Wie wird Digitalisierung an den Schulen außerhalb von Deutschland umgesetzt?

  • Vielen Dank ihr!

    mon bureau numerique ("mein digitales Büro", abgekürzt mbn). Die gehört zum normalen Alltag: Kind krank entschuldigen, mails an Lehrer schreiben, Hausaufgaben und Noten ansehen...

    Das hört sich super an - ein bisschen wie der Schulmanager oder WebUntis, nur dass wir hier weder Entschuldigungen auf diesem Weg annehmen dürfen noch Noten. Noten geht gar nicht - personenbezogene Daten.

    . Es ist freiwillig und die Lehrer müssen dadurch sowohl Präsenz- als auch Fernunterricht vorbereiten. Deswegen ist der Freitag bei uns für alle weiterhin Fernunterricht.

    Das finde ich eine gute Lösung. Dann hat man auch einen Ankertag, an dem man sich als Lehrer gut um die kümmern kann, die nicht an die Schule kommen.


    Und danke Blumenkind - das erinnert mich an meine Zeit in den USA, ich war zuerst in einer öffentlichen Schule in einem recht wohlhabenden Bezirk: und es waren eine Menge Kinder, die über "falsche" Anmeldungen bei uns waren. Aber da ist die amerikanische Gesellschaft eh ein bisschen schmerzbefreiter was unterschiedliche Ausgangschancen angeht...

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • das erinnert mich an meine Zeit in den USA, ich war zuerst in einer öffentlichen Schule in einem recht wohlhabenden Bezirk: und es waren eine Menge Kinder, die über "falsche" Anmeldungen bei uns waren. Aber da ist die amerikanische Gesellschaft eh ein bisschen schmerzbefreiter was unterschiedliche Ausgangschancen angeht...

    Ui spannend, vielleicht kannst Du da mal mehr erzaehlen, das wuerde mich interessieren.

  • Ja, elternmitarbeit war hier auch essenziell. Unsere Tochter liest flüssig, kennt mittlerweile auch die tools und apps für den Fernunterricht, aber es sind in der ersten Klasse halt auch viele Diktate und so weiter, da braucht es einen Erwachsenen. Zudem müssen die Aufgaben ja auch kontrolliert werden, auch wenn die Lehrer Stichproben jede Woche (teilweise auch täglich) bekommen haben. Die Kinder brauchen ja auch schnelles Feedback, gerade bei Rechtschreibung und so. Hier war das homeschooling quasi ein Vollzeitjob. Meine eigene Arbeit habe ich in die Mittagspause der Kinder geschoben und nachts halt.


    Wir haben auch noch ein paar freiwillige Sachen gemacht, Antolin und lük-Kasten kamen hier gut an. Und so 1*1 rechenkarten, die sie mal aufm Flohmarkt uuuuuuunbbbbbedingt haben wollte. Antolin hat sie gut zum lesen lernen motiviert. Jetzt, wo sie an einem Tag ganze Bücher liest, hat sie aber keine Lust mehr drauf und macht nur ab und an mal was. YouTube und so haben die lehrer auch immer mal empfohlen, aber damit können wir hier alle nicht so viel anfangen. Gedruckte Arbeitsmaterialien sind irgendwie spannender.

  • husky klingt so als hätte bei euch der Fernunterricht auch gut funktioniert! Gehen deine Kinder wieder hin?

    Ja, ich habe gerade auch mal Fazit gezogen und bin angetan von der Umsetzung. Allerdings musste ich auch nicht gleichzeitig selbst arbeiten. Ich weiß nicht, wie das hätte gehen sollen bzw. wie andere Eltern das geschafft haben.


    Die Mittlere war heute wieder den ersten Tag, wird aber bis zu den Ferien nur freitags gehen, also vier Tage insgesamt. Was das bringt, weiß ich nicht, aber sie hat sich sehr darauf gefreut. Die Große geht vor September nicht ins lycée, weil sie an einer Schule mit normalerweise ca. 1200 Schülern jetzt nur 79 (!) gleichzeitig betreuen dürfen. Und die Kleine geht ab Montag wieder, dann immerhin noch für drei volle Wochen. Ich denke, das wird reichen, um den Stoff zu festigen, den sie im confinement gemacht haben.


    Blumenkind , das ist ja süß mit den Videos!

  • Hermine, magst du erklären, was in Deutschland das Problem mit den Noten wäre? Die können ja nur von den Kindern und den Eltern gesehen werden. Ich weiß nicht, ob ein Fachlehrer beim Eingeben seiner Noten für KindXY auch dessen Noten für die anderen Fächer sehen kann, - ich vermute, daß die Software das verhindert.

