Schriftbild verbessern

  • Liebe Raben,


    ich war gerade mit meinem Sohn (13 Jahre) beim Elterngespräch und er soll sein Schriftbild verbessern, weil er sonst Abzüge bekommt.


    Dieses Thema begleitet uns schon seit der Grundschule. Da hatte er dann Ergotherapie. Wirklich gebracht hat das leider nichts.

    Er hat nie gerne gemalt, gebastelt oder geschrieben.


    Seit er nicht mehr in Schreibschrift schreiben muss, ist es etwas besser geworden, aber.. noch weit entfernt von einfach leserlich.


    Ich ermuntere ihn immer mal wieder ein paar Zeilen einfach so für sich zu schreiben.


    Habt ihr Tipps, wie man sein Schriftbild verbessern kann?

    Besondere Stifte, Bücher, Lernhefte..?
    Hat jemand Erfahrung mit Ergotherapie oder so in dem Alter?

  • Ich bin Lerntherapeutin und habe Erfahrung mit Schrifttraining - allerdings stehe ich auf Schreibschrift. Wenn diese gut automatisiert ist, ist sie flüssiger und schneller als Druckschrift. So oder so ist es eine Übungssache, Schrift ist Handwerk und will geübt sein.


    Die Hefte von Frau Schulze-Brüning http://www.handschrift-Schreibschrift.de sind gut fürs Selbstlernen. Wichtig ist eine anstrengungsfreie Stifthaltung und dann eben - flüssige Schrift im Sinne von richtig verbinden und Auswendiglernen (automatisieren) der Schrift. Wenn möglich, empfehle ich Augen zu und durch, 6-8 Wochen konzentriert üben 10-15 Minuten täglich und dann sieht man rasch Erfolge.

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

  • Kann er nicht, oder will er nicht? Das sind ja nochmal zwei verschiedene Dinge. Das eine waere ein feinmotorisches Problem, dass es abzuklären gelte, eventuell auch Dysgraphia?


    Mir selbst hat es geholfen Kalligraphie als Hobby anzufangen. Da war ich auch so in dem Alter. Daran hatte ich Spass und ich bin mir einfach bewusster geworden, wie man Buchstaben formt.


    Stifte sind bei meinen Kindern ganz wichtig - wenn der Füller nicht fliesst, dann schreibt es sich mies.

    We know our children best, when we know ourselves best;

    they chose the most authentic version of who we are.

    ~a.joy~

  • Ich finde die Hefte von Schulze Brüning auch gut.


    Alternativ kann man sich die Methode von Susanne Dorendorff ansehen. Ich finde die Frau sehr anstrengend, kann mir aber vorstellen dass das auch etwas bringt.

  • Wenn es ein motorisches Problem ist, darf die Lehrerin doch keine Abzüge geben, oder?


    Mein Sohn hat schon immer motorische Probleme. Das kriegen wir durch Üben nicht weg.

    Es ist überall ersichtlich auch Sport, mit Besteck essen, Malen, Basteln etc.

    Es kostet ihn wahnsinnig viel Anstrengung für akzeptable Ergebnisse. Daher mache ich ihm da keinen Druck mehr. Das ist ein körperliches Defizit.

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  • Ich frage mich echt, wie viel da ohne intrinsische Motivation geht.


    Bei uns in der Grundschule wurde Schrift benotet, zählte 1/3 in Deutsch. Wenn ich mir meine Arbeiten von damals anschaue - boah, wie gemalt. Trotzdem meistens nur 'ne 3. Genervt hat mich das Malenmüssen immer. Dementsprechend habe ich natürlich geschrieben, wie ich wollte, sobald ich durfte - also ab der 5. Das hat bei den Lehrern meistens zum gerade-lesen-Können gereicht, manchmal haben sie mir in Deutsch Fehler angestrichen, wenn sie n, m und u nicht eindeutig unterscheiden konnten. Mein Schriftbild ist auch heute noch absolut grottig, es sei denn, ich gebe mir Mühe, weil ich für jemand anders schreibe, oder mache was Kalligraphisches. Selbst lesen konnte ich meine Schrift immer. Das ist für mich eigentlich das einzige, was wichtig ist. Nie und nimmer hätte ich von außen angetrieben noch mehr Zeit aufs Schönschreibenlernen verschwenden wollen. Noten auf Schrift fand ich blöd, aber ich habe lieber den Notenabzug in Kauf genommen, als mich fürs Schönschreiben noch mehr zu verbiegen.


