Große Probleme mit "richtigem" Essen

Registrierunganfragen bitte kontakt(@)rabeneltern.org senden. Die automatische Registrierung ist aufgrund vermehrten Anmeldungen von merkwürdigen UserInnen bis auf weiteres abgeschaltet.

Danke und guten Austausch im Rabendorf!

Rabeneltern.org-Team
  • Hallo!


    Ich wollte fragen, ob jemand etwas ähnliches erlebt hat und vielleicht Tipps kennt.


    Mein Sohn ist 11 Monate und kann außer Brei nicht wirklich etwas essen.

    Wir haben 2 Probleme. Erstens ist er mit 7 Monaten beim Essen fast erstickt, was uns (und ganz besonders mich) sehr traumatisiert hat. Zweitens würgt er extrem schnell, zum Teil bis zum Erbrechen, was mich immer wieder retraumatisiert und Essensversuche erst wieder zunichte macht. Ich traue mich gar nicht mehr, ihm etwas anderes als Brei anzubieten, so schlimm ist es. Wenn ich ihn zB Erdäpfelpüree kosten lasse, würgt und erbricht er. 8-Monats-Gläschen das selbe, außer bei den vegetarischen Spaghetti. Körperlich ist alles in Ordnung laut Kinderärztin. Ich habe bei einer Hebamme um Rat gefragt, aber außer dass ich das Trauma überwinden soll, kam da auch nicht viel.

    Ein bisschen Zeit vergehen zu lassen hat nicht geholfen. Meine Therapeutin hat nicht geholfen. Einfach trotzdem Essen zu geben hilft nicht wirklich, da dann das Problem mit Würgen kommt (und er wird da auch ängstlich).

    Es ist mein drittes Kind, da sollte man meinen, man kennt schon alles und ist geübt, aber mittlerweile kommts mir vor, als wäre ich total unfähig.


    Kennt das jemand? Oder weiß vielleicht jemand, wohin man sich mit so einem Problem wenden kann?

  • Ach, das klingt ja schwierig.

    Ich glaube, wie so oft, hilft es den Stress raus zu nehmen. Sozusagen zu akzeptieren, dass er eben nur die feinst pürierten Sachen Essen mag. Und erstmal gar nicht weiter mit anderen Dingen versuchen. Pause-Taste sozusagen.

    Solange er gut zunimmt und gesund ist, gibt es ja keinen dringenden Grund das zu ändern.


    Zu deinem Trauma: Ich kann das total verstehen. Es gab vor einiger Zeit mal einen ähnlichen Thread. Vielleicht finde ich ihn und kann ihn dir verlinken.

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Körperlich ist alles in Ordnung laut Kinderärztin

    Eine Idee wäre da nicht nur eine Kinderärztin drauf schauen zu lassen, sondern auch z.B eine Logopädin. Die haben da noch einen ganz anderen Blick darauf.


    Ansonsten habe ich auch ganz lange alles pürieren müssen, bzw in flüßiger Form geben müssen. Und leider ist er auch heute noch sehr wählerisch was das Mundgefühl angeht.

  • Mein Neffe und meine Schwester hatten genau das gleiche Problem.

    Gelöst hat es die Zeit. Er hat sehr lange nur fein püriertes gegessen. Er hat einfach auch nicht richtig gekaut. Als mit dem sprechen die mundmuskulatur stärker wurde, hat es sich von alleine gelöst.

    Maisstangen lösen sich im Mund übrigens sehr schnell auf. Da könnte er abbeißen und könnte sich kaum verschlucken, weil es zerfällt.

    ****Glitzer mit der schnecke (05/06), dem bär (11/08 ), dem hulk (06/13) und findus (04/17) #love ****
    #rabe Für Raben gibt es bei gluecksrabe 5% Rabatt (gebt bei der Bestellung "rabenrabatt5" ein)

  • Oh, das klingt echt schwierig!


