Anmeldungen nahezu im Durchgangsbereich/Flur stehen und so häufig Patienten sich in der Nähe aufhalten. Da ist noch sehr viel zu tun und die Arzthelferin alleine kann das u.U. kaum lösen. Aber wenn man erstmal ein Problembewusstsein geweckt hat, könnte es langfristig da mal zu räumlichen Verbesserungen kommen. Und ohne Umbau ist das in vielen Praxen rein praktisch unmöglich dem Datenschutz genüge zu tun. Da muss sich noch viel tun. Aber es muss eben tatsächlich auch.

    LG Miriam mit 2 Jungs (2004 und 2006)

  • Ich habe das in Praxen durchaus schon angesprochen.

    "Entschuldigen Sie, aber ich hätte zu der Diagnose von Frau Schmitz noch eine Frage." #angst

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Auf jeden Fall ansprechen. Auch mit der Ärztin reden. Die wissen oft gar nicht, was an der Rezeption so läuft.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • Ich würde ja erwarten, dass die Praxen ihre Menschen an der Anmeldung entsprechend schulen. Dass sie keine Diagnosen oder Behandlungen am Telefon erwähnen, wenn jemand in Hörweite ist, oder wenn es aus irgendeinem Grund unvermeidbar ist, dass dann kein Name dazu genannt wird, oder dass die Telefonsituation umgestaltet wird, so da keiner mithören kann. Ich würde definitiv eine schriftliche Rückmeldung geben, sagen, dass du sehr irritiert warst, nun sensible Patienteninfos mitgehört hast und darum bittest, dass sie ihre Abläufe da durchsprechen und optimieren.

    When you’re a kid, they tell you it’s all… Grow up, get a job, get
    married, get a house, have a kid, and that’s it. But the truth is, the
    world is so much stranger than that. It’s so much darker. And so much
    madder. And so much better.

  • Mich wundert auch, dass das nicht selbstverständlich ist. Mein früherer Hausarzt hatte ein Anmeldezimmer mit Tür, so dass man wirklich nichts hörte. Bei anderen Ärzten ist es so beengt, dass man gar nicht Abstand zur Anmeldung halten kann.

  • ich kenne es nicht anders. bei meiner ex-zahnärztin waren neben den türen so transparente kunststoffhalterungen angebracht, in die konnten diese patienten-pappkarten gesteckt werden, die kleinen akten. da steckten sie drin, für alle von außen sichtbar, während die patientin innen wartete, und wenn die zä ins behandlungszimmer kam, nahm sie sich die karte jeweils raus.


    einmal, als ich durch den flur ging, kam ich an einem zimmer vorbei, im halter klemmte die papp-akte, darauf war riesig vermerkt, mit kuli geschrieben und mit textmarker angemarkert: HIV+!!! - darüber standen der volle name und die adresse des patienten sowie das geburtsdatum. ich wusste nun also, dass herrr f. b. aus dortmund, geboren dann und dann und wohnhaft in straße xy, hiv-positiv ist.


    das habe ich an der anmeldung gesagt. es gab auch drastischen ärger für den vermerk bzw. dessen sichtbarkeit. aber das system gibt es immer noch.

  • Ich kenne kaum Praxen, wo das anders ist. Papierdünne Wände, durch die du jedes Wort im Behandlungszimmer mithörst, indiskrete Arzthelferin, die das Telefon mit dir dran auf den Tisch legt und sich hörbar mit Patientinnen am Tresen unterhält... Aber auch in Ärztehäusern zwischen den Praxen geht viel ab: ich hatte mir den Zeh gebrochen und ging damit in die Unfallchirurgie. 2 Wochen später beim nächsten Termin in der Psychiatrie im selben Haus begrüßt mich der Psychiater mit "na, wie geht's Ihrem Zeh?" Ich war so perplex, dass ich nicht mal nen richtigen Aufstand machen konnte!

    Wir wurden erschaffen, um uns weiterzuentwickeln, sonst hätte Jesus sicherlich vor über zweitausend Jahren gesagt: "... und jetzt sitzt ganz still und tut gar nichts, bis ich wiederkomme!" Swami Beyondananda

  • Das sind ja Dinger die ihr da erzählt #eek

    Aber so ähnlich habe ich es auch erlebt und was mich besonders wundert, daß bei der Anmeldung keine Rücksicht auf Datenschutz genommen wird aber wenn man eine Bescheinigung per Email braucht wird das abgelehnt in Hinblick auf Datenschutz #haare

    Bei meiner Neurologin stehen dutzende Menschen vor der Anmeldung, da hörst du alles... Beim Hausarzt ist es besser, da muss Abstand gehalten werden, man hört aber trotzdem alles.

    In der Bank ist es aber nicht anders, da schreibe ich den abzubuchenden Betrag immer wortlos auf einen Zettel, weil sonst die halbe Stadt weiss wie es um meine Finanzen steht.

    Auf der Homepage eines Vereins in dessen Vorstandschaft ich bin, werden alle Telefonnummern veröffentlicht, das geht doch nicht!!! Meine habe ich rausnehmen lassen.

    Nur so am Rand, sorry, geht am Thema vorbei

  • die Arztpraxen, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, bemühen sich schon sehr, Patientendaten geheimzuhalten.

    Klappt nicht immer, aber meistens.

    Anrufe mit Rückfragen zu irgendwelchen Untersuchungen oder Unterlagen u.ä. bekomme ich z.B. aus der Praxis/von den MTAs meiner Hausärztin ausschließlich kurz vor Öffnung der Praxis morgens oder Nachmittags, während der Telefonsprechstunde oder es kommt 'ne E-Mail, wenn es nicht schrecklich eilt.


    Kenne ich aber aus meiner Zeit auf dem Dorf auch noch ganz anders... inklusive offener Tür des Behandlungsraums direkt neben dem Tresen, nochmal schnell was mit den Patienten nachbesprechen, während die im Wartezimmer in ihre Jacke schlüpfen u.ä.

    _._._._._._._._
    Prokrastinierer aller Länder: vereinigt Euch - morgen


    “Schatz, komm bitte ins Bett. Man braucht sieben Stunden Schlaf, um als Mensch zu funktionieren.“ “Ich bin Mutter, ich brauch vier.“


    Silence is golden... unless you have a toddler. Then silence is extremely suspicious.

  • Das Grässlichste, was ich mal erlebt habe diesbezüglich, war im Jahr 2010 oder 11. Ich war umgezogen, neuer Gynäkologe.


    "Machen Sie sich schon mal frei" - ich ging hinter den Vorhang, mich ausziehen. Währenddessen wurde Frau XY im selben Zimmer behandelt #blink (ich frage mich, ob sie wusste, dass ich da hinter dem Vorhang war). Ich war da nie wieder. (Aber: die Anmeldung war ein separates Zimmer #hammer- theoretisch hätte sogar eine Tür geschlossen werden können.)


    Offene Anmeldebereiche gibt es aber wirklich, wirklich häufig.

  • Bei uns ist es üblich, dass man sich ins Wartezimmer setzt und die Türe dort geschlossen ist.

    Man hört nichts und sieht auch keine Patientenakten, die sind überall auch digitalisiert.


    Das heisst im Behandlungszimmer ruft der Arzt/ die Ärztin meine Daten auf und gut ist,

    Ausser bei Kieferorthopäden, da legen sie vor dem Termin immer Röntgenbilder und Gipsabdruck raus.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)