Kindliche Wertschätzung

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  • Liebe Raben,


    ich mag mal eure Meinung über was lesen, das mich schon länger beschäftigt.


    Es geht darum, dass ich für mich die These aufgestellt habe, dass Kinder aus bildungsfernen, einfachen Elternhäusern keine Wertschätzung gegenüber (Spiel) Sachen haben.

    Direkt geht es bei mir um Kinder zwischen 6 und 12 im Hort. Also (Spiel) Sachen, die nicht die eigenen sind.


    Zur Zeit arbeite ich an einer Schule wo viele Kinder aus bildungsfernen Haushalten kommen. Spielsachen werden oft kaputt gespielt, weil damit "falsch" gespielt wird. Aus Büchern werden Höhlen gebaut wo man dann draufspringt, alles was auf dem Boden liegt, wird liegengelassen und drauf rumgetreten, Außenspielzeug wird einfach irgendwo fallen gelassen usw. Filzstifte kann ich keine mehr hinstellen, da sie immer eingedrückt werden. Der Kö vom Billard wurde zerbrochen, weil damit auf nem Regal rumgehauen wurde. In meiner Klasse sind die Kinder 10 Jahre alt. Außenspielzeug geben wir kaum raus, Sandspielzeug wird übern Zaun geschmissen und die Metallroller schaffen keinen Sand oder andauerndes Hinschmeißen. Die HoolaHoop Reifem werden meiste geknickt.


    Ich würde das gerne ändern, da die Schule nicht so viel Geld hat alles dauernd neu zu kaufen und die Kinder ja nicht ohne alles dasitzen sollen. Deshalb möchte ich die Kinder verstehen.


    Habt ihr ne Idee dazu?

  • Meine Idee wäre, dass die Kinder nicht gelernt haben, wie man mit Sachen umgeht.

    Einen Schichtzusammenhang kann ich nicht erkennen.


    Sie probieren aus und machen etwas kaputt.


    Gibt es Regeln bei euch?


    Ich würde klare Regeln aufstellen und klare Bereiche.


    In der Leseecke darf nicht getobt werden, Bücher bleiben in der Ecke und müssen zurück gelegt werden usw.


    Und dann jedes Toben usw. in der Leseecke unterbinden.


    Und ich würde mit den Kindern besprechen, was sie brauchen, gerne hätten und dann die Bereiche gestalten.


    Wer selber etwas gestaltet hat, der passt auch oft besser darauf auf.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Ich würde uns nicht als bildungsfern bezeichnen, aber mein Sohn macht das leider auch, was mich schon seit Jahren zum Verzweifeln bringt.

    Er hat ADHS (jedenfalls zeigt die Diagnostik eine Tendenz dazu, wenn nicht völlig eindeutig) und knibbelt ständig an Dingen herum und ist auch schon als kleineres Kind auf CD-Hüllen oder oder Kartons von Spieleverpackungen herumgetreten, egal, wie oft ich dagegen an geredet, argumentiert und klare Botschaften gesendet habe. Das hat mich so unglaublich viel Nerven gekostet, mittlerweile habe ich resigniert.

    Meine Tochter ist da ganz anders.


    Jedenfalls möchte ich zusätzlich zum möglichen Zusammenhang mit der Bildung auch individuelle Ausprägungen, wie z.B. mögliches ADHS erwähnt haben.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Nicht bildungsfern, und ein Kind hat null Wertschätzung für Dinge, nicht mal für die switch, spiele fliegen rum, die Hälfte fehlt, ist verklebt oder kaputt. Das andere Kind ist äußerst penibel.


    Deine These finde ich echt krass, wie kommst du darauf?? Was hat deiner Meinung nach Bildung mit Wertschätzung von materiellen Dingen zu tun? Wo soll da der Zusammenhang sein? Und meinst du Bildung oder Armut oder soziale Benachteiligung?


    Nach meiner Beobachtung haben manche Kinder aus sozial benachteiligten oder diskriminieren Gruppen erheblich mehr Stress als andere Kinder. Wie viel Stress haben die Kinder in deiner Gruppe? Wie viel zugewandte und freundliche Aufmerksamkeit bekommen sie in der Betreuung? Erhalten sie Anerkennung für ihre Stärken? Oder werden sie und ihre Familien als grundsätzlich problematisch wahrgenommen?

