Kranken Teenager von Schule abholen

  • Aber das ist ja genau das zentrale Problem - was genau bringt denn diese Versicherung? Macht es etwas ungeschehen? Oder lässt es den Menschen schneller genesen?


    Oder geht es vielmehr darum, dass am Schluss dann bitte jemand für das Erlittene gerade steht und Liese 2000€ Schmerzensgeld bekommt, weil sie sich auf dem heimweg wegen des Schwindels den Fuß verknickt hat?


    schöner wäre es, wenn sowas wie "menschliches Ermessen" und "Lebenserfahrung" einen Wert hätten und man sich eben auch als Nicht-Arzt zutrauen darf, Situationen einzuschätzen


    Diese denke erinnert an den Ratschlag, bei wasauchimmer den Arzt zu fragen, ob wa corona sein könnte. Der eine sagt ja, schickt zwei Wochen in Quarantäne, der andere sagt "alles super, kann weiter zur schule".


    Ist halt eine Frage der persönlichen Einschätzung. Und daraus wird viel gestrickt zum Thema Schuld, Einschätzung der eigenen Gesundheit, des Körpergefühls. Warum muss bei einem 17jährigen Papi anreisen, um ihn abzuholen, wenn Menschen 18 ist darf er dann alles selber? Weil es dann ungefährlicher ist? Weil er trotz der kümmerigen Eltern plötzlich gelernt hat, selbst auf sich zu achten?

  • Nein, die Versicherung schützt Ärzte vor dem finanziellen Ruin.


    Solange nicht alle Menschen das so entspannt sehen wie du und es Patienten bzw. Eltern gibt, die auch bei unbeabsichtigten Fehlern/Fehleinschätzungen klagen um eine Bestrafung und/oder eine Entschädigung zu erreichen, solange müssen sich Lehrer bzw. Ärzte davor schützen. Entweder durch Versicherungen oder dadurch, dass sie es ablehnen die Verantwortung zu übernehmen.


    Es sind mehr Eltern als du denkst, die sich bei jeder Gelegenheit an höherer Stelle beschweren, Disziplinarverfahren verlangen oder rechtliche Schritte einlegen.

    I feel like procrastinating... but I think I'll wait.

  • Leider kenne ich die klagehanseln viel zu gut, moose und sehe auch, dass es mehr sind, als man sich vorstellen kann.


    Selbst hier im Forum bei eher reflektierten und in vielerlei Hinsicht entspannten Menschen kommt die denke ja oft genug raus.


    Ich bedauere es einfach, dass es so ist. Das durchzieht so viele Bereiche des Alltags und macht das Leben unterm Strich glaube ich eher schwerer als leichter.


    Im Zeitalter der Rechtschutzversicherung klagt man halt auch einfach , weil man es kann. Kostet ja nichts

  • Als ich mal mit kranken Kind und Geschwistern auf dem Rückweg vom KiA war, hat mein Grosskind im Auto einen Fieberkrampf bekommen.

    Man kann nicht immer mit allen rechnen.

  • Ich stimme Dir bei jedem einzelnen Wort zu.

    Danke für Deine Ausführungen hier.


    Ich verstehe schon, dass die Lehrer:innen sich absichern wollen, finde es aber sehr schade, dass es nötig ist.

    Solang wir uns begleiten...durch Sturm und Gezeiten...durch Ebbe und Flut...dann bleibt alles gut...#herz

  • Hier reichte es bisher auch immer aus, wenn ich telefonisch das Okay gab, dass das Kind alleine nach Hause darf. Also: Sekretariat ruft bei mir an, schildert was los ist, ich habe kurz Rücksprache mit dem Kind gehalten, ob der Heimweg alleine okay ist und dann durften sie gehen. Sind bei uns einmal 5 Minuten zu Fuß und einmal 7 Minuten mit dem Rad.

  • Ich möchte die Klagewut etwas relativieren.

    Es sind oft die Kostenträger, die klagen. Also die Rentenversicherung zum Beispiel. Wie ich schon schrieb, das ist ja auch das Hauptproblem bei den Versicherungssummen für Geburtshilfe.

    Auch bei dem Fall in meiner Schule war das so. Es ging um die versicherungstechnisch relevante Frage, ob die Aufsichtspflicht verletzt war oder nicht.

    Auch wenn es dabei nicht um die persönliche Haftbarmachung des einzelnen Lehrers geht, gibt es sicherlich Schöneres als zu wissen, dass "rund um einen" prozessiert wird.

  • Als ich mal mit kranken Kind und Geschwistern auf dem Rückweg vom KiA war, hat mein Grosskind im Auto einen Fieberkrampf bekommen.

    Man kann nicht immer mit allen rechnen.

    Nein, muss man aber auch nicht. Würde man auf all diese denkbaren Eventualitäten Rücksicht nehmen sollte man das Haus nicht mehr verlassen. Oder am besten in ein Krankenhaus der Maximalversorgung ziehen.