Mein Kind braucht eine Dreiviertelstunde für einen fünf Minutenweg

  • Das hätte ich vor den Erfahrungen mit meinem Sohn beides auch so schreiben können.

    Bei meiner Tochter hat das in dem Alter nämlich immer geholfen. Und es wäre mir vermutlich ebenso schwer gefallen, mir vorzustellen, dass Reden, Spiegeln und Einfühlen in einem ruhigen Moment nicht helfen würde.

    Bei meinem explodierenden Sohn stand ich dann da, ratlos, hilflos und mit dem Gefühl eine Vollversagerin von Mutter zu sein, weil offensichtlich nicht einfühlsam genug.


    Zitat von Hering

    Nichtsdestotrotz - auch im Monent des Geschehens, wenn man selbst nicht die Nerven verliert, ruhig mit dem Kind redet, macht das Kind, was Mutter sagt. Vielleicht soll man ihm ein Paar Minuten Zeit geben und ruhig zuwarten. Ich weiß nicht, hier hat es immer funktioniert.

    Das piekt mich jetzt tatsächlich an und rührt an dem Vollversagerin-Gefühl.

    Aber tatsächlich geht dieser gut gemeinte Ratschlag komplett an meiner Lebensrealität vorbei. Weil, siehe oben. Bringt leider nix.

    Ich gehe davon aus, auch Mistbiene und andere Mütter mit Kindern, die so durchdrehen, haben diese naheliegendste aller Handlungsstrategien ausprobiert.

    Das Problem ist nämlich eben nicht zwangsläufig, dass die Mutter so eine unfähige Planschkuh ist, sondern, dass solche Kinder erst noch lernen müssen ihre überschäumenden Emotionen und Impulse zu regulieren.

    Das kommt bestimmt/hoffentlich und natürlich ist es wichtig und hilfreich, dem Kind zugewandt und einfühlsam zur Seite zu stehen. Aber es dauert eben bis das Wirkungen zeigt. Mutmaßlich einige Jahre.


    Bis heute klappt es übrigens nicht verlässlich, mit meinem Sohn ruhig vorab oder nachträglich schwierige Situationen zu besprechen und Strategien zu überlegen. Selbst wenn er dann verständig ist und sich wirklich gerne beim nächsten Mal anders verhalten würde.

    Aber wenn er von seinen Emotionen überflutet wird, kommt er mitunter nicht dagegen an. Das ist "glücklicherweise" nicht nur bei mir so, sondern überall. Oder unser gesamtes Umfeld ist ebenso unfähig, wie mein Mann und ich es sind.

    Aber tatsächlich ist der Sohn "einfach" sehr emotional und hat wenig Impulskontrolle. Er würde gerne kooperieren. So irgendwie, ganz tief in sich drin. Davon bin ich überzeugt, das sagt er auch, später, wenn wir ruhig drüber sprechen. Aber zu dem Punkt dringt er in dem Gefühlswust nicht durch.

    Trotzdem. Im Vergleich zu vor einem Jahr ist es schon viel besser geworden und ich nehme an, in einem Jahr ist es besser als jetzt.

  • Puh, ich bin wirklich erstaunt und etwas erschrocken, dass hier wirklich Leute meinen, man müsse nur mit dem Kind reden (und ihm evtl. ein paar Minuten Zeit lassen).
    Meint ihr ernsthaft, dass ich das noch nicht getan hätte? Ob in der Situation oder hinterher. Völlig egal! Um nicht alles wiederholen zu müssen unterschreibe ich einfach vollumfänglich bei Erbsprinzessin

  • Nichtsdestotrotz - auch im Monent des Geschehens, wenn man selbst nicht die Nerven verliert, ruhig mit dem Kind redet, macht das Kind, was Mutter sagt. Vielleicht soll man ihm ein Paar Minuten Zeit geben und ruhig zuwarten. Ich weiß nicht, hier hat es immer funktioniert.

    Es gibt Kinder, bei denen funktioniert das super und es gibt Kinder, da klappt es einfach nicht. Wir hatten schon Zweifel an uns als Eltern und extra das Buch "So sag ich's meinem Kind" gekauft. Wir haben bei der Lektüre herzlich gelacht und es dann in einen offenen Bücherschrank gestellt - wir hatten schlicht nicht das Kind dazu. Dafür haben wir lauter - für Außenstehende - extrem merkwürdige Strategien entwickelt, um das Kind zur Kooperation zu bekommen.


