Arbeiten von zu Hause - Please discuss

  • Neben allem was schon gesagt wurde (fehlende Ruhe, fehlender Raum, fehlende Hardware, fehlender sozialer Austausch sogar für sehr introvertierte Leute wie mich):

    Was mich zunehmend wirklich nervt und meine Lebensqualität negativ beeinflusst, ist, dass ich Konflikte nicht mehr so elegant ansprechen und ausräumen kann wie vorher. Ich muss wegen jedem Sch*** entweder eine Mail formulieren oder eine TelKo anleiern. Das mach ich nicht für etwas, wo ich nur ein vages Gefühl einer Dissonanz habe. Da warte ich lieber ab, um nicht aus Versehen noch Öl ins Feuer zu gießen. Allerdings hätte ich schon lääängst mal unverfänglich bei den betreffenden Kollegen angeklopft und nachgehorcht wie die Lage so ist. Und meistens kommt dann ziemlich schnell ans Licht ob es wirklich ein Problem gibt und im persönlichen Gespräch kann man vieles klären.


    Nervnervnerv.

  • Als mein mann, jungs und ich alle zuhause waren, war ich nur froh, dass wir alle platz dafür hatten und aufgrund des berufs meines mannes (ITler) sehr gut ausgestattet sind. dennoch war das nicht so optimal. denn jungs brauchten an allen ecken und kanten hilfe, unterstützung und leitung, wir müssten kochen, zu viert non stop zuhause war viel mehr chaos als sonst zu beseitigen. dabei läuft meine arbeit zum aller größten teil auf digitaler ebene.


    nach knapp zwei monaten bin ich immer wieder tageweise ins büro geradelt, wo ich wenig kontakt zu den anderen hatte, wenn dann mit maske und genug abstand. aber ich war viel effektiver im büro und es war toll ohne unterbrechung, konzentriert durcharbeiten zu können. mein mann war über drei monate nur im home office, was arbeittechnisch kein problem ist, aber auch er, der gut und gern allein vor sich arbeitet und von sich aus wenig kontakte sucht, war genervt, weil die einfachsten sachen lange gedauert haben. anstatt kurz in den raum nebenan zu gehen und die zwei drei kolllegen etwas fragen, den dritten kurz dazu holen und eine sachlage schnell zu klären, artete es in laaaangen telkos.

    #sonneige Grüße von Fibula mit drei Juli-Männern #kerze #kerze #kerze #kerze
    Vorurteile sind menschenfreundlich. Sie passen sich dem Niveau ihrer Benutzer bedingungslos an.
    Ernst Ferstl

  • Als mein mann, jungs und ich alle zuhause waren, war ich nur froh, dass wir alle platz dafür hatten und aufgrund des berufs meines mannes (ITler) sehr gut ausgestattet sind. dennoch war das nicht so optimal. denn jungs brauchten an allen ecken und kanten hilfe, unterstützung und leitung, wir müssten kochen, zu viert non stop zuhause war viel mehr chaos als sonst zu beseitigen. dabei läuft meine arbeit zum aller größten teil auf digitaler ebene.


    nach knapp zwei monaten bin ich immer wieder tageweise ins büro geradelt, wo ich wenig kontakt zu den anderen hatte, wenn dann mit maske und genug abstand. aber ich war viel effektiver im büro und es war toll ohne unterbrechung, konzentriert durcharbeiten zu können. mein mann war über drei monate nur im home office, was arbeittechnisch kein problem ist, aber auch er, der gut und gern allein vor sich arbeitet und von sich aus wenig kontakte sucht, war genervt, weil die einfachsten sachen lange gedauert haben. anstatt kurz in den raum nebenan zu gehen und die zwei drei kolllegen etwas fragen, den dritten kurz dazu holen und eine sachlage schnell zu klären, artete es in laaaangen telkos.

    Genau das!

