Aussage einer Ärztin zum stillen ü12mon

  • Ich habe da bisher wirklich Glück gehabt. Meine erste Hebamme war ein Griff ins ..., die hätte mich mit saugverwirrtem Kind gerne weiter Pumpen gesehen und hat die Betreuung eingestellt weil ich es gewagt habe mich an eine Stillberaterin zu wenden.


    Meine Hausarztpraxis ist da total entspannt (auch als ich schwanger und stillend dort aufgetaucht bin), eine der Ärztinnen meinte dann mal "manchmal brauchen die Kinder eben auch noch eine Extra Portion Mama".

    Unsere Kinderärztin hat beim Soor der großen letzten Sommer ganz selbstverständlich darauf hingewiesen, dass ich die Brust mitbehandeln muss sofern sie noch stillt (das war kurz vor dem dritten Geburtstag). Die Kinderärztin hat aber ihre Kinder selbst lange gestillt (auf jeden Fall über das erste Lebensjahr hinaus) und keine Nuckel angeboten.

  • Ich bin einfach nur erstaunt, weil ich angenommen hatte, dass man in Deutschland es einfacher hätte mit dem stillen, weil die Betreuung nach der Geburt phantastisch ist und weil man so lange Mutterschutz und Eltern Zeit hat. Aber das scheinen ja keine Kriterien zu sein. Der gesellschaftliche Druck scheint da wichtiger zu sein.

    Doch, das sind wahrscheinlich schon Punkte, die eine Rolle spielen, aber in die andere Richtung als man so spontan denken würde.


    Die kurze Stilldauer in Deutschland hängt damit zusammen, dass es den Babynahrungsfirmen verboten ist, für Pre-Milch Werbung zu machen. Sie dürfen erst ab Beikostalter mit ihrem Marketing anfangen. Und dann werden Broschüren verteilt, in denen „Stillen oder Flasche“ gleichberechtigt als Mahlzeiten aufgelistet werden und durch Beikost „ersetzt“ werden. Wer das liest und glaubt, hat ziemlich schnell „nicht mehr genug Milch“ oder ist ansonsten genervt von dem schrecklichen Aufwand, den die Babyernährung auf diese Art hat.


    Nur wer diesen Kram nicht glaubt, kann locker und entspannt weiterstillen - und wenn das Ende der Elternzeit naht, ist das Kind oft auch alt genug, tagsüber ohne Muttermilch auszukommen. Teure Anschaffungen unnötig.


    Im Gegensatz dazu gibt es in den USA eben keine so lange Elternzeit und damit offensichtlich jemand, der Interesse hat für gutes Marketing fürs Stillen, nämlich die Hersteller der Milchpumpen.

  • Viele Leute haben auch noch nie vom Teilzeitstillen gehört. Sie denken, man müsse das Kind zu 100% durch das Stillen ernähren oder ganz aufhören.


    Zum Einschlafen oder zum Kuscheln zu stillen ist bei vielen unbekannt.

  • Ich finde schon den Begriff Langzeitstillen unpassend. Man spricht ja auch bei einem Stillen von 4 Monaten nicht vom Kurzzeitstillen.


    Bei Ärzten bin ich regelmäßig beim Ü1-Stillen entweder auf skeptische Nachfragen oder skeptisches Hinnehmen gestoßen. Embryotox war quasi unbekannt.

  • Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was premilch ueberhaupt ist. Oder dass es überhaupt unterschiedliche Sorten für verschiedene Altersgruppen gibt. Ich kenne nur Firmen und dann welche für Allergiker Kinder. Mir ist auch aufgefallen dass die deutschen Kinder sehr früh Tees in Fläschchen kriegen. Das kannte ich auch so gar nicht und verstehe den Sinn sich nicht so ganz.


    Je nach Staat und KH ist es verboten im KH Pulvermikchwerbung zu machen. Und es gab im KH wirklich viel Hilfe beim stillen, die meisten um mich herum waren auch alle still freundlich und mutterfreunelich zertifiziert. Und Milchpumpen werden sogar von Obamacare erstattet. Das war schon cool. Im daycare wurde die Muttermilch dann auch verfüttert. Und wenn das Pumpen doch nicht so gut klappte, gab es tagsüber pulvermilch.


    Der Begriff teilzeitstillen ist mir neu.

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  • Im Medizinstudium kommen weder Stillen noch Erziehungsberatung überhaupt vor. Stillen kommt vor nur in dem Umfang, dass es überhaupt existiert und als Ursache für Mastitis, aber keineswegs irgendwas inhaltlich darüber.


