Eisenmangel durch langes Stillen?

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Rabeneltern.org-Team
  • Hallöchen,


    Meine Tochter ist gerade ein Jahr und wird noch seeeehr viel gestillt. Brei kam nie gut an, feste Kost wird eher akzeptiert. Allerdings sind das keine großen Mengen und den Hauptanteil der Kalorien holt sie sich aus der Milch. Laut Kinderarzt ist sie prima entwickelt und fit. Auf mein Drängen wurde dann irgendwann mal Blut abgenommen, dabei stellte sich ein völlig normales Blutbild heraus, aber der Eisenspeicher (Ferritin) ist schon sehr erschöpft. Für unseren Kinderarzt ist das normal, ich habe jedoch gelesen, dass Eisenmangel zu mangelndem Appetit führen kann. Aber spricht man da schon von einem Mangel? #confusedKennt irgendjemand dieses Problem oder diese Konstellation?


    Liebe Grüße :)

  • Huhu!


    Ich kenne das Thema auch, habe auch nur ein Einzelmeinung unserer Kinderärztin. Ich wollte selbiges testen lassen, weil der Racker ebenfalls auffällig lieber bei mir trank als zu essen, wenn ich alle rundum betrachtete. Blick auf die Gewichts- und Wachstumskurve - alles gut, Kind angeguckt - agil? Ja, auch alles gut.

    Dann piekse sie nicht, darunter leide das Kind in dem Fall unnötig. Wahrscheinlich käme obendrein ein niedriger Eisenwert heraus, der in dem Alter üblich wäre und sich allein wieder ausgleicht - und plötzlich gebe man Ergänzungen, obwohl nicht nötig. Kinder mit Mangel seien erkennbar teilnahmsloser. So die Beratung.


    🤷🏻‍♀️Habe aber von Stillberatern andererseits auch immer gelesen, man solle doch testen. Und vielleicht regt es ja wirklich den Appetit an, wenn das Level niedrig ist. Die Meinungen gehen wohl auseinander.


    Unser Freund der ständigen Stillens hier fängt nun erst mit 22 Monaten an, wesentlich mehr zu essen, wo die Milch wegen 2. Schwangerschaft weniger zu werden scheint. (Schwer messbar, aber div. Anzeichen.) Wahrscheinlich ziehen die Kleinen aus der Milch wirklich so viel heraus, dass es vorher bei mangelndem Interesse einfach nicht nötig ist, mehr zu essen.


    Recht entspannend fand ich das Buch „Mein Kind will nicht essen“. Auch wenn es für das Alter zwischen 1 und 2 nicht mehr so viel hergibt wie für das 1. Jahr. Gibt es gebraucht gut über Kleinanzeigen, es muss auch nicht die allerneueste Auflage sein, denke ich.


    Ich hoffe, ihr findet einen guten Weg! Ich war zeitweise extrem unentspannt und rückblickend hätten wir an vielen Tagen gelassener sein können.

  • Vielen lieben Dank für deine Antwort. Ich denke so selten kommt das "Nicht-Essen" gar nicht vor. Ich habe das auch mit meiner Stillberaterin besprochen, sie meinte auch, dass es in dem Alter oftmals zum Eisenmangel kommt, da durch das vermehrte Wachstum mehr Eisen in das Gewebe eingebaut wird. Zudem lassen sich die Referenzwerte wohl nicht auf so kleine Kinder übertragen, weil sie einen angepassten Eisenstoffwechsel haben.


    Zum Abendessen hat sie dafür heute mal ganz gut gegessen, was hier absolut immer geht sind Tomaten und Schnittlauch.


    Ich mache mir da auch sehr viele Gedanken und mein Mann ist schon etwas genervt. Vermutlich müsste ich auch entspannter sein.

  • Hier eine kleine Dame von 10 Monaten, die sehr gerne von allem probiert was wir anbieten und auch vom Tisch "nascht", weil sie uns sonst vor Neugierde auf den Teller springen würde... aber immer nur max. die Menge von 2 Esslöffeln, ich glaube das ist längst nicht das, was man unter einer "Portion" in dem Alter verstehen würde. Gerade legt sie motorisch so richtig los und hat deswegen das Stillen gefühlt nochmal angekurbelt.


