wie Zweitklässlerin beim Fokussieren und Konzentrieren unterstützen?

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  • Ich habe auch so ein Kind zu Hause. Bei uns hilft (aber nicht immer):


    homunkulus Kommentar, dass es hinterher was gibt, was man gerne machen möchte - ein Brettspiel, eine TV Show, was auch immer, aber wenn hinten dran nichts ist, gibt es auch keinen Grund, die Aufgaben jetzt zu erledigen.


    Talpa Rahmen - ich setze mich oft daneben und lese selbst/schreibe/arbeite und wenn ich merke das Kind träumt, erinnere ich es ans weitermachen


    Zeitlich Begrenzen schlugen auch einige vor - ich frage da das Kind, was es denkt, wie lange es konzentriert am STueck arbeiten kann. Alles zwischen 3min und 30min ist erlaubt (weil mein Pappenheimer da natuerlich ganz Klever war, bei den langweiligen HA ;-) ). Schafft es diese selbstgewaehlte Zeit ein paar Mal, stupse ich es an, und frage, ob es denkt, eine Minute dranzuhängen. Schafft es die Zeit nicht, ist auch nicht schlimm, dann haben wir ein Ziel, oder probieren es mal mit weniger.


    Mir war es wichtig, dem Kind da Kontrolle und Erfolgserlebnisse zu vermitteln.


    Und noch was wichtiges - wenn mein Kind denkt, die HA sind zu viel, und voller Frust gar nicht erst anfängt, dann breche ich ihm die Aufgaben in kleine Stücke, decke ab.


    zB auch beim Abschreiben ueben - wir haben geguckt wie viele Worte es in 5min korrekt abschreiben kann. Nach einer Weile wusste es dann, ob das heute ein guter Tag oder nicht so gut war, und mitunter gab es dann supergute Tage. Seither ist das Abschreiben längerer Texte nicht mehr so furchtbar, weil das Kind die Wörter zählt und weiss, ok - dafuer brauche ich 11Minuten, das schaffe ich.


    Es war und ist bei uns so eine Mischung aus Träumen, Unterforderung, mangelndes Selbstbewusstsein, die Aufgaben machen zu koennen, aber durchaus auch gefühlte Überforderung, weil es zu viel ist und die Selbstorganisation noch nicht klappte.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Talpa: Dann habe ich mich wohl nicht klar genug ausgedrückt.


    Das hier meinte ich:

    Reeza:

    "Ich mach ihr auch gar keinen Druck, mir ists egal, meinetwegen muss sie die Aufgaben nicht machen, sie kanns ja eh,"


    Ich halte auch nicht viel von vielen Hausaufgaben, finde viele überflüssig, schlecht, zu viel, unlogisch und fehlerbehaftet. Und das wissen meine Kinder.


    Aber an der Schule meiner Kinder gibt es Hausaufgaben, also:


    Talpa: "mache klar, dass es zu ihrem Job gehört"


    Und bin dann hinterher, dass sie gemacht werden.

    Und vermittle dann auch nicht jeden Tag aufs neue, dass ich die jetzt aber überflüssig finde. Sondern versuche eher zu vermitteln, dass die eigene Haltung auch viel ausmacht (wenn ich putze, kann ich jedes mal drüber jammern und leiden die ganze Zeit. Oder versuchen, es mir möglichst angenehm zu machen dabei). Dass man manchmal schlicht nicht weiß, wozu es doch gut ist.

    Dass man manchmal schludern darf. Biete manchmal auch eine Entschuldigung an für die Lehrerin.


    Biete auch manchmal die Option an, dass ich mich jetzt rausziehe und sie das am Folgetag mit der Lehrerin klären muss.

    Aber immer mit der ganz klaren Erwartung, dass die Hausaufgaben dazugehören.

  • Ja, Möwe, absolut, es "gehört dazu" - wir haben ja eigentlich hausaufgabenfreie Schule, aber mit "Übungsaufgaben" (Vokabeln üben würde da zum Beispiel dazu gehören oder, im Fall meiner Tochter: Reihen üben) und eben: fertig machen, was nicht geschafft wurde. Tja, wen wundert es, dass ein Träumerkind da mehr hat als andere... und doch, da vermittle ich durchaus wöchentlich, dass ich es auch doof finde, dass sie dafür gestraft wird, dass andere Kinder sie beim Arbeiten in der Schule stören.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Und bin dann hinterher, dass sie gemacht werden.