  • Ich entstamme einer "bildungsfernen" Familie. Schwieriges Elternhaus, finanziell eher der Unterschicht angesiedelt, Migrationshintetgrund. Wenn man so will das Rundum-Sorglos-Paket für Menschen mit Vorurteilen. Meine Schwester und ich haben dennoch nie ander' Leut Sachen mutwillig beschädigt oder sind marodierend durch die Welt getobt.


    Ich glaube, so einfach kann man es sich bei der Ursachenfindung nicht machen.

  • Hallo,


    Das kann ich so nicht bestätigen. (bezieht sich auf das Eingangspost)


    Ich habe ja im Laufe der Jahre in ganz verschiedenen Kindereinrichtungen sowohl Hort als auch Kindergarten gearbeitet, von Brennpunkt bis "gehobenes Viertel um es mal irgendwie in Worte zu fassen.


    Kinder, die rüde mit den Spielsachen umgingen, gibt es überall. Auch an meiner jetzigen Stelle (gutes Mittelfeld würde ich sagen) muss ich aufpassen wie ein Fuchs, damit die Sachen nicht einfach stehengelassen oder irgendwie ins Regel gefledert werden. Oder daß Bücher nicht zum Abstützen von Höhlen gedacht sind. Decken zusammengefaltet und spiele richtig eingeräumt werden werden, damit der Deckel zu geht und nicht einfach gedrückt wird, bis es irgendwie passt. Reifen haben alle einen Knick, weil sie doch immer wieder zum Pferdchenspielen genutzt werden, obwohl es dafür gekaufte und selbst gemachte Pferdegeschirre gibt usw. ...


    Nicht von allen Kindern, aber von einigen. Da ändern auch die Regeln nicht, die diese Kinder sehr gut kennen, aber eben in dem Moment trotzdem nicht einhalten, wenn grad keiner guckt. Zeitweise hatte ich sogar mal die Theorie, daß vor allem Kinder aus Familien, in denen (zu) viel da ist und auch "Nachkaufen" kein größeres Problem ist, so wären - aber auch das hat sich so nicht bestätigt.


    Einen Zusammenhang zu Horten mit vielen Kindern mit herausforderndem Verhalten (um es mal von der Bildung der Eltern wegzubringen, auch das kann überall vorkommen) kann ich mir vorstellen, daß mit der Klärung von körperlichen oder verbalen Konflikten so viel Zeit drauf geht, daß für das "Dran bleiben" an solche Kleinigkeiten wie ein ordentlich eingepacktes und an der richtigen Stelle ins Regal gestelltes Spiel oder einen weggeräumten Roller zu wenig Zeit bleibt.


    Was mit auffällt - vieles geht besser, wenn es über Bindung läuft, wenn man es schafft ein "Wir"-Gefühl zu schaffen. UNSER Spielzeug (nicht das Hortspielzeug). Aber das ist schwer, denn es gibt mMn überall Kinder, mit denen das schwieriger ist.


    Und ich habe beobachtet, daß es in sehr großen Einrichtungen mit sehr offenem Konzept (und oft Personalknappheit) schwieriger war als mit Konzepten, die eher gruppenorientiert oder/und einigermaßen gut besetzt sind , wo es für die Kinder auch viel mehr (ihr" Zimmer und "ihr" Spielzeug war. Ich vermute, weil man nicht so leicht von Angang an "dahinter" sein konnte, die einzelnen Spielgruppen im Auge behalten konnte - und oft hinterher auch gar nicht mehr rausfinden konnte, wer was hatte)

    Aber auch das waren nur Tendenzen und meine Beobachtung kann reiner Zufall sein.


    Ein weiterer Aspekt ist der Zustand der Spielsachen. Sachen die einmal zerfledert aussehen werden meiner Erfahrung nach weniger pfleglich behandelt als die, die in gutem zustand sind, auch wenn bei ersteren gerade Achtsamkeit angesagt wäre...