    Daher ist ein Arzt zunächst völlig ungeeignet als Stillberater wie auch als Erziehungsberater. Da würde ich nach Zusatzweiterbildung fragen (freundlich).
    Erziehungstipps für Säuglinge und was mein Kind wann lernen soll, sind überhaupt absolute Frechheit.


    Ich bin so traurig, nach so vielen Jahren Kampf fürs Stillen (hat vermutlich bereits in den 70ern angefangen) hat sich nichts geändert. Was ich mit meiner Tochter damals durchgemacht habe, geht munter weiter. Bloß nicht verunsichern lassen!


    Es gibt aber auch positive Beispiele. Bei unserem Kinderarzt t hängt die Luste der Inhaltsstoffe Muttermilch versus industriell gefertigte Mahrung aus. Beim ersten flüchtigen Blick darauf wird einem klar, was wertvoller ist.

  • Hering


    Wertvoller? Meinst Du gehaltvoller?

    Ich finde es vollkommen unerheblich ob jemand stillt oder wie lange oder ob gar nicht gestillt wird. Das geht mich (und auch andere) nix an wie die einzelnen Mütter ihre Kinder ernähren.

  • Ist da wirklich an allen Unis so, dass stillen nicht zur ärztlichen Grundausbildung gehört?

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  • Ich hab bei allen 3 Kinder niemals von irgendeinem Arzt nen blöden, unpassenden oder unqualifizierten Spruch zum Stillen bekommen.

    Sowas kam immer nur von meinen Eltern oder aus Kindergärten #rolleyes

    . Die Tagesmutter vom Zwerg hat es so hingenommen und auch nie wirklich explizit nachgefragt.


    Beim Mittleren war ICH irritiert, weil der Kerl mit 7 Monaten immernoch nur mal aus Versehen ein Löffelchen Brei gegessen hat und sonst nur gestillt hat. Damals hat die Kinderärztin mich beruhigt und klar gesagt "weiter stillen, Beikost anbieten, abwarten, entspannen".

    Beim Zwerg waren alle Ärzte und Hebammen und Krankenschwestern schwer begeistert, dass er so problemlos stillte (trotz der Luminaletten - sehr häufige Nebenwirkung Schläfrigkeit, Trinkschwäche bei Säuglingen). Da hab ich in der Kinderklinik nachdem er das bekommen hat ein paar Tage vor und nach dem Stillen gewogen (ohne Druck von irgendwem - einfach zur Beruhigung für mich). Nach 2-3Tagen wurde mir gesagt, dass ich das lassen soll ... "Sie und ihr Zwerg machen das super ... das ständige Wiegen können sie bleiben lassen. Die Daten braucht kein Mensch."

    Den Zwerg hab ich vor diesem Hintergrund mit sehr viel Stolz gestillt und mich nie versteckt. Der Platzwart auf dem Sportplatz war anfangs etwas irritiert, hat sich aber schnell dran gewöhnt #nägel

    .

    Ich hab auch den 1,5 jährigen Zwerg noch ganz entspannt im Wartebereich des KH gestillt. Fand niemand auch nur erwähnenswert.

    Ich weiß gar nicht, ob die Kinderärztin ne Ahnung hat, wie lange der Zwerg noch gestillt hat #gruebel. Das war irgendwann kurz nach Beikostbeginn gar kein Thema mehr.

  • Irgendwie deprimierend, dass sich das in den letzten 20 Jahren überhaupt nicht geändert hat.

    Doch. Es hat sich was geändert.

    Stillzeiten von über einem Jahr begegnen mir regelmäßig beim Arbeiten.

    Das war vor 20 Jahren absolut nicht so.

    Ich schätze Mal, dass diejenigen, bei denen das vor 20 Jahren der Fall war, das bei der Anamnese auch nicht unbedingt angegeben haben.


    Das tun sie heute pproblemlos, stolz und ohne Scham.


    Dass es immer Kinderärzt:innen geben wird, die keine Ahnung vom stillen haben ist so.

    Ist auch kein großes Thema im Studium.

    Die, die sich da gut auskennen, sind die, die selbst gestillt haben, bzw ihre partnerinnen;)

  • Die Aussage stammt von der Hausärztin, die auch den Kleinen betreut ( also diese Gemeinschaftspraxis)

    Abgesehen davon das diese Ärztin schon einige blöde Dinge geliefert hat hätte ich ihr die negativen Kommentare bzgl des Stillens und „muss sich halt an Veränderungen gewöhnen „ nicht zugetraut, hätte sie eher so eingeschätzt das sie selbst länger gestillt hätte.

    aber scheinbar hat die Ärztin auch keine Vorstellung von Windelfrei, da es drum ging eine Urinprobe abzugeben „ falls es überhaupt klappt, das ist immer ziemlich kompliziert bei so kleinen Jungs, nehme sie mal einen klebebeutel mit und versuchen sie es“

    Als Tochter meinte das könnte gleich in der Praxis klappen schaute sie nur verständnislos.

