Wer kann mir alles über Gedichte (Versmaß und so weiter) beibringen? Crashkurs!

  • Guten Morgen, liebe Raben!


    Ich möchte auf einem kleinen Festival eine "Poet's Corner" einrichten. Dort können die Gäste mir eine Geschichte erzählen und ich dichte dann ein kleines Poem für sie. Ich werde dafür Blankopostkarten kaufen, so bin ich vom Platz her schön kurz.

    Nun möchte ich, damit es nicht zu plattes "Reime aneinander reihen" wird, gern ein bisschen was über Versmaße und unterschiedliche Gedichtformen lernen. Kann das hier jemand?

    Ich rufe mal Aoide her, bist Du da nicht Meisterin drin?


    Also, wer immer mir da was beibringen kann: Her mit Eurem Wissen! Ich bin gespannt!


    Liebe Grüße von Euer


    Miss Ellie

  • Nun möchte ich, damit es nicht zu plattes "Reime aneinander reihen" wird, gern ein bisschen was über Versmaße und unterschiedliche Gedichtformen lernen. Kann das hier jemand?

    Ich rufe mal Aoide her, bist Du da nicht Meisterin drin?

    Ich könnte ein Buch drüber schreiben. Aber ich seh nicht, dass ich das jetzt und hier leisten kann. Konkretisier dich mal, dann könnten wir ja mal telefonieren?

  • Es gibt eigene Duden Ausgaben nur für die Suche nach sich reimenden Wörtern (nach Endungen sortiert).

    Falls dir das weiterhilft :)

    Lg

    Annanita



    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*


  • Es gibt eigene Duden Ausgaben nur für die Suche nach sich reimenden Wörtern (nach Endungen sortiert).

    Falls dir das weiterhilft

    Ist ja witzig! Das Reimen an sich ist aber nicht das Problem. Vielleicht ist es aber für wenn es stressig wird auch ganz gut, das Buch dazuhaben... Hmm.


    Aoide: Ich wüsste gern ein bisschen Bescheid über Strophenformen und Versmaß. Also, wenn da einer kommt und sagt: "Schreiben Sie mir doch bitte ein Sonett" über Kühe. Dann wüsste ich natürlich gern, was ein Sonett ist. Oder ein Jambus oder ähnliches. Ich habe da leider keine Ahnung. Gibt es nicht sowas wie das Grundwissen, das man als Abiturient in dem Gebiet haben muss?

  • So als Faustregel für klassisch gereimte Gedichte würde ich sagen:


    - Zeilen die sich reimen, sollten möglichst gleich viele Silben und das gleiche Versmaß (Sprechrhythmus) haben, sonst klingt es holprig.

    - Ansonsten kannst du dir das Versmaß frei aussuchen, es sei denn es soll eine spezielle Gedichtform (z.B. Limerick oder Sonett) werden.

    - Abwechslung bekommst du außer im Versmaß auch durch Umstellen des Reimschemas:


    A-A-B-B

    Eine Maus

    kommt ins Haus

    und ein Floh

    der beißt so.


    A-B-A-B

    Ja ein Floh

    kommt ins Haus

    und beißt so

    eine Maus.


    A-B-B-A

    Ja ein Floh

    kommt ins Haus

    zu der Maus

    und beißt so.

  • Ich empfehle immer gerne wortwuchs, weil ich finde, dass die gut erklären und ich dort bisher noch keinen Fehler gefunden habe. Googel mal danach und gib dann Versmaß oder Reimschema ein, da solltest du für ein solides Grundwissen fündig werden.

  • Für Karten würde ich mal nach Elfchen, Haikus und Limerick schauen. Für Sonett und co wird die Karte wohl zu klein werden.


    Für die Grundbegriffe besitzt der Germanist das Metzler Lexikon Literatur, Literaturlexika gibt es aber noch mehr: Poetik in Stichworten von Hirt, ein Band in der Schülerdudenreihe.


    Wenn du ein Kind in der Mittel- oder Oberstufe hast, sollten die gängigen Fachbegriffe im Deutschbuch hinten drin erklärt sein.

    I feel like procrastinating... but I think I'll wait.

  • Ich würde wohl einfach bei Wikipedia schauen. Da gibt es ja auch Kategorien und sicherlich werden auch eher unbekannte Versmaße erklärt.

  • Ich glaub, Wikipedia ist zu viel.