  • Ich würde nie im Leben den Weg gehen, Kind in den Buggy zu zwingen. Dann stünde auch nicht die Frage, wie es dazuzubringen ist, darin zu bleiben. Vielmehr befindet man sich doch dauernd im Gespräch mit Kind. Und ich würde Zeit investieren, mit Kind sprechen. Natürlich ist es eine ganz andere Nummer, wenn man 5 davon hat. Nichtsdestotrotz - auch im Monent des Geschehens, wenn man selbst nicht die Nerven verliert, ruhig mit dem Kind redet, macht das Kind, was Mutter sagt. Vielleicht soll man ihm ein Paar Minuten Zeit geben und ruhig zuwarten. Ich weiß nicht, hier hat es immer funktioniert.

    Das muss ich mal eine Runde hysterisch lachen. Glaubst Du ernsthaft, dass Mütter bei denen das Kind durchdreht, nur falsch oder nicht mit ihm reden? Ehrlich gesagt macht mich dieses Zitat oben richtig sauer.

  • Geht mir auch so kiddo . Hier hat das bei genau einem Kind von dreien funktioniert (jedenfalls jetzt noch, und nicht zu 100%)

    Besonders die ältere Schwester war nach dem Kindergarten oft so durch, dass sie sich nur noch auf den Boden gelegt hat und durch nix mehr zum Weitergehen zu motivieren war und nur Gebrüll hervorrief. Ich hab gern mit Fahrrad und Fahrradsitz abgeholt, das ging ganz gut. Meine Mittlere mochte da gern draufsitzen, auch wenn es geschoben wurde.


  • Ich würde nie im Leben den Weg gehen, Kind in den Buggy zu zwingen. Dann stünde auch nicht die Frage, wie es dazuzubringen ist, darin zu bleiben. Vielmehr befindet man sich doch dauernd im Gespräch mit Kind. Und ich würde Zeit investieren, mit Kind sprechen. Natürlich ist es eine ganz andere Nummer, wenn man 5 davon hat. Nichtsdestotrotz - auch im Monent des Geschehens, wenn man selbst nicht die Nerven verliert, ruhig mit dem Kind redet, macht das Kind, was Mutter sagt. Vielleicht soll man ihm ein Paar Minuten Zeit geben und ruhig zuwarten. Ich weiß nicht, hier hat es immer funktioniert.

    Das muss ich mal eine Runde hysterisch lachen. Glaubst Du ernsthaft, dass Mütter bei denen das Kind durchdreht, nur falsch oder nicht mit ihm reden? Ehrlich gesagt macht mich dieses Zitat oben richtig sauer.

    Tatsächlich erlebe ich sehr viele Eltern, die ihren Kindern die und jene Situationen nicht kommunizieren.


    Ich wollte niemanden verletzen. Ich selbst fand das Buch „so sage ich es meinem Kind“ sehr hilfreich und ganz toll. Aber vielleicht gibt es einfach andere Art Kinder, die ich nicht kenne. Dann ziehe ich mich einfach aus diesem Thread zurück. Sorry, das ist ein Problem für Fortgeschrittene, das sehe ich jetzt.

  • Hering: du hast recht, dass reden und erklären wichtig sind. Und ich sehe auch oft Eltern, wo das imo viel helfen würde.

    Dein Beitrag klang für mich nur nach allheilmittel, auch der zweite (wenige Minuten investieren, im gespräch bleiben, dann tut Kind, was Mama sagt. ...) - Und da bin ich je nach aktuellem nervenkostüm auch versucht, leicht hysterisch zu kichern.

    Es freut mich (wirklich, nicht ironisch oder sarkastisch), wenn das bei euch klappt. Hier nicht. Da das Kind nicht nur bei mir so ist, behaupte ich auch mal, dass ich nicht einfach nur unfähig bin. - Es artikuliert in Ruhe sehr klar gute Ideen und eigene Vorschläge. Es kann diese in Wut und absoluter Erschöpfung nur nicht umsetzen. Das artikuliert es in Ruhe übrigens auch sehr klar. Da kommt dann also zu der Wut in der Situation gleich nochmal die Wut über sich dazu, den Plan nicht umsetzen zu können. Da feuert Verständnis zeigen diese Wut noch mehr an, denn das Kind will (!) Die (!) Idee (!) Verd*** (!) Nochmal (!) Hinkriegen (!).