  • Interessant ist auch, dass größtenteils eben nicht HOMEOFFICE verordnet wird, sondern MOBILE OFFICE, arbeitsrechtlich sehr verschiedene Dinge. Versicherungsschutz, Ausstattung liegt bei letzteren beim AN.


    Ich hoffe sehr, dass arbeitsrechtlich in bälde nachgerüstet wird.

    Life is a mountain - ride it like a wave

  • Interessant ist auch, dass größtenteils eben nicht HOMEOFFICE verordnet wird, sondern MOBILE OFFICE, arbeitsrechtlich sehr verschiedene Dinge. Versicherungsschutz, Ausstattung liegt bei letzteren beim AN.


    Ich hoffe sehr, dass arbeitsrechtlich in bälde nachgerüstet wird.

    Ja und nein. Ich hoffe sehr, dass flexibles Home Office zu Hause ohne fest eingerichtetes Arbeitszimmer weiterhin möglich bleibt. SOnst schliesst es nämlich einen Großteil der AN vom Home Office aus.


    Wir arbeiten ja beide Eltern seit Monaten zu Hause und das wird auch noch länger so bleiben. Die Zeit, in der die Kinder auch zu Hause waren, war wirklich anstrengend und Home Office und Home Schooling nur schwer vereinbar. Das hat mit Home Office in normalen Zeiten zumindest bei uns aber auch nicht iel zu tun. Momentan läuft das schon wieder ganz anders und ich könnte täglich Überstunden machen weil ich ohne Fahrtweg arbeiten kann und sehr ungestört zu Hause arbeiten kann.

  • Ich nenne es HomeOffice, aber offiziell machen wir auch MobileOffice.

    Der AG hat für jeden 25 Euro für ein Headset bereitgestellt.

    Versicherungsschutz ist eine interessante Frage.

  • Bei mir fällt neben der reinen Fahrtzeit (ca 45-70 Minuten einfach, je nach Verkehrsmittel und Jahreszeit) ganz viel Stress weg, der im Büro dadurch entsteht, dass ich zu einer bestimmten Zeit weg muss um rechtzeitig für die Kinder zuhause zu sein. An den meisten Tagen kann ich dadurch keine Pause machen und habe oft das Gefühl, meiner Arbeit nicht gerecht zu werden.


    Termine, die mit drei Kindern echt nicht wenig sind, vor allem wenn ein spezielleres dabei ist, verschärfen die Situation regelmäßig.


    Arbeite ich zuhause, habe ich mindestens 90 Minuten pro Arbeitstag mehr zur Verfügung UND kann ggf. nachmittags oder abends noch etwas arbeiten, sodass alles entstresst ist und ich regelmäßig eine Mittagspause machen kann.


    Für die Arbeit ist es auch besser, da ich länger erreichbar bin (kommt nur selten zum Tragen, ist dann aber super, dass es direkt bei mir landet und nicht bei eine*r Kolleg*in) und ggf. auch nachmittags auf dringende Dinge reagieren kann bzw. vorgewarnt bin und nicht morgens unvermittelt vor einem riesen Berg stehe. Dabei hilft es auch, dass ich durch den weg fallenden Weg früher anfangen kann.


    Das schnell mal etwas nachfragen klappt bei uns gut über zwei Gruppenchats (einmal ganze Abteilung, einmal engerer Kollegenkreis) über die Telefonsoftware, die wir nutzen.


    Ich habe insgesamt sogar mehr Kontakt zu Kolleginnen und Vorgesetzten.

  • Meine MA wollen auch gerne die Flexibilität beibehalten und weiter tageweise mobil arbeiten.

    Wir rüsten deshalb jetzt nach und nach auf Notebooks um. Außerdem müssen Stunden aufgeschrieben werden. Das war bislang nicht so.

    Ich finde es aber schon wichtig, dass hin und wieder alle anwesend sind. Das festigt den Zusammenhalt und ermöglicht direkte Absprachen, die eben viel unkomplizierter sind.