  • Blumenkind: Was interessiert dich? Ich war Mitte der 80er an der Ostküste, in der Middle School, zuerst an einer öffentlichen und dann an einer Friends School.


    husky: Ich kann dir nur die Argumentation unseres Datenschutzbeauftragten wiedergeben: Noten sind personenbezogene Daten und dürfen nicht in einem Netz, das von außen zugänglich ist, auftauchen. Entsprechend sind die Verwaltungsnetze in den Schulen auch nicht von außen zugänglich.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    Willy Brandt, 1969

  • Seid Corona wird an der Schule meiner Kinder mit Teams gearbeitet, zumindest an der Highschool gibt es Compass - ein Zugang fuer Eltern und einer fuer den jeweiligen Schueler, da kann man alle wichtigen Informationen finden. In der Highschool bekommen die Kinder Zugang zu Microsoft Produkten ueber die Schule, einen Laptop sollte jedes Kind selbst haben (staatliche Schule). Ab dem naechsten Jahr sollen Schueler die in Klasse 7 starten

    einen Windows 10 basierten Laptop mit Stylus haben. Hausaufgeben werden online ab- und zurueckgegeben. Bisher war es so, dass Schueler, die keinen eigenen Computer hatten zumindest in der Schule einen leihen konnten. Mit Beginn der Highschool bekommen die Kinder eine eigene E-mail Addresse.


    Viele der Lehrbuecher haben einen Code mit dem dann das Buch auf den Laptop geladen werden kann - so koennen die Buecher zu Hause bleiben. Das ist im Moment gut, denn die Kinder duerfen nicht an ihre Spinde wegen Corona. Alle KLassenzimmer sind mit digitalen whiteboards ausgestattet.

    Regina (9/75) mit L. (3/03) und K. (12/04) und einem Sternchen das ueber uns wacht.


    The only thing worth stealing is the kiss of a sleeping child.


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  • Abgesehen davon wäre ein zentraler Ablagepunkt toll, wo ich den Elternbrief von letzter Woche, den Termin fürs Schulfest und bei älteren Kindern für Klassenarbeiten finde, wo ich meine Zustimmung zum Ausflug abgeben , Dinge zur Kenntnis nehmen und die Schule bzw. bestimmte Lehrkräfte kontaktieren kann.

    Wir haben hier an einer Realschule in Bayern ein System, was Deinem Traum glaube ich schon recht nahe kommt. Ich habe gerade mal geschaut - das ist das System von https://www.schule-intern.de/. Darüber funktionieren (ohen Garantie für Vollständigkeit): Elternbriefe, Stundenplan, Vertretungsplan (nur Fächer, keine Lehrkräfte wg. Datenschutz), Kalender mit Klassenarbeiten, Festen etc., Emails mit Lehrkräften, Krankmeldungen, ausgeliehene Schulbücher.


    An der Grundschule gab es vor Corona gar nichts digitales, nur Zettelwirtschaft. Jetzt wurde der Schulmanager eingeführt.

    Ich arbeite super gerne mit OneNote, dort gibt es digitale Klassenbücher, mit denen man sich sozusagen eigene digitalen Lehrbücher basteln kann. Es gib einen Bereich, wo alle (fast gleichzeitig) arbeiten können, einen Bereich wo ich Dinge erfassen

    und den Lernenden zur Verfügung stellen kann und einen Bereich für jeden Lernenden (eine Art Arbeitsheft, wo ich Zugriff drauf habe). Ich kann Texte erfassen, „von Hand reinschreiben/ korrigieren, Bilder und PDFs hochladen sowie Videos bzw. Aufgaben einbetten. Das soll jetzt keine Werbung sein, aber ich finde es echt praktisch, weil es einfach ist und sehr übersichtlich und nett ausschaut.

    Ich liebe OneNote auch sehr (habe allerdings nichts mit Schule zu tun außer bei meinen Kindern). Nach meinem Kenntnisstand will Microsoft das Programm leider nicht weiter pflegen und es wird wohl irgendwann ersatzlos gestrichen. Ich kenne nichts, wo man sich so praktisch Notizen strukturiert zusammenstellen kann. Wir benutzen es auf Arbeit teilweise auch im Team, allerdings auf Netzlaufwerken, nicht in der Cloud.

  • Dänemark: Tochters bis dahin beste Freundin ist im letzten Sommer wieder dorthin zurückgegangen, wir haben die Famile im Winter besucht und natürlich auch über die unterschiedlichen Schulsysteme gesprochen.


    Es gibt ein elektronisches Schulportal, in dem alle Eltern und Schüler einen User haben. Darüber werden sowohl administrative Dinge (Entschuldigungen, Geldzahlungen, Terminvereinbarungen mit Lehrkräften), aber auch Noten ausgetauscht. Dinge, die bei uns meist unter "geht gar nicht, weil personenbezogene Daten" laufen.


    Arbeit mit Laptop bzw. Tablet ist ab der ersten Klasse üblich. Jedes Kind hat ein eigenes Gerät, das normalerweise in der Schule bleibt. Der kleine Bruder, der 1. bis 3. Klasse in Deutschland absolviert hat, wird wegen seiner ausgesprochen schönen Handschrift gelobt. In DK ist Handscheiben nachrangig, O-Ton der Eltern, die den direkten Vergleich haben: "das kannst du nicht lesen". Überhaupt bleiben die Schulsachen i. d. R. in der Schule. Täglich mitgenommen werden lediglich ein Lunchpaket, evtl. noch Schreibzeug oder einige persönliche Kleinigkeiten. Für die jungen Damen in der achten Klasse ist das ein Stoffbeutel oder eine Handtasche - je nach Geschmack.