    (Zu) Viele Sachen in schlechtem Zustand verleiten dann mehr zum unpfleglichen Umgang als weniger, dafür einigermaßen in Ordnung.


    Schwierig das Ganze.


    Ich glaube, zum Teil muss man sich damit abfinden, daß es ist, wie es ist und damit einen Umgang finden. Wenn möglich wirklich genau Aufsicht haben, rechtzeitig eingreifen, im Blick haben, wer womit spielt und rechtzeitig vor der Heimgehzeit ankündigen, daß es noch weggeräumt werden muss. Am, Schrank stehen und darauf hinweisen, wenn der Deckel noch zu ist usw.


    Aber siehe oben, ich weiß, das ist oft schwierig, wenn der eine Hilfe beim Schulzeug braucht, zwei andere sich streiten und schon die Fäuste ballen, wieder eins Kummer wegen irgend etwas hat, Eltern etwas fragen wollen, die Kollegin ausgefallen ist und man schnell besprechen muss, wer ihren Frühdienst übernimmt, einer gerne mal ein Würfelspiel mit mir machen will, dem anderen der Wassertopf am Experimentiertisch umgefallen ist - kurz im ganz normalen Alltagschaos...


    Ich weiß ja nicht, wie eure Arbeitsweise ist, eher gruppenorientiert oder offen, wie viele Kinder es insgesamt sind.... Kann man mit den Kindern einen Themenkreis machen und das Problem ansprechen?

    Konkrete Regeln aufstellen: Bücher sind zum lesen und dürfen daundort gelesen werden. Speile werden so verpackt, daß der Deckel komplett zugeht und an ihrer Stelle (beschriftetes Regal) zurückgestellt.

    Es dürfen aber nicht mehr als 3-5 Regel sein, sonst wird es zu viel,,,


    Viel mit Beschriftungen oder/und Farbcodes arbeiten (Was gehört wohin? Sachen mit rotem Punkt werden NUR am Tisch gespielt...)


    Einen Teil der Sachen zeitweise wegpacken und alle paar Wochen/Monate austauschen oder auf konkreten Wunsch hin herausgeben? Vielleicht ist es dann leichter, den Rest in Ordnung zu halten? Dann kann schon mal nicht so viel auf dem Boden liegen und man sieht besser, womit wirklich gespielt wird und was nur herumgerödelt wird.


    Hier hat es auch geholfen, daß Kinder der Reihe um Regaldienst hatten und dann selber (mit unserer Hilfe anfangs) ihre Kumpel ansprechen, wenn irgend etwas im Zimmer leigenblieb oder einfach irgendwie im Regal landete.


    Für Leute, die nicht im Hort arbeiten, mag das wie gängeln klingen... aber meine Erfahrung ist, je besser man "Dran bleibt" und je klarer die Erwartungen auch sichtbar sind, desto freundlicher und freier ist es in Wirklichkeit im Alltag.


    (Ein Grund mehr, für sinnvolle Personalschlüssel zu kämpfen... )

  • Ich denke, das hat auch was mit Gruppendynamik zu tun. Ein paar Hansels, die destruktiv drauf sind. Ein paar, deren Impulskontrolle zu niedrig ist, wegen ADHS oder whatever. Ein paar, die die Enge zu Hause oder ihre häuslichen Gewalterfahrungen nicht anders verarbeiten können. Und allerhand Schnittmengen.


    Und dann reißt das ein, „die anderen machen das auch“, „ich will dazugehören“ , „ich kann noch mehr drauflatschen als der coole Obermotz“...


    Dazu kommt, dass selbst die Kinder aus finanziell klammen Elternhäusern heute mehr Spielzeug und Stifte (Billigkram vielleicht, aber die Erfahrung ist: ersetzbar) haben als Mittelschichtskinder meiner Generation -wenn meine Sachen kaputt waren, gab es keine Möglichkeit, die zu ersetzen, weil man in die entfernte Stadt in einen Spezialladen gemusst hätte. Heute ist alles allgegenwärtig verfügbar, so sind die Kinder aufgewachsen. Sie werden meinenBlick auf die Dinge nie teilen und für das Konzept von Nachhaltigkeit und das Verständnis für begrenztes öffentliches Budget (denn es IST ja immer was da, es WIRD ja vieles ersetzt) sind sie zu jung.

