Klasse ruhig bekommen

  • mausehaken82: das ist überhaupt nicht mein Gebiet, ich lese nur interessiert mit.

    Aber belohnungen müssen doch nicht Süßigkeiten sein? - “10 Stempel ergeben 1x hausaufgabenfrei / Befreiung vom tischdienst / 10 Minuten alleinzeit mit dem beliebten elektronischen spiel“


    Akzeptieren die Kinder denn Konsequenzen - also 10 Minuten Auszeit neben dir, tischdienst am folgenden Tag ... oder machen sie sich dann einen Spaß daraus, alle in der Auszeit zu landen?


    Und blöde Frage - aber körperhaltung setzt du schon bewusst ein?

  • Hallo, wenn es nur Freizeit ist, würde ich rausgehen und sie spielen lassen. Rumsitzen müssen sie schon genug in der Schule.

    Lass sie Fussball spielen oder Hühnerball oder Versteckfangen o.ä.


    Zudem braucht es klare Regeln. Z.B. x Uhr Treffpunkt dazwischen Freiraum.

    Handys verboten. Sonst Handy weg.

    Schlagen verboten. Sonst nach drinnen.


    Die Kinder brauchen Bewegung und wollen sich messen. Sport hilft.


    Belohnungssysteme sind in der 4. Klasse oft nicht mehr so wirksam. Da stehen die Kinder nicht mehr auf Sticker oder Flummis oder Radiergummis. Jungs schon mal gar nicht. Das ist babymässig und kein Anreiz.


    Bin kein Pädagoge, habe aber 2 x 10-jährige Jungs hier#zwinker

  • Belohnungssysteme sind in der 4. Klasse oft nicht mehr so wirksam. Da stehen die Kinder nicht mehr auf Sticker oder Flummis oder Radiergummis. Jungs schon mal gar nicht. Das ist babymässig und kein Anreiz.

    Ich bin in einer 5. Klasse, da haben alle Kinder 5 spielchips und wenn sie blöd tun, dann muss man einen chip abgegeben. und wenn man keine chip mehr hat dann muss man ne strafarbeit machen. funktioniert tadellos.

    sonja mit Eisprincess (03) + kleinronaldo (06)

  • Ich finde es ganz schlimm, dass hier Erzieher:innen und Lehrkräfte mit Problemen überhäuft werden, die eigentlich in die Sozialarbeit gehören.

    Es ist nicht leistbar und sowohl für die Erwachsenen, als auch die Mitschüler:innen eine auf Dauer unzumutbare psychische Belastung.

    Ich rate hier dringend dazu, das Problem nach oben zu eskalieren. Nur wenn es immer wieder sichtbar gemacht wird, dass es massive Probleme mit der vorhandenen Strukturen gibt, wird sich auch was ändern. Oder die Erzieher:innen und Lehrkräfte gehen daran gesundheitlich kaputt und die Verrohung der Kinder nimmt zu.


    Also hier ganz konkret beim Träger/der Stadt Probleme aufzeigen, Unterstützung anfordern, Programme identifizieren.

    Gleichzeitig Sanktionsmöglichkeiten prüfen. Inwieweit gibt es Strukturen für eine stufenweise Eskalation von Vorfällen. Das ist in der Schule wahrscheinlich einfacher, als in der Nachmittagsbetreuung. Z.B. Herausnahme aus der Gruppe(nsituation), Isolation in andere Gruppen, Ausschluss von der Betreuung und konsequente Umsetzung des Eskalationsweges. Ich glaube, die Kinder brauchen klare "Perspektiven", was ihr Verhalten für Konsequenzen hat. Gibt es keine, werden sie weiter machen, was sie wollen, weil es ja keine Auswirkungen hat.


    Sichtbarmachen und klare Kriterien in Form von Plakaten z.B. von Gruppenregeln, möglichst bildlich, kurz und knapp. Solche einfachen Dinge wie ein "Stoppwort", um aus Situationen herauszukommen. Vielleicht auch eine zusätzliche "Vertrauensperson", an die sich die Kinder wenden können.

