Haus von Ex Mann kaufen

  • Liebe Frau Simon,


    ich habe 3 Kinder im Alter von 7, 10 und 16 Jahren.

    Wir haben 2005 geheiratet, 2018 war die Scheidung.

    Die Kinder bekommen Unterhaltsvorschuss.

    Mein Ex Mann bekam bereits während der Ehe Rente wegen voller Erwerbsminderung. Er geht davon aus, dass dies weiterhin der Fall sein wird. Im September wird darüber neu entschieden.


    Seit 2018 ist er wieder verheiratet und hat seit März20 ein Kind mit seiner Ehefrau.


    Bisher habe ich kostenfrei in seinem Haus mit den Kindern wohnen dürfen. Nun würde er mir das Haus gerne verkaufen und selbst eine Immobilie für sich erwerben.


    Er und seine Ehefrau haben keinerlei Vermögen. Die Ehefrau ist nicht Erwerbstätig.


    Die Frage ist nun, wie das rechtlich aussieht. Könnte die Unterhaltsvorschusskasse Beträge von meinem EX Mann zurückfordern,sobald er Geld für das Haus auf seinem Konto hat? (120000 Euro )


    Oder kann dieser Betrag aus dem Immobilienverkauf geschont bleiben, wenn er selbst damit wieder eine Immobilie kauft?

    Gibt es ggf. einen Zeitraum, in dem eine neue Immobilie gekauft werden muss?


    Falls er keine Immobilie kauft, muss er den Betrag ja vermutlich solange für Unterhalt nutzen, bis er aufgebraucht ist oder?

    Wie würde das dann berechnet werden,da es ja kein monatliches Erwerbseinkommen ist?


    Derzeit lebt er zur Miete , muss aber wegen Eigenbedarf zum März 2021 ausziehen.


    Herzlichen Dank und eine gute Zeit!


    Yvi

  • Liebe Fragestellerin,


    gesetzlich ist bestimmt, dass für den Unterhalt auch Vermögen eingesetzt werden muss. Grundsätzlich gibt es auch aber beim Kindesunterhalt Schonvermögen. Das selbstgenutzte Eigenheim ist dies im Regelfall, wenn es den durchschnittlichen Ansprüchen entspricht, Argument hierfür ist auch, dass es den eigenen Wohnbedarf deckt und Mietzahlungen erspart.


    Wenn bisher nicht verlangt wurde, dass das Eigenheim verwertet wird, wäre es sinnwidrig, wenn der Erlös hieraus, der dem Neuerwerb einer anderen Immobilie dient, verwertet werden müsste. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass bei einer Bestandsimmobilie anders entschieden wird als bei einer neuerworbenen Immobilie.


    Starre Beträge für das Schonvermögen bei Kindesunterhalt gibt es nicht, anders als bei der Sozialhilfe (dort je Lebensjahr € 750 für Altersvorsorge und € 150 für freie Rücklagen + pauschal € 750) sondern es wird im Einzelfall nach den individuellen Verhältnissen entschieden.


    Inwiefern wurde denn bei der Gewährung des Unterhaltsvorschusses berücksichtigt, dass Sie mietfrei in der Immobilie des Kindsvaters wohnen? Dies stellt ja einen geldwerten Vorteil dar. Der Vater musste ja bei der Vermögensauskunft diese Immobilie angeben und damit auch, was er damit einnimmt, wenn er sie nicht selbst bewohnt.


    Einen festen Zeitraum, in dem das durch den Verkauf erworbene Geld wieder für eine neue Immobilie verwendet werden muss, gibt es nicht, da es ohnehin keine feste Regelung zum Schonvermögen gibt.


    In praktischer Hinsicht wäre es eventuell von Vorteil, wenn zuerst eine neue Immobilie gefunden wird und man die Erwerbe zeitgleich sattfinden lässt. Man könnte dann sogar über das Anderkonto eines Notars den von Ihnen bezahlten Kaufpreis (anteilig) für die Bezahlung der neuen Immobilie verwenden, dann findet keine Gutschrift auf einem Konto des Kindsvaters statt (bzw. nur die Auszahlung des Restbetrages, falls die von ihm erworbene Immobilie weniger kostet). Das muss aber vorab mit dem Notariat geklärt werden.


    Beste Grüße

    Bettina Simon