  • Ich habe schon an anderen Schulen gearbeitet, wo die Elternhäuser bildungsnah und finanziell besser aufgestellt waren. Da habe ich dieses extreme Zerstören so nicht beobachten können. Deshalb kam ich auf meine These.


    Viele der Kinder in meiner Schule haben einen Integrationsstatus auf Sozial-Emotional und leben mit vielen Geschwistern oft auf engem Raum.


    Ich versuche ihnen viel Aufmerksamkeit zu geben, muss aber die meiste Zeit Schlägereien schlichten.

    Was zusammen gestalten, machen die Kinder eigentlich nicht. Habe es immer wieder versucht.

    Die Aufmerksamkeitsspanne ist bei den meisten Kindern extrem kurz.


    Regeln gibt es und Strafen auch. Wird sich kaum dran gehalten.


    Mondschein Ich denke auch, dass die Kinder nicht gelernt haben wie man mit Sachen umgeht.


    happy spider Grundsätzlich werden die Kinder erstmal nicht als problematisch wahrgenommen. Allersings sind die meisten Kinder sehr körperlich. Schlagen schnell zu usw. Das mit dem Stress kann so stimmen. Wir haben halt auch immer wieder Kinderschutzmeldungen.


    Trin Du beschreibst es sehr genau. Dran bleiben, ist schwierig. Wir arbeiten zur Zeit geschlossen. Ich gebe die meisten Sachen wirklich nur noch auf Anfrage raus. Finde das halt schade, weil ich denke, dass es schön ist, wenn Kinder sich frei etwas nehmen können. Unser Kicker ist jetzt auch kaputt. Durch Rumtragen im Raum, dagegentreten usw. Voll schade.

  • Hallo,


    Ich denke, daß es eben mit dem reinen Bildungsstand der Eltern nicht so viel zu tun hat.


    Eher mit den problematischen Lebensbedinungen. Jedem ist klar, daß alles irgendwie verflochten ist - jemand, dem das Lernen sehr schwer fällt, egal ob das an Teilleistungsschwächen liegt, an starken Problemen der Impulskontrolle oder an irgend einem der vielen anderen Gründe, wird es auch beruflich später schwer haben und dann vielleicht aus rein finanziellen Gründen in einer Gegend wohnen, in der viele Menschen mit irgendwelchen Problemen zu finden sind. In einer Wohnung, die vielleicht zu eng ist für die Familie. Manche Schwierigkeiten treten ja auch familiär gehäuft auf, werden biologisch oder sozial vererbt... aber das ist mMn nicht der eigentliche Grund.


    Darum würde ich mich von der Bildungstheorie lösen. Zumal du daran nichts ändern kannst.

    Ich würde versuchen, die gruppenreine Arbeit als Chance zu nutzen, bestimmte Dinge zu etablieren. Ich denke, daß ist in einer überschaubaren Gruppe leichter als z.B. in einem offen Hort von 200 oder mehr Kindern.


    Ja, natürlich ist es schöner, wenn sich die Kinder selbst nehmen können, was sie möchten. Dazu sollte es auch immer noch genug Dinge geben. Aber andererseits gehört zur Freiheit eben auch das Achten von Grenzen - aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Lernprozess.


    Darum wie gesagt mein Vorschlag:


    Die Regale sehr übersichtlich gestalten und mit Beschriftung/Symbolen arbeiten. Es ist komisch, aber das Kartenspiel landet tatsächlich mit größerer Wahrscheinlichkeit in der Hülle in der dafür bestimmten Kiste, wenn dort "Kartenspiele" dransteht - obwohl sie auch so wissen, daß diese Kiste dafür da ist. Und wenn 5 Kartenspiele drin sind werden sie eher ordentlich eingeräumt als wenn 20 drinrumfliegen, von denen 6 auch schon verstreut sind.

    Gibt es sprachliche Schwierigkeiten, dann auch mehrsprachig oder/und mit Piktogrammen oder Fotos arbeiten.