    Mein Kleiner hat sich anfangs auch oft verschluckt, hat gewürgt, alles wieder ausgespuckt... Er ist inzwischen fast 18 Monate alt und isst fast "normal". Aber vor ein paar Monaten war es auch noch echt schwierig. Er hat am liebsten ganz fein püriertes gegessen. Irgendwann wurde es dann aber ziemlich schnell besser.


    Ich würde einfach beim fein pürierten bleiben. Und in ein paar Wochen vorsichtig mal wieder probieren, ob es besser geworden ist.


    Und wie Salino schon schrieb, wär vielleicht ein Besuch beim Logopäden nicht schlecht, einfach um mal die Mundmotorik anschauen zu lassen...


    Alles Gute für euch!

  • Verstehe ich sehr gut! Hätte ich es damals gewusst, wäre ich in die Schlucksprechstunde der nächsten Uni-Ambulanz gegangen. Geholfen hat uns später Logopädie und gegessen (nennenswerte Mengen) hat mein Sohn erst ab ca. 3,5 Jahre. Brei hat er auch abgelehnt, er isst bis heute keine breiigen Sachen.

    Wenn mein Sohn (13) sich verschluckt, gerate ich immer noch leicht in Panik. Unsere Mahlzeiten sind mittlerweile etwas entspannter. Meinem Mann geht es ähnlich 🥺.

    Fingerfood, Brei selbst gemacht, Brei gekauft, Brei bio, Brei konventionell ....ist alles schwierig gewesen.

    Die Logopädin hat festgestellt, dass das Schluckmuster umgekehrt ist und er die Sachen nicht nach hinten transportieren kann. Lange Zeit hat er das Essen ewig gekaut und mit Wasser runtergetrunken. Eine Mahlzeit dauert so 1.5-2 h!

  • Ich habe schon jede Menge Kinder kennengelernt, die mit diesem Heranführen von feinem Brei über etwas stückiger über... nicht so gut zurecht kamen, aber dafür mit dem Schritt "Brei" zu "richtig am Stück" - eine ausgewachsene Kartoffel z.B. kann man gut auch auf der Felge kauen, wenn noch keine Zähne da sind - und dann ggf. kleiner werden.

    Mundmotorik, wie schon von anderen geschrieben, ist ein gutes Stichwort.

  • Ich rate dir auch zur Logopädie, die sind einfach geschulter als ein Kinderarzt.


    Und euch Zeit lassen, ich gehe davon aus, dass dein Sohn sich gut entwickelt, sonst hätte ja der Kinderarzt was gesagt. Also einfach weiter beim fein pürierten bleiben.

  • Ich empfehle eine Logopädin, Physiotherapeutin oder evtl auch Ergo mit großer Castillo Morales Fortbildung.


    Wenn es Castillo Morales nicht in erreichbarer Nähe gibt, dann ist auch FOTT ein sehr gutes Konzept.


    Und für alle eine Homöopathische Behandlung (besonders für Dich nach diesem Schock).

    Auch beim Osteopathen kann man nachfragen (fürs Kind).


    Mensch, gute Besserung. Ich kann total verstehen, dass einen die Angst bei sowas nicht loslässt.

  • Wow danke für die vielen Antworten! Ich fühl mich gleich weniger alleine damit. Logopädin ist ein guter Tipp, da werde ich als nächstes gleich nachfragen. Ich habe nämlich eh das Gefühl, dass er irgendwas "falsch" macht beim Essen bzw einfach nicht so wie die anderen. Hab mir aber auch gedacht, das wäre einfach meine Angst und ich interpretiere zu viel rein. Eine Logopädin wird das dann bestimmt beurteilen können.

    Druck hab ich in den letzten Wochen rausgenommen, aber je näher der erste Geburtstag kommt, desto mehr steigt er wieder. Hab so diese Wunschvorstellung dass er doch eine Geburtstagstorte bekommen soll 🥺.

