Klasse ruhig bekommen

  • Liebe Raben,


    vielleicht habt ihr noch Ideen. Es geht um meine 4. Klasse, die ich als Erzieherin betreue. Die Kinder sind ungefähr 10 Jahre alt.

    Ich bekomme in diese Klasse keine Struktur, keine Ruhe, keinen gewaltfreien Umgang.

    Der Klassenlehrerin und den Fachlehrern geht es ähnlich. Allerdings sind sie im Unterricht wohl noch ganz ok.


    Im Freizeitbereich drehen sie komplett durch. Die Eltern verstehen mich sprachlich leider kaum, wenn ich sie anrufe. Oder es stößt auf kein Interesse.


    Ein Problem ist die Gewalt. Die Kinder prügeln sofort los, wenn es einen Streit gibt. Was mache ich? Geredet haben wir schon viel. Konsequenz ist, wir rufen die Eltern an. Bringt auch keine Besserung. Die meisten finden prügeln oder eine Flasche übern Zaun (der Passant konnte wegspringen) werfen, nicht schlimm.


    Ein anderes Problem ist, ich kann keine Anwesenheit machen, nichts ankündigen, weil es immer zu laut ist.

    Leise sein und warten und laut brüllen, habe ich probiert. Wird von den meisten ignoriert.


    Habt ihr Ideen? Es macht einfach keinen Spaß mit dieser Klasse zu arbeiten. Ich schaffe es nichtmal mehr aufs Klo zwischendurch.

  • Etwas längerfristig: könntet Ihr an einem Programm wie "Faustlos" teilnehmen? Es klingt so, als wäre das gut investierte Energie


    Eine Lärmampel und ganz schnöde Belohnungen fallen mir noch ein als Sofortmassnahme.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • puh... hast du die Kinder in der Betreuung nach der SChule? Ich würde (wenn es möglich ist) mich in den anderen Lehrern die in der Klasse sind zusammen setzten udn einen gemeinsamen Plan erarbeiten. Die Sachen ist, dass es in der 4ten ja meist schon recht eingefahren ist.

    Ich würde mcih von dem Gedanken verabrschieden, dass du nun alleine das Ruder herumreißen wirst.

    Die Gewaltthematik muss angegangen werden. Ggf. wirklich von Leuten mit geschultem Auge.


    Was müssen die Kinder in der Zeit tun in der du da bist? Sind sie mit dne Aufgaben überfordert? Brauchen sie Hilfe? Bringen sie ungelöste Konflite vom Schultag mit?

    Klar kann man es mit einem Belohnungssytem versuchen. Manchmal klappt es. Das Problem ist nur, dass es auch schnell als Strafe aufgefasst wird (und im Grunde ist es ja auch so).


    Oder du beschreibst die Klassensituation fiktiiv in einer netten Geschichte und lässte die Kinder Lösungen für diese Probleme finden. In kleine Gruppen. Als HAusaufgabe. Zu zweit. Im Unterricht. Wie auch immer es am besten passt.

  • Aus der Ferne lässt sich schwer tipps geben.


    Ich könnte allenfalls gedankenanstöße geben:


    Ich stelle einfach ein paar Fragen, die Du dir selbst beantworten kannst.


    Zu den Ursachen:

    Wie lange gibt es diese Klasse in dieser Konstellation?

    Wie lange bist Du Erzieherin in dieser Klasse?

    Hatten sie kürzlich (und/oder wiederholt) Lehrer/Erzieherwechsel?

    Sind es einzelne Schüler oder die gesamte Gruppenstruktur, die so störend sind.

    Gibt es individuelle Ursachen für Schwierigkeiten


    Zu den Randbedingungen


    Welche Schulform ist es (gebundener oder offener Ganztag)

    Welche Räume hast Du für die Zeit, die Du die Klasse hast zur Verügung?

    Wie sieht es personell aus? BIst du allein für die Klasse zuständig?


    zu den Ressourcen


    Welche festen Rituale gibt es in der Klasse?

    Welche Bedürfnisse stecken hinter dem störenden Verhalten?

    Welche Möglichkeiten siehst Du, um die Beziehungen zu Kindern aufzubauen bzw. zu festigen?

    Welche Möglichkeiten in Richtung Teambuilding, Klassentraining etc. siehst Du?



