Wie wird Digitalisierung an den Schulen außerhalb von Deutschland umgesetzt?

  • Die Frage hat gerade Drahtesel im Corona und Schule-Thread gestellt, und ich finde sie sehr spannend.


    Aus Deutschland kenne ich verschiedene Kommunikationsplattformen (Moodle, iservices, etc.) und weiß theoretisch von einer Plattform des kollaborativen Arbeitens (Mahara) (theoretisch, da in einem anderen BL eingesetzt). Und dann eine Reihe von (Online-)Programmen, die sich die LuL (weitgehend selbstständig) erschlossen haben und von *irgendwelchen* Anbietern sind (Kahoot, Padlet, etc.).


    Wie sieht das in der Schweiz, Österreich, Israel, USA, Australien, GB, Frankreich, NL (tbc) aus?


    Edit: Hier ein paar Fragen - ergänzt bitte um alles, was euch noch einfällt.

    Name:

    Zugriff von Computer? Computer und Smartphone/Tablet?

    Eingabe direkt in die Maske? Hochladen von Dokumetnenß

    Wissensabfrage? Freie Antworten?

    Formen des kollaborativen Arbeitens? 1:1 Arbeiten?

    Online? Offline?

    OpenSource? Gewerblich?

    Mit Anmeldung/Ohne Anmeldung?

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Zur Ursprungsfrage kann ich nichts beitragen.

    Aber in eine echte "Lernplattform" müssten meiner Meinung nach nicht nur die Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sondern auch einfach, transparent und übersichtlich Lerninhalte eingebunden werden können.

    Z.B. wäre es toll, wenn die Schüler über diese Plattform auf die digitalen Lehrbücher und Arbeitsmaterialien direkt zugreifen könnten (also Inhalte direkt verlinkt), ohne das dazu was gescannt/fotografiert/hochgeladen werden muss -> eine Schullizenz für ein Lehrwerk -> alle Schüler können es nutzen, inkl. interaktiver Übungsblätter (die dann natürlich sehr schön differenziert angeboten werden könnten), Lernvideos, verlinkte Wissensendungen, Lernapps etc.

    Es müssten "Klassenräume" zur Verfügung stehen, in denen Lehrkräfte und Schüler interaktiv, synchron oder asynchron (Möglichkeit von Videoaufzeichungen) Themen bearbeiten können.

    Dadurch könnte man auch gut thematische (ggf. auch klassenübergreifende) Gruppenarbeit unterstützen.

    Werkzeuge wie interaktive Mindmap-Programme, Ansätze zum Design Thinking, etc. könnten das Angebot ergänzen.

  • Ich habe gerade noch mal den Strang geschubst mit einer Umfrage zu solchen digitalen Tools, die den Schwerpunkt auf Teilhabe legt.

    Ich fände daher ja automatische Übersetzungsfunktionen (Fremdsprache-Deutsch und gesprochene Sprache-schriftlicher Text), und einen automatisierten Check für einfache Sprache toll.


    Abgesehen davon wäre ein zentraler Ablagepunkt toll, wo ich den Elternbrief von letzter Woche, den Termin fürs Schulfest und bei älteren Kindern für Klassenarbeiten finde, wo ich meine Zustimmung zum Ausflug abgeben , Dinge zur Kenntnis nehmen und die Schule bzw. bestimmte Lehrkräfte kontaktieren kann.

  • Zuerst zu den Rahmenbedingungen: grundsatzlich ist es von der Gemeinde abhängig, in den höheren Schulen vom Kanton und der Schule selbst.

    Dann gilt für die obligatorische Schulzeit, dass möglichst kein Material von zuhause vorausgesetzt werden muss/kann (ein Versuch, Chancengleichheit zu haben). Das heisst im Normal keine Digitalisierung über das Schulzimmer hinaus - teilweise ändert sich das. In meiner Stadt werden alle 5t-Klässler mit Tablets ausgestattet, die auch zuhause eingesetzt werden sollen. Im Klassenzimmer sind Internet, ein bis zwei Computerarbeitsplätze und ein Drucker Standard. Je nach Lehrperson wird dieses Angebot unterschiedlich im Unterricht eingesetzt.