    Wenn ihr es nicht eh schon gemacht habt: Gemeinsam mit den Kindern die Spielsachen in einen guten Zustand bringen (Kartons von Spielen kleben, stabile Kisten für Bausteine, keine zerfledderten Kartons wie man es manchmal sieht...).


    Besprechen und aufschreiben, welche Regeln es gibt: "Spiele mit rotem Punkt werden nur am Tisch gespielt", "Bücher werden nur am Tisch oder auf dem Sitzsack gelesen" (und im Gespräch klarstellen, daß das automatisch heißt, daß sie keine Bausteine sind).Aufschreiben, laminieren, in der ensprechenden Ecke ankleben.


    Dienste einführen, durch die jeder mal für einen Bereich verantwortlich ist und den anderen auch erzählen kann, wie er es vorgefunden hat. Das wirkt manchmal mehr als wenn die Erwachsenen sagen, daß es gestern schlimm aussah und das schöne Spielzeug ... in die Ecke geworfen wurde statt es an seinen Platz zu stellen.


    Na ja, ich könnte noch mehr aufzählen, aber vermutlich trage ich Eulen nach Athen. :)


    An den größten Problemen und damit den eigentlichen Ursachen - den Schwierigkeiten, die die Kinder mitbringen und das um das aufzufangen viel zu knappe Personal - könnt ihr vermutlich nichts ändern... :(

  • In unserer Schule wurde mit Pfandsystemen gearbeitet z.B. das Federmäppchen abgeben wenn man einen Roller/Ball wollte. Das Mäppchen gab es erst zurück, wenn man den Roller/Ball aufgeräumt hatte.


    Es gab auch bestimmte Zonen, wie Bauecke für nur Max. 4 Kinder, wer das verlässt muss erst aufräumen bevor er geht.


    Generell finde ich erst wegräumen, dann das nächste bekommen sinnvoll.

    Auch wegräumen von Spielzeug oder bestimmte Tage wie Lego Tag o.ä., so dass das Spielzeug knapp erscheint.


    Ich denke es braucht klare Regeln und Kennzeichnungen.


    Dass Dinge kaputt gehen, finde ich muss man einkalkulieren, solange es nicht böswillig ist.

  • Ich habe keine Erfahrungen zu dem Thema - mir kam beim Lesen der Ausgangsthreads und der Antworten nur eine (vielleicht auch unpassende) Idee: Kennst Du die Broken-Window-Theorie? Ich habe davon erstmals im Zusammenhang mit Software-Entwicklung gehört - also in einem ganz anderen Zusammenhang. Es geht darum, dass es etwas mit Leuten macht wenn "Schäden" sichtbar sind und nicht schnell behoben werden. Dann meint jeder, er braucht sich auch nicht mehr bemühen, die Dinge in Ordnung zu halten und die Schäden werden schnell immer größer.

  • Hallo,


    Es gab auch bestimmte Zonen, wie Bauecke für nur Max. 4 Kinder, wer das verlässt muss erst aufräumen bevor er geht.


    Generell finde ich erst wegräumen, dann das nächste bekommen sinnvoll.


    Das stimmt schon - nur muss du jemanden vom Personal frei haben, der das anleitet und kontrolliert.


    DASS weggeräumt wird und auch WIE. Ich hab auch schon Malpapier gefunden, daß einfach hinter die Heizung gestopft wurde, weil der Weg zum Papierkorb zu lang schien - aber der Tisch schien in kurzer Zeit sehr schön und lobenswert aufgeräumt... Oder ein Kind sagt kurz Tschüß, ich frage, ob es aufgeräumt hat, weil ich aus einer Situation gerade nicht weg kann - Ja klar... und dann liegt doch noch alles rum. Und mit den anderen muss man dann diskutieren, warum sie das von ... mit wegräumen sollen, SIE hätten das ja nicht gehabt...


    Und das sind ein harmlose Beispiele, die sich in einer ruhigen Umgebung auch gut regeln lassen - nicht so leicht aber, wenn sich z.B. die nächsten schon wieder verbal oder körperlich beim Wickel haben und man dort Schlimmeres verhindern muss.


    Denn gerade an diesem "jemanden dafür frei haben" scheitert es leider viel zu oft. Generell und vor allem da, wo es aus sozialen Gründen sehr viel Aufmerksamkeit und Einsatz braucht.