    Und da hilft kein Verständnis, kein reden, kein kuscheln. Da hilft nur viel, viel Zeit, bis das Kind seine neuronen wieder im Griff hat. Hat man die nicht, hilft manchmal wirklich nur körperliche Überlegenheit.

    Mit steigendem Alter wird es besser, aber das dauert.

  • Hier nach einem kooperativen Kind 1 (der ließ quasi alles mit sich verhandeln) auch eine Nummer zwei die sich im Zweifel einfach die Ohren zu hält oder lauter schreit als ich spreche oder nickt und dann doch das Gegenteil macht. Dazu kleinbaby was die Variante "unter den Arm klemmen" deutlich erschwert.

    Ich hole derzeit öfter mit dem Auto ab. Ist bescheuert auf kurzen Strecken (knapp ein Kilometer, aber irgendwie müssen halt auch die zurückgelegt werden), aber nachmittags die nervenschonenste Variante (besonders bei schietwetter).

  • Jetzt bin ich doch wieder da:D


    Möve, so was kenne ich von mir selbst. Mir persönlich hilft nur, es nicht so weit kommen zu lassen. Bin ich in einer gewissen Situation in Wut verrannt, ist zunächst Feierabend. Vielleicht dann an Situationen überlegen? Wie kann man vermeiden, dass es soweit kommt? So, jetzt gehe ich aber in Deckung#tuppern

  • Dazu muss man aber wissen, was die Auslöser sind. Hier alles von gestern "warum habt ihr mich unten alleine gelassen" "ich wollte erster auf der Treppe oben sein" "ich wollte die gelben Ameisen sein" (bei Spindlerella). Alles jeweils nach der Ansage, dass wir jetzt hochgehen, ob er mitkommen will, welche Figuren er möchte... Also oft Dinge im Nachhinein anders haben wollen als sie jetzt sind. Auf das Angebot, die Figuren dann eben wieder zu tauschen dann beleidigt sein und das Spiel wieder abbauen (immerhin, das runterschmeißen konnten wir ihm angewöhnen).

  • Hering: ne, ne, feuern und dann rausziehen is nich! ;) (gibt es einen smiley, der hinterherhüpft?)

    Ja, hilft. Auslöser erkennen und ändern hilft. Auslöser rechtzeitig sehen und gegensteuern auch.

    Geht nur nicht immer - wir zwei agieren nicht im luftleeren Raum. (Und selbst da ...)

  • Ich erzähl einfach mal, wie es hier ist:

    L. ist jetzt 4 (aber entwicklungstechnisch zum großen Teil weit dahinter)... und der ist einfach nur platt, wenn ich ihn um 14Uhr aus der Kita hole.

    Wir haben einen ähnlich kurzen Weg einmal um den Block. Und der ist nachmittags ohne fahrbaren Untersatz meist eher nicht unter 30 Minuten zu bewältigen.

    Er schmeißt sich hin, will getragen werden, dann wieder doch nicht... alles hochdramtisch und auch oft tränenreich.

    Also Buggy, immer.

    Manchmal pennt er darin auf dem kurzen Weg ein, meist wird irgendein Snack gerne genommen: Obst, Studentenfutter, Laugenteile oder als Highlight 'Kraakbällzen' (Quarkbällchen).

    Oder ich stecke mir zusätzlich zu Hause irgendein kleines Spielzeug in die Tasche.


    Auf jeden Fall will und braucht er erstmal eine halbe bis 3/4 Stunde Ruhe und "sein Ding".

    Zu Hause stöbert er dann ne Runde durch den Garten oder verzieht sich in sein Zimmer...


    Ansonsten ist unser Weg zum Kindergarten in 6 Abschnitte unterteilt (Steine, Laufmauer1, Laufmauer2, Käferbaum, Hydrantenschild und Balanciermäuerchen).

    Geht umgekehrt auch.


    Morgens fährt er gerne mit dem Roller, den kann man sehr einfach zerlegen und unter den Buggy tun... und manchmal möchte er dann mittags ein kleines Stück rollern, dann Buggy, dann Laufmauer etc.

    _._._._._._._._
    Prokrastinierer aller Länder: vereinigt Euch - morgen


    “Schatz, komm bitte ins Bett. Man braucht sieben Stunden Schlaf, um als Mensch zu funktionieren.“ “Ich bin Mutter, ich brauch vier.“


    Silence is golden... unless you have a toddler. Then silence is extremely suspicious.