    Und vermittle dann auch nicht jeden Tag aufs neue, dass ich die jetzt aber überflüssig finde. Sondern versuche eher zu vermitteln, dass die eigene Haltung auch viel ausmacht (wenn ich putze, kann ich jedes mal drüber jammern und leiden die ganze Zeit. Oder versuchen, es mir möglichst angenehm zu machen dabei). Dass man manchmal schlicht nicht weiß, wozu es doch gut ist.

    Dass man manchmal schludern darf. Biete manchmal auch eine Entschuldigung an für die Lehrerin.

    Aber wieso findest du dann meine Haltung so problematisch? Ich glaube, so weit auseinander sind wir nicht. Ich vermittle ihr ja auch, dass sie halt dazugehören, auch wenn es vielleicht mal doof und nervig und langweilig ist und ich das verstehen kann, und versuche, eine gute Lösung zu finden wie ich sie unterstützen kann.

    kLeiN- uNd GrOß-SchrEibUnG hat mein Handy gefressen...

  • Reeza Ich prokrastiniere heute noch wie ein Weltmeister, aber für die Schule habe ich meinen Rhythmus damals gefunden und meine Tochter tut aus auch gerade. Ich habe ihr immer wieder klar gemacht, was für ein schönes Gefühl es ist, fertig zu sein und das konnte sie irgendwann annehmen.

    Es ist ja auch irgendwie einfacher für Eltern, wenn sie das Thema von sich selbst kennen.

  • bei meiner Tochter war es in dem Alter wichtig eine möglichste ablenkungsfreie Umgebung zu schaffen

    sie hat dann in der Zeit die Hausaufgaben echt in der Küche gemacht, weil dort am wenigsten Ablenkung war

    inzwischen ist sie im Teenageralter und arbeitet gut selbsttsändig, allerdings hat sie immer wieder Phasen in denen sie dann plötzlich ganz selbstständig den Schreibtisch aufräumt weil zu viel rumliegt was sie ablenkt
    wir haben das mal ganz gut beschrieben: Wenns im Kopf schon so wuselig ist braucht sie wenigstens von außen Ordnung


    ach und dann noch mein Standardspruch seit Kleinkindalter:
    erst die Dinge die wichtig sind, dann die Dinge die Spaß machen

  • Eines faellt mir noch ein: Rhythmus hilft hier ungemein - also HA werden zu festen Zeiten oder Zeitpunkten erledigt.



    was für ein schönes Gefühl es ist, fertig zu sein und das konnte sie irgendwann annehmen.

    Das finde ich für uns gerade auch nochmal einen schönen Gedanken, den ich nie so klar formuliert hatte.

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  • Sorry, da hat es mir gerade den beitrag verhagelt gehabt.

    Ich habe das meiner Tochter natürlich nie so gesagt, dass ich die überflüssig finde oder so.

    Danke fürs abschweifen, so wird es klarer. :)

    Denn obiges hatte ich anders befürchtet. Und kann mir sehr gut vorstellen, dass es ein Kind in dem Alter überfordert, wenn es genau weiß, dass die Mutter es eigentlich nicht für nötig hält, aber die Schule...

    HAusaufgaben sind übrigens nachweislich kontraproduktiv und eher schädlich, es wird aber trotzdem daran festgehalten.

    Da gibt es aber auch sehr unterschiedliche "studien" und Meinungen.

    Ich denke, es kommt eher auf das Gesamtkonzept und die Ausführung an. Wüsste aber auch einfach nicht, warum Übungen zu Hause per sehr kontraproduktiv sein sollten.

    Mir widerstrebt ein bisschen, dass man die intrinsische Motivation da noch mehr killt und das KInd die Aufgaben nur noch macht, um zu "gewinnen".

    Vielleicht als etwas anderer gedankengang dazu: Manche Kinder können mit Wettbewerb wenig anfangen. Bei denen dürfte das so nicht klappen. Du sprichst also schon intrinsische Motivation an, nur eine andere.


    Talpa: ja, genau so.

