Wechselmodell Vorteile/ Nachteile

  • Ich bin gerade indirekt mit dem Thema Wechselmodell konfrontiert.

    Meine neue Partnerin betreut ihren 4jährigen Sohn im wöchentlichen Wechsel mit dessen anderer Mutter.

    Tja und irgendwie bin ich skeptisch. Ich denke bzw. fühle immer über diese regelmässige Umstellung nach und frage mich, wie sich das wohl auf das Kind auswirkt.

    Habt ihr Gedanken dazu bzw. gibt es lesenswerte Artikel zu dem Thema? Ich komme irgendwie selbst nicht zu einer Haltung. Gefühlt würde ich das nämlich so für meine eigenen Kinder nicht haben wollen. Mmh....Was meint Ihr? Mittlerweile das Wechselmodell ja relativ verbreitet.

    Susanne mit Kasperle 08/04 , Seppel 01/07 und Gretel 10/10 :) und Überraschungsstar April/2014


    Pippi Langstrumpf:" Es ist unbedingt wichtig für kleine Kinder ein
    geordnetes Leben zu haben. Besonders, wenn sie es selbst ordnen dürfen." :D

  • Der Forschungsstand ist soweit ich weiß dass Kinder im Wechselmodell im Schnitt glücklicher sind als Kinder im Umgangsmodell (zB Turunen 2016. Shared physical custody and children’s experience of stress. Stockholm Research Reports in Demography, 2016, 08) bzw. genauso glücklich wie Kinder mit nicht-getrennten Eltern (Fallesen et al, 2020. Post-Divorce Dual-Household Living Arrangements and Adolescent Wellbeing. Pp. 337-354 in Mortelmans, D. (Ed.), Divorce in Europe. New Insights in Trends, Causes and Consequences of Relation Break-ups. Springer Open. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-030-25838-2_16).


    Ich lebe ja selber seit 5 Jahren Wechselmodell und bin ganz glücklich damit, die Kinder wollen es auch nicht anders (kennen es aber auch nicht anders). Sie könnten/wollten niemals entscheiden bei wem sie dann leben wollten, das ist sehr deutlich.


    Die Unruhe die durch die Umziehrei zwangsläufig entsteht versuchen wir so gut es geht abzufangen (Ladegeräte und Medizin etc doppelt anschaffen, Schulbücher transportieren wir). Wir leben aber auch nur 15 Fahrradminuten voneinander entfernt, in zwei Vierteln der gleichen Stadt.


    Gerade die Große profitiert auch oft davon dass es zwei Hauhalte zur Auswahl gibt, sie fährt dann nach einem Konzert oder so einfach dahin wo es näher ist. Und wenn einer von uns auf Dienstreise ist und der Kleine beim anderen Elternteil, genießt sie die leere Bude und lädt Freunde ein.

  • Hier lebt (jede zweite Woche ;)) auch ein sehr glücklicher Wechselmodellteenager.

    Sie macht das seit dem 2. Lebensjahr und kann sich das nicht anders vorstellen.

    So haben alle was von ihr und sie hat was von beiden Familien. Wir sind zufrieden.

    Und Chaos und Stress werden hier dadurch abgefedert, dass Freitag nach der Schulge gewechselt wird.

    Lg

    Annanita



    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*


  • Ich habe als Kind gute Erfahrungen mit dem Wechselmodell gemacht. Das wöchentliche Packen und Umziehen war zwar immer nervig, aber wir Kinder hatten und haben sehr gute und enge Beziehungen zu beiden Elternteilen. Es war definitiv hilfreich mit beiden Alltag zu haben, bei unseren Problemen und schönen Erlebnissen waren eben beide mal ganz dicht dran (und wir auch bei ihren).

    Meine Eltern haben die Trennung für uns Kinder aber auch sehr gut hinbekommen und sich viel ausgetauscht und abgesprochen. Außerdem hätte es keiner von beiden ertragen, uns nur alle 14 Tage zu sehen. Ich zitiere dazu immer gerne meinen Vater, der sagt, für ihn sei es "die beste aller schlechten Möglichkeiten".


