Warum erst Druckschrift dann Schreibschrift?

  • Kann mir mal jemand erklären, warum man heutzutage in der Grundschule zuerst Druckschrift und dann Schreibschrift lernt? Mir erschließt sich nämlich der Sinn dahinter nicht wirklich.


    Der Hintergrund meiner Frage ist eine Diskussion mit meinem Mann. Das Großkind hat gerade die 1. Klasse beendet. Sie haben Druckschrift gelernt und das Großkind macht jetzt einige Buchstaben in die Falsche Richtung. Also, nicht spiegelverkehrt oder so, aber macht zB beim d und b zuerst den Strich und dann den Kreis und solche Sachen. Und die Lehrerin hat meinem Mann eingetrichtert, dass er da drauf schauen muss, weil das sonst beim erlernen der Schreibschrift Probleme macht. ok, dass das dann Probleme machen kann, seh ich ein. (zumindest ein bisschen, aber auch nicht zu 100%)


    Was ich so gar nicht verstehe ist, warum man überhaupt mit der Druckschrift anfängt. Wenn die Kinder von Anfang an Schreibschrift lernen, dann sehen sie gleich dass es Sinn macht (!) Buchstaben auf eine bestimmte Art/in einer bestimmten Reihenfolge zu schreiben, weil man sonst Wörter nicht in einem Zug schreiben kann. Aber bei Druckschrift ist das völlig egal. Also, warum beginnt man mit einer "unlogischen" Schriftart, wenn man dann sowieso noch eine "logische" einführen will?

  • uns wurde erklärt, dass Druckschrift halt die Schrift ist, mit der die Kinder überwiegend "konfrontiert" werden. Deswegen ergibt ( ;) ) es Sinn, damit die Kinder auch zügig den Übergang zum Lesen hinbekommen.

    Das kleine Kind (auch frisch fertiger Erstklässler) hat beides parallel gelernt auch wenn theoretisch bis Ende Klasse 2 Zeit ist für die Schreibschrift. Ich finde das so viel sinniger..

  • uns wurde erklärt, dass Druckschrift halt die Schrift ist, mit der die Kinder überwiegend "konfrontiert" werden. Deswegen ergibt ( ;) ) es Sinn, damit die Kinder auch zügig den Übergang zum Lesen hinbekommen.

    Das leuchtet mir ein. Aber warum führt man dann überhaupt noch Schreibschrift ein? #gruebel

  • Ein möglicher Vorteil ist, dass die Kinder, denen das Schreibenlernen große Mühe macht, Zeit zum Aufholen haben, während die anderen Schreibschrift lernen.
    Die kann man dann nämlich einfach weglassen ^^


    Prinzipiell sollen die Kinder erst die Möglichkeit bekommen, an der leichten Druckschrift Stifthaltung, Ausdauer und das Schreiben zu üben; die anspruchsvollere Schrift kommt dann später hinzu. Und die individuelle Handschrift entwickelt sich ja dann aus beiden Schreibarten.

    Der frühe Vogel wird früher oder später mit dem Problem konfrontiert, dass die Katze am Morgen noch wach ist.



  • Wobei die Schreibschrift, die heutzutage gelehrt wird doch nur ein trauriges amputiertes Überbleibsel "unserer" Schreibschrift der 90er ist. Ich finds schade :(

    Es ist ja tatsächlich im Gespräch, die Schreibschrift ganz abzuschaffen. Dann weine ich aber.

  • Nun ja, mit dem Herrn Spitzer, bzw einigen seiner Thesen, hab ich so meine Grundsatzprobleme. Was er sagt, würde ich jetzt nicht unbedingt sofort glauben oder für logisch halten. ;)


    Das mit dem mehr Zeit für Schüler die sich schwer tun, kann ich da noch eher nachvollziehen. hmm... Wahrscheinlich denke ich mal wieder zu kompliziert. :D

  • Das ist eine Frage, die ich mir seit der 1. Klasse meines Grossen auch immer wieder gestellt habe. Bei meinem Grossen gehe ich davon aus, dass ein Teil seiner Schreibprobleme durch diese seltsame Methode und die VA verursacht ist.