    In den weiterführenden Schulen (ab 16) wird die technische Ausrüstung zuhause vorausgesetzt, die Schule stellt aber Arbeitsplätze zur Verfügung. Für die Schliessung wurde informiert, dass es möglich wäre, über die Schule Leihgeräte zu bekommen.

    Die Lernenden haben einen Zugang zu einer Office-Campus-Lizenz, ebenso einen Microsoft-Teams-Zugang. Das ist aber meines Wissens kantonal, wie es anderswo ist, weiss ich nicht.

    Die Art der Aufgaben varierte in der Schliesungszeit sehr stark von Lehrperson zu Lehrperson - im Schnitt würde ich jedoch hohe Kompetenz im Umgang mit den Medien bescheinigen. Das ist auch im normalen Unterricht ähnlich - im Normalfall wird zwar "live" gearbeitet, es werden aber digitale Medien immer mal wieder genutzt - diese Abstimmungsapps, zum Recherchieren...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Freda Ein solches "Lehrbuch" wäre ein Traum.

    Es gibt ja auch Tabletklassen oder den Ansatz, des digitalen Schulranzen (ein USB-Stick mit sämtlichen Schulbüchern) - aber das Problem ist der Kopierschutz. Da kenne ich mich null aus - kann ich digitale Lehrbücher, die ich auf digitalen Plattformen hochlade, mit Kopierschutz ausstatten?


    regenbogenstraße Ja, für die Kommunikation mit Eltern kann es super sein. Und man muss nicht ständig die Zettel in der Schule austeilen - eine kleine Mail, und alles ist erledigt. Sehr schön.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    Willy Brandt, 1969

  • Das ganze Thema teilt sich ja in unterschiedlichste Bereiche:

    - technische Ausstattung der Schulen

    - technische Ausstattung der Lehrkräfte

    - technische Ausstattung der SuS

    - Administrative Unterstützung der technischen Ausstattung

    - Plattform zur Kommunikation: zwischen den Lehrkräfte, zwischen Lehrkräften und SuS, zwischen Eltern und Lehrkräften

    - Tools für die Lehrkräfte (z.B. digitales Klassenbuch, Zeugnisprogramme)

    - Tools für die Schulorganisation (Stundenplanung, Vertretungsplanung, Abstimmungsmöglichkeiten)

    - Tools für die Unterstützung des Präsenzunterrichts

    - Tools für digitales Lernen

    - digitale Lerninhalte

    - ...

  • Talpa: Also keine spezielle Plattform oder Programm, sondern es wird mit Microsoft-Produkten und anderen im Netz verfügbaren Programmen gearbeitet (Mentimeter, Kahoot und so).


    Ich finde gerade die Software und die Infrastruktur im Netz spannender als die Hardware.

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    Willy Brandt, 1969

  • Hermine : Wenn man die Lehrwerke als Schullizenz in einer Cloud zur Verfügung stellt für alle Schüler der Schule, dann ist das Kopierschutzproblem denke ich mal, gar nicht so gegeben. Da müssten die Schulbuchverlage sich halt entsprechend anpassen und die Politik müsste genügend Geld in die Hand nehmen, um so ein Konzept rentabel zu machen.


    Was mir auch einfällt, ist, dass man mit einem solchen System auch Spezialisierungen für Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrem Wohnort anbieten könnte. Also mit mentorunterstützten digitalen Spezialangeboten wirklich auch Bereiche zu lehren, in denen es keine kritische Masse für ganze Klassen an Schulen (v.a. im ländlichen Raum) gibt. Wichtig ist dann halt, dass nicht nur irgendwelche Videos und Materialien zur Verfügung gestellt werden, sondern auch Videosprechstunden oder sogar ergänzenden Präsenzangebote gemacht werden.