  • Das klingt sooo anstrengend #knuddel


    In meiner Rabauken-7. hatten meine Kollegin und ich etwas ähnliches gemacht, wie Rattenkind beschreibt, hier war Wettbewerb der Anreiz. Wir haben die "Anführer:innen" und SuS, denen wir das zutrauten, zu "Gruppenleiter:innen" gemacht. Sie wählten je 3-4 andere in ihre Gruppe und waren für diese verantwortlich. Es gab plus und minus punkte für verschiedene Dinge ( auch "wichtiges" wie Hausaufgaben etc), das wurde gemeinsam entwickelt und eine Klassenstatistik, die wöchentlich ausgewertet wurde mit "Urkunde". Die Rivalität innerhalb der Klasse hatte das ganz gut kanalisiert. Ich weiß nicht, ob sowas auch bei so kleinen schon geht...

    Weihnachtskind 2013

    Sternenkind 11/2017

    Sternenkind 08/2019

  • Sichtbarmachen und klare Kriterien in Form von Plakaten z.B. von Gruppenregeln, möglichst bildlich, kurz und knapp. Solche einfachen Dinge wie ein "Stoppwort", um aus Situationen herauszukommen. Vielleicht auch eine zusätzliche "Vertrauensperson", an die sich die Kinder wenden können.

    unsere schule hat ganz viele klassenassitentinnen. das ist echt entlastung für die lehrer und zwar in vielerlei hinsicht. dazu haben wir noch Heilpädagoginnen und Daz Lehrerinnen.

    Ansonsten finde ich dass Du recht hast, viele Lehrer/Erzieher werden mit unhaltbaren Zuständen alleine gelassen.

    sonja mit Eisprincess (03) + kleinronaldo (06)

  • Das wäre schön, Sonja37 , wenn das überall so wäre. Aber hier werden die Lehrkräfte und Erzieher:innen oft allein gelassen. Sie sehen dann das "wir schaffen das" auf ihrem Rücken eskalieren und gehen persönlich daran kaputt. Es ist viel zu wenig sichtbar, wie problematisch diese Belastung an vielen Schulen mittlerweile ist. Und da kommt man eben nicht mit "einfachen" Maßnahmen, wie Belohnungssystemen klar, sondern braucht wirklich strukturelle Änderungen, wie von Dir beschrieben, um Unterstützung im sozialpädagogischen Bereich zu stärken. Aber das kostet ja #pfeif.


    Und ich finde, man sieht das schon am Ausgangspost sehr gut, dass die mausehaken82 sich für die Situation sehr verantwortlich fühlt. Ich denke, aus dieser Situation muss man rauskommen und bei solchen Problemen schnell eine klare Unterstützungsmaschinerie in Gang setzen, die konkret hilft, um die Überlastung von Beginn an aufzufangen. Dann kann man die Unterstützung ggf. nach einer Weile ausschleichen, wenn ein geregelter Weg gefunden ist.

  • Ich denke eine so eingefahrene und eskalierte Gruppendynamik lässt sich im Alltag nicht mehr lösen.


    -Habt ihr die zeitliche Ressource, dass alle, die mit dieser Klasse arbeiten, zeitnah zusammenkommen und ein Soziogramm erstellen?

    Damit würde ich bei schwieriger Gruppendynamik immer anfangen, um möglichst effizient Knackpunkte auszumachen.

    Evtl könnt ihr auch eine Supervision beantragen und euch dabei begleiten lassen.


    -Gibt es als zweiten Schritt im Umfeld niederschwellige Angebote, um unkomplizierte Unterstützung bei Teambuildingmassnahmen mit der Klasse zu erhalten? Stadtteilcafé/Streetworker/Jugendhaus/Vereine wären bei uns Ansprechpartner

  • Ich merk grad, dass ich eig noch ganze Romane dazu schreiben könnte und unzufrieden mit meiner stichpunktartigen Aufzählung bin, aber im Moment nicht die Zeit dazu habe das genauer auszuführen.

    Ich halte es für essentiell, dass erstmal alle beteiligten Erwachsenen in einen kollegialen Austausch über die Klasse kommen und sich die Gruppenstrukturen genau ansehen. Oft geschieht dabei schon ganz viel mit der inneren Haltung, dem Blickwinkel und man hat einen enormen Erkenntnisgewinn. Ich habe im Beruf schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass sich danach viele Probleme von allein lösen, wenn man sie erstmal weit genug aufgedröselt und verstanden hat. Und ich schwöre dafür auf Soziagramme als Werkzeug, da sie relativ schnell erstellt sind, den Blick auf jedes Kind richten und sich leicht visualisieren lässt wo man in der Gruppe Ressourcen hat und wo dringend Unterstützung benötigt wird.