    Ts Schrift war bis zur 8. (?) auch extrem unhübsch, und auch seine Heftführung insgesamt schlampig und unordentlich. Irgendwann wurde es ihm wichtig, schön zu schreiben und seine Hefte schön zu führen - seitdem schreibt er sehr hübsch. Wieso ihm das plötzlich wichtig wurde, weiß ich gar nicht.

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

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  • Ich bin Lerntherapeutin und habe Erfahrung mit Schrifttraining - allerdings stehe ich auf Schreibschrift. Wenn diese gut automatisiert ist, ist sie flüssiger und schneller als Druckschrift. So oder so ist es eine Übungssache, Schrift ist Handwerk und will geübt sein.


    Die Hefte von Frau Schulze-Brüning http://www.handschrift-Schreibschrift.de sind gut fürs Selbstlernen. Wichtig ist eine anstrengungsfreie Stifthaltung und dann eben - flüssige Schrift im Sinne von richtig verbinden und Auswendiglernen (automatisieren) der Schrift. Wenn möglich, empfehle ich Augen zu und durch, 6-8 Wochen konzentriert üben 10-15 Minuten täglich und dann sieht man rasch Erfolge.

    ich habe bei Frau Schulze-Brüning zwei Minuten auf der Startseite gelesen und habe sofort massive Schuldgefühle und Panik, dass mein Kind im leben nicht zurecht kommen wird. #eek krass.


    Gibt es möglicherwiese auch irgendwo einen ressourcenorientierteren Ansatz? Ich würde meinem Kind gerne dabei helfen, flüssiger schreiben zu können, aber nicht, wenn ich dann panikattacken bekomme, dann schrei ich ihn nur irgendwann an, wenn er nicht übt. :(

  • Meine Tochter hat irgendwann in der 6. Klasse oder so die Kurve gekriegt (auch mit Kalligraphie) und hat inzwischen eine sehr schöne und ordentliche Schrift, mein Sohn ist in der 10. Klasse und hat bis vor einigen Monaten nun ja, ich sag immer, "sieht aus wie tote Hühnerfüße aufs Papier geklatscht" hingelegt. Fürchterlich. Was genau passiert ist, weiß ich nicht, aber seit einiger Zeit übt er regelrecht schön zu schreiben. Allerdings ist es an unserer Schule tatsächlich so, dass spätestens in der 10. Klasse das Schriftbild Einfluss auf die Note hat - negativen, versteht sich, alles andere würde ja motivieren...


    Es fällt ihm aber sichtlich ganz schön schwer. Und ich versuch, die Klappe zu halten.

  • Wichtig ist eine anstrengungsfreie Stifthaltung

    Hast du dazu Tipps?

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Mein Sohn hatte letztes Schuljahr eine fürchterliches Schriftbild.

    Irgendwann hat er seine Füllfeder in der Schule vergessen und die Hausübung mit meiner geschrieben.

    Das Schriftbild war soooo viel schöner!

    Er ist jetzt auch Besitzer einer Parker Füllfeder.

    Übrigens: seine alte Füllfeder haben wir im Fachgeschäft gekauft. Inklusive intensiver Beratung und Probeschreiben.

  • Wichtig ist eine anstrengungsfreie Stifthaltung

    Hast du dazu Tipps?

    Daran wäre ich auch interessiert. Ich habe hier ein Linkshänderkind, das den Stift trotz Ergotherapie immer noch sehr verkrampft hält. Diese Manschetten die man über die Stifte machen kann (die es erleichtern sollen den Stift richtig zu halten) haben wir auch alle durch. Seine Schrift ist oft schwer leserlich, er kriegt Notenabzug deshalb, schnell schreiben oder lange am Stück ist schwierig. Ein bisschen geholfen hat, auf Tintenroller statt Füller umzusteigen.

  • happy spider Die Hefte von Schule-Brüning enthalten aber wirklich nur Schriftübungen. Kommst Du vielleicht doch an den Inhalte ihrer Seite, die Dir so massives Unbehagen bereiten, vorbei zum Bestellen der Hefte?