    Meiner Meinung nach ist das ein ziemlicher Irrweg, auf den man sich in Wetdeutschland irgendwann begeben hat aus einem mir absolut unverständlichen Bild vom Kind und wie Kinder lernen. Meiner Meinung nach ist alleine der Umlernprozess von Druck- auf Schreibschrift so gross, dass alle angeblichen Anfangsvorteile dadurch wieder aufgefressen werden. Der Weg von der Schreib-zur Druckschrift ist dagegen babyleicht. Und wie der Name schon sagt, ist die Druckschrift eine zu druckende Schrift. Die Menschen haben die Schreibschrift erfunden um effizienter mit der Hand schreiben zu können.


    Ich bin gerade total happy, dass mein Kleiner jetzt dank Corona immerhin schon in der 1. Klasse mit Schreibschrift begonnen hat. Und aus irgendeinem Grund darf er SAS lernen, was die DDR Schrift ist, mit der ich auch schreiben gelernt habe. Juchu!

  • Schreibschrift ist für eher grobmotorische Kinder schwieriger zu erlernen. Diese ganzen Bögen.... und dann noch ohne abzusetzen....


    Man schafft den SuS mit dem Erlernen der Druckschrift ein bisschen Luft - sie können sich auf die einzelnen Buchstaben konzentrieren und auch die mit der scheußlichsten Handschrift können irgendwann in einem einigermaßen tolerablen Tempo schreiben.

  • uns wurde erklärt, dass Druckschrift halt die Schrift ist, mit der die Kinder überwiegend "konfrontiert" werden. Deswegen ergibt ( ;) ) es Sinn, damit die Kinder auch zügig den Übergang zum Lesen hinbekommen.

    Das leuchtet mir ein. Aber warum führt man dann überhaupt noch Schreibschrift ein? #gruebel

    Bei mir früher war die Reihenfolge Druckschrift und dann Schreibschrift.

    Bei meinen Kindern Druckschrift und dann Grundschrift.

    Es gibt hier keine Schreibschrift mehr.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Ich finde es auch völlig unsinnig und viel zu zeitaufwendig. Meine kleine Tochter hat bloß die allerersten Buchstaben in Druckschrift gelernt und dann ab den Herbstferien Schreibschrift. Das hat wunderbar geklappt, sie hatten ja dadurch viel mehr Zeit, Schreibschrift zu üben. Die Kinder der Klasse konnten alle am Ende der ersten Klasse Schreibschrift schreiben und haben trotzdem auch Druckschrift lesen gelernt.

    Meist wird die Schreibschrift ja nicht mehr wirklich gelehrt, sondern so nebenbei das "Kursheft" bearbeitet, ohne dass die Lehrkräfte da besonderes Augenmerk drauf legen, das auch zu korrigieren und Hinweise zur Verbesserung zu geben. Logisch, dass viele Kinder überhaupt keine ordentliche Schreibschrift mehr lernen.

  • Es kommt noch besser.

    Meine Tochter - 1. Klasse - möchte mit Füller schreiben.

    Das macht sie gut und deutlich besser, als mit Bleistift.

    Sie darf nicht, weil sie erst den FÜLLERFÜHRERSCHEIN machen muss.


    What the fucking hell? Einen FÜLLERFÜHRERSCHEIN? Sind denn alle verrückt geworden?

    Was bleibt, sind die Erinnerungen...
    schlaf gut, schlaf ruhig
    Ich werde dich nie vergessen und immer vermissen

    1976-2003-2013


    »Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis.«
    ― Platon

  • beim d und b zuerst den Strich und dann den Kreis

    das ist doch völlig normal, habe ich nie anders gelernt und hab überhaupt keine Probleme mit Schreibschrift und auch nie gehabt. #gruebel wieso soll das falsch sein?

    Beim großen weiß ich es nicht mehr, aber der kleine hat beide Schriftarten in der ersten Klasse gelernt, ich auch.

    LG, Kalliope


    Und bist du nicht willig, so brauch ich Geduld! (Prof. Peter Kruse) tap.gif

  • Aber warum führt man dann überhaupt noch Schreibschrift ein? #gruebel

    Hat mir vor paar Tagen erst eine Lehrerin erklärt: Schreiben geht schneller und mit weniger Aufmerksamkeit drauf. Zahlt sich später beim Abschreiben von der Tafel z.B. aus.

    Hier (Ende 1, KLasse) wird grad auch Schreibschrift angefangen.