    Das sind so Sachen, die mir ad hoc einfallen

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Ja Sommerwind ich bin nach der Arbeit total fertig und meistens auch heiser vom Schreien.


    Wir wollen an einem Präventionsprojekt gegen Gewalt der Polizei teilnehmen Talpa . Müssen wir mal sehen, ob das durch Corona überhaupt stattfindet. Bei einer Lärmampel würden die Kinder eher immer wieder laut schreien, weil die ein Geräusch macht, wenn es zu laut ist. Und irgendwann wird dieses piiep zum Hintergrundrauschen. Belohnungen helfen nicht wirklich. Die Kinder bekommen mehr als genug Süßigkeiten.


    Ica Die Kinder müssen nur ihre Freizeit bei mir verbringen. Und mit mir essen gehen. Konflikte bringen sie immer mit. Aber da reicht schon, wenn einer einen komisch anguckt. Sie haben auch Idee wie "zur Erzieherin gehen" oder "weggehen", machen sie nur nicht. Und nach 45min Gespräch meinte dann eine Schülerin "man muss zuschlagen, ich will das auch einfach". Das fanden die anderen Kinder auch.


    Leslie Winkle Ich habe die Klasse seit Schuljahresbeginn. Sie sind seit der 1. Klasse zusammen und haben dauernd Wechsel vom pädagogischen Personal. Das ist nichts Neues an Berliner Grundschulen. Es sind relativ viele SchülerInnen, die Stress machen. Platz genug ist da. Rituale oder Bezoehung aufbauen, geht gerade kaum. Das ist jeden Tag wie Krieg.


    Danke schonmal für eure Ideen.

  • Teambuilding und Klassentrainings fiele mir halt ein. Habt ihr ne Schulstation?

    Hol die Klassenlehrerin mit ins Boot.

    Geht's den Kindern nachmittags gut, hat das auch Auswirkungen auf die Schulleistungen


    Mehr kann ich nicht Raten

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Das klingt super anstrengend ...#haare

    Konflikte bringen sie immer mit.

    Bist Du mit der Klassenlehrerin im Kontakt? Ich habe mal in einer Klasse einen Jungen begleitet, da hatte die Lehrerin immer freitags Klassenlehrerstunde. Da wurden schöne Dinge gemacht, aber auch Konflikte geklärt. Dafür gab es dann ein Buch, in der jeder, der in der Woche einen ungeklärten Konflikt hatte, diesen aufschreiben konnte. Dadurch kam finde ich viel Ruhe rein. Zum einen, weil die Konflikte nicht mehr im Eifer des Gefechts ausgetargen wurden, zum anderen, weil die Schüler wussten, dass es auch nicht unterging.

    Doubt kills more dreams than failure ever will #sonne

  • Sport, Bewegung - das wäre jetzt meine Idee. Kannst du vielleicht einen Verein ins Boot holen? Sei es, dass sie Teamsport lernen oder auch Individual - aber halt abreagieren und gleichzeitig Regeln lernen. Geht da vielleicht etwas?


    Edit: Das, was Solya anspricht kenne ich als "Klassenrat" (https://www.derklassenrat.de). Das ist an sich eine super Sache, aber es erfordert, dass die Kinder über ein gewisses Maß an Kommunikationskompetenzen verfügen (eigene Probleme erkennen, formulieren, sich selbst zurücknehmen, während jemand anderes redet). Ohne das funktioniert es nicht so wirklich.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Keine Ahnung, ob sowas im Freizeitbereich klappt, aber im Unterricht habe ich gute Erfahrungen mit dem Klasse-Team-Spiel. Dabei bildet man Teams (z.B. Tischgruppen), die sich einen Namen und ein "Image" geben, und man setzt Regeln fest, z.B. in der Stillarbeit wirklich still sein oder in Deinem Fall vielleicht zuhören, wenn eine Betreuungs- oder Lehrperson spricht - und dann "spielt" man für vielleicht zehn Minuten oder eine Viertelstunde. Anfang ud Ende werden genau festgesetzt und benannt, das Spiel darf nicht zu lange gehen, grad am Anfang. Wenn jemand gehen die Regeln verstößt, bekommt die Gruppe einen Strafpunkt. Nach einer vorher festgelegten Zeit (z.B. nach einer Woche) wird geguckt, welche Gruppe die wenigsten Strafpunkte hat, und diese bekommt eine (möglichst attraktive) Belohnung. Vielleicht Hausaufgabengutscheine, Spielzeit, positive Aufmerksamkeit, wenn Süßigkeiten nicht helfen. Bei mir durften SchülerInnen z.B. schon für die letzten zehn Minuten einer Stunde in unserem Freizeitbereich spielen, mussten eine Hausaufgabe nicht machen, bekamen von den Fachkräften im Freizeitbereich in den letzten zehn Unterrichtsminuten etwas vorgelesen, durften für die letzte Viertelstunde in unseren betreuten Computerraum und dort Computerspielen, oder bekamen witzige Radiergummis, Washitape oder Sticker geschenkt. Bei materiellen Geschenken hat sich eine Wühlkiste bewährt, aus der die SuS selbst ihre Belohnung auswählen durften.

