Doula-Erfahrungen

  • Liebe Raben,


    möchte hier jmd von ihrer/seiner Erfahrung mit Doula-Begleitung bei der Geburt berichten?


    Ich liebäugele damit, Kontakt zu einer erfahrenen Doula aufzunehmen. Im Sommer erwarten wir unser zweites Erdenkind.

    Unsere letzte Klinikgeburt verlief sehr gewaltvoll und leider war es auch eine sehr knappe Angelegenheit, unser Glückskind a) lebendig und b) gesund mit nach Hause nehmen zu können.

    Das Alles hat uns und unseren Blick auf die Welt verändert. Die Sommergeburt wird wieder in einer (anderen) Klinik stattfinden, Hausgeburt oder Geburtshaus sind für uns ausgeschlossen.


    Ich habe keine Angst vor Geburten, es wird meine dritte insgesamt sein und ich bin generell eine ruhige und vertrauensvolle Mutter. Dennoch sehne ich mich schon jetzt bei dem Gedanken an die Geburt in einigen Monaten nach Schutz, einem Raum, sich fallen lassen zu können (damit meine ich weniger das Zimmer, als mehr den Raum um uns herum) und der Gewissheit, dass meine Entscheidungen und Wünsche (wo möglich) respektiert werden.


    Ich würde mich total über Doula-Erfahrungsberichte freuen. Gerne auch die Sicht der Väter.


    #rose

  • Doula-Erfahrungen kann ich leider nicht bieten, aber eine gute Beleghebamme, zu der Du Vertrauen hast und bei der Du Dich gut aufgehoben fühlst, halte ich für das Allerwichtigste für eine gute Geburt. Kannst Du eine finden?

  • Dann ist eine Doula bestimmt gut als Ersatz. Ja, das würde ich machen, wenn eine Hebamme nicht möglich ist. Und selbst etwas einlesen mit Ina May Gaskin - die finde ich nach wie vor befreiend und hilfreich. Alles Gute!!!

  • Ich habe keine Geburt mit Doula erlebt, aber einige Geburten als Doula begleitet. Die meisten Frauen haben das als sehr positiv empfunden, für einige wenige war es nicht das Richtige.


    Ich schreib einfach mal frei was ich denke worüber man vorher nachdenken sollte:

    - was genau erwartest du von einer Doula? Was soll sir für dich und deinen Mann tun, was nicht? Wann soll sie da sein? Wann weggehen?

    - wie sollte sie mit Konflikten im Kreißsaal umgehen (also du möchtest etwas anders als es dir vorgeschlagen wird)

    - wie sollte sie sein damit du dich gut aufgehoben fühlst?

    - wie viel Zeit vor der Geburt willst du haben um sie kennen zu lernen


    Wo wohnst du denn?

  • Danke auch dir MaidenMotherCrone!


    Nochmal zur Beleghebamme: wir möchten ein Krankenhaus mit bestimmtem Versorgungslevel wählen, das hat sehr persönliche Gründe. In diesen Krankenhäusern sind keine Beleghebammen, außer so eine "Mischform" - eine Art Hebammengemeinschaft, die dann aber trotzdem nicht garantieren kann, genau bei meiner Geburt anwesend zu sein.

    Das bringt mir irgendwie nichts.


    Die Doula, die ich (schon sehr früh in der Schwangerschaft) ins Auge gefasst habe, bietet 3 Termine vor der Geburt und eine (mMn) ordentliche Rufbereitschaftsspanne an.

    Ich würde sie gerne schon etwas öfter als 3x sehen, aber im Gespräch lässt sich das sicher angucken und ggf passt es ja auch mit den 3x.


    Gerade die Frage nach den Konflikten im Kreißsaal ist schwierig für mich zu beantworten. Da muss ich nochmal grübeln.

    Danke dafür!


