Unelegante deutsche Wörter

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  • Das es im Rheinischen so viele französische angelehnte Wörter gibt, hängt sicher mit der napeleonischen Besatzung zusammen, das hat uns ja auch das Wort Tschüß gebracht.

    Bürgersteig mag ich. Wo ich jetzt wohne, sagen viele Gehweg, das passt gar nicht, weil ein Weg für mich eher in den Wald gehört.

    Necessaire ist bei mir nicht im aktiven Wortschatz. Ich sage Kulturbeutel oder Waschtasche. Kultur passt schon, finde ich.


    Zu Tracht: Das hat was. Ich mag die Wörter mit der alten Endung - t (Naht, Saat, Fahrt, Ankunft...)


    Wenn ich so die Beiträge lese, ist es faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die Gefühle sind, die die Wörter auslösen können.

  • Hallo,


    Necessaire ist bei mir nicht im aktiven Wortschatz. Ich sage Kulturbeutel oder Waschtasche. Kultur passt schon, finde ich.


    Necessaire ist hier auch eher das, wo Nagelschere und Feile drin sind. Da ich aber selten jemanden frage (Das Ding liegt halt einfach im Bad im Regal), verwende ich es auch nicht wirklich. Kulturbeutel sagt glaub ich keiner in meinem Umfeld dazu, aber man weiß, was gemeint ist.


    Ich mag generell viele "alte" (im Sinne von nicht mehr ganz übliche) Worte und bringe sie auch im Alltag manchmal bewusst ein. Gerade auf Arbeit sehe ich es als Teil der "Wortschatzerweiterung" :D

  • Bei uns heißt eine Badestelle am See auch „Ablage“. Habe ich mir nie Gedanken drum gemacht. Wo könnte das herkommen ? Spannend, dass das eine allgemeiner Begriff zu sein scheint.

  • Muss gar nicht Napoleon gewesen sein, Französisch war halt so präsent wie es heute Englisch ist. In einem Nesthäckchen-Band gibt es einen "schönen" Abschnitt dazu: Sie stellt eine Spardose auf und alle, die französische Wörter verwenden (ihre Großmutter und Großtante) müssen dann einzahlen - bei Trottoir, Perron, Balkon, Büro :D - auch ne Form der Sprachpolitik..

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Hermine, das stimmt schon auch, weil französisch auch Sprache am pompösesten deutschen Hof war und Sprache der Gelehrten, der Diplomatie (Friedrich II. konnte wohl besser französisch als deutsch). Aber die französische Besatzung hat sicher dazu geführt, dass es nicht nur Sprache der oberen 10.000 war, sondern auch die unteren sozialen Schichten damit mehr in Berührung kamen.

    In Teilen Norddeutschlands sind manche frz. Wörter präsenter als in Sachsen oder Thüringen.

  • Meine Oma und mein Opa saßen auf dem Schäselong, deckten sich mit dem Plimmo zu, benutzten manchmal ein Fissel, zogen am Fenster den Riddong zu, gingen auf dem Trottwa (wo sie samstags die Kullung kehrten) mit dem Schääsewäähnchin spazieren, machten an der Balljäär halt und gingen wieder reduur, weil es ja nicht bräsiert hat. Manchmal waren sie danach ein bisschen dussmo, dann hatten sie die Flemm. Und wenn jemand hinfiel, machten sie mit "luu moll lo, lo leid äähna" darauf aufmerksam. Und wenn im Saarland jemandem kalt ist, dann "hat er kalt". Alleh, haben wir es doch, so ein kloora Dialekt.

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • rhcp :-) Ich kann es immerhin verstehen, was mich gerade sehr freut.


    Trottwa haben wir alle in meiner Kindheit gesagt.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Nachtkerze: Saarfranzösinnen und Ex-Bretoninnen verstehen sich eben #applaus! (Ich hoffe, ich hab dich richtig verortet, ihr habt mal in der Bretagne gewohnt, oder #gruebel?)

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.

  • Scheesawaaga gibt es auch in meiner sprachlichen Heimat.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich präzisiere: Saarfranzösinnen, Ex-Bretoninnen und Multi-Kulti-Schweizerinnen verstehen sich #freu#applaus!

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.


  • Vorhang? (rideau glaub ich, ich kann nur ein paar Worte Französisch.)


    Hier macht man dusemang, wenn man viel Zeit hat.


    edit: Ich kann mir vorstellen, daß meine Oma auch wusste, was eine Chaiselongue ist, aber manche Sachen werden halt nicht immer nur "traditionell" benutzt sondern ausgeweitet und ein Schesselong konnte eben auch ein normales Stubensofa sein. Bei meiner anderen Oma hieß das Sofa manchmal "Kaneppe" (Ich geh ein Stündchen aufs Kaneppe) (Betonung auf dem 2. e) , vermutlich von Canapé.

  • la fisselle - Schnur, Kordel

    le rideau - Vorhang, Gardine


    Beide Wörter mit Schmackes auf der ersten Silbe betont, wie es sich für Deutschland gehört #freu.

    Liebe Grüße, Silke




    Es gibt Wunder, die verlieren auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber.