Frage zu Steuern Ehegattensplitting!

  • sandra Ich versuche, ein Beispiel zu zaubern, aber ich schaffe das erst heute Abend. Und wahrscheinlich habe ich auch noch einen Denkfehler drin, sprich wir haben beide recht.

    Damit lohnt sich‘s dann am meisten, wenn die Einkommen sehr unterschiedlich sind und beide insgesamt nicht zu viel verdienen :)

    Kein Stress bitte :) - ich war nur neugierig, weil ich frisch verheiratet bin ;) - wir sind allerdings beide selbständig, zahlen uns dumm und dämlich an Steuern, genauso wie ich vorher als Alleinerziehende schon, und zahlen jetzt laut Steuerberater 200 Euro mehr im Jahr 8o

  • Die Aussage

    Genau, ich wollte in eine ähnliche Richtung wie Katermäuschen - das Splitting belohnt große Einkommensunterschiede.

    irritiert mich immer wieder.


    Ich finde das Splitting nur fair.

    Ein Ehepaar ist eine Bedarfsgemeinsvhaft, ein Haushalt, ein Geldtopf, von dem alle beide (und evtl. Kinder) leben müssen.

    Wer wie viel Geld erwirtschaftet, wer bei den Kindern bleibt-das sollte doch eine private Entscheidung sein.

    Bei gleicher Gesamtsumme zahlt jedes Ehepaar gleich viel Steuer, egal ob 80/20 oder 50/50 oder sogar 99/1 verdient wird.


    Ich würde sogar sagen: ohne Splitting würden Familien bestraft, in denen einer stark reduziert beruflich.

    Das können die Kinder sein, aber auch gesundheitliche Gründe.




    Und zu den Leistungen bei Steuerklasse 3/5.

    Bei Arbeitslosigkeit des Geringverdieners in der Familie (das bin ich) können wir (im Falle des Falles) die 10 Euro weniger Alg1 verkraften.

    Es fällt ja auch nicht so viel Verdienst weg (im Gesamt-Haushalt)

    Wenn mein Mann dafür aber bei 4/4 riskiert, 100€ weniger Alg1 zu bekommen, ist das in der Gesamtschau schon anders.

    Deshalb bleiben wir z.Bl bei 3/5.

    Zahlen sind fiktiv.

    annalin mit Nr 1 M 9/2003 und Nr2 W 3/2006

    Einmal editiert, zuletzt von annalin ()

  • annalin, das Splitting kann nicht gerecht sein, denn es belohnt die Ehe und ist somit nur denen vorbehalten, die eine Ehe eingehen können und wollen.


    Es diskriminiert damit Menschen die ohne Trauschein Kinder haben, Menschen, die ihre Kinder alleine erziehen müssen... Menschen, deren Ehe nicht gehalten hat, die ihre Kinder aber natürlich weiterhin "unterhalten" müssen.


    Es werden außerdem Ehen ohne Kinder und solche mit Kindern, die längst für sich selber sorgen gefördert.


    Menschen, deren Ehepartner verstirbt und die weiterhin die gemeinsamen Kinder versorgen werden auch nicht mehr durch das Splitting begünstig.


    Damit sage ich nicht, dass es ungerecht ist, dass ihr vom Splitting profitiert, denn ihr habt ja Kinder und seid eine Bedarfsgemeinschaft. Ich sage allerdings, dass es zutiefst ungerecht ist, diese Vergünstigung an die Ehe zu knüpfen.

  • naja, ich sehe das unabhängig von den Kindern. Die sollten eh extra in der Steuer berücksichtigt werden (und zwar stärker als bisher, Freibeträge etc).

    annalin mit Nr 1 M 9/2003 und Nr2 W 3/2006

  • naja, ich sehe das unabhängig von den Kindern. Die sollten eh extra in der Steuer berücksichtigt werden (und zwar stärker als bisher, Freibeträge etc).

    Aha, ist aber doch eben nicht so. Wie kann das Splitting da mehr als fair sein?

  • Es ist eben (auch) eine weltanschauliche Frage. Wer wird als Wirtschaftseinheit gesehen? Die Einzelperson? Das Ehepaar? Zusammenlebende Paare? Familie? Alle, die in einem Haushalt leben?


    Aus dem Bauch raus würde ich sagen, alle die sich langfridtig dafür entscheiden gemeinsam zu wirtschaften und auch finanziell für einander einzustehen. Für diese ist ein Splitting angebracht, denn: Was geht den Staat das an wie sich diese Gemeinschaften entscheiden untereinander Erwerbs-, Haus- und Carearbeit zu verteilen.