  • Freda

    Ich habe mich oben auf die Aspekte


    - Tools für die Unterstützung des Präsenzunterrichts

    - Tools für digitales Lernen

    - digitale Lerninhalte


    konzentriert, weil es die Aspekte sind, die für mich als LuL primär interessant sind. Und die Ebene, auf der ich aktiv werden kann. Aber du hast Recht, es umfasst noch mehr. Also bitte - alles was ihr an Erfahrungen habt, immer her damit. :-D

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    Willy Brandt, 1969

  • Genau, der Vorteil ist, dass die Lernenden alle mit derselben Software arbeiten. Nachteil: das eignet sich nur für Schullandschaften, die durch eine gewisse Grosszügigkeit im Budget bestechen...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Hermine : Ja, den Bereich finde ich auch extrem spannend und würde wie gesagt auch total gerne mal in dem Bereich arbeiten. Aber da ist wirklich oft noch "Steinzeit".


    Meine Tochter hatte sich übrigens im April mal für den Python-Kurs für Kinder vom HPI angemeldet. Da hat sie 2 Wochen mitgemacht und dann aufgegegeben, weil das sooo trocken war, wie eine Universitätsvorlesung. Das war überhaupt nicht auf Kinder ausgerichtet (obwohl es dafür gemacht wurde). Also da hat man so richtig gemerkt, dass das mit universitärer Didaktik gemacht war.

  • Ich bin hier gerade am rumüberlegen - digitale Lehrbücher gibt es ja schon. Gerade geschaut: Bei Klett kostet zum Beispiel das digitale Lehrbuch für ein Jahr (in Deutsch) 4.- Wenn man davon ausgeht, dass ein analoges Deutschbuch ca. 6-7 Jahre genutzt wird, sind das 24/28.- (und das analoge kostet tatsächlich 28.-). Sprich - was hier fehlt, warum wir das nicht machen ist, dass die SuS keine Tablets haben bzw. wir nicht zuverlässig davon ausgehen können. Und wenn sie die Tablet hätten, dann entstünden der ganze Rattenschwanz an Haftungsfragen und so weiter.

    Aber dafür gibt es ja an sich Lösungen...


    Freda - das kann ich mir lebhaft vorstellen. Aber da gibt es inzwischen echt gute Angebote.

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    Willy Brandt, 1969

  • An den Schulen meiner Kinder hier in Norwegen haben sie zur Kommunikation mit Teams gearbeitet, ausserdem bekommen alle Schüler in der 1. Klasse eine e-mail-Adresse zugeteilt, die sie dann zum einloggen in Office 365 benutzen können, wo dann - je älter, je mehr - viel hochgeladen wird. Insbesondere die 16-jährige hat da die allermeisten (Haus-)Aufgaben gespeichert und abgegeben.

    Bei R. (7. Klasse) haben sie in Englisch und Mathe das gesamte Lehrwerk online genutzt, ich weiss aber nicht genau, wie das funktioniert, sie ist fast immer mit allen Hausaufgaben fertig, bis ich nach Hause komme. In Mathe weiss ich, dass sie da auch differenzierte Aufgaben bekommen und sie da teilweise schon Stoff der 9. Klasse bearbeitet hat. Wieviel Aufwand das differenzierte Anbieten von Aufgaben für die Lehrer ist, weiss ich nicht.


    In der 8. Klasse bekommen hier alle Schüler leihweise ein Laptop, welches sie dann bis zum Ende der 10. Klasse nutzen. Vor Corona musste dieser immer in der Schule bleiben, aber für den Fernunterricht durften sie den dann mit nach Hause nehmen. In der weiterführenden Schule (also ab der 11. Klasse) bekommen sie dann auch wieder ein Laptop zur Verfügung, dann aber halt von der "fylkeskommune" (entspricht dem Bundesland in D. bzw. Kanton in der Schweiz), die für die weiterführenden Schulen zuständig ist und nicht von der Gemeinde (die für die Bildung bis zur 10. Klasse zuständig ist).


    Meine 7.-Klässlerin hatte dieses Schuljahr ein tablet zur Verfügung gestellt bekommen, ihr Jahrgang an der Schule war zum Testen ausgewählt worden.

  • Okay:


    Schweiz:

    • etwas bessere Ausstattung in den Klassenzimmern (wir haben einen Computer, aber auch Dokumentenkamera und Beamer - wie sieht es damit aus, Talpa?)
    • Tablets standardmäßig ab Klasse 5 (und damit die Möglichkeit der digitalen Schulbücher, die ganz anderes angereichert werden können)
    • standardmäßig Microsoft-Programme (da bin ich mir nicht sicher, ob ich das so gut finde, eigentlich finde ich OpenSource ziemlich prima)

    Norwegen:

    • Schul Emailadresse ab Klasse 1 (das finde ich super)
    • Office 356
    • Digitale Schulbücher (mit Differenzierungsmaterial)
    • Laptops an der Schule (modellmäßig auch Tablet)

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    Willy Brandt, 1969

  • Ich komm vom selben Ort wie Talpa und kann wenig neues erzählen. Ich arbeite super gerne mit OneNote, dort gibt es digitale Klassenbücher, mit denen man sich sozusagen eigene digitalen Lehrbücher basteln kann. Es gib einen Bereich, wo alle (fast gleichzeitig) arbeiten können, einen Bereich wo ich Dinge erfassen

    und den Lernenden zur Verfügung stellen kann und einen Bereich für jeden Lernenden (eine Art Arbeitsheft, wo ich Zugriff drauf habe). Ich kann Texte erfassen, „von Hand reinschreiben/ korrigieren, Bilder und PDFs hochladen sowie Videos bzw. Aufgaben einbetten. Das soll jetzt keine Werbung sein, aber ich finde es echt praktisch, weil es einfach ist und sehr übersichtlich und nett ausschaut. Ist es sowas was du dir vorstellst Freda

  • OneNote, dort gibt es digitale Klassenbücher, mit denen man sich sozusagen eigene digitalen Lehrbücher basteln

    Zur Terminologie: Klassenbücher sind hier die Teile, in denen vermerkt wird, was in welcher Unterrichtsstunde unterrichtet wurde und welche Schüler anwesend waren. Bei dir vermutlich nicht?


    Apropos OneNote und gemeinsam arbeiten - datenschutzrechtlich ist das kein Problem?

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  • Arya : Ja, so in der Art klingt das gut. Dann eben am besten noch verknüpft mit dem digitalen Lehrwerk, in das man da auch reinschreiben/verlinken/bearbeiten kann. Also dass nicht mehr die einzelne Lehrkraft alle Materialien zur Verfügung stellen muss, sondern aus dem Angebotspool des Lehrwerks/der Lehrwerke den Lernenden die Inhalte zur Verfügung stellen (und ggf. anpassen kann). Am besten auch noch mit der Möglichkeit, interaktiv mit den Lernenden zusammenzuarbeiten und mit Aufzeichnungsmöglichkeiten, so dass diejenigen, die an der Stunde nicht teilgenommen haben, das nachvollziehen können.

  • Ja das wäre schön. Selber bin ich aber echt „picky“ und stelle die Übungen gerne aus den verschiedensten Lehrwerken zusammen. Das ist grundsätzlich vom CopyRight her erlaubt, solange man nicht zu viel aus einem Buch nimmt. Materialien zusammenstellen ist irgendwie fast ein Hobby:D was ich noch nicht digital habe sind teilweise Theoriebücher, ich finde das schadet nicht.


    Jetzt im Lockdown habe ich zusätzlich auch digital und mit Aufzeichnungsmöglichkeiten gearbeitet, immer aufzuzeichnen sehe ich aber kritisch. Die Kids sind sich der Aufzeichnung doch bewusst und sind entsprechend weniger unbeschwert und trauen sich nicht so recht Fehler zu machen. Selber find ich die permanente Aufzeichnung auch unangenehm. Wer gefehlt hat kann aber so immerhin den fertigen Unterricht mitnehmen, ohne alles mühsam zu suchen und abzuschreiben.

  • Die Kids sind sich der Aufzeichnung doch bewusst und sind entsprechend weniger unbeschwert und trauen sich nicht so recht Fehler zu machen.

    Das ist hier zum Beispiel strikt verboten, solange wir nicht die schriftliche Einwilligung aller SuS haben. Recht am eigenen Bild... kannst du das einfach aufzeichnen (also nicht technisch, sondern rechtlich)?

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    Willy Brandt, 1969

  • Ich meinte weniger Videoaufzeichnung der Schüler, sondern Aufzeichnung der Dinge, die man als Lehrkraft als "Tafelbild" erarbeitet.