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Mit guter binnendifferenzierung ginge das sicher, sonst ist es schon sinnvoll, dass die SuS sich langsam an sowas wie Füller ranarbeiten. Mit dem richtigen Druck an der richtigen Stelle, die Feder auch bei Bögen gut halten. Das kann nicht jeder auf Anhieb; wenn die Schule zu früh die Füller zum Schreiben nutzt gibt es schon eine Reihe von SuS, die allein wegen des Schreibgeräts Probleme mit dem schreiben bekommen

  • Füllerführerschein gabs glaub ich schon bei uns. Geht v.a. darum, dass die Kinder nicht einen Füller nach dem anderen ruinieren durch rumschmeißen, Kappe offenlassen oder zu fest aufdrücken.

    Ich erinner mich noch sehr gut an das Theater bei uns damals sobald sich die Feder etwas gebogen hat - sofort sind Mutter bzw. Lehrerin ausgeflippt. Und auch an trotzdem einige zerlegt Federn.


    Sohni ist aus gesundheitlichen Gründen noch im Vollzeit-Homeschooling. Jetzt mit Beginn der Schreibschrift hab ich ihn den Füllerführerschein machen lassen weil ich einfach find das gehört zusammen. Ich hatte mich schon innerlich auf Nerv eingestellt. Er hat doch gewisse Probleme mit der Feinmotorik. Aber nix da - von der ersten Sekunde an damit super geschrieben und auch wesentlich schöner und leichter als mit dem Bleistift (obwohl er da den ergonomischen von derselben Firma hat, aber diese schräge Haltung scheint für ihn besser zu klappen als die senkrechtere vom Bleistift). Und v.a. ermüdungsfreier.

    Ich wart jetzt erstmal ab wie das neue Schuljahr anfängt. Aber spätestens wenn er alle Buchstaben in Schreibschrift kann werd ich schon bei der Lehrerin dafür eintreten, dass er mit Füller schreiben darf. Wie gesagt - am Führerschein liegts nicht. #nägel

    Das hab ich mit Sohni als Vorübung gemacht (find ich wesentlich besser als den eigentlichen Führerschein weil sie dabei auch z.B. die Problematik mit dem Verwischen und mit dem Anleuchten lernen).

    https://fraulocke-grundschulta…/04/fuellerfuehrerschein/

    Und dass es offiziell ist noch den "richtigen" (zumindest den, dens bei uns schon gab - ob der bei uns in der SChule der offizielle ist weiß ich nicht. Aber es steht zumindest das Wort Füllerführerschein drauf)

    https://www.pelikan.com/pulse/…los-herunterladen-pelikan

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Na dann bin ich ja ganz froh, dass ich mit meiner Verwunderung nicht alleine da steh. :)


    Zum schnell schreiben, ich denke das ist auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ich schreibe viel Druckschrift, auch wenn es schnell gehen muss und mein Mann hat an der Uni sogar auf Druckschrift umgestellt, weil er mit Schreibschrift zu langsam war zum mitschreiben.

  • What the fucking hell? Einen FÜLLERFÜHRERSCHEIN? Sind denn alle verrückt geworden?

    Das dachte ich auch. Das gab es bei uns damals 100% nicht. Es gab einfach ab Anfang 2.Klasse einen Füller und den hatte ich dann auch die nächsten 12 Jahre. Auch nix mit Erstschreiberfueller und was es nicht alles gibt.


    Der Fuellerfuehrerschein war wirklich dämlich, es muessen Schwungübungen gemacht werden, kleine Texte und Regeln abgeschrieben werden und dann kriegt man einen Fuehrerschein. Selbst das Kind fand den idiotisch.


    Kehrseite ist, dass man bei uns jetzt bis Ende 4. Klasse mit einem Füller schreiben muss, ab 3. Klasse sind Bleistifte verboten, Tintenroller ebenso. Kugelschreiber und Fineliner sowieso.


    Ich waere ja sehr dafuer, dass schon im Kindergarten gezielt Feinmotorik SPIELERISCH gefördert und gefordert wird, dann haben die allermeisten Kinder dann auch keine Größeren Probleme Buchstaben schreiben zu lernen.


    Bei dem Thema koennte ich mich echt ewig aufregen.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.