    Während des Shutdowns war online Unterricht mit per Videokonferenz kein Problem und war - zumindest ab der weiterführenden Schule (7. Klasse und höher) auch täglicher Standard. Die Schüler bekamen ihre Laptops mit nach Hause. In der Grundschule begann der Präsenzunterricht zuerst, wie es derzeit bei den älteren Jahrgängen aussieht, müsste ich nachfragen.

  • schweiz, aber erstmal nicht die sicht auf tools, hard- und software, sondern auf die pädagogische rahmung (interessiert dich das auch?).


    im aktuellen lehrplan der deutschschweiz ist ein modul drin "medien und informatik". der sieht vor, dass und wie medienbildung, informatische grundkenntnisse und anwendungskompetenzen unterrichtet werden. je nach kanton ist er etwas unterschiedlich ausgestaltet. die lateinische schweiz (französisch-/italienisch-/romanischsprachige landesteile) ist momentan dabei, nachzuziehen und die lehrpläne analog auszurichten. hier der lehrplan im detail: https://v-fe.lehrplan.ch/index.php?code=b|10|0&la=yes .


    passend zum lehrplan gibt es lehrmittel (bisher deutsch/französisch). dieser lehrplan mit dem neuen modul wurde in den letzten jahren eingeführt, dementsprechend läuft in den schulen eine weiterbildungsoffensive zum thema.


    zur ausstattung der schulen und der sus haben ja andere schon was geschrieben.


    viele (deutschschweizer) schulen nutzen office 365. das ist nicht irgendwie verpflichtend, aber microsoft war offenbar schnell genug, da ein zur zielgruppe passendes paket zu einem offenbar annehmbaren preis inkl. datenschutzkompatibilität bereitzustellen.


    in der coronazeit haben ganz viele lehrpersonen und schulen einen riesensprung gemacht bezüglich digitaler kompetenzen und digitalisierung. die verwendeten tools findest du hier zusammengestellt: https://www.lernentrotzcorona.ch/Lernentrotzcorona.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • Wobei die Schweiz und die USA ja einen stärker ausgeprägten Föderalismus haben als hier. Wird das eigentlich eher kritisch gesehen oder als Vorteil wahrgenommen?

    oh das kommt drauf an, wen du fragst :D.


    in bezug auf das schulsystem: es ist schon etwas seltsam, wenn 5 km weiter ganz andere rahmenbedingungen herrschen. über die unterschiedlichen maturitätsquoten z.b. wurde hier ja auch schon berichtet: momentan schwankt der anteil der kinder, die die matur (hochschulreife) machen, je nach kanton zwischen 23 und 50%. auf der anderen seite werden entscheide in aller regel sehr gut mitgetragen, weil sie breit abgestützt sind und die mitgestaltungsmöglichkeiten verhältnismässig gut ausgebaut sind. so wurde in einigen kantonen über die reihenfolge abgestimmt, in der fremdsprachen eingeführt werden. entsprechend fand (schweizweit) ein politischer diskurs zum thema statt.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • zu spät zum editieren: grosse würfe sind in einem solchen biotop schwierig. für den einbezug mehrerer perspektiven und das finden guter kompromisse eignet es sich meiner erfahrung nach hingegen gut.


    in bezug auf die digitalisierung der schulen bedeutet das föderalistische system der schweiz: viele (teure) doppelspurigkeiten, viel autonomie für die kantone und schulen, viele extrawürste, dadurch aber relativ hohe zufriedenheit in den schulen, schwieriges pflaster für hard- und softwareanbieter, die mit jeder schulleiterin, jedem schulleiter einzeln verhandeln müssen und jede lehrperson einzeln überzeugen müssen, viel unübersichtlichkeit und wildwuchs, aber gute lösungen sprechen sich herum und werden auch andernorts übernommen.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • zu spät zum editieren: grosse würfe sind in einem solchen biotop schwierig. für den einbezug mehrerer perspektiven und das finden guter kompromisse eignet es sich meiner erfahrung nach hingegen gut.

    Das ist eine gute Zusammenfassung, wie der Föderalismus oft empfunden wird.


    Es macht viele Reformen sehr viel langsamer, aber dafür im Ergebnis oft beständiger.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Blumenkind: Was interessiert dich? Ich war Mitte der 80er an der Ostküste, in der Middle School, zuerst an einer öffentlichen und dann an einer Friends School.

    Wow, in den 80ern! Das muss in der Zeit sehr spannend gewesen sein, heutzutage gibt es zugaengliches Internet und mehr Info online usw. Die Welt fuehlt sich kleiner an. Friends School musste ich erstmal googlen, aber dann fiel mir ein, dass es hier in der Naehe auch eine gibt. Eine Freundin meiner einen Tochter ist aus einer Quaekerfamilie.


    Ich bin froh, wenn meine aeltere Tochter bald Sommerferien hat. Heute hat sie Filme aufnehmen sollen und eine Krone basteln. Zuhause. In der Vorschule. Suesse Idee, aber kann sie halt alles nicht alleine..