    Problematisch wird es dann in der Praxis, wer ist WG, wer lebt wirklich gemeinsam und wer vielleicht nur übergangsweise.


    Außerdem ist es momentan so, dass ein und das selbe Paar z.B. für das AlG 2 als Lebens- und Sorgegemeinschaft betrachtet werden, aber nicht steuerlich. Das macht keinen Sinn.


    Ich wäre also für ein Familiensplitting mit einem erweiterten Familienbegriff.

  • Früher habe ich das Ehegattensplitting auch sehr kritisch gesehen, da es die typische Konstellation Chef mit Sekretärin, Arzt mit Krankenschwester, die finanziell nicht auf einer Augenhöhe sind, und daher oft zu Abhängigkeiten führen, begünstigt.


    Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter, da mein Gedankengang aus heutiger Sicht etwas zu kurzgegriffen ist. Nein, wir profitieren nicht vom Spitting, da wir ungefähr gleich viel verdienen. Aber wenn jetzt einer reduziert, würde es doch nur fair sein, trotzdem das gesamte Familieneinkommen abzusetzen. Und nicht immer ergibt es sich, dass einen Partner findet, der gleich viel verdient. Ich denke finanzielle Abhängigkeit kann auch unabhängig von den steuerlichen Vorteilen bestehen.

  • Wenn man mal ganz nüchtern auf die aktuellen Zahlen schaut, muss man tatsächlich feststellen, dass das aaktuelle Splitting den Staat unheimliche Summen kostet, Kinder aber nicht vor Armut schützt. Es fördert aktiv die "Zuverdiener-Ehe" und aktuell faktisch die finanzielle Abhängigkeit der Frau und somit die Verarmung von Alleinerziehenden und die Altersarmut, die ja auch weiblich ist. Weil durch das Konstrukt eine Rollenverteilung begünstigt wird, die nur in der Ehe auch wirklich günstig ist, im Falle der Trennung, Krankheit oder Tod des Partners aber Risiken birgt, die nicht abgesichert sind bzw. deren Absicherung aktiv abgeschafft wurde (Stichwort neue Unterhaltsgesetzgebung)


    Ich hab es glaube ich schon länger nicht mehr geschrieben, daher hier noch mal: rund 40 % alle AE sind auf staatliche Transferleistungen angewiesen, meist ergänzend zur Erwerbstätigkeit. Denn AE-Frauen arbeiten deutlich mehr als Mütter in Beziehungen und sind dabei über 4x so oft arm.

    Früher habe ich das Ehegattensplitting auch sehr kritisch gesehen, da es die typische Konstellation Chef mit Sekretärin, Arzt mit Krankenschwester, die finanziell nicht auf einer Augenhöhe sind, und daher oft zu Abhängigkeiten führen, begünstigt.


    Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter, da mein Gedankengang aus heutiger Sicht etwas zu kurzgegriffen ist. Nein, wir profitieren nicht vom Spitting, da wir ungefähr gleich viel verdienen. Aber wenn jetzt einer reduziert, würde es doch nur fair sein, trotzdem das gesamte Familieneinkommen abzusetzen. Und nicht immer ergibt es sich, dass einen Partner findet, der gleich viel verdient. Ich denke finanzielle Abhängigkeit kann auch unabhängig von den steuerlichen Vorteilen bestehen.

    Warum sollte das denn per se fair sein, das finanziell zu fördern, wenn ein Ehepartner seine Stunden reduziert, wenn noch nicht mal der Grund hinterlegt ist, aus dem er/sie das tut?


    Natürlich ergibt es Sinn, weniger zu arbeiten um zuhause Care-Arbeit zu leisten. Das ist durch das Splitting aber gar nicht geregelt. Ob die kinderlose Ehefrau Stunden reduziert, um sich um den Garten zu kümmern oder die Mutter von 3 Kindern dasselbe tut um die Kinder zu versorgen wird gleichbehandelt. Das fehlt mir komplett die Differenzierung. Das ist reine Besitzstandswahrung. Was ja auch bekannt ist. Eine zu große und zu wichtige Wählergruppe wäre hier unangenehm betroffen, deswegen wir der Wahnsinn nicht endlich abgeschafft und durch eine Regelung ersetzt, die endlich Kinder konsequent vor Armut schützt.

  • Hui, toll, Ihr Lieben,

    hier hat sich ja schon eine Diskussion verselbstständigt!