  • Ich finde eine gesunde Mischung ideal - nur Homeoffice führt gern zum Schmoren im eigenen Saft, speziell bei unseren Azubis oder bei den Mitarbeitern, die mit der deutschen (und z.T. auch englischen) Sprache noch etwas kämpfen.
    Dafür spart es u.U. enorm an Wegezeit, was dann wieder zu einem Gewinn an Lebenszeit führen kann.
    Homeoffce (oder MobileOffice) muss, damit es gut funktioniert, durch die Firma (und nicht auf private Kosten) gut vorbereitet und unterstützt werden - da muss ich sowohl meiner Firma als auch der meines Manens Lob aussprechen. Arbeitszimmer konnten sie auf die Schnelle nicht anbauen, alles andere ist richtig gut gelaufen.

    Persönlich arbeite ich tatsächlich lieber überweigend im Büro - so 2 Homeoffice pro Woche wären für mich gefühlt ideal. Ich habe eine große Vorliebe für den "kleinen Dienstweg", und ich habe im Homeoffice eine tiefe Abneigung entwickelt gegen Telefonmarketing und den Satz "sie sind ja daheim" von diversen Handwerkern.

  • Wenn mein AG fast vollständig auf HO umstellen sollte, brauche ich eine größere Wohnung. Die Kosten für den Arbeitsplatz würden dann an mir hängen bleiben, der AG würde Miete sparen (nicht zu knapp).


    Es geht mir neben meinen individuellen Bedürfnissen ganz klar auch um die sozialen Auswirkungen, gesamtgesellschaftliche Auswirkungen,Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit der Gesellschaft. Es geht mir darum, was passiert, wenn Unternehmen sich die Miete sparen und auf die ANs abgeben. Es geht mir darum, was passiert, wenn Frauen im Homeoffice verschwinden und dort völlig unsichtbar ihre unverzichtbare Arbeit leisten.

    danke dafür! Das ist nämlich genau der Punkt.

    Wie bei diesen ganzen Corona-themen wird nur über die eigene Befindlichkeit nachgedacht und das gesamtgesellschaftliche gerät völlig aus dem Blick.

    Was heisst es, wenn ich auch noch ein Büro stellen muss? Arbeitsgeräte? Dann werde ich ja quasi zu meinem eigenen Kleinunternehmer, der nur noch für sich selbst verantwortlich ist - und das wird sich auswirken auf Sozialabgaben etc. Ist ja oft genug schon gang und gäbe, dass Leute sich sozialversichern müssen und sich der Arbeitgeber die Kosten spart. Wenn er sich jetzt auch noch alles andere spart und alles auf seine Arbeiternehmer*innen umwälzt? Dann wird es irgendwann keine Stellen mehr geben, sondern nur noch für Projekte angestellte Menschen, die pauschal entlöhnt werden und gucken müssen, wo sie bleiben.

    Von der Sichtbarkeit dann noch abgesehen.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Jette - ich habe überhaupt nichts gegen die Flexibilität - davon profitiere ich auch sehr. Der Sonntagabend hat hier komplett den Schrecken verloren, seitdem ich Montag nicht 6:00 Uhr das Haus verlassen muss.


    Aber - ich habe Sorge, wenn ich mir die Entwicklungen in der Arbeitswelt so anschaue. Wir leben meiner Meinung nach in einer zunehmend menschenfeindlichen Arbeitswelt, in Deutschland noch abgemildert durch alte Errungenschaften. Ich habe Freunde, die in durchaus hoher Position bei Unternehmen arbeiten mit amerikanischer Herkunft. Dort darf bspw. das Büro bis zum Ende des Jahres nicht betreten werden oder es wird gleich ganz aufgelöst und der Platz (mit etwas Ausstattungsgeld) ins Private verlagert. Das ist sicherlich für einige mit ausreichend Wohnraum kein Problem, aber wie geht das weiter?