    Wenn ich eure Kommentare so lese, habt ihr zum Teil auch ganz schön was mitgemacht bei diesem Thema. Gerade wenns ums Essen geht ist das glaub ich einfach nochmal emotionaler, weil es so ein Grundbedürfnis zum Überleben ist. Ich weiß zwar, dass er irgendwann essen wird, aber es nagt schon sehr an einem.

  • Nur für euch zu Hause, was mir geholfen hat:

    Wissen über riskantes Essen (Nüsse, Würstchen u.a. nie als runde scheibe, ...) und ein Kurs in erste hilfe am kind. - wie bekommt man etwas aus der Luftröhre wieder raus? (Kind übers Knie legen, Kopf tiefer als der Rest und recht kräftig an passender Stelle auf den Rücken hauen).

    Das hat es schon entspannt zu Hause. Und das Kind nie alleine lassen mit essen.

  • Ja ich weiß eh, dass ich eigentlich keine Schuldgefühle haben sollte.

    Riskantes Essen ist mir eh bewusst. Mir fällt nur kaum was ein, bei welchem Essen ich mich sicher fühlen könnte.

    Erste Hilfe Kurs würde ich echt gerne machen. Leider findet hier momentan keiner statt, schätze wegen Corona. Hätte so viele Fragen. Ich hab mal einen gemacht vor 10 Jahren oder so, aber ich weiß da viel nicht mehr.

  • Vielleicht hilft dir ja eine telefonische Beratung bei einem Rettungssanitäter, der sonst Kurse unterrichtet?


    Und die Anbindung an eine Logopädin, die sich mit dem Thema "füttern" weitergebildet hat, wird auch für Dich mehr Sicherheit geben.


    Und Du musst Dir zugestehen: wahrscheinlich leidest Du noch immer an den Folgen des Schocks.

    Und da nützt es wenig sich zu sagen "ich brauche ja keine Schuldgefühle haben".

    Das muss eben anders aufgearbeitet werden.

  • Meine Tochter hat bis sie 14 Monate alt war ausschließlich fein Püriertes gegessen, also mit Gabel klein drücken o.ä. ging auch nicht. Sie hat es dann auch einfach wieder ausgespuckt oder gewürgt. Brot o. ä. hat sie in den Mund genommen, gelutscht und wieder ausgespuckt. Als sie knapp 15 Monate war hat sie zum ersten Mal ein Stück Keks herunter geschluckt.

  • Ich finde das ehrlich gesagt überhaupt nicht schlimm, das das Baby nur Brei isst.

    Meine Eltern waren immer ganz irritiert von meinen Kindern, weil die in den ersten beiden Lebensjahren festere Nahrung bekamen; bei ihnen war es vollkommen üblich, dass "Babys" bis ca zwei Jahre nur Brei (und Suppen) essen, und dann fingen sie erst *langsam* an, mal Zwiebackstücke im Grießbrei aufzuweichen oder mal weiche Semmelstücke in der Brotsuppe zu lassen oder weiche Kartoffelwürfelchen im Rahmspinat.

    Meine Oma erzählte noch das Ammenmärchen: "Du darfst erst festeres Essen geben, wenn du abstillen willst, denn sie lernen sonst zu beißen und beißen in die Brust." #freu


    Ich würde mir vermutlich noch lange keinen Kopf machen. Manche Kinder fangen klein mit Fingerfood und Stücken an und andere essen eben länger Breichen. #weissnicht

    Hauptsache, es schmeckt.

    ... wartet auf: Impfung - Chip - Morgellon-Entwurmung.

  • Schlucksprechstunde haben wir hier keine so viel ich weiß. Logopädin suche ich noch, hier am Land gibt es nicht viel Auswahl.


    Ich hab mir auch schon gedacht, dass dieses ganze BLW mich zusätzlich so Durcheinander gebracht hat, weil alle nur noch davon reden. Das hat mich zusätzlich gestresst glaub ich.


    Es kommen halt meistens mehrere Punkte zusammen wenn ein Problem entsteht.