    Naja, es hat geklappt :-)


    Tochter wird ihr das von der WHO mal ausdrucken und mitnehmen, da sie es erschreckend findet das sich die Ärztin so negativ darüber äußerte und damit andere Mamas vielleicht verunsichert.

  • aber scheinbar hat die Ärztin auch keine Vorstellung von Windelfrei, da es drum ging eine Urinprobe abzugeben „ falls es überhaupt klappt, das ist immer ziemlich kompliziert bei so kleinen Jungs, nehme sie mal einen klebebeutel mit und versuchen sie es“

    Mein Grossvater war Kinderarzt und erzaehlte immer, dass damals schon einige Frauen windelfrei praktiziert haben, damals ging es auch darum, dass man die Windel halt nicht waschen musste.

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  • mama5 windelfrei ist doch aber eher selten, dass die Ärztin das nicht als default-einstellung hat, finde ich normal und das Angebot des klebebeutels eher positiv, das haben nicht alle..

  • Eine Ergänzung - mich bewegt der Thread gerade, ich war innerlich davon ausgegangen, dass viele dieser Vorurteile in Deutschland so nicht existieren, aber sie passen zu vielen Beobachtungen um mich rum und ich werde mir vornehmen hier und da, wenn angebracht, ein positives Wort fallen lassen. zB überhörte ich neulich ein Gespraech im Laden, wo Mutter und Tochter debattierten, welchen Tee sie nun fuer das 3 Monate alte Kind anschaffen sollten.


    Gerade der Punkt, dass viele nicht wissen, dass man Teilzeitstillen kann, erstaunt mich.

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  • Gerade der Punkt, dass viele nicht wissen, dass man Teilzeitstillen kann, erstaunt mich.

    Das irritiert mich total. Wie muss ich mir denn überhaupt Nicht-Teilzeitstillen vorstellen? Sobald das Kind ein Löffelchen Brei schluckt oder an einer Dinkelstange lutscht, stille ich ab? Und wie wird das Kind dann satt, über Säuglingsmilch? Das ist doch komplett unlogisch!

    Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es verstehen.


    Konfuzius

  • undine; ich weiß nicht, ob das gemeInt ist aber ich denke, viele haben halt den beikostplan vor Augen, bei dem nach Zeitplan eine stillmahlzeit nach der anderen gegen “echtes“ Essen ausgetauscht wird.

    Bis stillen dann nach x Wochen wegfällt.

    Dass viele nicht wissen / drüber nachdenken, dass man noch sehr lange beides parallel machen kann. Dass der Körper der Mutter kein Automat ist, der kontinuierlich x ml Milch pro h produziert und nach 3h entleert werden muss. Sondern sich anpassen kann und durchaus über lange Zeit die Milch passend für eine Mahlzeit am Tag bereitstellt.

  • Hm, ok, Du hast vermutlich Recht. Wobei sich auch da die Frage stellt, warum etwas, was über x Wochen funktioniert nicht auch über viel mehr Wochen funktionieren sollte.

    Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es verstehen.


    Konfuzius

  • undine Ich hatte das bis gestern auch nicht auf dem Schirm, dass wohl manche Frauen denken, dass Beikost bedeutet aufzuhören zu stillen.

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  • undine: den Gedankengang / die intuitive Annahme finde ich eigentlich sehr nachvollziehbar. Es gibt soviel im Körper, was einfach vorgegeben ist und nur bestimmte Zeit oder in vorgegebenen Rhythmen funktioniert, dass ich es nicht selbstverständlich finde, dass der Körper vieler Mütter tatsächlich über Jahre hinweg auch geringe Mengen Milch produzieren kann.


    Wenn ich an die Generation vor uns denke - ich kenne so viele Frauen, die überzeugt davon sind, sie hätten nicht genug Milch gehabt, dabei hätten sie so gerne länger gestillt. Und heute ist es anders, aber der weibliche Körper hat sich doch nicht in einer Generation so verändert. - Ich denke, viele Frauen hatten nicht genug Milch, weil ihre babies im säuglingszimmer waren, alle 3h gebracht wurden, zu Hause täglich gewogen wurde, ...