    Ich sehe das so: ich habe MEINE Ernährung und meine Blutwerte im Blick, tatsächlich hab ich letztens erst wieder danach schauen lassen und will auch jetzt im Sommer nochmal ein paar Werte nachsehen lassen.

    Bin ich also optimal versorgt, wird die Kleine über die Muttermilch auch optimal versorgt.

    "Optimal" wird die Natur schon zu definieren wissen, und zwar - so meine feste Überzeugung - sehr viel sachgerechter und differenzierter als eine widersprüchliche Studienlage, von der unser Kinderarzt eh nur das zitieren würde, was in sein Weltbild passt.

    Ich vertraue dem von der Evolution etablierten System, solange ich keine bedenklichen Beobachtungen mache (auffällige Wachstums-/Gewichtskurve, Teilnahmslosigkeit oder so).

    Pauschal würde ich das nur mit Pracht empfehlen, aber ich weiß, dass ich mir, meiner/unserer Beobachtungsgabe, meiner Ernährungs-/Lebensweise da vertrauen schenken kann und dass wir prinzipiell das Thema "Essen" hier sehr smooth, aber mit Begeisterung eingeführt haben und es nicht nötig ist, irgendwie Druck reinzubringen. Auch wenn mein Umfeld es zuweilen arg irritierend findet und ich da immer wieder von vorne anfangen muss mit argumentieren.

  • Nur kurz zur Portionengrösse, etwas OT: nach meinem ersten Kind, einem Scheunendrescher, habe ich eine sogenannte "Klein-Esserin" bekommen. So hat es die Elternberatung erklärt und mir ein Merkblatt für besorgte Eltern mitgegeben.

    Für ein Kleinkind in dem Alter sind zwei Esslöffel eine Portion! Du musst dir ja mal die Magengrösse vorstellen. Und Muttermilch "flutscht" quasi, festes Essen braucht ja richtig Verdauungsarbeit.

    Eine halbe zerdrückte Kartoffel und zwei Bissen Karotten kann eine Mahlzeit sein.


    Eisenmangel kann nicht übers Stillen ausgeglichen werden, da hat die Evolution etwas geschlampt. ;) Aber ich bin auch der Meinung, das ein gesundes Kind mit Entdeckerfreude schon zu essen anfängt. Nur halt nicht dann, wann die Breihersteller auf ihre Gläschen schreiben.


    Vor Ewigkeiten gab es hier im Forum mal eine Umfrage, wann die Rabenkinder "nennenswerte" Mengen zu essen anfingen. Das Durchschnittsalter war um die 10 Monate. Das hat mich damals sehr beeindruckt.


    Wenn es dich sehr stresst, kannst du ja zusätzlich versuchen, die Beikost sehr eisenhaltig zu gestalten: meine Kinder essen morgens immer Hirseporridge mit Apfelmark, das ist eine super Eisenquelle.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Nur kurz zur Portionengrösse, etwas OT: nach meinem ersten Kind, einem Scheunendrescher, habe ich eine sogenannte "Klein-Esserin" bekommen. So hat es die Elternberatung erklärt und mir ein Merkblatt für besorgte Eltern mitgegeben.

    Für ein Kleinkind in dem Alter sind zwei Esslöffel eine Portion! Du musst dir ja mal die Magengrösse vorstellen. Und Muttermilch "flutscht" quasi, festes Essen braucht ja richtig Verdauungsarbeit.

    Eine halbe zerdrückte Kartoffel und zwei Bissen Karotten kann eine Mahlzeit sein.

    #eek#eek

    Okay, danke!! Das war mir so nicht bewusst bzw ich hab das garnicht näher reflektiert, zwei EL sind einfach so wenig... aber ich bin selbst ja kein "Normal-Esser" (mit mir Essen gehen ist ne traurige Sache, eine normale Portionsgröße in der Gastronomie ist für mich höchstens halbverhungert zu schaffen, mein Mann ist daher davon überzeugt, dass ich für seine "Rundungen" verantwortlich bin:P).


    Auf Mahlzeiten mit Eisenquelle +Vitamin C achte ich, das sind auch tatsächlich Sachen die sie scheinbar lecker findet (vielleicht kein Zufall, da hat die Natur vielleicht ein Backup für ihre Schlamperei...)