    Und selbst wenn man danebensteht hat man nur bedingt Einfluss auf die aktuelle Impulskontrolle. Gegens Bein vom Kicker getreten ist manchmal schneller als man eingreifen kann. (Und in manchen Konstellationen ist man ganz innendrin sogar froh, daß es nur das Bein des Kickers war und nicht wie sonst das des Klassenkameraden... #angst )


    Man braucht einfach viel mehr Leute... eigentlich.

  • Ich denke nicht, dass das etwas mit dem Bildungsstand zu tun hat, vermute, meist nicht mal mit dem Elternhaus.

    Meine Mädchen spielen alles kurz und klein. Alles, was du beschreibst - und deutlich mehr. Wenn der Filzstift nicht mehr volle Farbintensität gibt - drückt man eben fester. Das Buch wird halt verknickt und bemalt - kann man doch weiterhin lesen? Und mit allem anderen wird so wild und raubeinig gespielt, dass es eben kaputt geht #weissnicht

    Hm, ja, schade. Mist. Aber beim nächsten Spiel ist das wieder vergessen.

    Meine Jungs sind viel vorsichtiger, da geht nie etwas kaputt, und falls doch alle Jubeljahre mal etwas beschädigt wird, ist das gleich: #crying


    In der Gruppe würde ich einfach auf Dynamik tippen. Da sind Kinder wie eine Elefantenherde. Wenn einer übern Zaun trammelt, rennen alle mit.

  • Bei uns waren neben der Bauecke vier Paar Schuhe gemalt. Die Kinder mussten ohne Schuhe rein. Wenn die voll waren, war Stopp.


    Es hilft ja nix such über die Kinder aufzuregen. Du musst weiter mit denen arbeiten und Wege finden. Die gibt es ganz sicher.

  • Hallo,


    Wo habe ich mich denn über Kinder aufgeregt?


    Ich mache den Job ja nun wirklich schon ein paar Jahre und denke, ich bin inzwischen ganz gut im "gute Lösungen finden". ;)


    Aber es gibt manche Sachen, die kann ich nicht ändern, ich kann mich halt nicht vervielfachen, um A und B daran zu hindern, aufeinander los zu gehen, gleichzeitig zu schauen, daß C seine Schuhe nicht irgendwo hinfledert oder eben MIT Schuhen auf den Bauplatz geht (Ist doch nur mal kurz...), mit den Eltern von D kurz über deren Probleme zu reden und nebenbei noch im Blick zu haben, das E, F und G rechtzeitig zum Bus, zum Training und zur Logo gehen (Natürlich zu verschiedenen Zeiten im 5-10 Minuten-Takt und so weiter.


    Gute Ideen sind prima, jederzeit willkommen, keiner kann alles wissen und manchmal sieht man von außen mehr als von "mittendrin".

    Wenn es aber so klingt als hätte man nur keine Lust an etwas oder mit jemandem "zu arbeiten", fühle ich mich schon etwas angeniest.

  • Viele der Kinder in meiner Schule haben einen Integrationsstatus auf Sozial-Emotional und leben mit vielen Geschwistern oft auf engem Raum.


    ....


    happy spider Grundsätzlich werden die Kinder erstmal nicht als problematisch wahrgenommen. Allersings sind die meisten Kinder sehr körperlich. Schlagen schnell zu usw. Das mit dem Stress kann so stimmen. Wir haben halt auch immer wieder Kinderschutzmeldungen.

    Aber dann ist es doch einfach klar, oder?
    Jeder kennt das von sich selbst. Keine von uns, die in sich ruht, sich zufrieden und sicher fühlt, neigt zu Agressivitäten.

    Aber unter Stress, unter permanentem psychischen Druck (und das ist ja die direkte Folge vom fett markierten) kennen wir doch alle das Gefühl, die Teller auf den Boden scheppern oder die nächste Tür eintreten zu wollen.