    Versmaß ist vermutlich eher uninteressant, keiner wird ankommen und ein Gedicht im Jambus verlangen. Da geht es um die Betonung (Funfact: Jambus ist die Betonung, wie" Jambus" gerade nicht betont wird. In anderen Worten, das Wort "Jambus" ist ein Trochäus :D).


    Du brauchst tatsächlich Gedichtformen: https://wortwuchs.net/gedichtformen/ (wink zu Zephyr) oder http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/451/785.html, so als erster Überblick .

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Aoide: Ich wüsste gern ein bisschen Bescheid über Strophenformen und Versmaß. Also, wenn da einer kommt und sagt: "Schreiben Sie mir doch bitte ein Sonett" über Kühe. Dann wüsste ich natürlich gern, was ein Sonett ist. Oder ein Jambus oder ähnliches. Ich habe da leider keine Ahnung. Gibt es nicht sowas wie das Grundwissen, das man als Abiturient in dem Gebiet haben muss?

    Schau mal in der Bibliothek in den "Grundwissen" oder "Abiturwissen"-Büchern, da gubt es bestimmt Zusammenfassungen zu den Stichworten Gedichtformen, Strophenformen, Versformen, Versmaß etc. Ein Sonett aus dem Stand zu dichten find ich allerdings *hust* eine Herausforderung.

  • Eine schöne Gedichtform für eine Postkarte ist auch das Schneeballgedicht. Es ist so aufgebaut:

    1. Zeile: 1 Wort

    2. Zeile: 2 Wörter

    3. Zeile: 3 Wörter

    4. Zeile: 4 Wörter

    5. Zeile: 3 Wörter

    6. Zeile: 2 Wörter

    7. Zeile: 1 Wort


    Man kann auch längere Schneeballgedichte schreiben, dann baust du es bis zu einer Zeile mit 5 oder 6 oder 7 Wörtern auf und reduzierst erst dann wieder die Wortzahl pro Zeile.


    Ein perfektes Schneeballgedicht sollte mit Gegensätzen spielen. Dann steht in der ersten Zeile z.B. "hell" und in der letzten Zeile "dunkel" und in der langen mittleren Zeile kippt die Stimmung zwischen diesen beiden Polen.


    Hier zum Beispiel:

    https://www.myheimat.de/muench…ballgedicht-d2657752.html


    Oder so:

    https://schreibenundtherapie.w…/01/24/schneeballgedicht/


    Es ist auch möglich, nach einem ähnlichen Prinzip, sanduhrförmige Gedichte zu schreiben:

    1. Zeile: 4 Wörter

    2. Zeile: 3 Wörter

    3. Zeile: 2 Wörter

    4. Zeile: 1 Wort

    5. Zeile: 2 Wörter

    6. Zeile: 3 Wörter

    7. Zeile: 4 Wörter

    Dabei empfiehlt es sich, mit dem mittleren Wort anzufangen, und von dort aus in beide Richtungen weiterzuschreiben.


    Meine liebsten Vögel sind

    Ganz schön klug

    Sind schwarz

    Raben

    Sind bunt

    Lieben ihre Kinder

    So ein tolles Forum

    Liebe Grüße von Spinosa


    "Selbst der Kleinste vermag den Lauf des Schicksals zu verändern." (Galadriel in Der Herr der Ringe)

  • #blume


    Jetzt weiss ich auch, warum ich beim Poetry Slam nicht gewinnen kann, wenn hier so viele sich mit Gedichttheorie auskenne #angst

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Wenn ich mich in der Richtung praktisch und alltagstauglich weiterbilden wollte, würde ich wohl alles an Gedichten von James Krüss lesen und analysieren, was ich finden kann. Mag nicht die ganz hohe Kunst sein...

  • Wenn ich mich in der Richtung praktisch und alltagstauglich weiterbilden wollte, würde ich wohl alles an Gedichten von James Krüss lesen und analysieren, was ich finden kann. Mag nicht die ganz hohe Kunst sein...

    Ich benutze die „Henriette Bimmelbahn“ ja gerne dazu um Stilmittel zu wiederholen. Da ist wirklich fast alles an gängigen Stilmitteln drin untergebracht und die Schülerinnen und Schüler freuen sich bis in die Oberstufe drüber. Es ist ja ausnahmsweise mal ein leicht zu verstehendes Gedicht...

    I feel like procrastinating... but I think I'll wait.

  • Hach. Das ist so toll. Danke Spinosa.


    Und danke Ihr alle! Ich werde so viel Spaß haben! #blume