    Mir spricht die Dame absolut aus der Seele - ich empfinde es aber als ein Versagen der Schule und des Systems, gegen die ich als Elter kaum eine Chance habe....

  • Zu Stifthaltungen etwas zu sagen ohne das Kind gesehen zu haben ist etwas.... schwierig ;)

    Generell: Stifthaltung -> Ergotherapie.


    Die Erfahrung zeigt, dass eine fiese Stifthaltung (fies im Sinne für Außenstehende Betrachter) nicht beeinträchtigend für den Stifthalter sein muss. Sie sagt auch, dass mit steigendem Alter ein umlernen schwierig ist. Kinder lernen bei mir wie sie Buchstaben flüssig schreiben - wenn sie wirklich eine verkrampfte Stifthaltung haben und diese sie beeinträchtigt, gibt es als Maßnahmen Stifte, die eine ergonomische Stifthaltung "vorgeben" (mit Mulden). Es gibt auch so Plastiküberstreifer für Stifte mit Mulden. Für Rechts- und Linkshänder.

    Mit Kindern ab 5, Klasse habe ich keine Erfahrung mit Stifthaltung umlernen.

    Schrifttraining kann unabhängig von der Stifthaltung durchgeführt werden, denn im worst case lernt das Kind mit der nicht ganz optimalen Stifthaltung immer noch schneller zu schreiben.


    Wenn das Kind über Schmerzen in der Hand klagt, würde ich es umlernen lassen.


    Darf ich fragen ob sie die VA lernen? Wenn ja, lohnt sich ein Schrifttraining in jedem Fall.


    happy spider : Resourcenorientiert ist es immer. Du kannst bei Lerntherapeuten eine Schriftanalyse machen lassen und dann Buchstabe für Buchstabe umlernen. Ich verlinke mal die Probleme der VA - da habe ich ein Video drüber gedreht, wenn ich darf.
    Ach Mist, das habe ich nicht auf youtube. Wenn Du mir eine PN schickst und bei Facebook bist, kann ich Dir den Link schicken, das Video ist leider nur auf Facebook.

    Schulze Brüning wandle ich ab. Ihre Hefte geben aber das Prinzip sehr gut vor.
    "Meine" Kinder lernen mit einem eigenen Heft und dann die Problembuchstaben Stück für Stück inkl. Verbindungen.

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von murkel ()

  • Darf ich fragen ob sie die VA lernen? Wenn ja, lohnt sich ein Schrifttraining in jedem Fall.

    Das kann ich unterschreiben. Ich habe meinen Sohn auch umtrainiert, die Problembuchstaben nach Schulze Brüning plus m und n, seitdem sieht die Schrift so viel besser aus! Das Umlernen war überhaupt nicht schwierig, hat etwa eine knappe Woche gedauert. Er war da zwischen dritter und vierter Klasse. Meine Tochter ist mittlerweile in der weiterführenden Schule, schreibt nur noch Druckschrift und weigert sich, die Schreibschrift umzulernen. :(

  • Hab ich mir fast gedacht das er die VA gelernt hat. Diese Schriftart ist ein Graus, die Bewegungen sind so sinnfrei, teils ist man an der Stelle, schwierig zu schreiben und ergibt oft kein schönes Schriftbild. Wir haben 2 unserer Söhne auf die Lateinische Ausgangsschrift umgelernt, da waren sie jeweils 6./7. Klasse, seitdem haben sie ein schönes Schriftbild.

    Liebe Grüße,


    Sommerwind.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Sommerwind ()

  • die VA ist des Todes #zwinker

    Beim umlernen mit dem e anfangen, das hilft schon so viel, dass das Kind freiwillig weitermacht. #pfeif

    Nur eines nimm von dem, was ich erfahren:
    Wer du auch seist, nur eines – sei es ganz!
    (mascha kaleko)

  • In der Schule gibt es aber keine schrägen Tischplatten.


    Ordentliche Hausarbeiten und unleserliche Schularbeiten? Auch nicht wünschenswert.


    (Meine Bemerkung ist nicht hilfreich, weiß ich. Ist nur Ausdruck meines Frustes)

    „Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
    (Edmund Stoiber im Wahlkampf 2005)