    Was mir noch einfällt und mir auch hilft: Man muss ja nicht ALLE Nährstoffe jeden Tag in der optimalen Menge zu sich nehmen, ich für mich als Erwachsene schaue, dass es so ca über den Zeitraum einer Woche irgendwie "passt" und alles mal dabei war. Also ich ein schlecht-gegessen-Tag beim Baby auch nicht schlimm denke ich.

  • Gerade Kinder haben auch ein recht gutes Gefühl, was gerade ansteht. Als mein Sohn nach einer Woche nackte Nudeln zum Abendessen einen Teller Tomatensauce ohne alles verputzt hat, habe ich das dann auch geglaubt ;)


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich unterschreibe ganz faul bei Talpa und ergänze um mein eigenes Beispiel. Mein zweites Stillkind, aktuell 20 Monate alt hat zum ersten Geburtstag noch überhaupt keine nennenswerten Mengen fester Nahrung selbst gegessen. Brei kam gar nicht an. Und auch im Frühjahr nach Abschluss der Eingewöhnung haben wir aus der Kita anfangs immer die Rückmeldung bekommen, dass das Essen meist stehen bleibt.

    Ich habe mir da einfach keine Sorgen gemacht, weil ich wirklich noch viel gestillt habe... Vor allem nachts und immer denke, sie holt sich da, was sie braucht und Gewicht, Aussehen, Verhalten, ist nicht auffällig.


    Dabei war sie durchaus in der Lage, festes zu Essen. Es gab immer mal wieder einzelne Mahlzeiten, die sie dann so richtig verschlungen hat. Und das war jedes Mal: kräftige Gemüsesuppe, Linseneintopf, Spinat pur, Haferflocken (aber bitte trocken ohne Milch, damit es ja kein Brei wird).

    Und seit dem glaube ich noch viel mehr als vorher: das mit dem Essen läuft, wenn man es lässt.


    Edit: damit wollte ich sagen, dass das Kind, wenn es die Wahl hat, vor allem eisenhaltiges zu bevorzugen scheint. Bis heute probiere ich viel aus, was in Kleinkind Mengen vor ihrer Nase steht und sie einfach zugreifen kann. Und die ausgewählten "Hau-rein" Nahrungsmittel waren dann so auffällig, dass es mich regelrecht ansprang.

  • Ich kenne die Empfehlung, dass man ab 4 Monaten vollgestillten Kindern Eisen geben sollte abhängig vom Gewicht des kindes. Bis dahin ist Eisenmangel selten, aber anschließend nimmt das stark zu (ich erinnere mich an 25% um die 6 Monate) - wenn nicht substituiert wird.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Hier auch ein topgesunder mal Vielgestillter und extremer Phasenesser...wir hatten zwischen 10Monaten und 2 ein Kind was mal täglich 5-7 Bananen essen konnte und dann wieder fast ausschließlich gestillt hat.

    Ich habe mal in einer Studie gelesen, dass zwar das Eisen in der Muttermilch abnimmt aber im Gegensatz zum tierischen aus der Beikost deutlich effektiver resorbiert wird.

    Was die Essensmenge angeht ist es hilfreich sich das proportional umzurechnen...halbe Banane=Unterarm...Esslöffel=Handtellergrösse...:D

  • Ich kenne die Empfehlung, dass man ab 4 Monaten vollgestillten Kindern Eisen geben sollte abhängig vom Gewicht des kindes. Bis dahin ist Eisenmangel selten, aber anschließend nimmt das stark zu (ich erinnere mich an 25% um die 6 Monate) - wenn nicht substituiert wird.


    Das wird in deutschsprachigen Ländern meines Wissens für Termin gerecht geborene Kinder nicht generell empfohlen.


    Aus Neugierde: USA oder Frankreich, oder...?


    Ich kenne, dass die Muttermilch zwar weniger Eisen enthält, dieses aber für das Baby optimal aufzunehmen ist. Die Eisenspeicher des Babies hängen, neben der Ernährung, einen guten Teil von Schwangerschaft und Geburt ab. Hatte die

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Sorry, zu früh abgeschickt und Edit geht nicht mehr:



    Zitat

    Ich kenne die Empfehlung, dass man ab 4 Monaten vollgestillten Kindern Eisen geben sollte abhängig vom Gewicht des kindes. Bis dahin ist Eisenmangel selten, aber anschließend nimmt das stark zu (ich erinnere mich an 25% um die 6 Monate) - wenn nicht substituiert wird.