    Wir kommen aus der Nähe von Nürnberg :)

  • außer so eine "Mischform" - eine Art Hebammengemeinschaft, die dann aber trotzdem nicht garantieren kann, genau bei meiner Geburt anwesend zu sein.

    Ich verstehe, dass Du das nicht ganz befriedigend findest, aber ich würde darüber noch einmal nachdenken. Du könntest wahrscheinlich alle Hebammen in dem Team kennenlernen, eine davor wäre doch mit ziemlicher Sicherheit dann dabei? Und sie wäre 1:1 nur für Dich zuständig? Und Du könntest mit Deiner hauptsächlich betreuenden Hebamme überlegen, welche Dinge Dir während der Geburt besonders wichtig sind, und dies dem Team kommunizieren?

    Im Unterschied zu einer Doula kann eine Hebamme mit den Ärzten als Fachperson und, je nach Arbeitskultur in der Klinik, auch auf Augenhöhe kommunizieren. Für mich war es wichtig, jemanden dabeizuhaben, der meine Werte und Bedürfnisse kannte und mir gleichzeitig fachlichen Rat geben konnte (und sich in der Klinik auskannte).

    Das schließt eine Doula ja nicht aus, die könntest Du zusätzlich engagieren, wenn Eure Mittel reichen.

    (1:1-Betreuung durch Hebamme ist einer der wichtigsten, ich glaube sogar der wichtigste Sicherheitsfaktor bei Geburten - Quelle weiß ich nicht mehr genau, möglicherweise war es die WHO)

  • Das stimmt, nevermore.

    Gute Argumente!

    Wir müssten dann allerdings Abstriche in der medizinischen Versorgung machen und das macht mir Angst (und nein, ich bin keine Angst-Gebärende, die das Vertrauen in ihren Körper verloren hat - ich wäre nur fast verwaiste Mutter geworden).

    Wir möchten den bestimmten medizinischen Level (ja, auch wenn das keine Garantie ist - nichtsdestotrotz darf ich auch deshalb meinen Sohn täglich ins Leben begleiten und dafür bin ich zutiefst dankbar) - außerdem fallen 2 Krankenhäuser weg (eines fühlt sich komisch an, das andere ist "verbrannte Erde" für uns).


    Weiters vertraue ich den Ärzten und Hebammen - sehne mich aber nach menschlicher Unterstützung und weiblicher Solidarität (klingt jetzt komisch, versteht ihr mich?).

  • Ich verstehe Dich genau. Auch, dass Du den hohen Level möchtest, ist völlig verständlich nach Deiner Geschichte. Ich hatte es so verstanden, dass die Beleghebammen-Teams auch in der Klinik mit dem hohen Versorgungslevel dabei sind? Wenn das nicht so ist, könntest Du jedenfalls ein ausführliches Geburtsplanungsgespräch mit einer der Hebammen führen, die dort arbeiten. Oder mehrere, falls möglich. Dann würdest Du einige der Hebammen schon kennen.

    Und ja, dann würde ich wohl auch eine Doula engagieren.

  • Huhu,


    Ich hatte eine Doula und es war das beste, was mir passieren konnte. Sie konnte dem Klinikpersonal durchaus die Stirn bieten, hat klar für mich kommuniziert, was ich wollte und was nicht und war auch medizinisch zumindest so versiert, dass sie ganz gut abschätzen konnte, was geht und was nicht. Sie hat auch durchgesetzt, dass die Tür zu meinem Kreisssaal zu bleibt und dass wir uns melden, wenn wir was brauchen. Auch den Wehenschreiber hat sie für mich vehement und klar abgelehnt. Das Krankenhaus war aber auch super und die Hebammen haben ohne viel Protest alles durchgewunken, was wir wollten.

    Ich muss aber auch sagen, dass das Altersgefälle sicher eine Rolle spielte. Wir waren beide in den 40ern und die Hebammen eher jung, die haben uns einfach vertraut, dass wir richtig handeln.