  • Mir widerstrebt ein bisschen, dass man die intrinsische Motivation da noch mehr killt und das KInd die Aufgaben nur noch macht, um zu "gewinnen". Aber bei näherer Betrachtung macht sie die AUfgaben ja eh nicht, weil sie sie interesseieren, sondern nur, um in der Schule keinen Ärger zu bekommen, daher.. :(

    Oh ich verstehe deine Sorgen da gut. Ich dachte auch sehr lange, dass alles an extrinsischer Motivation schlecht ist. Aber ich bin ueber meinen Schatten gesprungen. Denn es kommt auf das wie drauf an. Ich habe es phasenweise eingesetzt und dann wieder ausgeschlichen. zB auch beim Thema Konzentration - pro 20min konzentriertes Arbeiten gab es einen Punkt. Bei 15 Punkten sind wir gemeinsam ein Eis essen gegangen (oder ins Schwimmbad oder ...).


    Manchmal hilft diese extrinische Motivation etwas unangenehmes zu machen und Durststrecken zu überkommen um dann anschliessend positiver und gestärkt weitermachen zu koennen.

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  • Aber wo soll bei Hausaufgaben, die vom Lehrer vorgegeben sind und die man selbst für überflüssig hält die intrinsische Motivation herkommen?


    Ich hab ja relativ früh aufgehört die Hausaufgaben einzufordern.

    Gleichzeitig habe ich aber auch meinem Kind und den KuL gesagt, dass ich mich darüber nicht mehr austausche.

    Das ist nicht mein Job das zu regeln.


    Mein Job ist es dem Kind zu sagen, dass es bitte Hausaufgaben machen soll und ihm die Möglichkeiten dazu geben, die es dafür braucht (Material, Platz, Ruhe...).


    Mein Kind hat sich dazu entschieden, dass Hausaufgaben egal sind.


    Bitteschön, dann ist das so.


    In der Grundschule habe ich es halt noch mit diesen Tricks versucht.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Ich habe im ersten Post nicht mitbekommen, dass das Kind frustriert ist. Da muss natürlich Hilfe her. Meiner Tochter hat es nichts ausgemacht, den ganzen Nachmittag damit zu vertrödeln...


    Meine Tochter arbeitet ganz anders, wenn andere Kinder mit am Tisch sitzen die auch arbeiten und eine emsige Atmosphäre herrscht. Deshalb geht sie jetzt auch auf eine Ganztagsschule in der der das Arbeiten in der Schule stattfindet. Das hilft dir jetzt halt nicht, da pandemiebedingt keine anderen zum gemeinsamen Arbeiten kommen können und keine älteren Geschwister da sind.


    Ansonsten ist es natürlich motivierend, wenn das Kind merkt, dass es sich durch Üben in etwas verbessert. Aber auch da sind Kinder verschieden. Meinen Großen hatte ich in der 6. ein Mal zum Vokabellernen vor einem Test gezwungen, es gab prompt ne eins. Er hat aber trotzdem beschlossen, dass es die Mühe nicht wert war. Meine Tochter dagegen ist schon bereit, sich für Anerkennung sehr anzustrengen.


    Wenn es bei euch nur darum geht, keinen Ärger zu bekommen und sie das Zeug ansonsten kann, kannst du die Aufgaben auch für sie machen.

  • Ich halte es auch für eher sinnlos, auf eine intrinsische Motivation bei Hausaufgaben (oder einer Menge anderer Dinge, did halt so im Laufe eines Lebens gemacht werden "müssen") zu hoffen. Die wird bei vielen Kindern, meinen inkl. niemals auftauchen.


    Daher sehe ich eher als mein Ziel, zu vermitteln, wie man solche Aufgaben möglichst ressourcenschonend erledigt. In der Grundschule heisst das bei Talpita relativ viel Hilfestellung, aber das finde ich ok. Die von den Lehrpersonen so hochgelobte Selbstorganisation übt dasselbe Kind wunderbar an eigenen Projekten und ich bin überzeugt, mit der weiterführenden Schule hat sie das halbwegs gelernt, ganz ohne, dass sich sie jetzt auf die harte Tour üben lasse...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Die Bewertung von Selbstorganisation ist ja durchaus sehr unterschiedlich. Ich habe auch erlebt, dass die Kinder da mit reinwachsen und dass eine enge elterliche Begleitung durch die gesamte Grundschulzeit (bis 6.Klasse) eben nicht bedeuten muss, dass das Kind davon abhängig wird. Im Gegenteil, sie wachsen oft daran und lernen langsam mehr Verantwortung zu übernehmen. (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ich find es immer sehr schade, dass an unserer Schule die elterliche Unterstützung als absolut negativ gewertet wird.

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