    Meine bisherige Erfahrung ist, dass SchülerInnen bei uns in den Klassen 5 und 6 super darauf ansprechen, selbst die Siebener mögen das oft noch gern.


    Leider gibt's so viele Kinder, die zuhause gar keine Regeln kennen, um die sich keineR kümmert, und für die sich keineR interessiert. Die sind erstmal nicht böse, die sind orientierungslos. Und in so großen Gruppen ist es soooo schwer, ihnen Orientierung zu bieten, weil man ja überall durchschlüpfen kann. Deshalb kann es manchmal (wenn man so einen oder wenige bestimmte "AnführerInnen" hat) sinnvoll sein, erstmal einzelne "einzufangen", über Lob, über ganz ganz viel positive Aufmerksamkeit. über Verlässlichkeit und Konsequenz.

    Vielleicht muss man auch erstmal Abstriche machen und sich ganz gezielt zwingen, auch kleinste Erfolge zu belohnen. Ein Kind kann schlecht streiten, ohne körperlich zu werden, aber diesmal blieb es bei verbalen Beleidigungen? Das ist zwar grundsätzlich auch kein akzeptables Verhalten, aber für dieses Kind womöglich ein Fortschritt, der positiv herausgestellt werden kann. Baby steps, so schwer es ist. Das kostet verdammt viel Kraft, aber kann sich lohnen. Natürlich geht sowas nicht alleine, sondern nur, wenn auch Klassenlehrkraft und evtl. weitere Leute mit an Bord sind.

    Kids don't drive you crazy, you were crazy already. That's why you had them.


    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


    giphy.gif


    You say you want a revolution. Well, you know, we all want to change the world.

    But when you talk about destruction, don't you know that you can count me out? Don't you know it's gonna be all right?

  • Mit der Klassenlehrerin arbeite ich ganz eng zusammen. Wir schreiben sogar dauernd am Wochenende. Weil es wirklich heftig ist gerade.

    Einen Klassenrat wollen wir machen. Leider scheitert es gerade sogar am "eine/r erzählt was". Oft bricht Streit aus und sie gehen aufeinander los.


    Teambuilding werde ich mal was raussuchen.

  • Keine Ahnung, ob sowas im Freizeitbereich klappt, aber im Unterricht habe ich gute Erfahrungen mit dem Klasse-Team-Spiel. Dabei bildet man Teams (z.B. Tischgruppen), die sich einen Namen und ein "Image" geben, und man setzt Regeln fest, z.B. in der Stillarbeit wirklich still sein oder in Deinem Fall vielleicht zuhören, wenn eine Betreuungs- oder Lehrperson spricht - und dann "spielt" man für vielleicht zehn Minuten oder eine Viertelstunde. Anfang ud Ende werden genau festgesetzt und benannt, das Spiel darf nicht zu lange gehen, grad am Anfang. Wenn jemand gehen die Regeln verstößt, bekommt die Gruppe einen Strafpunkt. Nach einer vorher festgelegten Zeit (z.B. nach einer Woche) wird geguckt, welche Gruppe die wenigsten Strafpunkte hat, und diese bekommt eine (möglichst attraktive) Belohnung. Vielleicht Hausaufgabengutscheine, Spielzeit, positive Aufmerksamkeit, wenn Süßigkeiten nicht helfen. Bei mir durften SchülerInnen z.B. schon für die letzten zehn Minuten einer Stunde in unserem Freizeitbereich spielen, mussten eine Hausaufgabe nicht machen, bekamen von den Fachkräften im Freizeitbereich in den letzten zehn Unterrichtsminuten etwas vorgelesen, durften für die letzte Viertelstunde in unseren betreuten Computerraum und dort Computerspielen, oder bekamen witzige Radiergummis, Washitape oder Sticker geschenkt. Bei materiellen Geschenken hat sich eine Wühlkiste bewährt, aus der die SuS selbst ihre Belohnung auswählen durften.