    Das wird in deutschsprachigen Ländern meines Wissens für Termin gerecht geborene Kinder nicht generell empfohlen. Die Zahl von 25% ist in Europa nicht korrekt, von still-lexikon: "Eisenmangelanämie kommt in Europa bei weniger als 2% der Babys in den ersten 6 Monaten, bei 2–3% im Alter von 6–9 Monaten und bei 3–9% im Alter von 1–3 Jahren vor.""


    Hier der ganze Artikel dazu:

    https://www.still-lexikon.de/s…elanaemie-nach-6-monaten/



    Der Artikel beleuchtet auch, inwiefern Eisenreiche Beikost sinnvoll ist, insbesondere ab 9-12 Monaten. Dazu wird auch noch erklärt, welche Faktoren den Eisenstatus des Neugeborenen beeinflussen. Ein sehr wichtiger Faktor ist hier z.B. das "späte" Abnabeln und Ausbluten lassen der Nabelschnur. Dazu aus dem deutschen Ärzteblatt: "Vier Monate nach der Entbindung gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied in den Hämoglobinkonzentrationen zwischen beiden Gruppen. Aber Kinder mit später Nabelschnurdurchtrennung hatten eine um durchschnittlich 45 % höhere Ferritinkonzentration (117 µg vs. 81 µg/Liter Blut; p < 0,001) und seltener Eisenmangel (0,6 vs. 5,7 %; p = 0,01)"


    Sorry, vielleicht etwas OT insgesamt.


    Neben der schon genannten Hirse sind natürlich auch Eier oder rotes Fleisch recht eisenreich. Gleichzeitiges Essen von Milchprodukten hemmt die Eisenaufnahme, besonders pflanzlichen Eisens stark. Gleichzeitiges Essen von Vitamin C fördert die Aufnahme.

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Nimmt das Kind denn ordentlich zu wäre da meine erste Frage?

    Mein Großer hatte mit reichlich einem Jahr Untergewicht und Eisenmangel. Da wurde damals näher nachgeschaut und auch substituiert.

  • Nollaun USA. Dort wird auch jährlich der eisenspiegel bestimmt. Eisenmangel hat ja auch die Folge, dass die Aufnahme von Schwermetallen vereinfacht wird. Und es gibt in den USA nachwievor viele Wohnungen und Häuser mit bleifarbe an den Wänden oder Trinkwasser mit Blei Leitungen.


    So ist es in Europa wohl nur ein eisenMangel, aber nicht gleichzeitig noch eine bleivergiftung.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • Nollaun USA. Dort wird auch jährlich der eisenspiegel bestimmt. Eisenmangel hat ja auch die Folge, dass die Aufnahme von Schwermetallen vereinfacht wird. Und es gibt in den USA nachwievor viele Wohnungen und Häuser mit bleifarbe an den Wänden oder Trinkwasser mit Blei Leitungen.


    So ist es in Europa wohl nur ein eisenMangel, aber nicht gleichzeitig noch eine bleivergiftung.

    Dank Dir!


    Die 25% Eisenmangel vs. 2-3% finde ich ja trotzdem krass.

    Meist mobil im Forum. Bitte um Entschuldigung für Kürze und Tippfehler.

  • Wir hatten das Problem, dass das Kind irgendwie recht viel Brei gegessen hatte, vom einen Tag auf den anderen dann gar keinen Brei mehr. Und auch sonst recht wenig. Dafür hat er immer sehr ordentlich an der Brust getrunken.


    Irgendwann (ich glaube mit 12-14 Monaten) wurde dann ein starker Eisenmangel festgestellt, als er im Krankenhaus war. Dann haben wir täglich Ferro Sanol gegeben, um die Eisenspeicher wieder zu füllen. Mittlerweile isst er auch einigermaßen ok.


    Was uns nicht bewusst war: Sehr starker Eisenmangel kann zu Appetitlosigkeit führen. Wir haben das schlechte Essen einfach immer darauf geschoben, dass das Kind voll gestillt wird oder noch keine Lust auf feste Nahrung / brei mehr hatte und ihm immer Essen angeboten, auch wenn er es meistens verschmäht hatte. Ich vermute aber, dass bei der Appetitlosigkeit ddas mangelnde Eisen da auch mit reingespielt hat.