    Also es ist echt schön zu merken, dass Ihr auch zum Teil Unklarheiten habt, denn beim Thema Steuern denke ich oft "Geht das nur mir so dass ich das nicht blicke?"

    Und es freut mich, dass es auch hier zur Diskussion anregt, denn ich finde es ist eine wichtiges Thema, und ich bin auch gegen das Ehegattensplitting und ein Steuersystem, das Verheiratete begünstigt, aber nicht Eltern. (Bzw. letztere nur dann, wenn sie verheiratet sind und einer sehr wenig und einer viel verdient)


    Aber nochmal zurück zu meiner Frage:

    Ich wollte ja wissen, wie es bei zwei verheirateten Paaren im Vergleich aussieht, die insgesamt das gleiche Brutto haben, aber bei Paar A verdient einer 80% und einer 20% des Brutto, bei Paar B beide die Hälfte, also 50%. Und natürlich wähelen beide Paare die günstigste Steuerklassenverteilung.

    Und mir geht es nicht darum wann was zurückgezahlt wird, sondern faktisch das Netto nach Jahresabschluss/Lohnsteúerjahresausgleich und Rückzahlung.


    @silecea sagte, Paar A ud Paar B zahlen insgesamt genausoviel Steuern im Jahr...stimmt das?

    Katermäuschen nach Deiner Berechnung würde ja sogar das Paar mit gleichem Verdienst, also Paar B wenige Steuern zahlen ????


    Was sagen die anderen zu meiner Frage?

  • Hermine und Jette Ihr habt gesagt, es bleibt sich gleich...somit wärt Ihr schon die Mehrheit... aber dann ist es anscheinend nicht so ungerecht, wie ich dachte! (Aber gut finde ich es trotzdem nicht.)

  • Steuern sind bei gemeinsamer Veranlagung

    gleich, egal welche Steuerklasse übers Jahr.

    Aber Sozialversicherung ist U.U. günstiger bei sehr ungleichem Einkommen: bei jeder 50.000 zahlen beide auf das gesamte Gehalt Abgaben, bei 80.000 und 20.000 zählt der Besserverdienende nur bis zur Beitragsbesmessungsgrenze, also insgesamt viel weniger. Wenn einer 100.000 verdient und die andere nix, ist der finanzielle Vorteil natürlich noch größer.

    Liebe Grüße von Kris (1974) mit großem Sohn (1/2002) und kleinem Sohn (5/2007)

  • Paar A und B zahlen unterschiedlich hohe Steuern so lange sie unverheiratet sind .

    Verheiratet zahlen sie gleich viel .

    Es wird so gerechnet ,als ob beide hälftig zum Gesamteinkommen beitragen. Für die Lohnsteuer verdienen Paar A dann nicht mehr 80 000€

    und 20 000 €. , sondern jeder 50 000€ und werden dann genauso besteuert wie Paar B.

  • Doch, unter Umständen schon, die (verheiratete) Person die nichts oder sehr wenig verdient, ist ja dann kostenlos in der gesetzlichen Kasse mitversichert. Das Alleinverdienermodell wird auf diese Weise schon auch subventioniert.

    Gut, sind die Gutverdiener in jungen Jahren vor der Familiengründung in die Private gegangen, dann bringt einem das nichts.

    Liebe Grüße von Kris (1974) mit großem Sohn (1/2002) und kleinem Sohn (5/2007)

  • Der Vorteil beim Ehegattensplitting ist nicht die Steuerklasse, sondern die günstigere Lohnsteuer.

  • Das Fiese beim Ehegattesplitting ist doch eigentlich , dass es sich allein auf den Status verheiratet bezieht und nicht auf sonstige Familienmitglieder. Ein kinderloses Paar erhält Steuervorteile , die Alleinerziehende mit 2 Kindern nicht.

  • Ich würde es anders rum drehen:


    Ich bin für eine Gesellschaft in der die Care-Arbeit fair aufgeteilt wird und in der es selbstverständlich ist, dass Männer und Frauen gleich viel arbeiten, und gleich viel reduzieren. In der es selbstverständlich ist dass beide Eltern gleich viel Elternzeit nehmen und beide auf Teilzeit oder 3/4 Zeit gehen, wenn die Kinder klein sind.


    Dass die Gesellschaft nicht an diesem Punkt ist, liegt mMn auch am Ehegattensplitting. Wenn es das nicht gäbe, würde es sich in vielen Familien finanziell eher lohnen, wenn die Frau auch arbeiten geht und der Mann Stunden reduziert und sich mehr um Haushalt und Kinder kümmert.

    Lg

    Annanita



    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*