    Meine bisherige Erfahrung ist, dass SchülerInnen bei uns in den Klassen 5 und 6 super darauf ansprechen, selbst die Siebener mögen das oft noch gern.


    Leider gibt's so viele Kinder, die zuhause gar keine Regeln kennen, um die sich keineR kümmert, und für die sich keineR interessiert. Die sind erstmal nicht böse, die sind orientierungslos. Und in so großen Gruppen ist es soooo schwer, ihnen Orientierung zu bieten, weil man ja überall durchschlüpfen kann. Deshalb kann es manchmal (wenn man so einen oder wenige bestimmte "AnführerInnen" hat) sinnvoll sein, erstmal einzelne "einzufangen", über Lob, über ganz ganz viel positive Aufmerksamkeit. über Verlässlichkeit und Konsequenz.

    Vielleicht muss man auch erstmal Abstriche machen und sich ganz gezielt zwingen, auch kleinste Erfolge zu belohnen. Ein Kind kann schlecht streiten, ohne körperlich zu werden, aber diesmal blieb es bei verbalen Beleidigungen? Das ist zwar grundsätzlich auch kein akzeptables Verhalten, aber für dieses Kind womöglich ein Fortschritt, der positiv herausgestellt werden kann. Baby steps, so schwer es ist. Das kostet verdammt viel Kraft, aber kann sich lohnen. Natürlich geht sowas nicht alleine, sondern nur, wenn auch Klassenlehrkraft und evtl. weitere Leute mit an Bord sind.

    Das find ich aber ziemlich, hmmm, gewagt mit dem Team- Spiel. Da braucht nur eine Gruppe ein Kind mit Tick oder ADHS zu haben, schon war's das.

  • Das geht echt ganz gut. Man kann die Ziele ja anpassen. In manchen Klassen kann es sein: "Wir bleiben für 5 Minuten Spieldauer auf den Stühlen sitzen", in andern wirklich: "In der 20-minütigen Einzelarbeit macht niemand ein Geräusch außer Stiftekratzen und Blätterrascheln". Ich hatte eine Klasse mit mehreren kognitiv, körperlich und emotional eingeschränkten Kindern in Klasse fünf, und die wollten regelmäßig nach 20 Minuten nochmal 10 Minuten dranhängen.

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    Lieben Gruß vom Rattenkind mit dem Kätzchen (10/2015) und dem Katerchen (09/2018).


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  • Ich finde die Idee mit den Teams und dem Teamspiel eigentlich ziemlich gut. Und würde erstmal davon ausgehen, dass eine Fachperson in der Lage ist zu unterscheiden, ob es sich um ein Kind mit ADHS, etc. handelt (für das man dann eine spezielle Rolle, etc. finden muss) oder um eine schwierige Klassensituation handelt.


    Rattenkind hat gerade echt zugewandt und liebevoll erzählt, wie sie mit nicht nur unkomplizierten Klassen umgeht - und als erstes wird gemäkelt. Anstatt dass davon ausgegangen wird, dass sie - die hier oft zugewandt von ihren Klassen berichtet - schon weiß, was sie macht. Das finde ich schade und auch frustrierend.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    Willy Brandt, 1969

  • Sorry, das war gerade nicht sehr zielführend. Ich ziehe mich wieder in die Pause zurück, das ist gerade besser. Und der Thread ist zu wichtig und hat zu viele gute Ideen, als dass es gut ist, ihn hier zu zerdiskutieren. Sorry.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    Willy Brandt, 1969

  • Rattenkind: das klingt total spannend, was Du da machst!