    Wird irgendwann gefragt bei der Einstellung: Auf welche Co-Working-Plätze haben Sie Zugriff? / Welchen Arbeitsplatz bringen Sie mit? - entwickeln sich neue Voraussetzungen für einen Job? wer ist bereit, wie viel von seinem privat bezahltem Raum bereitzustellen?

    Bin ich bereit, mir optisch das Wohnzimmer zu verschandeln, um zu Hause gut zu arbeiten? Oder nehme ich "Rückenkrebs" in Kauf? Mein Mann hat sich mittlerweile im Schlafzimmer einen Platz eingerichtet, das geht natürlich, aber da hätte auch ein Schaukelstuhl Platz gehabt.


    Und da wird es spannend - mit Mobile Office und der derzeitigen Gesetzgebung ist der AG raus. Du brichst Dir das Bein aufm Weg zum Klo - im Büro bist Du da über Deine Berufsgenossenschaft perfekt abgesichert. Zu Hause hängst Du an Deiner normalen KV. (nicht jeder hat da ja das Optimum). Die BG zahlt Dir ggf. eine Umschulung, wenn die Verletzung so groß ist, dass Du nicht mehr tätig sein kannst im angestammten Beruf. Das läuft nicht über die normale KV.


    Man sollte diese Risiken gut im Auge behalten. Mit der gewonnenen Flexibilität lassen sich leicht Absicherungen der AN-seite aushöhlen. Ich hoffe sehr, Hr. Heil hat das im Griff und lässt sich nicht einlullen.

    Life is a mountain - ride it like a wave

  • Danke!

    In meiner Branche ist es nämlich üblich, dass bei Homeoffice ein eigenes abschließbares Arbeitszimmer daheim bereitgestellt erwartet wird, um vertrauliche Unterlagen aufzubewahren und dass das auch ein Einstellungskriterium sein kann.

    Im Moment ein totaler Graubereich bei uns MA die größtenteils von daheim arbeiten.

  • Ich habe mir die Diskussion inzwischen angehört. Sehr spannend.

    Für mich merke ich vor allem, wie meine bisherigen Erfahrungen da meine Einstellung prägen und was ich da ggf. auch übersehe. Und für mich ist es eben auch kaum vorstellbar, dass Homeoffice die ausschließlich Arbeitsform sein könnte (weil das bei mir und meinem Team nicht funktionieren würde). Bei mir stand daher bisher eher gedanklich der Punkt von Jutta Almendinger zum Thema Aufhebung/Aufweichen der Präsenzkultur (für alle!) im Vordergrund. Und das fände ich positiv.

    Die Sendung gibt mir jetzt aber schon einigen Stoff zum Nachdenken.

    Viele Grüße
    Samy (mit Mädchen *05, Junge *07 und Junge *11)

  • Ich finde vollständiges Homeoffice auch kein Modell für alle. Das mag für einzelne Menschen und Berufe passen. So wie für manche es passt, wenn sie gar kein HO machen.


    Ich glaube für ganz viele, wäre eine Mischform optimal. Also Zeiten, wo man sich vor Ort tatsächlich antrifft. Führungskräfte häufiger vor Ort. Und dann eben tageweise HO. So kann man doch von beiden Konzepten das beste mitnehmen. Gerade Menschen, die eine weite Strecke fahren, profitieren doch sehr, wenn sie das nicht täglich müssen. Umgekehrt hätte man aber auch den Kontakt regelmäßig und man kommt regelmäßig raus.


    Ich sehe den größten Kanckpunkt eigentlich vor allem darin, dass ein Büro zu Hause ein ziemlich großer Aufwand ist, der nicht einfach auf AN abgewelzt werden darf. Also da müssen die Firmen dann schon auch Infrastruktur zu Hause bereitstellen. Ein zusätzlicher Raum schlägt sich zum Teil böse in der Miete nieder.