    Was genau macht dich denn skeptisch? sushiba

  • nach 10 Jahren mit einem Kind im Wechselmodell kann ich sagen, dass es für manche Familien eine gute Möglichkeit ist. ob Eltern sich so gut abstimmen können und ein Kind das Leben in zwei Haushalten gut findet, das kann nur die Zeit zeigen. ein aufmerksamer Blick auf das Kind ist hier elementar und die Bereitschaft, das Modell anzupassen, wenn es nicht mehr gut geht.

  • Ah super....doch ein paar Antworten.


    Das ist ja schön, das Ihr ausschliesslich positiv berichtet.


    Tja....das Kind ist ja vier. Also noch relativ klein. Ich habe den Eindruck, dass der wöchentliche Wechsel schon immer eine Herausforderung ist. Eingewöhnung und Abschied finden gefühlt ja ständig für ihn statt.

    Wenn ich mich da einfühle, spüre ich Anstrengung bzw. wäre es ein Zustand, der mich persönlich als Kind sehr gefordert hätte.

    Der Junge ist ein sehr zartes Kind, mit noch wenig Selbstbewusstsein, der sich ansonsten mit Herausforderungen und Veränderungen schwer tut....

    Susanne mit Kasperle 08/04 , Seppel 01/07 und Gretel 10/10 :) und Überraschungsstar April/2014


    Pippi Langstrumpf:" Es ist unbedingt wichtig für kleine Kinder ein
    geordnetes Leben zu haben. Besonders, wenn sie es selbst ordnen dürfen." :D

  • meine Tochter war knapp 5, als wir mit dem wechselmodell starteten und ist jetzt eine ausgeglichene, starke, glückliche 10jährige.

    Natürlich ist das nicht die klassische gesellschaftlich genormte gelernte familiensituation - aber dort scheint ja auch nicht jeden Tag allen Beteiligten die Sonne aus dem Herzen.

    Ich habe (und hatte) ein gutes Gefühl mit dem wechselmodell.

  • frage mich, wie sich das wohl auf das Kind auswirkt.

    Aber was ist denn die Alternative? Eins der Elternteile weniger sehen? Wer entscheidet, welches Elternteil das ist? Und was sind die Konsequenzen davon für alle Beteilgten? Meinst du nicht dass das mindestens genauso viele Probleme aufwirft?

  • wie lange läuft das Wechselmodell schon in der Familie? Wie bei allen Familien nach einer Trennung braucht es Zeit bis sich alle eingespielt haben.


    anfangs in den ersten 1-2 Jahren war Wechseln häufiger als einmal die Woche bei uns. auf Wochentakt gingen wir mit Schuleintritt. jetzt mit Corona haben wir 2-wöchigen Takt, Kind ist inzwischen 14 Jahre und sagt von allen Modellen die sie bei anderen mitbekommt, ist sie mit unserem zufrieden und würde nicht auf ein anderes tauschen wollen.


    Wechseltage sind die Herausforderung, sie möglichst unstressig gestalten ist wichtig. was mir geholfen hat war Unterstützung durch Freunde, so dass in beiden Haushalten ein freundliches und zugewandtes Miteinander stattfand. Kita bildete die Konstante, hier im Austausch bleiben mit dem Team war sehr hilfreich. (Grund)Schule und Hort meldeten durchgehend positiv zurück, dass wir als Eltern nah dran waren und das Beste machten aus der Konstellation.

    in der weiterführenden Schule nun ist sie nicht mehr die einzige in der Klasse, die im Wechselmodell lebt.

    wir tauschen Wochen oder Tage, wenn nötig, so dass sie wichtige Ereignisse mitmachen kann.

  • So ging es mir als Kind. Ganz ohne Wechselmodell. Ich hatte das klassische Resindenzmodell. Mit alleinerziehender Mutter und Wochenendvater.

    Es hat oft bis Samstag Abend gedauert bis ich bei meinem Vater das Gefühl hatte angekommen zu sein. Und Sonntag bin ich schon wieder gefahren. Und dann war Montag und teils auch Dienstag bei meiner Mutter schwierig.

    Für mich wäre Wechselmodell besser gewesen. Dann hätte ich immer das Wochende Zeit gehabt anzukommen und bei jedem auch "richtige" Zeit gehabt.

    Lg

    Annanita



    "...baaald seid iiihr groooß, und könnt aaa-lles a-llein,

    aaaber biiis daaann schlaaaft ihr hiiier bei miiiir eiiiin."

    *träller*