    Ich muss für meine Arbeit ja eher "Instant-Lösungen" haben, aber da lese ich trotzdem interessiert mit.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Wieviele Kinder sind in der Klasse? Gibt es einen Schulsozialarbeiter an der Schule, der beteiligt werden könnte?

    Welche Konsequenzen hat unerwünschtes Verhalten bisher? Welche Möglichkeiten hast du konkret?

    Gibt es etwas - eine Beschäftigung, eine Sanktion - was gut funktioniert?

  • Ich hatte mal Schüler (wenige, innerhalb einer altersgemischten Gesamtschulklasse), die Konflikte ständig körperlich ausgetragen haben. Wir haben damals Spiele wie Schach, Backgammon etc eingeführt - und ich habe versprochen, wenn ein Konflikt per Spiel anstatt per Kampf ausgetragen würde, ein Kreuzchen an die Schulzimmerdecke malen. Hat geklappt (war allerdings eine total andere und viel einfachere Klassensituatiin als bei dir)

  • Leider gibt's so viele Kinder, die zuhause gar keine Regeln kennen, um die sich keineR kümmert, und für die sich keineR interessiert. Die sind erstmal nicht böse, die sind orientierungslos. Und in so großen Gruppen ist es soooo schwer, ihnen Orientierung zu bieten, weil man ja überall durchschlüpfen kann. Deshalb kann es manchmal (wenn man so einen oder wenige bestimmte "AnführerInnen" hat) sinnvoll sein, erstmal einzelne "einzufangen", über Lob, über ganz ganz viel positive Aufmerksamkeit. über Verlässlichkeit und Konsequenz.

    Du meinst, dass die unruhigen Kinder, auch solche sein könnten, die zu Hause keine Regeln kennen? hmm. danke dafür. ich betreue auch eine 3. klasse, welche ausser rand und band ist. die kl ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch. da hats Kinder die keine 5 minuten zuhören können.

    wie merkt man denn, dass sie keine regeln kennen zum unterschied zu ADHS? Die meisten Lehrer geben den Eltern die Schuld. Sind nicht erzogen, können machen was sie wollen, etc. Das mit der positiven Aufmerksamkeit klappt nicht bei allen.

    sonja mit Eisprincess (03) + kleinronaldo (06)

  • Rattenkind danke für deine lange und ausführliche Idee zu dem Spiel. Mein Kind war in einer ersten Klasse, die super unruhig war. Die Kinder rannten im Unterricht ueber die Bänke, versteckten sich in Schränken etc. Schupsten sich, hauten einfach mal ein anderes Kind, weil es da stand, traten ebenso zufällig mal los. Es war furchtbar. 20 Kinder, und ja, da waren 5 verhaltensauffällige dabei. Dennoch war es extrem. Der Lärmpegel, die Unruhe, das Chaos. Sozialarbeiter kam, Religionsunterricht zum Thema Freundschaft nix half. Die Klassenlehrerin war auch nur überfordert und war leider nur 8h an der Schule. Problem in solchen Situationen ist ja auch, dass Kinder, die eigentlich sonst gut mitlaufen, dann ebenfalls sich nicht konzentrieren koennen, den Blödsinn mitmachen oder nachmachen, leichter abgelenkt sind, und dann, auch zurueck hauen, weil sie gehauen wurden. Das ist ein ganz doofer Loop, aus dem man erstmal rauskommen muss.


    Man wechselte in der 2.Klasse die Klassenlehrerin, jemand, der viel mehr Stunden in dieser Klasse sein konnte. Die hat unheimlich viel Beziehungsarbeit gemacht. Da gab es das Klassenzimmermaskottchen, spezielle Guten Morgen-Sprüche zum Klassenmaskottchen. Die Kinder verliebten sich ziemlich schnell in sie. Die Klassenleiterstunde konnte gezielter genutzt. Es gab anfangs die Regeln, dass die Kinder bei JEDEM Problem zur Lehrkräften gehen sollten und es nicht versuchen sollten selbst zu regeln. Und es wurde besser. Die Klasse wuchs zusammen, und es ist zwar immer noch laut und es gibt immer noch mindestens ein Kind, das ab und zu ausrastet. Aber es ist so unendlich viel besser. Aber - bei Vertretungslehrern geht es ziemlich schnell den Bach hinunter....


    Wie die gleichen Kinder dann nachmittags sind, weiss ich nicht.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.