    Und ja, ich steh immer noch unter Schock, aber so ein traumatisches Erlebnisse aufarbeiten dauert leider ein bisschen. Besonders wenn man immer wieder panisch wird, wenn das Kind erneut würgt. Ein Teufelskreis.


    Telefonische Beratung vom Roten Kreuz wäre eine Idee, mal schauen was sich machen lässt.


    Und total interessant Ohnezahn, dass bei deinen Eltern es normal war so lange Brei zu geben. Das nimmt auch Druck raus.


    Eure Erfahrungen mit euren Kindern, die auch erst langsam zu Essen begonnen haben beruhigen mich :) danke!

  • Manche Kinder sind einfach auch sehr empfindlich, was das Mundgefühl angeht und würgen allgemein sehr leicht. Mag dein Kind denn unterschiedliche Sachen gerne essen? Also verschiedene Geschmäcker nur eben püriert? Ich habe hier zwei Kinder, die bei beiden Dingen SEHR empfindlich sind. (Eines meiner Kinder ist da anders, deswegen gehe ich jetzt mal davon aus, dass wir nichts falsch gemacht haben.) Beide sind sehr empfindlich, was die Konsistenz beim Essen angeht und ausgesprochene picky eater. Beide haben sehr lange fast ausschließlich gestillt bzw. nach kurzen Episoden, in denen sie sich für Essen interessiert haben, wieder fast ausschließlich gestillt. Frage nicht, wie lange ich das letzte Kind gestillt habe. #zwinker


    Das eine Kind würgt heute noch sehr leicht, auch in Situationen, die nichts direkt mit Essen zu tun haben, isst nur sehr (!) wenige Sachen, spürt Dinge beim Essen, die anderen nicht auffallen. Es würgt, wenn es sich aufregt. Das Kind isst Obst auch heute noch nur aus dem Babygläschen. Ausschließlich. Und ich feiere das schon, wenn er das mal macht. Das Kind ist schon 4.


    Ich will damit sagen, dass es einfach auch Kinder gibt, die in diesem Bereich (Mundgefühl, Geschmack etc.) sehr empfindlich sind, aber ansonsten völlig normal.

  • Ach, mir ist noch was anderes eingefallen.

    Der Sohn einer Freundin hatte auch ziemliche Startschwierigkeiten bei der Beikost, hat auch lange ausschließlich gestillt. Er hat sich auch oft verschluckt und gewürgt, egal, ob Brei oder stückig. Bei ihm wurde dann irgendwann festgestellt, dass er einfach sehr sensibel ist, was das Mundgefühl angeht. Inzwischen isst er ganz normal, aber es hat viel Geduld gebraucht und sie haben lange alles Mögliche ausprobiert. (Da kam dann allerdings auch noch dazu, dass er untergewichtig war, da kam zusätzlich noch der Stress dazu, dass er mehr essen soll).

    Sie haben den Tipp bekommen, dass sie allgemein Anregungen geben sollen für die motorische Entwicklung. Also Gleichgewicht trainieren, klettern, springen und so... Er durfte dann daheim viel auf Matratzen und anderen Untergründen spielen, krabbeln, klettern, balancieren und springen. Und wurde auf dem Spielplatz auch mal ein bisschen gefordert. Ich weiß nicht, ob das geholfen hat, aber vielleicht könnt ihr in der Richtung auch ein bisschen schauen, wo ihr Anregungen geben könnt. Schaden kann es nicht und wenn es nix bringt für's Essen, hat er zumindest Spaß. #zwinker

    Ansonsten fällt mir noch ein, die Mundmotorik vielleicht spielerisch zu trainieren, mit verschiedenen Strohhalmen, Trinkflaschen mit unterschiedichen Trinkaufsätzen. Wenn er ein bisschen größer ist, Eis schlecken lassen (oder zuckerfreies Eis selber machen), Spaghetti mit dem Mund "einsaugen" lassen, wenn er das schon kann und macht...

    Vielleicht ist was dabei, was für auch passt. Wenn nicht, einfach vergessen... ;)