  • oh ja, hier hat dann auch gerne mal die S-Bahn die falsche Farbe. Und nein, auf die richtige Farbe warten ist keine Option. Die Dinger in grün fahren nur einmal in der Stunde.

    Meisterschülerin mit dem großen Meister(02/11), dem Möppi (09/13), dem Kleinchen (07/15) und


    Lilypie Third Birthday tickers


    Lilypie First Birthday tickers

  • Bei uns hat der Bollerwagen eine Erleichterung für den Heimweg gebracht. Mit Kissen drin und unauffällig was zu Essen bereitgelegt.

    Wenn man nämlich unserem Spezialisten in dem Alter in so einer Situation (müde, hungrig, festgerannt in irgendwas) aktiv Essen anbot, kriegte er erst recht einen Wutanfall. Obwohl es IMMER besser wurde, sobald er ein paar Kalorien intus hatte.


    Ein paarmal ist er auch, allerdings beim Spazierengehen, auf die Idee gekommen, wenn er keine Lust mehr hatte, einfach unbedingt zurücklaufen zu wollen (ich geh jetzt sofort wieder nach Hause!) und nicht akzeptieren wollte, dass wir eine Runde gegangen sind, und nur noch 100 Meter vom Ziel entfernt waren. Nein! ich gehe jetzt (die ganzen 2 km) zurück!!!!! #haare Dann hab ich ihn, gegen seinen Widerstand getragen, und er ist dann auf meinem Arm so prompt eingeschlafen, dass er des Rätsels Lösung nicht mehr mitbekommen hat#hammer.


    Nunja. Es wird mit der Zeit etwas besser, vor allem aber anders :D.

    @ threadstellerin: mein Mitgefühl hast du.


    lg martita

  • Wenn das Kind nicht in den Buggy will, nicht in den Bollerwagen, nicht aufs Dreirad mit Schiebestange, nicht aufs Bobbycar und nicht aufs Kiddyboard am Kinderwagen und du es aus gesundheitlichen Gründen icht tragen kannst - dann gibt es glaube ich einfach erstmal keine Lösung. Das Gute ist ja - sie werden älter, vernünftiger .... in 3 oder 6 Monaten kann das ja schon ganz anders aussehen. Für die älteren Geschwister, die auf dich warten, muss man sicher eine Lösung finden, ihnen das erklären ... bei Dreijährigen kann man einfach nicht so viel machen, finde ich. Die sind eben wie sie sind.

  • oh ja, hier hat dann auch gerne mal die S-Bahn die falsche Farbe. Und nein, auf die richtige Farbe warten ist keine Option. Die Dinger in grün fahren nur einmal in der Stunde.

    #lol

    Entschuldige, ich weiss, das ist gemein - aber in ein paar Jahren kannst Du auch drüber lachen, versprochen.


    "So sage ich es meinem Kind" mag nett sein, unglücklicherweise haben meine Kinder das Buch "So höre ich meinen Eltern zu" nicht gelesen... und nein, ich kann kommunizieren, auch mit Kindern, das ist Teil meines Berufes. Interessierte meine Kinder in gewissen Situationen einfach null...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ergänzung: etwas zu essen und dann so Hüpf-Laufspiele ("Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm...") haben manchmal geholfen. Oder Mumminsachen suchen: unsere Mummins sind Hausmummins, die leben in Menschenhäusern, nutzen Regenrinnen als Rutschbahnen etc.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich möchte nochmal vorschlagen, die älteren Geschwister mitzunehmen. Erstens, weil es die Dreijährige vielleicht zum Gehen motiviert, es den großen Geschwistern gleichzutun. Zweitens, weil du als Mutter dann vielleicht entspannter bist, weil du dir keine Sorgen mehr um die alleingelassenen Kinder zu Hause machen musst.

  • Ich würde vielleicht auch die abholzeit ändern, nicht vorm Mittagsschlaf, wenn sie müde ist.......

    Meine Kinder mussten bzw. müssen als fast einzige in den Kiga laufen.

    Es ist zwar auch manchmal anstrengend aber man kann unterwegs viel entdecken.

    Mit dem Laufrad sind meine Kinder viel gefahren oder mit dem Fahrrad aber nur, wenn sie hören. Hier gibt es keinen Fußweg.