  • Ich habe keine Erfahrungen zu dem Thema - mir kam beim Lesen der Ausgangsthreads und der Antworten nur eine (vielleicht auch unpassende) Idee: Kennst Du die Broken-Window-Theorie? Ich habe davon erstmals im Zusammenhang mit Software-Entwicklung gehört - also in einem ganz anderen Zusammenhang. Es geht darum, dass es etwas mit Leuten macht wenn "Schäden" sichtbar sind und nicht schnell behoben werden. Dann meint jeder, er braucht sich auch nicht mehr bemühen, die Dinge in Ordnung zu halten und die Schäden werden schnell immer größer.

    Ja das ist so.


    Es gibt auch Projekte, da sind völlig zerstörte Spielplätze (durch anderes ersetzbar), die werden dann gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen gestaltet und aufgebaut usw.

    Die bleiben oft sehr lange sehr gut erhalten, weil wenn jemand etwas selbst mitgestaltet oder gebaut hat, dann passt er auch mehr darauf auf.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Evtl. Musst Du vor allem gegen eine ungute, aber „schicht“unabhängige Gruppendynamik ankämpfen?

    Oder manches Spielzeug passt nicht mehr für Zehnjährige?


    Die Idee mit dem Pfandsystem und auch mit der künstlichen Verknappung (zB ein Lego-Tag pro Woche) finde ich gut...

  • Ich habe keine Erfahrungen zu dem Thema - mir kam beim Lesen der Ausgangsthreads und der Antworten nur eine (vielleicht auch unpassende) Idee: Kennst Du die Broken-Window-Theorie? Ich habe davon erstmals im Zusammenhang mit Software-Entwicklung gehört - also in einem ganz anderen Zusammenhang. Es geht darum, dass es etwas mit Leuten macht wenn "Schäden" sichtbar sind und nicht schnell behoben werden. Dann meint jeder, er braucht sich auch nicht mehr bemühen, die Dinge in Ordnung zu halten und die Schäden werden schnell immer größer.

    Ich lebe die Broken-Window-Theorie


    also ich achte eben darauf, dass Schäden behoben werden, sofort oder zeitnah und zwar in Kommunikation und Kooperation nit den Kindern.

    Reparieren, recyclen oder neu beschaffen


    ein Beispiel von heute:


    meine Kollegin, hat den kindern einen Karton zum höhlenbau gegeben, sie hat die seiten so geklebt, dass der karton stabiler war.... ein kind tobte damit und der klebestreifen riss. ich habe das teil sofort zusammen mit dem Kind repariert...

    der karton an sich hatte keinen großen wert, war ein wegwerfartikel... aber der spielwert ist hoch und wir müssen, wie bei anderen Dingen, dies eben wahren.


    ein anderes Beispiel: Duracellmädchen hatte in ihrem Hort ein Schachspiel entdeckt und wollte damit spielen... es fehlten ein paar Bauern... der Erzieher, dem sie das mitteilte, sagte "Ja, ist wohl verschwunden, sei doch froh, dass die anderen Figuren noch da sind!"

    Tja, da fällt einem das wirklich schwer, das noch wertzuschätzen, wenn der eigentliche Spielzweck verfehlt ist.


    und noch ein Beispiel von gestern:

    In letzter zeit gehen in unserer Kitagruppe fast täglich Gläser oder Teller kaputt. Allermeistens sind ungeschicke, aber es ist auch schon unachtsamkeit und fahrlässigkeit die Ursache gewesen.

    meine Kollegin hat bei der Fahrlässigkeit deutlich gesagt, dass es ärgerlich ist, wenn wegen rumtoben am Tisch gläser zu bruch gehen und wir dann nicht mehr ausreichend haben.

    das war sehr spannend, wie die Kinder realisiert haben, dass all die Dinge, die in einer Kita Geld kosten, nicht von uns ERzieherinnen bezahlt werden, sondern die Leiterin ein Budget hat... und je mehr Gläser gekauft werden müssen, desto weniger Spiele können gekauft werden.


    das ist ein Lernprozess... das wissen Kinder nicht einfach so.


    dann läuft auch viel über Beziehung.

    ich selbst und auch viele Kolleg*innen haben auch immer besondere "private" Materialien, die sie den Kindern zu besonderen Anlässen zur Verfügung stellen. Bislang habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass die KInder solche Sachen wie ihren Augapfel hüten

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"