    Liebe Grüße


    Roma

    Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat - Kurt Tucholsky

  • Hi du,

    Ich würde auf jeden Fall abchecken, inwieweit eine Doula überhaupt was lenken/entscheiden kann. Mir wäre es wichtig zu wissen wie fundiert ihr Wissen ist.

    Den Weg im Wunschkrankenhaus die Hebammen kennenzulernen, wäre auch ein wichtiger Punkt. Meist werden ja schon vorab Termine angeboten, damit schon mal alle Daten aufgenommen sind und das beim Eintreffen schon erledigt ist.

    Hast du schon mal geschaut, ob es Hebammen auf Privatbasis auch gebucht werden könnten?

  • Danke an alle für eure Rückmeldungen!

    Das ist wirklich ein absoluter Schatz an Impulsen, Erfahrungen, Gedanken (die man selbst vielleicht noch nicht gedacht hat) und Hinweisen hier im "Rabennest". Gerade bei so sensiblen Themen finde ich das hier so angenehm!


    Zu meiner speziellen Situation:

    Was ich bisher abchecken konnte: Beleghebammen gibt es so nicht, die Auswahl an Kliniken ist begrenzt (begrenze ich selbst) und eine private Hebamme, die dann Rufbereitschaft hat und dort die Geburt übernimmt, ist nicht möglich (wäre ja im Grunde eine Beleghebamne). Eine Hebamme zu finden, die als meine Begleiterin mitkommt, aber eben offiziell nicht die Geburt betreut, wäre in meinen Augen auch nicht sooooo der Vorteil gegenüber einer (von den Kliniken hier anerkannten und durchaus auch gern gesehenen) Doula. "Meiner" Doula fehlt da quasi "nur" der medizinische Background - aber den erhalte ich im Krankenhaus, dafür gehe ich ja dorthin.

    Ich zweifle nicht an den Kompetenzen des medizinischen Personals dort - ich wünsche mir zwischenmenschlichen und weiblichen Support.

    Es geht mir z.B. um Dinge wie:

    Gebärposition ändern (habe ich nicht mehr geschafft, also lag ich da),

    Brechschale reichen (Hebamme verstand mich nicht, mein Mann rannte und suchte ein Gefäß und schon übergab ich mich mehrfach irgendwohin - samt abfälliger Bemerkungen des Personals ("alles vollgekotzt") - hier wünsche ich mir eine Frau, die mir einen Lappen reicht und mich ggf auch beruhigt, usw.), Nabelschnur auspulsieren lassen (wenn das Kind nicht wieder sofort von mir gerissen wird - mein Mann und ich dachten, wir hätten es geschafft, aber da kam dann noch Etliches), Nachfragen, wo mein Kind ist und ob es lebt beantworten, usw.

    So in diese Richtung.

  • Ideal wäre es, wenn Deine Doula auch das Krankenhaus dort etwas kennt und vielleicht Kontakte hat! Bei einer Geburt ist es am besten, wenn zwischen allen Beteiligten Vertrauen herrscht.

    Was Du von Deiner letzten Geburt erzählst, klingt ja schrecklich... In einem Geburtsplanungsgespräch in der neuen Klinik kannst Du so etwas erzählen und fragen, wie sie dort mit solch einer Situation umgehen würden.

  • nevermore Dass ein Geburtsplanungsgespräch stattfindet und dann während der Geburt darauf eingegangen wird ist sehr wünschenswert, aber leider die Seltenheit. Es ist sehr verständlich sich nicht allein darauf verlassen zu wollen in einer Situation, wo man sehr auf Unterstützung angewiesen ist. Ob man sie bekommt oder nicht ist liegt an Menschen, die man vielleicht ein oder zwei Mal vorher gesehen hat. Man muss sich nicht erklären wieso einem das nicht reicht (auch wenn es in Ordnung ist, wenn einem das durchaus reicht!).