    Methodisch haben wir immer alle Namen der Kinder und betreuenden Personen groß auf Zettel geschrieben und eine große freie Fläche geschaffen. Dann lange über die Kinder und ihre Beziehungen untereinander gesprochen und Zettel geschoben bis jeder Beteiligte die Gruppe wiedergegeben fand und zum Schluss uns dazu gestellt wo unser Platz in der Gruppe ist.


    Jetzt ist es doch ein Roman geworden, das ist mein berufliches Herzblutthema...

  • Ich persönlich finde die Konsequenz Eltern anrufen ziemlich sinnlos.

    Mein Sohn hatte vor Jahren mal Probleme in der Schule gemacht und ich wurde als Konsequenz angerufen. Ok.

    Und dann? Ich rede zuhause mit dem Kind über Situationen, in denen ich nicht dabei war und nicht beurteilen kann.

    Ich schimpfe und habe den ganzen Schulstress zuhause. Und bringt es irgend was? Nein. Es hat nichts gebracht ausser Stress und ein bockiges Kind.

    Irgendwann bin ich mit Kind zur Lehrerin und habe daneben gesessen und moderiert, als die beiden ihr Problem gelöst haben.


    Die Frage wäre ja? Warum gibt es Streit in der Klasse?

    Warum wollen die Kinder sich nicht beteiligen? Interessiert sie das nicht? Wollen Sie was Anderes machen in ihrer Freizeit?

  • Das mit dem Elternanrufen kann wohl unterschiedlich aufgezogen sein. Ich kenne es so, dass die Eltern mit ins Boot geholt werden, damit man gemeinsam an einer Strategie arbeitet, guckt ob es daheim was wichtiges gibt, was die Eltern zum Gelingen des Schultages beitragen koennen, und was in der Schule gemacht wird und gemacht werden kann.


    Ein Anruf, nur um die Eltern zu informieren, damit diese die Kinder schelten, scheint mir nicht sehr problemloesungsorientiert.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Genau ich hole die Eltern mit ins Boot. Die wollen ja auch nicht, dass ihr Kind prügelt und alles.

    Diese ganzen "schönen" Ideen wie Belohnung und Geschichten und so, sind nicht machbar. Wir haben durch Corona kaum Personal. Die Risikokollegen werden nicht ersetzt. Zwei Kolleginnen sind schwanger. Die werden auch nicht ersetzt. Somit habe ich am Nachmittag meistens zwei Klassen.


    Ich bräuchte irgendwas direktes. Hatte auch noch nie mit Kindern zu tun, die sich so schnell schlagen.

    Ich will das doch auch für die Kinder nicht.


    Supervision usw. wäre win Traum. Ich hab noch nichtmal Bleistifte.

  • Ich würde die Eltern ins Boot holen, um

    Klassentrainings zu organisieren. Wenn der Träger des Hortes/der Schule sich nicht bewegt, wenn die Mitarbeiter sagen, dass das notwendig ist. Dann vielleicht, wenn die Eltern Druck machen.


    Wir haben mit Waldtagen und Klassenfahrten viel erreicht, um die Klassendynamik positiv zu gestalten. Und das war nicht im Freizeitbereich, sondern das haben die Klassenlehrerinnen im Rahmen des Unterrichts gemacht, natürlich imit enger Zusammenarbeit der Erzieherinnen

    "Immer die Wahrheit zu sagen, wird nicht viele Freunde einbringen, jedoch die Richtigen."

  • Ja sowas haben wir auch im Kopf. Wir müssen gucken was es kostet. Viele Kinder haben den Berlinpass.

    Eltern mit ins Boot holen, probieren wir gerade. Ist wegen der Sprachbarriere, die ich habe, manchmal echt schwer.

  • Supervision usw. wäre win Traum. Ich hab noch nichtmal Bleistifte.

    Puh, darf ich mal stellvertretend für Dich?

    So eine elende K#@$sch#&*&!!! Das ist einfach eine Frechheit, mit was für Problemen Ihr da allein gelassen werdet!


    Ich weiss leider keine Instant-Lösung. Manchen meiner Spezialklassen hilft es, wenn ich ganz leise werde - aber das ist ganz was anderes als bei Dir, weil ich ja fremd bin für sie und sie mich deshalb etwas schonen.


    Liebe Grüsse


    Talpa