    Eine Hebamme wird keine Geburt begleiten ohne sie zu betreuen, sie würde bei einem Haftungsfall auch haftbar gemacht werden. Sie ist schließlich "vom Fach und hätte handeln müssen", so die Logik. Deshalb würde keine Hebamme sich das antun, außer vielleicht für eine sehr enge Freundin und dann inkognito.


    Ich finde deinen Wunsch eine Doula dabei zu haben gerechtfertigt. Was das medizinische Hintergrundwissen betrifft: da gibt es keinen Copyright darauf. Wer interessiert ist, ist durchaus in der Lage sich Wissen anzulesen und dann durch respektvolle Mediation mithilfe dieses Wissens dafür zu sorgen, dass eine gebärende Frau Gehör findet. Es ist z.B. möglich um Bedenkzeit zu bitten (egal wie kurz sie auch sein mag) um das Thema der Zustimmung zu Eingriffen wieder präsent zu machen (was ja oft hinten runter fällt), sie kann auch tatsächlich helfen bei einfachen Dingen, die zum Wohlbefinden beitragen aber für die in vielen Kreißsälen wenn man Pech hat leider garkeine Zeit mehr da ist. Kotzschale holen, massieren, Kissen zurecht rücken, auch mal unübliche Positionen ausprobieren, Vorschläge machen etc.


    Es ist ideal wenn die Doula Kontakte dort vor Ort hat, dort schon Geburten begleitet hat und Vertrauen zwischen allen Beteiligten herrscht. Aber das ist kein Muss und es geht ja eben auch darum, dass man auch in unbekannten Situationen einen Ort der Ruhe, Geborgenheit und Vertrautheit schafft.

  • Ja, das waren jetzt mal nur Auszüge, die auch von jeder gelesen werden dürfen.

    Wir haben leider echt den Horror durch und gerade kommen mir schon wieder die Tränen.

    Mein großer, starker, optimistischer Mann - er war so geschockt, auch ihm wurde wirklich viel angetan.

    Ich möchte nicht in die Tiefe gehen hier, aber eine Frau an meiner Seite, die den schützenswerte Raum der Geburt gemeinsam mit uns bewahren möchte, das hätte mir wohl sehr geholfen. Auch nach der Geburt.


    Danke für euren Input, ihr lieben Rabinnen!

  • gluecksmama wenn die Doula im Krankenhaus bekannt ist und auch gern (!) gesehen ist das doch top! Dann passt das ja - vorrausgesetzt die Chemie stimmt zwischen euch! Das wäre dann der ausschlaggebende Punkt schätze ich.


    Kennst du die Seite gerechte Geburt - die Rose Revolution?

  • Ja, danke Nova, kenne ich :)

    Unsere Rose wurde nicht angenommen.

    Aber ich bin anderweitig sehr, sehr gut begleitet worden. Angesichts der bevorstehenden Geburt kommt eben alles noch einmal und wir fragen uns, wie wir uns besser schützen können.

    Ich danke euch wirklich!

  • hallo gluecksmama,


    "Unsere Rose wurde nicht angenommen."

    das tut mir sehr leid zu hören.


    Ich kann Dir zu Deiner Frage keine Erfahrung bieten, kann aber Deinen Wunsch nachvollziehen.

    Ich lese, dass Du eine starke, weibliche Begleitung suchst. Eine Doula klingt nach einer guten Idee. Sonst eine Freundin/Verwandte bitten?


    Hier noch ein link, lies für Dich selber, ob es passt

    justiziable patientinnenverfügung

    Mahatma Pech, Mahatma Glück, Mahatma Ghandi ...
    B.Stelter

  • Ich hatte bei zwei meiner Geburten Doulas dabei. Allerdings waren die Geburtennin den USA. Da ist die geburtssituation doch nochmal sehr unterschiedlich zu der in Deutschland. Ich habe auch viele freundinnen, die eine Doula hatten.


    Wenn du magst kann ich dennoch mehr erzählen.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.